Pista olimpica Eugenio Monti

abgegangene Kunsteisbahn in Cortina d’Ampezzo, Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Pista olimpica Eugenio Monti war eine Kunsteisbahn für Bobsport und Skeleton in der italienischen Gemeinde Cortina d’Ampezzo. Die Bahn war Wettkampfstätte der VII. Olympischen Winterspiele 1956 und wurde nach dem erfolgreichsten italienischen Bobpiloten Eugenio Monti benannt. Bekanntheit erlangte die Bahn außerdem durch den Film James Bond 007 – In tödlicher Mission.

Schnelle Fakten Bahndaten, Start ...
Pista olimpica Eugenio Monti
Pista olimpica Eugenio Monti (Italien)
Pista olimpica Eugenio Monti (Italien)
Bahn 2007
Ort ItalienItalien Cortina d’Ampezzo, Italien
Inbetriebnahme 1923
Stilllegung Januar 2008
Bahndaten
Maximale Höhendifferenz120,45 m
Start Länge Kurven
Bobstart1350 m13
Skeletonstart1350 m13
Rennrodelstart Männer-Einsitzer m
Rennrodelstart Frauen-Einsitzer m
Rennrodelstart Doppelsitzer m
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Geschichte

Erste Bahn 1923–2008

Zwischen 1905 und 1906 wurde in Cortina d’Ampezzo erstmals auf einer schneebedeckten Straße nach Pocol Bobsport betrieben.[1] 1911 wurde versucht, in der Nähe des Stadtzentrums eine künstliche Bobbahn zu bauen. Das Vorhaben scheiterte jedoch an den fehlenden finanziellen Mitteln.[1] 1923 wurde schließlich die Bobbahn in Cortina d’Ampezzo mit einer Länge von 1200 Metern errichtet. 1928 fand auf der Bahn mit den Akademischen Winterspielen, einer Vorgängerveranstaltung der Universiade, erstmals ein internationaler Wettkampf statt. Um den Standards anderer Bahnen gerecht zu werden, erfolgte 1936 ein Umbau.[1] Dabei wurde der Zielbereich verlegt und die Streckenlänge auf 1500 Meter mit 15 Kurven erweitert.[1] 1937 fand auf der Bahn zum ersten Mal eine Bob-Weltmeisterschaft im Zweierbob statt. Bei der Bob-Weltmeisterschaft 1939 fand auch der Viererbob auf der Bahn statt, bei dem der Schweizer Reto Capadrutt tödlich verunglückte. Eine weitere Renovierung erfolgte im Jahr 1948, als alle Kurven nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurden und die Bahn auf 1700 Meter und 16 Kurven verlängert wurde.[1]

Eugenio Monti und Renzo Alverà (1956)

Mit der Vergabe der Olympischen Winterspiele 1956 an Cortina d’Ampezzo begann das Comitato Olimpico Nazionale Italiano, die Bahn noch einmal zu modernisieren.[1] Nach den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo wurden große Anzeigetafeln sowie eine elektronische Zeitmessung an der Pista olimpica angebracht.[1] Die Bahn war während der Olympischen Spiele 1700 Meter lang, hatte 16 Kurven und einen Höhenunterschied von 152 Metern.[1] Da für die Olympischen Winterspiele 1960 in Squaw Valley keine Bobbahn errichtet wurde, wurde stattdessen im gleichen Jahr eine weitere Weltmeisterschaft auf der Pista olimpica ausgerichtet.

Bei der Weltmeisterschaft 1966 wurde der Viererbob-Wettbewerb nach dem tödlichen Unglück des Bundesdeutschen Anton Pensperger abgebrochen. Er erhielt posthum gemeinsam mit seinen Teammitgliedern Ludwig Siebert, Helmut Wurzer und Roland Eberhart die Goldmedaille verliehen. Bei der Weltmeisterschaft 1981 kam es im Viererbob zu einem weiteren Todesfall, als der US-Amerikaner Jimmy Morgan am 8. Februar verunglückte. Eine Woche später fanden auf der Bahn die Dreharbeiten für den Film James Bond 007 – In tödlicher Mission statt. Dabei wurde am 17. Februar 1981 ein Rennschlitten aus der Bahn geschleudert und der 23-jährige italienische Stuntman Paolo Rigon, der am Steuer saß, getötet.[2][3] Infolgedessen wurde die Strecke verkürzt und die Anzahl der Kurven reduziert. Die Bahn war ab 1983 wieder verfügbar.

Nach dem Tod des italienischen Bobpiloten Eugenio Monti im Jahr 2003 wurde die Bahn Anfang 2004 zu seinen Ehren von Pista olimpica di bob in Pista olimpica Eugenio Monti umbenannt. Im Januar 2008 wurde die Bahn geschlossen.

Neubau als Cortina Sliding Centre ab 2024

Nach der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2026 an Mailand und Cortina d’Ampezzo wurde die „Reaktivierung“ der Bahn angekündigt, damit dort die Bob-, Rennrodel- und Skeletonwettbewerbe stattfinden können.[4] Im März 2023 begann der Abriss der Bahn, um Platz für den heftig kritisierten Neubau zu machen. Die 2018 für die Olympiabewerbung ursprünglich mit 41,8 Millionen Euro angesetzten Kosten waren bis dahin bereits auf knapp 100 Millionen Euro angewachsen. Völlig unklar war im März 2023 noch, ob die Bahn nach den olympischen Spielen überhaupt rentabel weiterbetrieben werden kann oder ein zweites Cesana Pariol droht.[5] Im Juli 2023 waren die Abbrucharbeiten abgeschlossen.[6]

Bei der nachfolgenden öffentlichen Ausschreibung für die Vergabe des Neubaus wurden keine Angebote abgegeben. Auch, nachdem in Frage kommende Baufirmen direkt kontaktiert worden waren, fand man keinen bereitwilligen Auftragnehmer. Die Baufirmen führten an, dass aufgrund der stark angestiegenen Energie- und Materialkosten das Projekt für sie nicht rentabel sei.[7] Mitte Oktober 2023 wurde der Bau einer neuen Bahn in Cortina verworfen. Das IOC forderte die Veranstalter auf, die Wettbewerbe auf einer bestehenden Bobbahn im Ausland auszutragen.[8] Eine eventuelle Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Olympiabahn im piemontesischen Cesana Pariol war zuvor vom italienischen Sportminister Andrea Abodi wegen zu hoher Kosten abgelehnt worden.[9] Die Region Venetien und der italienische Staat beharrten hingegen auf dem Bau der Bobbahn in Cortina, und im Februar 2024 wurde der Bau des Cortina Sliding Centre in Auftrag gegeben.[10]

Konfiguration

1948–1981

Länge: 1700 m, Höhenunterschied: 152 m, siehe auch Abbildung in der Quelle (Seite 176).[1]

Weitere Informationen Nummer, Bezeichnung ...
Kurven
NummerBezeichnungAnmerkung
1Partenza„Abfahrt, Start“
2Vecchia„die Alte“
3ohne Name
4Stries„Hexen“ in Ladinisch; benannt nach einem gleichnamigen Teich, der sich im Bereich der Kurve befand.
5ohne Name
6Verzi
7SentoErste große Kurve mit beinahe 180°-Wende; „sento“ kann sinngemäß mit „ich spüre sie“ übersetzt werden.
8–10Labirinto„Labyrinth“, drei eng aufeinanderfolgende Kurven; einzeln auch prima, seconda beziehungsweise terza curva del labirinto („erste, zweite, dritte Kurve des Labyrinths“)[11]
11Belvedere„Schöne Aussicht“; die Kurveninnenseite wies in Richtung des Tofana-Massivs.
12BandionBenannt nach einem kleinen See (siehe Foto) und einer ihn umgebenden bewaldeten Ortslage von Cortina d’Ampezzo unweit der Bahn.
13Rettifilo Antelao„Gerade“ vor Antelao
14AntelaoDer südwestlich von Cortina d’Ampezzo gelegene Antelao ist der zweithöchste Berg der Dolomiten.
15CristalloDer Monte Cristallo ist ein nordöstlich von Cortina d’Ampezzo gelegenes Bergmassiv der Dolomiten, das sich zum Teil im Gemeindegebiet des Ortes befindet.
16Arrivo„Ankunft, Ziel“
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1983–2008

Bei dem Umbau 1981–1982 entfielen die ehemaligen oberen Kurven 1 bis 5. Die schematische Grafik und die Bahndaten in der Infobox oben entsprechen dieser Konfiguration.[12][11]

  • 1: Verzi
  • 2: Rettifilo Sento („Gerade vor Sento“; wurde in der vorherigen Konfiguration nicht aufgeführt)
  • 3: Sento
  • 4–6: Labirinto (einzeln prima/seconda/terza curva del labirinto)
  • 7: Belvedere
  • 8: Bandion
  • 9: Rettifilo Antelao
  • 10: Antelao
  • 11: Cristallo
  • 12: Valletta (bei dem Umbau eingefügt)
  • 13: Arrivo

Rekorde

Hinweis: Diese Angaben gelten nur für die letzte Konfiguration vor der Schließung 2008.

Weitere Informationen Disziplin, Rekord ...
Disziplin Rekord Nation/Athleten Datum Zeit
Bob – Zweier Männer Start Kanada Pierre Lueders & Giulio Zardo 19. Januar 2002 04,84 s
Bahn DeutschlandDeutschland Thomas Florschütz  & Sascha Schelter 12. Januar 2006 52,80 s
Bob – Vierer Männer Start Schweiz Martin Annen, Andi Gees, Beat Hefti & Cédric Grand 19. Dezember 2004 04,74 s
Bahn FrankreichFrankreich Bruno Mingeon, Emmanuel Hostache, Christophe Fouquet & Max Robert 16. Januar 2000 51,96 s
Bob – Zweier Frauen Start Kanada Helen Upperton & Jennifer Ciochetti 12. Januar 2007 05,29 s
Bahn DeutschlandDeutschland Sandra Kiriasis & Romy Logsch 12. Januar 2007 54,60 s
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Ausgetragene Meisterschaften

Bildergalerie

Commons: Pista olimpica Eugenio Monti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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