PolaChrome

1983 von Polaroid vorgestellter „Sofortbild“-Diafilm für gewöhnliche Kleinbildkameras From Wikipedia, the free encyclopedia

PolaChrome war ein 1983 von Polaroid vorgestellter „Sofortbild“-Diafilm für gewöhnliche Kleinbildkameras. „Sofortbild“ bedeutete dabei, der Film konnte nach dem Belichten mit einem Spezialgerät in wenigen Minuten entwickelt werden. Zum System gehören auch die Diafilme PolaPan für Schwarzweißbilder sowie PolaGraph und PolaBlue für die Wiedergabe von Strichzeichnungen.

PolaChrome Verpackung für Film und Processing Pack

Vorgeschichte

Idee

Ein Sofortbild-Farbdiafilm war bei Polaroid schon lange in Planung, bereits bei der Vorstellung des Polacolor, dem ersten Sofortbild in Farbe kündigte Edwin Herbert Land ihn für die ferne Zukunft an. Auf der Jahreshauptversammlung im April 1968 zeigte er einen Prototyp und 1971 fotografierte er damit, um die fertigen Dias umgehend zu projizieren. Der Geschäftsbericht 1974 sagte: „Auf dem Sofort-Diapositiv-Gebiet geht die Entwicklung weiter, und die Fabrikationsanlage für Diafilme (in Norwood bei Cambridge) unternimmt eine Versuchsproduktion in verschiedenen Bildformaten.“[1]

Dann hatte aber Polavision Vorrang,[1] welches sich als nahezu unverkäuflich erwies und immense Verluste verursachte. Um mit der errichteten Fertigungsstraße doch noch Einnahmen erzielen zu können, entwickelte man den Schmalfilm zu einem Kleinbildfilm des Typs 135 weiter.

Zielgruppe

Wenngleich sich PolaChrome auch als Attraktion auf Partys eignete, hatte man im Gegensatz zu Polavision nicht die Privathaushalte als Zielgruppe vor Augen, sondern den Einsatz in Unternehmen, um schnell Lichtbilder für Vorträge erstellen zu können. Aus diesem Grund gab es mit PolaGraph und Polablue zwei Spezialfilme mit extrem hohen Kontrast, um Strichzeichnungen, insbesondere technische Zeichnungen, aber auch Schreibmaschinenseiten gut erkennbar vorführen zu können.

Das System

Film

PolaChrome gab es mit 12 oder 36 Aufnahmen, PolaPan nur mit 36 Aufnahmen und die beiden Dokumentenfilme nur mit 12 Aufnahmen.[2] Die Filme wurden in einer etwa doppelt so hohen Verpackung wie gewöhnliche Diafilme verkauft, in der sich neben dem Film auch das Processing Pack befand. Diese war für alle vier Filmtypen unterschiedlich und durfte nicht vertauscht werden. Es verursachte auch einen höheren Preis als für einen gewöhnlichen Diafilm mit Entwicklung. Ein Film mit 12 Aufnahmen kostete etwa $ 10 bis $ 13, mit 36 Aufnahmen etwa $ 20.

Entwicklungsapparat

Der etwa $ 110 teure Polaroid Autoprozessor war mit etwas über 20 cm Länge, 10 cm Breite und Höhe ein handliches Gerät, das etwa 600 g wog.[2] Das Gerät wurde mit einer Handkurbel betrieben, so dass es auch direkt am Aufnahmeort eingesetzt werden konnte. Unter einer Klappe mussten das Processing Pack und der Film eingelegt und der aus dem Pack ragende Kunststoffstreifen gemeinsam mit dem Filmanfang an einer Spule befestigt werden. Beim Kurbeln geschah dann unter verschlossener Klappe nacheinander folgendes: Aus dem Pack floss Entwicklerpaste auf die Folie, der Film kam hinzu, zwei Walzen pressten beides zusammen und die Spule wickelte beides zusammen auf.[2] Nun musste man abhängig vom Film 2 min oder 4 min warten, mit einem Hebel die Bewegungsrichtung des Films umkehren und erneut Kurbeln. Dann konnte man die Filmpatrone entnehmen, ihren Inhalt schneiden und rahmen sowie die fertigen Dias vorführen.[3][4]

Im Vergleich zu Polavision gab es eine Neuerung beim Entwicklungsverfahren, sie betraf das Negativbild: Die Belichtung erzeugte zunächst ein Negativbild, welches der Entwicklungsprozess auf ein Positivbild übertrug. Um ein durchsichtiges Bild zu erhalten, musste nun das Negativ beseitigt werden. Bei Polavision löste es sich durch chemische Vorgänge auf, bei PolaChrome blieb es auf dem Kunstsoffstreifen haften und wurde mit dem Processing Pack entsorgt. Da das Auflösen bei Polavision nicht perfekt funktionierte, erhöhte sich die Transparenz des Dias damit etwas.

Neben der manuellen gab es auch eine elektrische Version des Autoprozessors. Dieser hatte den Vorteil, dass der Entwicklungsprozess vollautomatisch und gleichmäßiger ablief, da die Geschwindigkeit beim Kurbeln leichten Einfluss auf die Bildqualität nahm.

Filme

PolaChrome für 12 Bilder

PolaChrome

PolaChrome hatte genau wie Polavision eine Empfindlichkeit von ISO 40/17°, es handelte sich aber um einen Tageslichtfilm. In seinen Farben ähnelte er dem Ektachrome 100, gab aber Blau noch intensiver wieder.[5] Wie von Polavision bekannt, gab der PolaChrome naturgemäß dunklere Bilder als gewöhnliche Diafilme, da er anders aufgebaut war. Deswegen hatte eine Vorführung von PolaChrome- und herkömmlichen Dias große Helligkeitsschwankungen von Bild zu Bild zur Folge. Der Aufbau hatte auch eine wesentlich geringere Auflösung zufolge, die man in etwa mit einem Ektachrome 400 nach Push-Entwicklung auf ISO 1600/33° vergleichen konnte.[2]

PolaPan

PolaPan war für gewöhnliche Schwarzweißbilder gedacht, hat also einen normalen Kontrast. Die Empfindlichkeit lag bei ISO 125/22°, wobei die Lichter kaum überbelichtet wurden, die Schatten aber schnell ihre Zeichnung verloren. Man konnte infolgedessen problemlos um 1 EV überbelichten. Verglichen mit PolaChrome zeigte sich PolaPan naturgemäß wesentlich feinkörniger, da er keine Rasterung für die Farbfilter besaß, mit gewöhnlichen Schwarzweißfilmen konnte er aber nicht mithalten.[6]

Die Bezeichnung PolaPan hatte Polaroid zuvor schon für Schwarzweiß-Sofortbildfilme nach dem Trennbildverfahren verwendet.

Polagraph

Polagraph hatte als Dokumentenfilm eine extrem steile Gradation: er gab dunkle Stellen als Schwarz und helle Stellen als Weiß wieder, verzichtete also auf Grautöne. Diese Eigenschaft konnte reduziert werden, indem man die Entwicklungszeit von 2 min auf 1 min verkürzte; dann nahm seine Empfindlichkeit von ISO 400/27° auf ISO 200/24° ab und die nun vorhandenen Grautöne erschienen nicht neutral, sondern leicht sepiafarbend.[6]

Polablue

Polablue war ebenso ein Dokumentarfilm wie Polagraph; aber kein Umkehr-, sondern ein Negativfilm mit besonderer Farbgebung. Die Linien einer Zeichnung wurden weiß und der Hintergrund blau, wobei Unterbelichten zu einem dunkleren Blau, aber niemals zu Schwarz führte. Der Film benötigte 4 min anstatt wie die anderen 2 min Entwicklungszeit. Manche Fotografen setzen Polablue deswegen auch für Effekte ein. Allerdings benötigte er sehr viel Licht, seine Empfindlichkeit war gerade einmal mit ISO 4/8° für Kunstlicht und ISO 8/10° für Tageslicht angegeben.[6]

Erfolg

Da es sich um Filme für professionelle Anwendungen handelte, gab es keine große Werbekampagne für die Polaroid „Sofortbild“-Diafilme. Sie waren nur in größeren Fotogeschäften vorrätig, verkauften sich aber entsprechend der Erwartungen und blieben bis 2003 im Programm.

Einzelnachweise

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