Pantherbande

kriminelle Bande von Jugendlichen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Pantherbande war eine kriminelle Bande von Jugendlichen, die in der Nachkriegszeit der 1940er- und 1950er-Jahre in München tätig war.

Die fünf Mitglieder lernten sich 1943 kennen, als sie während des Zweiten Weltkriegs an einer Kinderlandverschickung in Aindling teilnahmen.[1] Sie waren Schüler des Luisengymnasiums in München.[1] Ihre Zeit verbrachten sie noch unter dem Namen Pantherbund mit Indianerspielen, also zum Beispiel Übungen im Anschleichen und Fährtenlesen.[1] Ihr Anführer wurde nach kurzer Zeit der als sehr guter Schüler geltende Hugo Werner (* 1930).[1]

Nachdem sein Vater im Jahr 1944 bei einem Luftangriff getötet worden war, erlebte Hugo Werner eine Wesensänderung hin zu einem autoritären Einzelgänger.[1] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann die Gruppe unter Hugo Werners Führung mit ersten Straftaten, nämlich Diebstählen, Einbrüchen und Hehlerei.[1] Am Abend des 23. November 1946 verübte die Gruppe zusammen mit dem Komplizen Albrecht Sticht einen mit einer Pistole bewaffneten Raubüberfall auf eine Tankstelle in der Brienner Straße.[1] Dabei wurde ein Mitglied der Gruppe vom Nachtwächter der Tankstelle überwältigt und der Polizei übergeben.[1] Hugo Werner wurde bei einer späteren Rückkehr zum Tatort von Albrecht Sticht (nach einer anderen Quelle: von einem nicht genannten Mitglied der Bande) versehentlich angeschossen.[1][2] In derselben Nacht erschoss ein Mitglied der Gruppe auf Anweisung Hugo Werners Sticht in einer Ruine am Habsburgerplatz in Schwabing.[1] Später in dieser Nacht wurde die Gruppe von der Polizei verhaftet und wegen der begangenen Eigentumsdelikte zu einer etwa zweijährigen Jugendstrafe in der Justizvollzugsanstalt Niederschönenfeld verurteilt; die Leiche Albrecht Stichts war in der Ruine nicht gefunden worden.[1]

Nach Entlassung aus der Haft fand sich die Bande mit dem Ziel eines bewaffneten Lebens in der Illegalität wieder zusammen.[1] Am 13. August 1949 ermordete die Gruppe ihr früheres Mitglied Alois (nach einer anderen Quelle Martin)[3] Lechhart, dem man nach seinem Ausstieg Verrat vorwarf, nachdem man ihn unter dem Vorwand eines Treffens in die Isarauen bei Großlappen gelockt hatte.[1]

Im Laufe des Jahres 1951 verübte die Bande mehrere Raubüberfälle, unter anderem auf einen Zigarrenladen in Schwabing, auf einen Geldboten des Hauptzollamts an der Schwanthalerhöhe sowie am selben Tag auf zwei Villen in Geiselgasteig und Harlaching, bei denen mehrere Menschen durch Schüsse verletzt wurden und bei dem Überfall in Harlaching eine Person getötet wurde.[1]

Zur Verhaftung der inzwischen acht Mitglieder der Bande führte der versuchte Suizid des Mitglieds Erich Reutner, der sich am 19. Oktober 1951 im Augusten-Kino in Augsburg erschießen wollte.[1] Die polizeiliche Untersuchung zeigte, dass die verwendete Waffe auch am 14. Oktober 1951 beim Mord in der Villa in Harlaching verwendet wurde, woraufhin Reutner die Bande verriet.[1] Weitere Mitglieder waren neben Werner der 23-jährige Hermann Kluge und der 21-jährige Richard Schaider.[4]

Hugo Werner wurde am 23. Mai 1953 vom Landgericht München I unter anderem wegen dreifachen Mordes zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt.[3] Im Jahr 1971 begnadigte ihn der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel.[3] In der Haft in der Justizvollzugsanstalt Straubing absolvierte er eine Ausbildung zum Buchdrucker und legte die Prüfung zur Fachhochschulreife nach einer Fernausbildung im Telekolleg als jahresbester Abiturient Bayerns ab.[2]

Einzelnachweise

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