Peter Guth
deutscher Kunsthistoriker und Publizist
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben und Werk
Leben
Peter Guth wurde als Sohn eines Wirtschaftsfunktionärs und einer kaufmännischen Angestellten geboren. 1960 eingeschult legte er 1972 in Weimar das Abitur ab. Nach einem begonnenen Slawistikstudium 1972/1973 an der Universität Leipzig begann er als freier Autor u. a. als Verfasser von Theaterkritiken zu arbeiten. Zudem war er in dieser Zeit für das Zentralhaus für Kulturarbeit der DDR tätig.[1] Nach einem Jahr Arbeit als Bühnentechniker an den Städtischen Theatern Leipzig studierte er von 1975 bis 1980 mit Diplomabschluss an der Leipziger Universität Kulturwissenschaften, Ästhetik und Kunstgeschichte.
Nach seinem Diplom begann er mit Lehrtätigkeiten an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein (ab 1980 als Assistent, ab 1987 als Oberassistent im Fach Ästhetik, ab 1988 im Fach Kunst- und Architekturgeschichte von der Gotik bis zur Postmoderne) und an der Theaterhochschule Leipzig (1982–1984 und 1993/1994 in den Bereichen Ästhetik und Kunsttheorie). 1984 wurde er an der Hochschule in Halle FDJ-Sekretär.[2] 1985/1986 absolvierte Guth ein hochschulpädagogisches Zusatzstudium an der Universität Halle-Wittenberg. Zur gleichen Zeit begann er als Kunstkritiker für den Rundfunk der DDR, Sender Leipzig zu arbeiten. 1986 wurde er Mitglied der Sektionsleitung Kunstwissenschaft und der Arbeitsgruppe Architektur und bildende Kunst im Verband Bildender Künstler der DDR. 1987 promovierte er an der Technischen Universität Dresden unter Herbert Letsch, Bruno Flierl und Martin Beerbaum zum Thema Offene kommunikative Bereiche.[3] Zwischen 1988 und 1990 nahm er einen Lehrauftrag für Vergleichende Architekturgeschichte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) wahr.
1991 untersuchte eine vom damaligen sachsen-anhaltinischen Minister für Wissenschaft und Forschung Rolf Frick eingesetzte Personalkommission die Vergangenheit ehemaliger DDR-Dozenten an Hochschulen des Landes. Im Januar 1992 wurde Guth attestiert, aufgrund seiner Vorgeschichte als SED-Mitglied und FDJ-Sekretär als Hochschullehrer für die Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle nicht geeignet zu sein. Nach zahlreichen Protesten aus der Studentenschaft wurde diese Entscheidung zurückgezogen.[2] 1992 war er Mitglied der Gründungsvorstände des Deutschen Werkbundes Sachsen und des Vereins Leipziger Jahresausstellung (gleichzeitig erster Vorsitzender). 1994 wurde er in die Freie Akademie der Künste zu Leipzig gewählt, ab dem folgenden Jahr war er bis 2001 deren Vizepräsident. 1994/1995 hatte er an der HGB vertretungsweise die Professur für Neuere Kunstgeschichte inne. 1995 wurde er mit einer Arbeit zur architekturbezogenen Kunst in der DDR unter Thomas Topfstedt habilitiert. 1996 erhielt er einen Lehrauftrag für Kunsttheorie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Von Dezember 1998 bis Juli 2000 war Guth Bereichsleiter der Leipziger Messe GmbH, zunächst für die Buchmesse und zum Schluss auch zusätzlich für die Konsumgütermessen. Danach arbeitete Guth ausschließlich als freischaffender Autor. 2002 gründete er mit Bernd Sikora den Verlag Miriquidi Media.
Peter Guth lebte von 1972 bis zu seinem Tod mit dem Architekten, Grafiker und Autor Bernd Sikora zusammen, er starb 2004 an Lungenkrebs.
Werk und Wirken
Peter Guth publizierte ab etwa 1973. Als seine bedeutendsten Werke gelten Leipziger Landschaften (1986) und Wände der Verheißung (1995). Das erste Buch nach einer Idee von Bernd Sikora und mit Fotografien von Norbert Vogel konnte nach Kämpfen mit den staatlichen Zensurbehörden erst nach zehn Jahren nach geplanter Veröffentlichung erscheinen. Es zeigt den Verfall Leipzigs und der Region durch den Braunkohleabbau rund um die Stadt und gilt als eine der wichtigsten Publikationen zur Umweltzerstörung in den letzten Jahren der DDR.[4] Bereits ein Jahr nach der Erstveröffentlichung wurde das Buch auch in West-Berlin verlegt.[5] Das zweite Buch – gleichzeitig seine Habilitationsarbeit – wurde schnell zu einem Standardwerk zur architekturbezogenen Kunst in der DDR.[6]
Guth verfasste außerdem vor allem die begleitenden Texte zu Ausstellungskatalogen und Bildbänden sowie zahlreiche architekturkritische Rezensionen und Artikel für die Zeitungen Sächsisches Tageblatt (ab 1980), Basler Zeitung (ab 1990), Frankfurter Allgemeine Zeitung (ab 1991) und Leipziger Volkszeitung (regelmäßig ab 1996) sowie für die Zeitschriften Leipziger Blätter (ab 1982), Arch+, Bauwelt und neue bildende kunst (alle ab 1990). Zudem kuratierte er Kunstausstellungen.
Er wurde zu Lebzeiten von mehreren Leipziger Künstlern aus seinem privaten Umfeld porträtiert, so von Bernd Sikora (1973), Michael Triegel (1995) und Sieghard Gille (2003 und 2004).[7]
Schriften (Auswahl)
Monografien und Texte zu Bildbänden
- mit Bernd Sikora (Idee und Konzeption) und Norbert Vogel (Fotografien): Leipziger Landschaften. Die Auen, die Insel, die Kohle. Greifenverlag, Rudolstadt 1986, ISBN 978-3-7352-0039-6.
- mit Herbert Blume (Fotografien): Torgau in Farbe. BB-Verlag, Litzschen 1992, ISBN 978-3-929463-03-3.
- Leipzig. Handels- und Kulturzentrum. 2., aktualisierte und überarbeitete Auflage. RV-Verlag, Berlin u. a. 1993, ISBN 978-3-575-11069-5.
- Wände der Verheißung. Zur Geschichte der architekturbezogenen Kunst in der DDR. Thom, Leipzig 1995, ISBN 978-3-9803346-7-9.
- mit Hans-Christian Schink (Fotografien): Industriearchitektur in Leipzig, Hrsg.: Deutscher Werkbund Sachsen. Kiepenheuer, Leipzig 1998, ISBN 978-3-378-01022-2.
- mit Wolf-Dietrich Speck von Sternburg: Der Speck von Sternburgsche Schlosspark Lützschena. 2., erweiterte Auflage. Passage-Verlag, Leipzig 2000, ISBN 978-3-932900-28-0.
- mit Bernd Sikora: Oelsnitz im Erzgebirge. Zeugnisse. Miriqudi Media, Leipzig 2003, ISBN 978-3-9809271-0-9.
- mit Bernd Sikora: Jugendstil & Werkkunst. Architektur um 1900 in Leipzig. Fotografien: Bertram Kober. Edition Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 978-3-361-00590-7.
Beiträge und Aufsätze (Sammelband)
- Bernd Sikora (Hrsg.): LeseBuch Peter Guth. Texte zu Kunst, Architektur und Gesellschaft 1980 bis 2004. Miriquidi Media, Leipzig 2013, ISBN 978-3-9809271-3-0, Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2013, ISBN 978-3-86984-451-0.
Herausgeberschaft und Redaktion
- Räume für Kunst. Europäische Museumsarchitektur der neunziger Jahre. Eine Ausstellung des Förderkreises der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst e.V. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, 25. September bis 7. November '92, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 26. November '92 bis 24. Januar '93. Förderkreis der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst e.V., Leipzig 1992, DNB 942812514.
- LebenLeben. Leipziger Jahresausstellung 1996. Passage-Verlag, Leipzig 1996, DNB 1066757712.
- Frank Ruddigkeit. Unterm Strich. Das zeichnerische Werk. Faber & Faber, Leipzig 1999, ISBN 978-3-932545-42-9.
Literatur
- Gisela Hoyer: Der steinige Weg der Erkenntnis. Gratwanderung zwischen (Denk-)Anspruch und Realität: Der Leipziger Kunsthistoriker, Kurator und Publizist Peter Guth ist tot. In: Leipziger Volkszeitung. 110 (2004), Nr. 143 vom 22. Juni, ISSN 0232-3222, S. 9.
- Biografie Peter Guth. In: Bernd Sikora (Hrsg.): LeseBuch Peter Guth. Texte zu Kunst, Architektur und Gesellschaft 1980 bis 2004. Miriquidi Media, Leipzig 2013, ISBN 978-3-9809271-3-0, Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2013, ISBN 978-3-86984-451-0, S. 174–176.