Palazzo Falconieri

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Der Palazzo Falconieri ist ein Palazzo, der in seiner heutigen Form auf den italienischen Architekten Francesco Borromini zurückgeht. Er liegt an der Via Giulia in Rom.[1] Seit 1927 befindet sich die Ungarische Akademie von Rom in dem Palazzo.[2][3]

Schnelle Fakten Daten, Besonderheiten ...
Palazzo Falconieri
Palazzo Falconieri vom Innenhof aus gesehen (2011)

Palazzo Falconieri vom Innenhof aus gesehen (2011)

Daten
Ort Rom
Architekt Francesco Borromini
Bauherr Giuliano Ceci, Adelsgeschlecht Falconieri
Baustil Renaissance, Barock
Baujahr ab 1515, 1645 – 1646
Besonderheiten
Sitz der Ungarischen Akademie von Rom
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Geschichte

Der Palazzo wurde 1515 vom römischen Adelsgeschlecht Ceci errichtet, dem auch der Kardinal Pomponio Ceci angehörte. Genauer gesagt durch Giuliano Ceci. Der Bau erfolgte als Teil der repräsentativen Neubebauung der Via Giulia durch Papst Leo X. Der Grundstücksvertrag für das erste Grundstück wurde am 12. Mai 1515 unterzeichnet. Für den Bau wurden drei Grundstücke zusammengelegt, die bis 1528 erworben worden waren. 1535 war der Bau schon mindestens bis zur Traufe fortgeschritten.

1574 ging der Palazzo in den Besitz der Adelsfamilie Odescalchi. Die Familie Odescalchi ließ die Travertin-Gesimse und die Pilaster im Innenhof vollenden.

1606 kaufte das Adelsgeschlecht Farnese den Palazzo. 1838 wurde der Palast an das Adelsgeschlecht Falconieri veräußert, die dem Palast ihren heutigen Namen gaben. Francesco Borromini wurde 1645 bis 1646 somit lediglich mit der Renovierung des vorhandenen Palazzos beauftragt, der seit dem Bau immer wieder umgestalten worden war. Borromini hatte zuvor bereits die Villa Falconieri umgestaltet. Von 1815 bis 1818 wohnte Letizia Ramolino, die Mutter Napoleon Bonapartes, in dem Palazzo, und ab 1814 auch ihr Bruder Kardinal Joseph Fesch. 1896 wurde die Raumaufteilung im Inneren erheblich verändert, wobei auch die Haupttreppe verlegt wurde, und der Innenhof um Freitreppe und Brunnen erweitert.[1] Nach Nordwesten hin wurde zudem von 1897 bis 1900 ein freistehendes Nebengebäude errichtet.[2][3]

Beschreibung

Palazzo Falconieri von der Via Giulia (2018)

Der dreistöckige Palazzo hat eine Länge von fast 50 Metern und besteht aus einer Fassade mit elf Fensterachsen zur Via Giulia und einem dreiflügligen Hof zu dem Tiber hin. Im Nordwesten besitzt es außerdem einen weiteren Innenhof. Zudem besitzt er ein Belvedere mit drei Fensterachsen auf dem Dach. Dieses ist nach Süden hin mit dem Treppenhaus verbunden. Die Arkaden des Erdgeschosses waren ursprünglich auf allen Seiten des Hofes geöffnet, wurden aber an den beiden Seitenflügeln zugemauert und in jeden zweiten Bogen wurde eine schmale Nische eingebaut. Die Pilaster des zweiten Obergeschosses gestaltete er in der Ionischen Ordnung, während die Säulen des Belvederes der Korinthischen Ordnung angehören. Die Kämpfer des linken Hauptportals weisen Ähnlichkeiten mit denen Bramantes auf. Diese Zuschreibung ist jedoch umstritten. Der Balkon über dem Hauptportal mit den Konsolen wurde wahrscheinlich erst später hinzugefügt.[1] Richtung Nordwesten besitzt es zudem einen kleinen Turm.

Der Palazzo befindet sich direkt neben der Kirche Santa Maria dell’Orazione e Morte. Die Hofseite grenzt direkt an den Tiber an.

Das linke Erdgeschossfenster auf der Straßenseite soll vom allerersten Bauabschnitt im Jahr 1515 stammen, da es sich von den anderen Fenstern bezüglich der Form unterscheidet. Es ist, im Gegensatz zu den anderen Fenstern mit geradem Sturz, als Rundbogenfenster ausgeführt. Hinter den Erdgeschosszimmern links und unmittelbar rechts des Eingangs sind zudem mehrere Gewölbe erhalten, die sich von denen der später hinzugekauften Grundstücke unterscheiden. Der Haupteingang befand sich vermutlich ursprünglich eine Fensterachse weiter links und wurde nach dem Kauf der angrenzenden Grundstücke verlegt. Im Raum hinter dem ursprünglichen Eingang befindet sich ein Tonnengewölbe.[1]

In den ältesten Räumen links des Haupteingangs befand sich ursprünglich die Gästewohnung. In diesen Zimmern befinden sich heute abgehängte Decken, die die ursprünglichen Gewölbe verdecken. Die Haupttreppe aus dem 16. Jahrhundert wurde im Jahr 1896 durch eine im Stil der Neorenaissance ersetzt. Auf der anderen Seite verläuft heute parallel zur Via Giulia ein langer Korridor mit Mosaikfußboden, der im 19. Jahrhundert, im Zuge des Umbaus im Inneren, angelegt wurde. Der Marmor der Portale, die von Borromini stammen, stammt aus Seravezza. Bei der Neuordnung des Innenraums im 19. Jahrhundert wurden mehrere Portale versetzt und weitere ergänzt. 1877 wurde in der ehemaligen Kapelle des Palazzo Antonio Pellegrini von Vincenzo Gioacchino Pecci, dem späteren Papst Leo XIII., zum Kardinaldiakon geweiht. Zu den bedeutendsten Räumen des Palazzo gehören vier Räume im Erdgeschoss, die von 1646 bis 1647 durch Borromini mit eingewölbt wurden. Die Räume im Obergeschoss sind hingegen weitaus weniger aufwendig gestaltet als die Räume im Untergeschoss.[2][3]

Blick in den Innenhof des Palazzo Falconieri (2019)

Von Borromini stammt vor allem die Umgestaltung des Innenhofes mit dem Belvedere. Um letzteres tragen zu können, verstärkte er zudem das Mauerwerk durch eine weitere Säulenreihe. Die Bögen des Belvederes orientieren sich an denen der ebenfalls in drei Fensterachsen gegliederten Loggia des benachbarten Palazzo Farnese.[2][3] Die Gliederung der Hoffassaden in drei Arkadenbögen übernahm er jedoch und führte diese auf den anderen Seiten des Hofs fort. Die Hauptfassade erweiterte er zudem um drei Fensterachsen nach Nordwesten und schuf ein weiteres Eingangsportal, das jedoch heute zugemauert ist. Borromini zeigte sich außerdem für die Gestaltung der Gewölbe im Erdgeschoss verantwortlich.[1]

Überall an dem Gebäude befindet sich das Motiv des Falken, dem Wappentier der Falconieri. So zum Beispiel auf den Pilastern beidseitig der Fassade und an dem von Borromini hinzugefügten Portal. Zudem finden sich Adler und Löwe, die Wappentiere der Odescalchi, an dem Gebäude. In den Innenhöfen befinden sich mehrere antike Plastiken, darunter ein Reiter und eine römische Grabstele, sowie mehrere moderne Skulpturen.

Das Eisentor auf der Hofseite stammt zusammen mit der geschwungenen Freitreppe und dem Brunnen aus dem Jahr 1896. Die Delfinfiguren des Brunnens stammen jedoch vermutlich von einem älteren Brunnen. Die Fassade des historistischen Nebengebäudes mit ihren Ionischen Säulen orientiert sich an der des Innenhofes. Das Gebäude wurde von 1928 bis 1930 aufgrund seiner neuen Bestimmung als Teil der Ungarischen Akademie von Rom umgestaltet. Die Fassade weist mehrere Krähen auf, das Wappen von Matthias Corvinus, der im 15. Jahrhundert italienische Künstler und Gelehrte nach Ungarn holte.[2][3]

Literatur

  • Gábor Hajnóczi, L. Csorba (Hrsg.): Il Palazzo Falconieri e il palazzo barocco a Roma. Rubbettino Editore, Rom 1995, ISBN 978-88-498-0852-0.
  • Giorgio Carpaneto: I palazzi di Roma, Roma, Newton & Compton, 2004, ISBN 88-541-0207-5.
Commons: Palazzo Falconieri (Rome) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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