Perlbauchspecht
Art der Gattung Veniliornis
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Der Perlbauchspecht (Veniliornis spilogaster, Syn.: Dryobates spilogaster, Dendrobates gutatus) ist eine Vogelart aus der Familie der Spechte (Picidae), die im südöstlichen Brasilien, dem östlichen Paraguay, dem nordöstlichen Argentinien und in Uruguay vorkommt. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art gilt als monotypisch.[1]
| Perlbauchspecht | ||||||||||||
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Perlbauchspecht (Veniliornis spilogaster) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Veniliornis spilogaster | ||||||||||||
| (Wagler, 1827) |
Merkmale
Die Perlbauchspecht erreicht bei einem Gewicht von ca. 35,0 bis 45,0 Gramm eine Körperlänge von etwa 16,0 bis 19,5 cm. Das Männchen hat einen gelbbraunen bis olivfarbenen vorderen Oberkopf, einen schwarzbraunen Oberkopf, der im frischen Zustand sehr schmal dunkelrot gestreift ist und schlichter im abgenutzten Gefieder wirkt, sowie einen olivgrünen Hinterhals. Die bräunliche Ohrdecken haben weiße Muster und sind oben durch einen dünnem weißen Überaugenstreif und unten von einem dünnem weißen Bartstreif gesäumt. Das blasse Kinn und die blasse Seite des Halses sind dunkel olivbraun gestreift. Die olivgrüne Oberseite hat hell gelbliche bis weiße Federrändern, die zu einer Streifenbildung führen. Diese werden manchmal am Bürzel zu einem Flecken. Die dunkel olivfarbenen Flügeldecken haben weißliche Spitzen, die dunkelbraunen Schwungfedern sind weißlich gebändert. Der Oberschwanz ist dunkelbraun und schmal cremefarben gebändert. Die dunkel olivfarbene Unterseite ist an der Kehle stark gelblich weiß gestreift, an der Brust gebänderte oder gefleckte und im hinteren Bereich stark gebändert. Die Unterflügel sind braun und weiß gebändert. Er hat einen eher kurzen bis länglichen geraden Schnabel, der breiter über den Nasenlöchern wird. Dieser ist schwärzlich grau mit blasser Basis. Am Unterschnabel ist die Basis oft gelblich. Die Iris ist tief kastanienbraun, die Beine olivfarben oder olivgrau. Es besteht ein kleiner Geschlechtsdimorphismus. So ist der Schnabel des Weibchens deutlich kürzer als der des Männchens und der olivbraune Oberkopf weist feine weiße Flecken auf. Jungtiere ähneln ausgewachsenen Vögeln, doch sind die Binden im oberen Bereich weniger deutlich und regelmäßig ausgeprägt.[2]
Lautäußerungen
Die Perlbauchspecht gibt in leichter Alarmbereitschaft einzelne pik-Töne von sich. Außerdem gehört eine Vielfalt anderer charakteristischer Rufe wie beispielsweise ein schrilles tschiikit, ti-rra-rra, reh-reh-reh-reh und ähnliche Laute oder tschiikit sche sche sche sche sche sche zu seinem Repertoire. Das Gezwitscher der Nestlinge ist variabel, hoch und fast pfeifend. Er gibt zwei bis vier sanftes Klopfsignale von sich, die von Pausen und einzelnen Klopfgeräuschen begleitet werden.[2]
Fortpflanzung
Vermutlich brütet der Perlbauchspecht von Juli bis Dezember. Die Nestlöcher wurden tief im Inneren entdeckt, einmal in 2,2 Meter Tiefe, in einen Stumpf gehackt, wobei die Kammer den größten Teil des Kernholzes einnahm. Es wird von Paarung im Juli und der Fütterung der Küken im Dezember berichtet. Über die Anzahl der Eier pro Gelege, die Bebrütung oder die Zeit bis die Nestlinge flügge werden liegen bisher keine Forschungsergebnisse vor.[2]
Verhalten und Ernährung
Der Perlbauchspecht ernährt sich von Käferlarven und andere Insekten. Ebenso gehören Beeren zu seiner Nahrung. Beobachtungen gibt es beim Fressen an Baumstämmen, an jungen Bäumen und an Zaunpfählen. Dabei hämmert er kräftig, um die Rinde auszuhöhlen. Immer wieder wurde er dabei beobachtet, wie er auch Beeren herunterpflückte.[2]
Verbreitung und Lebensraum

Der Perlbauchspecht bewohnt verschiedene Arten von Wäldern und Gehölzen, von feuchten Tieflandwäldern, Auwäldern und isolierten Waldstücken bis hin zu offenen und sehr offenen Wäldern und offenen Parklandschaften mit niedrigen und dornigen Bäumen. Er ist über den Südosten Brasiliens im Süden des südöstlichen Goiás und Minas Gerais über das angrenzende südöstliche Gebiet Paraguays dem nordöstlichen Argentinien in der Provinz Misiones, dem östlichen Provinz Corrientes und östlichen Entre Ríos sowie Uruguay verbreitet.[2]
Migration
Der Perlbauchspecht gilt als Standvogel.[2]
Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Erstbeschreibung des Perlbauchspechts erfolgte 1827 durch Johann Georg Wagler unter dem wissenschaftlichen Namen Picus Spilogaster. Als Verbreitungsgebiet gab er Brasilien und Paraguay an. Das Typusexemplar stammte aus der Sammlung von Johann Heinrich Christian Friedrich Sturm (1805–1862) oder dessen Bruder Johann Wilhelm Sturm (1808–1865). Außerdem bezog er sich auf Le Charpentier brun et doré[3] von Félix de Azara.[4] 1854 führte Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte die für die Wissenschaft neue Gattung Veniliornis ein.[5] Der Begriff ist ein Wortgebilde aus der römischen Gottheit Venilia und ορνις, ορνιθος ornis, ornithos für Vogel.[6] Der Artname spilogaster leitet sich von σπιλος spilos, deutsch ‚Punkt,Fleck‘ und γαστηρ, γαστρος gastēr, gastros, deutsch ‚Bauch‘ ab.[7] Gelegentlich findet man die Art als Dryobates spilogaster in der Literatur, doch kommen William Samuel Moore, Amy Caroline Weibel und Andrea Agius 2004 in einer mitochondrialen DNA-Analyse zu dem Schluss, dass die Art der Gattung Veniliornis zuzuordnen sei. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay zwei Bälge, gesammelt von Adolf Neunteufel (1909–1979) in Cambyretá zur Verfügung. In der Literatur sah er Nachweise im Synonym Dendrobates gutatus Beroni, AW, 1901 im Departamento Alto Paraná[8] und in Puerto Bertoni[9] durch Arnaldo de Winkelried Bertoni, in Sapucai[10] durch Harry Church Oberholser und Paso Yuvay[11] durch Roberto Dabbene. Enrique Lynch Arribálzaga betonte, dass Bertoni seine Art mit Veniliornis passerinus olivinus (Natterer & Malherbe, A 1845) und Veniliornis passerinus agilis (Cabanis} & Heine,1863)[12] verglich.[13]
Literatur
- Enrique Lynch Arribálzaga: Apuntes criticos sobre las Aves del Paraguay descriptas por el Señor A. de Winkelried Bertoni. In: Anales del Museo Nacional de Buenos Aires (= 2. Band 4). 1902, S. 329–389 (biodiversitylibrary.org).
- Arnaldo de Winkelried Bertoni: Aves nuevas del Paraguay. Continuación á Azara. In: Anales cientificos paraguayos. Band 1, 1901, S. 1–216 (biodiversitylibrary.org).
- Arnaldo de Winkelried Bertoni: Segunda contribución a la ornitología paraguaya. In: Revista del Instituto Paraguayo. 1906, S. 1–12.
- Friedrich Boie: Generalübersicht der ornithologischen Ordnungen, Familien und Gattungen. In: Isis von Oken. Band 19, 1826, S. 969–981 (biodiversitylibrary.org).
- Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: Conspectus Volucrum Zygodactylorum. In: Ateneo Italiano. Band 2, 1854, S. 116–129 (google.de – Link ist ein Extradruck des Artikels).
- Roberto Raúl Dabbene: Contribucion a la Ornitología del Paraguay - Notas sobre las aves colectadas en Vila Rica por el Señor Félix Posner. In: Anales del Museo Nacional de Historia Natural de Buenos Aires. Band 23, 1912, S. 283–390 (biodiversitylibrary.org).
- Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 220–221 (google.de).
- William Samuel Moore, Amy Caroline Weibel, Andrea Agius: Mitochondrial DNA phylogeny of the woodpecker genus Veniliornis (Picidae, Picinae) and related genera implies convergent evolution of plumage patterns. In: Biological Journal of the Linnean Society. Band 87, Nr. 4, 1902, S. 611–624, doi:10.1111/j.1095-8312.2006.00586.x.
- Harry Church Oberholser: List of birds collected by William T. Foster in Paraguay. In: Proceedings of The United States National Museum. Band 25, Nr. 1281, 1902, S. 127–147 (biodiversitylibrary.org).
- Johann Georg Wagler: Systema Avium. Sumtibus J.G. Cottae, Stuttgart 1827 (biodiversitylibrary.org).
- Charles Athanase Walckenaer, Felix de Azara, Georges Cuvier, Charles-Nicolas-Sigisbert Sonnini de Manoncourt: Voyages dans l'Amérique Méridionale, par don Felix de Azara, depuis 1781 jusqu'en 1801; contenant la description géographique, politique et civile du Paraguay et de la rivière de la Plata, l'histoire de la découverte et de la conquête de ces et de ces contrées, des détails nombreux sur leur histoire naturelle et sur les peuples sauvages qui les habitent, le récit des moyens employés par les Jésuites pour assujétir et civiliser les indigènes, etc. Publiés d'après öes manuscrits de l'auteur, avec une notice sur sa vie et ses écrits, par C. A. Walckenaer; Enrichis des notes par G. Cuvier, secrétaires perpétuel de la classe des sciences physiques de l'Institut, etc. Suivis de L#histoire naturelle des Oiseaux du Paraguay et de La Plata, par le même auteur, traduite, d'après l'orginal espagnol, et augmentée d#un grand nombre de notes, par M. Sonnini; accompagnés d#un atlas de vingt-cinq planches. Band 4. Dentu, Paris 1809, S. 15–16 (biodiversitylibrary.org).
- Hans Winkler, David A. Christie, Arnau Bonan: White-spotted Woodpecker (Dryobates spilogaster) in Birds of the World. Hrsg.: Josep del Hoyo, Andrew Elliot, Jordi Sargatal, David Andrew Christie, Eduardo de Juana. Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY 2020, doi:10.2173/bow.whswoo2.01.
Weblinks
- Veniliornis spilogaster in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.1. Eingestellt von: BirdLife International, 2024. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- BirdLife International: Species Factsheet – White-spotted Woodpecker (Veniliornis spilogaster)
- Perlbauchspecht (Veniliornis spilogaster) bei Avibase
- Perlbauchspecht (Dryobates spilogaster) auf eBird.org
- Veniliornis spilogaster im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Perlbauchspecht (Veniliornis spilogaster)
- White Spotted Woodpecker (Veniliornis spilogaster) in der Encyclopedia of Life. (englisch).