Points Cœur (geistliche Gemeinschaft)
geistliche Gemeinschaft
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die geistliche Gemeinschaft Points Cœur (vollständig Association privée de fidèles Points-Coeur) wurde 1990 von Thierry de Roucy als internationaler Besuchsdienst unter armen Menschen gegründet und war seit 2001 von der katholischen Kirche anerkannt. Nach der Verurteilung des Gründers wegen sexuellen Missbrauchs und Machtmissbrauchs wurden der Priesterzweig 2017 und der Schwesternzweig 2020 aufgelöst. Die Gemeinschaft selbst beschloss 2020 mit einer Dreiviertelmehrheit ihre eigene Auflösung. Die Auflösungen erfolgten aufgrund „schwerwiegender und anhaltender Unregelmäßigkeiten“. Zivilrechtliche Nachfolgeorganisationen, darunter ein gleichnamiger französischer Verein und der deutsche Verein Offenes Herz, sind in mehr als 20 Ländern weiterhin tätig. Kirchliche Stellen stellen fest, dass diese Organisationen „keinerlei kanonische Verbindung“ zur katholischen Kirche haben, und werfen ihnen vor, trotzdem weiterhin als kirchliche Gemeinschaft aufzutreten.
Geschichte
Gründung und Entwicklung
Der Gründer Thierry de Roucy wurde 1957 geboren und trat nach einer Vorbereitungsklasse am Lycée Louis-le-Grand in Paris mit 18 Jahren in die französische Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens (Serviteurs de Jésus et de Marie) ein, deren Oberer er von 1988 bis 2001 war.[1] Nach einem Philosophiestudium am Institut für vergleichende Philosophie in Paris und einem Theologiestudium an der Päpstlichen Universität Angelicum in Rom wurde er 1983 zum Priester geweiht. Prägend für sein spirituelles Denken war insbesondere der Dominikanerpater Thomas Philippe, den er als seinen theologischen Lehrer betrachtete und dessen Vorlesungen er intensiv studierte. De Roucy betrachtete sich selbst als spirituellen Sohn dieses Dominikaners.[2]
Am 4. Januar 1990 hatte Thierry de Roucy nach eigenen Angaben beim gemeinsamen Rosenkranzgebet mit seinen Brüdern im Park des Klosters Ourscamp einen inneren Ruf empfangen, das Werk Points Cœur zu gründen, „als kleine Gemeinschaften junger Menschen an den Orten [...], die am stärksten von Leiden betroffen sind“.[3] Dieses entstand 1990 in Paraná (Argentinien), zu dieser Zeit Generaloberer der Congrégation des Serviteurs de Jésus et de Marie. Ziel war die Gründung kleiner Gemeinschaften zur Aufnahme verlassener, vernachlässigter oder gewaltbetroffener Kinder.[4] 1992 wurde die zivile Vereinigung Points Cœur gegründet, die den rechtlichen Rahmen für die Aktivitäten des Werkes bildete. Noch als amtierender Oberer der Diener Jesu und Mariens orientierte de Roucy einen Teil der Mitglieder zunehmend auf das neue Werk aus und zog beim Verlassen der Kongregation etwa zehn von ihnen mit sich.[5]
Points Cœur eröffnete innerhalb von zehn Jahren 26 Häuser in 15 Ländern.[6] Zum 28. Jahrestag seiner Gründung im Jahr 2018 verfügte das Werk über 40 Häuser in 26 Ländern und hatte seit der Gründung mehr als 2.000 Freiwillige entsandt. Zum selben Zeitpunkt gehörten dem Werk 87 geweihte Mitglieder, 40 Ordensschwestern und Postulantinnen sowie 20 Priester der Bruderschaft Molokai an.[7] In der Selbstdarstellung bezeichnete das Werk die Jungfrau Maria als seine „wahre Gründerin“.[7] Außerdem besaß es seit 2005 besonderen beratenden Status (Special Consultative Status) beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC).[8] Wöchentlich besuchten die Freiwilligen Krankenhäuser, Gefängnisse, Waisenhäuser und Altenheime in mehreren Dutzend Ländern.[7]
Points Cœur entstand im Umfeld einer Welle neuer geistlicher Gemeinschaften, die in Frankreich und darüber hinaus gegründet wurden, darunter die Foyers de Charité, L’Arche, die Gemeinschaft der Seligpreisungen und die Gemeinschaft vom heiligen Johannes. Mehrere dieser Gemeinschaften gerieten später wegen Missbrauchs oder sektiererischer Strukturen in die Kritik.[9]
Verhältnis zu den Bischöfen
Zwischen 1999 und 2002 erhielt Points Cœur mehrere kirchliche Strukturen, die die verschiedenen Lebensstände innerhalb des Werkes organisieren sollten. 1999 errichtete der Bischof von Beauvais Guy Thomazeau eine Gemeinschaft von Ordensschwestern als öffentliche Vereinigung von Gläubigen, zuerst als Dienerinnen Jesu und Mariens, später umbenannt in Dienerinnen der Gegenwart Gottes. Als die Satzungen von Points Cœur im selben Bistum ausgearbeitet wurden, bat Bischof Guy Thomazeau Thierry de Roucy, seine Seminaristen für einen Teil ihrer Ausbildung in das Diözesanseminar zu schicken. De Roucy erfüllte diese Bedingungen nicht und wandte sich stattdessen an Erzbischof Karlic von Paraná in Argentinien, wo Points Cœur eine Niederlassung hatte. Dieser erkannte das Werk im Jahr 2000 als private Vereinigung von Gläubigen seiner Diözese an, die insbesondere die Laien und geweihten Laien umfasste.[10] 2002 erkannte derselbe Erzbischof auch die Priesterbruderschaft Molokaï an, die die Priester im Dienst von Points Cœur zusammenfasste.[5]
Bereits Anfang der 2000er Jahre versuchten Familien, den französischen Episkopat auf beobachtete Missstände wie einen Personenkult um den Gründer und eine als vereinnahmend wahrgenommene Gemeinschaftsspiritualität aufmerksam zu machen. Unabhängig davon erstattete der ehemalige Sekretär de Roucys in diesen Jahren kirchenrechtliche Anzeige wegen erfahrenen sexuellen Missbrauchs. Im November 2013 richtete ein von dem Hochschulprofessor Yves Hamant – Vater einer ehemaligen Points-Cœur-Freiwilligen – angeführtes Kollektiv einen Brief an die zur Vollversammlung in Lourdes versammelten Bischöfe, der 14 Gemeinschaften betraf. Im Dezember 2013 erstellte das Büro „Dérives sectaires“ (sektiererische Fehlentwicklungen) der französischen Bischofskonferenz auf Basis gesammelter Zeugenaussagen einen vertraulichen Bericht.[11] Auch der Priester Jacques Trouslard sowie mehrere ehemalige Freiwillige äußerten Bedenken über interne Praktiken des Werkes.
Als 2004–2005 eine kanonische Untersuchung gegen den Gründer eingeleitet wurde, zog der Nachfolger von Erzbischof Karlic Mario Maulión seine Unterstützung zurück.[5] De Roucy versuchte daraufhin einerseits, eine päpstliche Anerkennung für Points Cœur zu erhalten, andererseits einen neuen verantwortlichen Bischof zu finden. Dominique Rey, Bischof von Fréjus-Toulon, inkardinierte ihn 2008 in seine Diözese und gab dem Werk und allen seinen Zweigen die kanonische Anerkennung.[12][5]
Kirchenrechtliche Verurteilung des Gründers
Anfang der 2000er Jahre hatte der frühere engste Mitarbeiter des Gründers selbst erlittenen sexuellen Missbrauch angezeigt, woraufhin die Kongregation für die Glaubenslehre ein internes Gerichtsverfahren eröffnete, das nach sieben Jahren zum Urteil führte. Am 21. Juni 2011 wurde der Gründer, Thierry de Roucy, vom katholischen Kirchengericht in Lyon für die Delikte „Machtmissbrauch, sexueller Missbrauch und Absolution des Mittäters“ verurteilt.[13] Das Kirchengericht in Lyon untersagte de Roucy für drei Jahre, Mitgliedern von Points Cœur in der Beichte zu hören, und verpflichtete ihn zu einer Entschädigung von 70.000 Euro an das Opfer, die 2015 durch die Offizialität von Montpellier im Berufungsverfahren auf 80.000 Euro erhöht wurde.[14]
Das Verfahren legte dabei eine Machtstruktur offen, die über den sexuellen Missbrauch hinausging. Hoyeau schreibt: „Aber das gesamte Verfahren zeigte noch umfassender sowohl die spirituelle Macht, die er über seine Jünger ausübte, indem er insbesondere gleichzeitig der Vorgesetzte der Gemeinschaft und der Beichtvater jedes Einzelnen war, als auch den übergroßen Platz, den er in der ‚spirituellen Vaterschaft‘, die er für sich beanspruchte, eingenommen hatte.“[15] Nach CIC Can. 984 § 2 darf, wer eine leitende Stellung einnimmt, die aus der Beichte gewonnene Kenntnis von Sünden „auf keine Weise bei der äußeren Leitung gebrauchen“.[16]
Das Urteil stand zunächst unter dem Schutz des päpstlichen Geheimnisses, und de Roucy setzte seine Aktivitäten fort. Am 31. Dezember 2012 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion befördert. Erst am 9. April 2013 berichtete La Croix erstmals überregional über die Verurteilung.[13][17] Noch bis 2014 war er als Vorsitzender des Vorstands von Heart's Home USA in den Steuerunterlagen der Organisation eingetragen.[18]
Im September 2014 ordnete Bischof Rey in einem Schreiben an die Mitglieder und Familien von Points Cœur den Rückzug de Roucys aus allen Leitungsgremien sowie die Unterbrechung seiner Begleitung der Mitglieder an. Rey stützte sich dabei auf den Untersuchungsbericht von Pater Le Bot OP, der die Anwesenheit des Gründers als „Hindernis für jede Entwicklung und möglicherweise für jede ernsthafte Kontrolle der Aktivitäten“ bezeichnete.[19] 2015 bestätigte das kirchliche Berufungsgericht in Montpellier die Verurteilung von 2011 und erhöhte die Entschädigungssumme auf 80.000 Euro.[5][14] Anfang 2016 forderte Rey de Roucy zudem auf, in sein Inkardinationsbistum Fréjus-Toulon zurückzukehren. Da de Roucy dies verweigerte, verhängte Rey im Februar 2016 die Suspension ad divinis.[20][21]
Am 22. Juni 2018 wurde de Roucy laisiert;[22][23] da er die bereits 2011 zugesprochene Entschädigung von 60.000 Euro nicht gezahlt hatte, riskierte er zudem eine Exkommunikation.[24] Im November 2018 wurde ihm die Ehrenlegion aberkannt.[5] Der kirchliche Anwalt des Opfers äußerte nach der Laisierung Bedenken hinsichtlich der Reformfähigkeit der Gemeinschaft: Er fragte, wie die aktuellen Mitglieder von Points Cœur, die alle von de Roucy geformt worden seien, für frei von dessen Einfluss erklärt werden könnten.[25]
In einem 2019 veröffentlichten Communiqué bestätigte der Blog Terre de Compassion von Points-Cœur, entsprechend einer Bitte vom bischöflichen Delegierten Jean-Noël Dol, die kirchenrechtlichen Verurteilungen und erwähnte, der Kläger sei ein ehemaliger Priester, der zum Tatzeitpunkt erwachsen gewesen sei.[20] Im selben Jahr entstand eine Kontroverse, nachdem Berichte über eine mögliche Zweckentfremdung von Spendengeldern für das International Center for a Culture of Compassion (ICCC) in der Nähe von New York erschienen waren – ein Zentrum, das de Roucy zeitweise bewohnt hatte. Die Gemeinschaft wies diese Vorwürfe zurück.[26][27] Bischof Rey hatte bereits 2017 die Nützlichkeit des Zentrums in Frage gestellt, woraufhin es zum Verkauf angeboten wurde.
Der offizielle Missbrauchsbericht des Hilfswerks Arche internationale stellt fest, dass Thierry de Roucy auch unter dem Einfluss von Thomas Philippe stand, Bruder von Marie-Dominique Philippe CSJ, der zusammen mit Jean Vanier die Arche gegründet hat und mehrfach für sexuellen Missbrauch verurteilt wurde.[28]
Auflösung der geistlichen Zweige
2011 ordnete der Bischof von Fréjus-Toulon, Dominique Rey, nach zahlreichen Beschwerden von Mitgliedern und ihren Familien sowie nach der kirchlichen Verurteilung des Gründers Thierry de Roucy eine kanonische Untersuchung an.
2014 legte der Dominikaner Loïc-Marie Le Bot OP daraufhin einen Bericht vor, der zahlreiche strukturelle Probleme feststellte, darunter Defizite in der Lehre über Autorität und geistliche Vaterschaft, eine schwache kirchliche Verankerung der Gemeinschaft sowie unzureichende Ausbildung der Mitglieder.[5] Dem geistlichen Zweig von Points Cœur wurden „Selbstbezogenheit“, „Misstrauen gegenüber der Kirche“ und „Mängel [in] der Ausbildung der Mitglieder“ vorgeworfen.[21][29] Zur Reform ernannte Bischof Rey kirchliche Kommissare, zunächst Charles Mallard[30] und später, 2016, den emeritierten Bischof von Quimper Jean-Marie Le Vert.[21] Der erhebliche Widerstand der Leitung von Points Cœur gegen die Reformbemühungen führte schließlich zu Überlegungen einer möglichen Auflösung.[5]
2017 löste der zuständige Bischof die Points Cœur angegliederte Priesterbruderschaft Molokai auf.[5] Im Mai 2018 wies die römische Kongregation für das geweihte Leben die von der Priesterbruderschaft Molokai gegen diese Entscheidung eingelegte Berufung ab.[5]
2017 wurde Mutter Marie-Christine Vilmain als Kommissarin für die kanonische Visitation der Schwesterngemeinschaft eingesetzt. Sie forderte die Schwestern auf, „sich von Points-Cœur zu ‚distanzieren‘, um ‚die Beziehungen zu klären‘ “. Entsprechend der Statuten definierten sich die Schwestern allerdings als „einen der Zweige von Points Cœur“. Um sich nicht von Points Cœur zu distanzieren, verließen mehrere Schwestern die Gemeinschaft freiwillig und legten das Ordenskleid ab.[31] Am 5. März 2020 erließ Bischof Rey das Dekret zur Auflösung der Schwesterngemeinschaft, da schließlich nur noch ein Mitglied verblieben war.[32][33]
2020 beschloss die geistliche Dachgemeinschaft (kirchenrechtlich eine Vereinigung von Gläubigen) mit einer Dreiviertelmehrheit ihre eigene Auflösung.[34][35] In einem Communiqué vom 18. März 2021 erklärte die Diözese Fréjus-Toulon dazu, dass „Points Cœur damit eine unabhängige NGO geworden ist, über den die Kirche keine Macht mehr hat und also weder Begleitung noch Kontrolle gewähren kann.“[36] Durch die kirchenrechtliche Auflösung der Vereinigung dürfen die ihr angehörenden Strukturen – die Priesterbruderschaft Molokai, die Schwesterngemeinschaft der Dienerinnen der Gegenwart Gottes sowie die Vereinigung der geweihten Laien – nicht weiter bestehen.[35]
Weitere Entwicklung
Nachfolger von Guillaume Trillard als Generalmoderator von Points Cœur war ab 2017 Laurent Pavec.
2021, nach den Auflösungen, machte die französische Bischofskonferenz auf „das Risiko“ aufmerksam, „dass die Strukturen der Organisation unter anderer Form und an anderen Orten weitermachen und sich so dem von ihnen geforderten Neuaufbau und den notwendigen Reformen entziehen“.[35]
Nachfolgeorganisationen
Zivilrechtliche Vereine
Nach der Auflösung der kirchlichen Vereinigung im Jahr 2020 führten die bestehenden zivilrechtlichen Vereine in verschiedenen Ländern ihre Arbeit fort. Im Communiqué vom 1. April 2020 hielt der Vorstand des französischen Vereins Points Cœur fest, dass „das Ziel des zivilen Vereins Points Cœur [...] mehr denn je aktuell“ bleibe und er weiterhin junge Freiwillige weltweit entsende.[34]
Die folgende Übersicht zeigt die aus dem Netzwerk hervorgegangenen zivilrechtlichen Vereine, soweit bekannt. Die Angaben basieren auf verschiedenen Quellen und können voneinander abweichen.[37][38][39]
| Land | Vereinsname | Website |
|---|---|---|
| Argentinien | Puntos Corazón | puntoscorazon.org.ar |
| Brasilien | Presença e Amizade | presencaeamizade.org |
| Chile | Puntos Corazón | puntoscorazon.cl |
| Costa Rica | Puntos Corazón | – |
| Deutschland / Österreich | Offenes Herz e.V. | offenesherz.de |
| Ecuador | Puntos Corazón | – |
| El Salvador | Puntos Corazón | – |
| Frankreich | Points Cœur | pointscoeur.org |
| Griechenland | ΣΠΙΤΙ ΤΗΣ ΚΑΡΔΙΑΣ | – |
| Honduras | Puntos Corazón | – |
| Indien | Heart's Home | – |
| Italien | Punto Cuore | puntocuore.org (nicht mehr erreichbar) |
| Japan | 心の港 – Heart's Home Japan | – |
| Kuba | Puntos Corazón | – |
| Peru | Misión y Compasión | misionycompasion.org.pe |
| Philippinen | Tahanan ng Puso | – |
| Polen | Domy Serca | domyserca.pl |
| Rumänien | Puncte Inimă | puncteinimaromania.org |
| Senegal | Points Cœur | – |
| Thailand | Points Cœur | – |
| Ukraine | Дім серця | – |
| Uruguay | Puntos Corazón | – |
| USA | Con-solatio | con-solatio.org |
Der deutsche Verein Offenes Herz e.V. war bis 2024 unter dem Namen „Points-Coeur/Offenes Herz e.V.“ im Vereinsregister eingetragen und wurde auf Beschluss der Mitgliederversammlung vom 12. November 2023 in „Offenes Herz e.V.“ umbenannt.[40] In der Selbstdarstellung des Vereins auf seiner Webseite findet sich kein Verweis auf Points Cœur oder die Geschichte der geistlichen Gemeinschaft.[41] Der Verein wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als offizielle Anlaufstelle für den Internationalen Jugendfreiwilligendienst anerkannt.
Ähnlich verhält es sich mit dem US-amerikanischen Verein, der 2021 von „Heart's Home USA“ in „Con-solatio“ umbenannt wurde.[18] Auch dieser Verein stellt auf seiner Webseite keinen Bezug zu Points Cœur her.[42]
Kirchliche Reaktionen
Da Points Cœur nach Ansicht der Kirche weiterhin als kirchliche Vereinigung auftrat, wandte sich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im August 2023 in einem Brief an den Präsidenten der französischen Bischofskonferenz, Éric de Moulins-Beaufort. Parolin stellte darin fest, dass Points Cœur und die Dienerinnen der Gegenwart Gottes „aufgrund schwerwiegender und anhaltender Unregelmäßigkeiten“ aufgelöst worden seien und daher „keinerlei kanonische Verbindung zur Kirche mehr“ hätten. Er beklagte, dass die Vereinigungen sich weiterhin als kirchliche Gemeinschaften präsentierten, etwa durch das Tragen von Ordenskleidung, das Anbieten eines Weges geweihten Lebens für junge Erwachsene und die Annahme einer für Ordensgemeinschaften typischen Lebensform. Dieses Verhalten rufe, so Parolin, „Ärgernis unter den Gläubigen und den Opfern“ hervor. Er forderte die Diözesanbischöfe auf sicherzustellen, dass die Vereinigungen sich weder als religiöse Gemeinschaften ausgeben noch Aktivitäten kirchlicher Natur anbieten würden.[43]
Zwei Schweizer Bischöfe reagierten darauf mit konkreten Verboten in ihren Diözesen. Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, untersagte die Werbung für Points Cœur in der Seelsorge, die Entsendung junger Menschen durch Points Cœur sowie die Nutzung kirchlicher Netzwerke für Spendenaufrufe.[44] Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, erließ im August 2024 gleichlautende Verbote und erklärte, dass das Bistum bei Problemen, die jungen Katholiken durch ein Engagement bei Points Cœur entstünden, jede rechtliche, kanonische und menschliche Verantwortung ablehne.[45] Auch die Erzdiözese Wien stellte in ihrem Diözesanblatt von Januar 2024 klar, dass die aus Points Cœur hervorgegangene NGO nicht Teil der katholischen Kirche sei.[46]
Literatur
- Céline Hoyeau: Der Verrat der Seelenführer. Macht und Missbrauch in Neuen Geistlichen Gemeinschaften. Hrsg.: Hildegund Keul. Herder, Freiburg im Breisgau 2023, ISBN 978-3-451-39421-8 (französisch: La trahison des pères. 2021. Übersetzt von Gabriele Nolte).
- Andreas Martin: Die geistlichen Gemeinschaften der Katholischen Kirche: Kompendium. St.-Benno-Verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-7462-1995-7, S. 291–292.
Erfahrungsberichte von Freiwilligen
Im Jahr 2021 erschienen drei Sammelbände mit Berichten ehemaliger Freiwilliger hauptsächlich aus der Zeit des aktiven Bestehens der Gemeinschaft:
- Œuvre collective: Reste avec nous. Chora, 2021, ISBN 978-88-31414-00-5. (Französisch, 308 Seiten)
- Con-Solatio Missionaries: Come Abide: Con-solatio, a Ministry of Presence. Hrsg.: Anna Flournoy. Angelico Press, 2021, ISBN 978-1-62138-806-7. (Englisch, 244 Seiten)
- Punto Cuore (Hrsg.): Un altro viaggio. Chora, 2021, ISBN 978-88-31414-12-8. (Italienisch, 244 Seiten; Vorwort von Maurizio De Giovanni)