PTAB-2,5-1,5
Sowjetische Fliegerbombe
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PTAB-2,5-1,5 (russisch ПТАБ; Противотанковая Авиабомба Panzerabwehr-Fliegerbombe) war eine sowjetische Hohlladungs-Streumunition, die während des Zweiten Weltkriegs zur Panzerbekämpfung eingesetzt wurde.
| PTAB-2,5-1,5 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | PTAB-2,5-1,5 |
| Typ: | Fliegerbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | ZKB-22 |
| Indienststellung: | 1943 |
| Einsatzzeit: | 1950er-Jahre |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 1,37 kg (ohne Zünder) |
| Länge: | 0,355–0,361 m |
| Durchmesser: | 66 mm |
| Spannweite: | 85 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 0,62 kg TGA-16 |
| Zünder: | AD-A-Aufschlagzünder |
| Waffenplattformen: | Schlachtflugzeug, Bomber |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Zu Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges erwiesen sich die zur Panzerbekämpfung vorgesehenen AO-Splitterbomben und OFAB-Splitter-Sprengbomben der Luftstreitkräfte der Sowjetunion als wenig effektiv. Auch bei einem Nahtreffer vermochten die Splitter dieser Bomben nicht die Panzerung deutscher Kampfpanzer zu durchschlagen. Ab August 1941 arbeitete man in einer speziell gegründeten Kommission in verschiedene Richtungen, um das Problem zu lösen. Neben der Entwicklung von kleinen Brandbomben sowie 50-kg-Splitterbomben, schlug der Konstrukteur I. A. Larionow vom Zentralen Konstruktionsbüro Nr. 22 (ZKB-22) vor, für die Panzerbekämpfung kleine Hohlladungs-Bomben zu entwickeln. Daraufhin wurden den Konstruktionsbüros GSKB-47, ZKB-22 und SKB-35 verschiedene Modelle kleiner Hohlladungsbomben in Auftrag gegeben. Ab 1942 testeten die Luftstreitkräfte der Sowjetunion zehn verschiedene dieser Hohlladungsbomben. Dabei erwies sich die 10-kg-Hohlladungsbombe vom ZKB-22 als am erfolgversprechendsten. Nach weiteren Tests schlug die Kommission vor, das Gewicht dieser Bombe auf 2,5 kg zu verringern. Zwischen Dezember 1942 und April 1943 wurde diese nun PTAB-10-2,5 bezeichnete Kleinbombe entwickelt und getestet. Diese Kleinbombe hatte aber eine große Streuung und tendierte beim Aufschlag zum Abprallen. Weiter war sie wenig zuverlässig und die Durchschlagskraft betrug lediglich 60 mm Stahl. Daraufhin änderte Larionow den Entwurf, woraus eine 1,5 kg schwere Hohlladungsbombe entstand. Im Januar 1943 erhielt diese Bombe die offizielle Bezeichnung PTAB-2,5-1,5 sowie den Luftwaffenindex 7-T-118. Auf persönlichen Befehl Stalins, der die ersten Testergebnisse kannte, ordnete das Staatliche Verteidigungskomitee der UdSSR, noch vor dem Ende der abschließenden Tests die Massenproduktion an. Volkskommissar B. L. Wannikow erhielt den Auftrag, bis zum 15. Mai 1943 mindestens 800.000 PTAB-2,5-1,5 herzustellen. Über 150 Betriebe führten diesen Auftrag aus. Der erste Gefechtseinsatz der PTAB-2,5-1,5 erfolgte im Juli desselben Jahres. Nach den ersten Einsätzen wurde der Entwurf mehrfach minimal angepasst und auch die Zuverlässigkeit verbessert. 1943 produzierte die sowjetische Industrie 5.954.668 PTAB-2,5-1,5-Bomben und 1944 stieg die Produktion auf 6.753.628 Stück. Insgesamt wurden während des Krieges 14.615.916 PTAB-2,5-1,5-Bomben hergestellt. Auch das Modell PTAB-10-2,5 wurde weiterentwickelt und rund 100.000 dieser Bomben kamen während des Zweiten Weltkriegs zum Einsatz. Für die Entwicklung der PTAB-Bomben wurde der Konstrukteur I. A. Larionow im Januar 1944 mit dem Leninorden und 1946 mit dem Staatspreis der UdSSR ausgezeichnet.[1][2][3][4]
Nach dem Krieg verblieb die PTAB-2,5-1,5 bis in die 1950er-Jahre im Arsenal der Sowjetunion und wurde dann ausgesondert. Während des Kalten Krieges entstanden die Hohlladungs-Streumunitionen PTAB-2,5, PTAB-2,5M sowie PTAB-1M mit ähnlicher Funktionsweise.[5][6]
Technik
Die PTAB-2,5-1,5 war eine Hohlladungs-Streumunition, die aus Abwurfbehältern zur Panzerbekämpfung eingesetzt wurde. Von der Streumunition entstanden drei Modelle, die sich minimal unterschieden: Das Ursprungsmodell aus dem Jahr 1943 mit der Zeichnungsnummer 3-01217, das zweite Modell aus dem Jahr 1943 mit Zeichnungsnummer 3-01278 sowie das finale Modell aus dem Jahr 1944 mit der Zeichnungsnummer 3-01548.[7]
Die PTAB-2,5-1,5 hatte einen zylinderförmigen Bombenkörper mit einer halbkugelförmigen Bombenspitze. Die dünnwandige Bombenhülle bestand aus gefalzten Blechen mit einer Wanddicke von 0,6 mm. Außen am Bombenkörper war eine Ummantelung aus 1,2 mm dickem Walzstahl für die Splitterbildung aufgepresst. Hinten im Bombenkörper war der hochempfindliche, mechanische AD-A-Aufschlagzünder eingeschraubt. Unter dem Zünder war in einer Vertiefung zusätzlich eine Verstärkerladung aus gepresstem Tetryl geladen. Am AD-A-Zünder war eine Windradentsicherung mit quadratischen Propellerblättern angebracht. Hinten am Bombenkörper war das hohle Heckteil aus gestanzten Blechen aufgesetzt. An diesem waren vier Stabilisierungsflügel (Heckflossen) angebracht. Im Bombenkörper war die Hohlladung untergebracht. Vorne befand sich die Einlage bzw. Auskleidung (englisch Liner) aus Stahl und dahinter war 0,62 kg TGA-16-Sprengstoff eingegossen. TGA-16 ist eine Mischung aus TNT, RDX und Aluminiumpulver. Die Hohlladung konnte bei einem Auftreffwinkel von 90° rund 100 mm Panzerstahl durchschlagen. Bei einem Auftreffwinkel von 30° betrug die Durchschlagskraft noch 60 mm Panzerstahl. Bei der Bombenzündung wurde die Ummantelung in Splitter zerlegt, die gegen lebende Ziele wirkten.[1][3][7][6]
Die PTAB-2,5-1,5-Bomben wurden nicht einzeln, sondern massenweise aus Abwurfbehältern (Bombenkassetten) abgeworfen. Für die Schlachtflugzeuge und Bomber der Luftstreitkräfte der Sowjetunion wurde verschiedene individuelle Abwurfbehälter entwickelt:[2][5]
| Flugzeugtyp | Abwurfbehälter | Anzahl Behälter pro Flugzeug | Anzahl PTAB-2,5-1,5 pro Behälter | Anzahl PTAB-2,5-1,5 pro Flugzeug |
|---|---|---|---|---|
| Iljuschin Il-2 | KMB | 4 | 68 | 272 |
| Polikarpow Po-2 | KMB | 4 | 33 | 132 |
| Petljakow Pe-2 | KMB | 2 | 33 | 96 |
| Petljakow Pe-2 | ABK-P-500 | 2 | 86 | 172 |
| Tupolew Tu-2 | ABK-P-500 | 2 | 86 | 172 |
| Iljuschin Il-4 | ABK-P-500 | 3 | 86 | 258 |
| Iljuschin Il-4 | ABK-3 | 2 | 80 | 160 |
| versch. Kampfflugzeuge | BAS-1 | - | 22 | - |
Einsatz
Die PTAB-2,5-1,5 wurde erstmals am 5. Juli 1943 während der Schlacht um Kursk eingesetzt. An diesem Tag soll es der 291. Sturmfliegerdivision in der Nähe von Woronesch gelungen sein, 30 deutsche Panzer mit diesem Bombenmodell zu zerstören. Bei weiteren Einsätzen in der Schlacht im Kursker Bogen wurden am 15. Juli 1943 bei einem Angriff von 4 Iljuschin Il-2 auf 25 Panzer 7 der Panzer zerstört und 4 beschädigt. Am 16. Juli 1943 zerstörten 23 Iljuschin Il-2 mit der PTAB 17 Panzer und weitere 40 Fahrzeuge.[3][7][8]
Eine Iljuschin Il-2 konnte an den Außenlaststationen der Tragflächen vier KMB-Abwurfbehälter transportieren. Beim gleichzeitigen Abwurf aller 272 Bomben wurden praktisch alle Fahrzeuge in einem Bereich von 15 × 70 m getroffen. In der Regel reichte ein einzelner Treffer einer PTAB-2,5-1,5 aus, um einen Panzer zumindest vorübergehend außer Gefecht zu setzen. Um einen Panzer dauerhaft außer Gefecht zu setzen bzw. zu zerstören war ein Treffer im Kampfraum, Munitionsraum, Motor oder Treibstofftank nötig.[7][9]
Die deutsche Seite reagierte auf die neue Waffe mit einer Auflockerung der Panzerformationen.[10] Auch fuhren die Panzer unter Bäume oder die Panzerkolonnen zerstreuten sich in Wälder, da die PTAB-2,5-1,5-Bomben bereits bei der Berührung mit kleinen Ästen explodierten.[7]
Am 5. März 1944 gab Hitler den Einsatz des deutschen Gegenstücks SD 4 HL frei, nachdem sie zurückgehalten worden war, um den Gegner nicht auf die Möglichkeit einer wirksamen Panzerbekämpfung aus der Luft aufmerksam zu machen.[11]