Polavision

Schmalfilmsystem von Polaroid From Wikipedia, the free encyclopedia

Polavision war ein 1977 von Polaroid vorgestelltes und im Mai 1978 in den Markt eingeführtes „Sofortbild“-Schmalfilmsystem. „Sofortbild“ bedeutete dabei, die Filmkassette konnte wenige Minuten nach dem Belichten vorgeführt werden, indem sie in ein spezielles Betrachtungsgerät – mit Anschluss an das Stromnetz – eingelegt und daraufhin automatisch entwickelt wurde. Das System wurde bereits 1979 wegen Erfolglosigkeit wieder eingestellt.

Vorgeschichte

Edwin Herbert Land bei der Vorstellung von Polavision

Idee

Polaroid hatte bereits erfolgreich Sofortbild-Kameras eingeführt, zunächst nach dem Trennbild-Verfahren, dann mit dem Integralfilm des Systems SX-70. Letzteres bedeutete, das Bild kam unmittelbar nach dem Auslösen von einem Motor bewegt aus der Kamera und entwickelte sich ohne jedwedes Zutun des Fotografen von allein. Polavision setzte diese Idee auf bewegte Bilder um, ein Schmalfilm sollte sich nach der Belichtung ebenfalls ganz von allein entwickeln. Dies setzte ein neukonstruierte Filmkassette voraus, da die bekannte Super-8-Kassette weder Platz für die erforderlichen Chemikalien zur Entwicklung bot, noch der Film zurückgespult werden konnte. Eine neue Kassette erforderte wiederum eine spezielle Kamera. Da Polaroid den Film auch zur Vorführung in der Kassette belassen wollte, bedurfte es überdies eines speziellen Vorführgeräts.

Marktchancen

Treibende Kraft des Projekts war der Unternehmensgründer Edwin Herbert Land, während die meisten Mitarbeiter es ablehnten. Ihr Argument war: Super 8 macht nur etwa 3 % des gesamten Fotomarkts aus und mit solch einer Dimension ist es unmöglich, die Entwicklungskosten wieder herein zu bekommen – egal, zu welchem Preis man die Geräte und Filme anbietet.[1] Land hingegen argumentierte: Es handelt sich um etwas ganz Neues, dass man mit Super 8 nicht vergleichen kann und dass deswegen ungleich mehr Erfolg haben wird.[2]

„Polavision sind nicht Filme; es ist ‚eine Art, sich zum Leben und zueinander in Beziehung zu setzen‘.“

Edwin Herbert Land[1]

Ein weiteres Problem bestand in der fraglichen Zukunft des Schmalfilms. Akai hatte bereits 1970 den tragbaren Videorecorder VT 100 und eine Videokamera dazu herausgebracht. Es handelte sich zwar noch um Schwarzweiß-Geräte, sie zeigten aber bereits die Zukunft, mit 20 min Spielzeit pro Band und einer derart immensen Lichtempfindlichkeit, dass man problemlos in der Dämmerung oder bei Zimmerbeleuchtung aufnehmen konnte. Aus diesen Grund kam das Wort Film in der Bezeichnung der Filmkassetten nicht vor, sie erhielten den eigenartigen Namen Polavision Phototape Cassette.

Problematisch war auch das an sich für einen „Sofortbild“-Film nicht nötige Konzept, den Film für immer in der Kassette zu belassen. Zum einen musste man einen längeren Film mit mehreren Pausen schauen, in denen das Vorführgerät den Film zurückspulte und die Kassette anschließend auswarf; während der typische Super-8-Projektor 120 m Film entsprechend etwa 25 min Laufzeit ohne Unterbrechung vorführen konnte. Dies betraf insbesondere die häufige Schmalfilm-Anwendung Urlaubsfilm. Zum anderen konnte man den Film nicht schneiden und deswegen vor allem misslungene Aufnahmen nicht beseitigen. Bei Videorecordern konnte man zwar ebenfalls noch nicht schneiden, weil das nur mit Überspielen ging und der dafür erforderliche zweite Recorder viel zu teuer gekommen wäre. Aber man konnte sich eine Aufnahme sofort ansehen und sie gegebenenfalls wieder löschen.

Erste Ankündigungen

Polaroid hielt Neuentwicklungen grundsätzlich bis zur Markteinführung geheim, Anfang 1974 erschien aber ein zweiseitiger Bericht in Popular Science. Dieser erwähnte die schon seit einiger Zeit im Umlauf befindlichen Gerüchte, welche aber nur darauf fußten, dass nach dem Sofortbild-Foto ein Sofortbild-Film wahrscheinlich ist. Aber er ergänzte die Analyse von Polaroid-Patenten mitsamt einer Skizze der zukünftigen Kassette. Dabei ging man bereits davon aus, dass der Film immer in der Kassette verbleit und nicht in der Kamera, sondern im Projektor entwickelt wird. Bis zur Vorstellung würden aber noch ein paar Jahre vergehen.[3]

Tatsächlich waren die Entwicklungsarbeiten schon weit fortgeschritten, der Wechsel des Geräteherstellers führte aber zu einer erheblichen Verzögerung. Zunächst arbeitete man mit Bell & Howell zusammen, mehrfache Änderungswünsche führten aber im Sommer 1974[4] zur Trennung.[1] 1976 kam es dann zu einem Vertrag mit Eumig, dieses Unternehmen kreierte die Apparate dann ganz nach den Wünschen von Polaroid.[5]

System

Eumig produzierte die Kamera und das Betrachtungsgerät in seinen Werken in Österreich. Zuerst berichtete wiederum Popular Science davon und zeigte mit einem dreiseitigen Artikel Fotos von der Kamera und dem Betrachtungsgerät, man vermutete aber noch einen Preis unter $ 500 für beides zusammen.[6] Tatsächlich lag der Listenpreis dann bei $ 699. In Österreich wurde das Set für 9.990 öS angeboten.[5] Polavision war damit erheblich teurer als vergleichbare Super-8-Geräte.

Filmkassette

Maße

Die Polavision-Kassette war 512 in hoch, 278 in breit und ¾ in dick, entsprechend 130 mm × 70 mm × 15 mm. Sie enthielt einen Film mit einer Länge von 38,5 ft, entsprechend 11,7 m, welcher der Super-8-Norm folgte und infolgedessen 2800 Bilder enthielt. Polavision lief ausschließlich mit einer Bildfrequenz von 18/s, so dass die Laufzeit 2 min 35 s betrug – gegenüber 3 min 20 s bei der Super-8-Kassette.

Aufbau

In der Polavision-Filmkasette befanden sich die beiden Spulen nicht wie von Super 8 bekannt auf einer Achse, sondern in einer Ebene. War sie in einer Kamera eingelegt, dann lagen unten die Aufwickel-, darüber die Abwickelspule und nochmals darüber der Tank mit der Entwicklungsflüssigkeit. Um letzteren verlief der Film in einer Schleife. Damit der Film auch zur Vorführung in der Kassette verbleiben konnte, gab es ein Prisma hinter dem Bildfenster, welches die Lichtstrahlen der Projektorlampe auf den Film umlenkte. Der Film trug am Anfang den aufgedruckten Schriftzug unexposed und am Ende exposed.[6]

Filmentwicklung

Die Filmentwicklung wurde mit dem Zurückspulen des komplett durchgelaufenen Films automatisch eingeleitet. Der Tank für die Entwicklungsflüssigkeit war dafür mit einem Deckel verschlossen, an dem ein Kunststoffband hing. Dieses Band wies ein pfeilförmiges Ende auf, welches neben dem Film lag und durch die Bewegung des Films in ein Loch geschoben wurde, dass sich am Ende des Films befand. Durch einen Widerhaken blieb das Band im Loch hängen, dass dazu eine geeignete Form aufwies. So öffnete sich der Tank, wobei das Band mit aufgewickelt wurde und mit einer Sollbruchstelle nach der Öffnung vom Deckel abriss, der an einer bestimmten Stelle in der Kassette verblieb. Da sich die Kassette während der Entwicklung nicht in der Kamera, sondern im Betrachtungsgerät befand, hatte sie eine definierte Lage, bei der die Entwicklungsflüssigkeit direkt auf den Film lief.

Das Betrachtungsgerät erfuhr durch zwei elektrische Kontakte, ob es sich um einen unentwickelten Film handelte. Dann waren die beiden Kontakte durch ein Blech miteinander verbunden. Dieses Blech wies zwei Widerhaken auf, die sich beim Rückspulen rechts und links in den Filmanfang einhaken konnten, weil es dort eine verjüngte Stelle gab. Anschließend lief das Blech mit dem Film mit, unterbrach so den elektrischen Kontakt und bewegte ein weiteres Blech. Dieses schob sich vor den Tank, um ihn durch einhaken wieder zu verschließen.

An dem Ablauf waren mehrere Umlenkrollen beteiligt. Da es zudem Arretierungen für die beiden Spulen gab, befand sich im Inneren der Polavisions-Kassette ein ausgesprochen komplizierter Mechanismus.[7]

Kamera

Polavision Land Camera 3600

Polavision Land Camera

Zum System gehörte eine gut, aber billig aussehende Filmkamera, was der Realität entsprach.[6] Ihr Objektiv war mit f/1,8 und 12 mm bis 25 mm Brennweite für eine 8-mm-Kamera weder besonders lichtstark, noch mit einem großen Zoom-Bereich ausgestattet. Für die Entfernungseinstellung konnte man den Tubus axial bewegen, wobei es nur zwei Stellungen gab, nämlich für 2 m bis 5 m und für 5 m bis unendlich. Das Zoomen ging nicht motorisch vonstatten, wie es bei Super-8-Kameras mittlerweile Standard war, sondern durch Drehen des schwergängigen Tubus, wozu man einen Hebel rechts oder links anschrauben konnte, um den Sensor des Belichtungsmessers nicht mit der Hand zu verdecken. Für die Stromversorgung befanden sich vier AA-Zellen im Handgriff. Die Bildfrequenz betrug 18/s, es gab weder Zeitlupe, noch Zeitraffer.[6]

Für diese Kamera gab es mit der Polavision Twi Light eine einfache Filmleuchte, die auf die Kamera geschraubt wurde. Sie bestand aus zwei transparenten Kunststoffröhren mit je einer Halogen-Reflektorlampe, die mit Netzspannung betrieben wurden. Mit dem Aufschrauben bewegte sich der Rotfilter aus den Strahlengang, um bei Kunstlicht aufnehmen zu können – es verhielt sich also genau wie bei Super 8. Kamen andere Filmleuchten zum Einsatz, dann musste die unten in den Griff eingeschraubte Trageschlaufe anstelle der Filmleuchte montiert werden.[2]

Eumig hat 171.000 Kameras produziert.[5]

Nicht mehr realisierte Modelle

Polaroid kündigte zur Vorstellung von Polavision aufwendigere Kameras an, darunter eine XL-Kamera, also eine Kamera für schlechte Lichtverhältnisse, und eine Tonfilmkamera, die mit Tonspur auf dem Film arbeitet. Zudem sprach man von einer Fotofunktion, um Einzelbilder zu belichten, also bis zu 2800 Bilder auf eine Kassette unterbringen zu können.[6]

Mekel 300 Instant Analysis Camera

Von der Mekel Engineering Inc. gab es die Hochgeschwindigkeitskamera Mekel 300 Instant Analysis Camera, die mit einer Bildfrequenz von 4/s bis 300/s aufnehmen konnte, also bei Maximalgeschwindigkeit eine Kassette in rund 10 s durchlaufen lassen konnte.[8]

Betrachtungsgerät

Polavision Player mit zwei Filmkassetten

Polaroid bot für das System nur einen einzigen Apparat zum Betrachten an, welcher in etwa das Aussehen eines portablen Fernsehgeräts hatte. Der Polavision Player war nämlich ein Rückprojektionsgerät mit 12" Bilddiagonale. Er arbeitete mit einer 100 W Halogenlampe, die mit 12 V betrieben wurde. Das Gerät hatte nur wenige Bedienelemente: nach Abnehmen der Rückwand kam ein Drehschalter zum Vorschein, mit dem man die Netzspannung auf verschiedene Werte zwischen 100 V und 240 V einstellen konnte; unter der Rückwand gab eine Taste für den vorzeitigen Auswurf und ein Drehrad für den Bildfang; oben auf dem Gerät lag in der Griffmulde ein weiteres Drehrad für die Fokussierung.

Steckte man nach Öffnen eines Deckels auf der Gehäuseoberseite eine Filmkassette in das Gerät, dann schaltete es sich automatisch ein und startete. Erkannte es dabei eine unentwickelte Kassette, dann wurde sie in 90 s zurückgespult und dabei entwickelt. Nach 45 s Wartezeit zum Trocknen und Ausentwickeln des Film begann automatisch die Vorführung. Im Falle einer entwickelten Kassette startete die Vorführung. Am Ende wurde die Kassette binnen 15 s zurückgespult und ausgeworfen. Als Zubehör gab es die Instant Replay Control, eine Taste, die mit einer Zuleitung hinten an das Gerät angeschlossen wurde und mit der man den Film rückwärts laufen lassen konnte, um sich ein Abschnitt noch einmal anzuschauen.[6] Problematisch an der Vollautomatik war ein Defekt an der Kassette, dann lief der Film nur wenige Sekunden vorwärts und wurde wieder zurückgespult. In diesem Fall konnte der Benutzer nicht eingreifen, um die Störung zu beheben.[2]

Eumig hat 215.000 Polavision Player produziert.[5]

Film

Arbeitsweise

Der Polavision-Film war anders als das SX-70-Sofortbild aufgebaut, nämlich nach dem Rasterverfahren. Dieses stammte aus der Zeit vor dem modernen Farbfilm, wie sie um 1935 mit Kodachrome und Agfacolor Neu erschienen. Allerdings konnte Polaroid mit 4500 Streifen pro Zoll[6] ein feineres Raster und somit eine höhere Auflösung als damals erzeugen. Dabei verwendete man das Linienrasterverfahren:

Während Super-8-Filme aus dem weißen Licht der Projektorlampe die nicht benötigten Anteile herausfilterten, also mit subtraktiver Farbmischung arbeiteten, nutzte Polavision mit dem Rasterverfahren die additive Farbmischung. Es handelte sich um einen Schwarzweißfilm, auf den ein Muster von kleinen Farbfiltern für die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau angebracht waren. Der Schwarzweißfilm bestimmte dabei die Helligkeit jeder Farbe. Nachteilig an dem Verfahren war die geringe Empfindlichkeit und das dunkle Projektionsbild. Dies lag daran, dass aus dem auftreffenden Licht zunächst durch filtern die Grundfarbe erzeugt wurde und dann noch einmal die Grundfarbe – vom Schwarzweißfilm – gefiltert wurde, um ihre Helligkeit zu bestimmen. Umgekehrt wurde vom Licht der Projektionslampe erst einmal große Anteile herausgefiltert, um die Grundfarben zu erhalten, und dann noch die Grundfarbe verdunkelt, um die richtige Farbe und Helligkeit zu erzeugen.

Filmtypen

Phototape Cassette Type 608

Der Typ 608 war – wie von den Super-8-Kassetten gewohnt – für Kunstlicht sensibilisiert und wies eine Empfindlichkeit von ISO 40/17° auf. Er war der Standardfilm, mit dem das System auch vorgestellt wurde. In den USA betrug der Listenpreis $ 9,95,[9] Super-8-Kassetten waren demgegenüber deutlich billiger.

Phototape Cassette Type 617

Der Typ 617 war ein Schwarzweißfilm mit ISO 125/22° Empfindlichkeit. Er war vor allem für Forschung und Entwicklung gedacht.[10]

Phototape Cassette Type 618

Der Type 618 war der Nachfolger des Typs 608 und besaß unverändert eine Empfindlichkeit von ISO 40/17°.[11]

Bildqualität

Consumer Reports beschrieb das Bild als „trüb und dunkel“, was allerdings einige Künstler faszinierte, darunter Charles Eames, Stan Brakhage und Andy Warhol. Grundsätzlich ließ sich der Film aus der Kassette herausziehen, um ihn mit einem gewöhnlichen Super-8-Projektor vorzuführen. Montierte man ihn aber zusammen mit herkömmlichen Super-8-Film, dann führte dies zu unbrauchbaren Ergebnissen, da die Helligkeit dann stark schwankte.

Markteinführung

USA

Polaroid startete Anfang 1978 den Verkauf und gewann Danny Kaye für eine Werbekampagne, ein in den 1950er Jahren bekannten Komiker.[12] Darüber hinaus erschienen weitere Werbespots,[13][14] man konnte aber kein Interesse bei den potenziellen Kunden wecken. Popular Science brachte im Frühjahr 1978 sogar einen Artikel, in dem man auf einer Doppelseite berichtete, wie gut sich Polavision auf zwei Partys bewährt habe.[15]

„Ich habe das Produkt ausprobiert, aber es war im Vergleich zu allem, was Kodak zu bieten hatte, ein totaler Reinfall. […] Sofortbildfilme waren zwar eine technische Meisterleistung, aber genau das trenne die Polaroid-Techniker von den Polaroid-Pragmatikern. Es gab einfach nicht genug Kunden, an denen sich das Potenzial dieser Technologie hätte auszahlen lassen.“

Paul Giambarba, ehemaliger freier Mitarbeiter von Polaroid[16]

Deutschland

Polaroid Deutschland hatte sechs Monate nach Verkaufsbeginn gerade einmal 1.000 Sets ausgeliefert,[17] also kaum mehr als die Vorführgeräte. Polavision blieb weitgehend unbekannt, außer durch einige Berichte in Zeitschriften und Fernsehsendungen, in denen technische Neuheiten vorgestellt wurden, hatte man kaum eine Chance, davon zu erfahren. Es gab keine Werbespots im Werbefernsehen und noch nicht einmal eine Werbekampagne in Fachzeitschriften.

Kundenwünsche

Für den Privathaushalt war kein Kundenwunsch ersichtlich. Während bei der Sofortbild-Fotokamera das Foto bereits am Aufnahmeort beurteilt und Anwesenden mitgegeben werden konnte, entfielen diese Aspekte bei Polavision. Da der Film nicht in der Kamera entwickelt wurde, konnte er erst zu Hause betrachtet werden. Im Falle einer Urlaubsreise bestand also kaum ein Unterschied zu Super 8, zumal, wenn man die belichteten Filme vom Urlaubsort aus zum Labor sandte und sie daraufhin bei der Heimkehr bereits im Briefkasten lagen.

Für den professionellen Einsatz gab es Einsatzgebiete, beispielsweise das Filmen von Sportlern, um anschließend mit ihnen den Bewegungsablauf zu besprechen. Allerdings standen dafür auch schon Videokameras mit tragbaren Recorder bereit, die zwar erheblich teurer waren, dafür aber die hohen Kosten für die Filmkassetten vermieden. Folglich lohnte sich Polavision nur bei seltenen Einsatz. Eine Ausnahme stellten lediglich Aufnahmen mit der Hochgeschwindigkeitskamera dar.

Marktsituation

Super 8 hatte den Höhepunkt in den Jahren 1972 bis 1975, danach ließen die Verkäufe von Kameras und Projektoren bereits nach. Der Grund lag in den tragbaren Farb-Videorecordern mit zugehöriger Kamera, die zwar mit über 7000 DM noch immens viel kosteten, aber ein Ende des Heimkinos in der nicht allzu fernen Zukunft vermuten ließen. In dieser Situation gelang es Polaroid nicht, Polavision bekannt zu machen.

Ende

Änderung der Zielgruppe

Nachdem man bei den Privathaushalten nicht Fuß fassen konnte, versuchte Polaroid im November 1978 mit einer ganzseitigen Zeitungsannonce gewerbliche Kunden anzusprechen. Anstatt – wie in der Werbung üblich – Kundenwünsche zu erfüllen, geriet man in Panik und versuchte dabei, den Kunden mitzuteilen, was sie mit dem Produkt machen sollen.[1] Die Annonce trug die Überschrift: 48 Legitimate business reasons for buying Polaroid Instant Movies for yourself (48 legitime geschäftliche Gründe, warum Sie Polaroid Sofortbildfilme für sich selbst kaufen sollten), zählte alphabetisch geordnet Branchen auf und nannte dahinter die Einsatzmöglichkeit. Beispielsweise:

  • Adoptionsagenturen: Es ist eine der schnellsten und schonendsten Möglichkeiten, Kinder potenziellen Eltern vorzustellen.
  • Werbung: Polavision bietet die effizienteste Möglichkeit, Drehorte, Requisiten und Kostüme zu finden.
  • Feldberichte: Polavision-Kassetten ermöglichen es dem Reporter, viel wortreichen oder beschreibenden Text zu vermeiden.
  • Spendenakquise: Dank der Mobilität können Werber ihre Botschaften auf intime und persönliche Weise präsentieren, ohne auf komplizierte und sperrige Ausrüstung zurückgreifen zu müssen.
  • Warenhäuser: Werbemaßnahmen zur Kundenfrequenzsteigerung und Verkaufsdisplays können den Einsatz der Geräte zeigen.

Der Erfolg blieb dabei aus.

Einstellung

Da kaum jemand von der Exsistenz des Systems erfahren hatte, blieb die Einstellung von Polavision im Jahr 1979 praktisch unbemerkt. Es trug aber erheblich zum Untergang des Gerätelieferanten Eumig bei. Die letzten Kassetten wurden 1988 verkauft und hatten 1990 als Verfallsdatum, ihnen lag ein Zettel bei, der auf das Produktionsende hinwies.

Der größte Teil der produzierten Geräte verkaufte Polaroid 1979 als Restposten, damit hatte Polavision ein Verlust von insgesamt $ 68,5 Mio. verursacht. Als Folge trat Edwin Herbert Land 1980 als Vorstandsvorsitzender zurück und verließ das Unternehmen zwei Jahre später.[18]

Um die Produktionsanlagen weiter noch nutzen zu können, stellte Polaroid 1983 den „Sofortbild“-Diafilm für Kleinbildkameras PolaChrome vor, der sich aber nur an professionelle Anwender wandte.

Agfa

Das Agfa Camerawerk ließ sich durch den Misserfolg aber nicht beirren und stellte 1980 mit Agfa Family ein vergleichbares System, also eine einfache Kamera und ein Betrachtungsgerät für gewöhnliche Super-8-Kassetten vor, dass sich dann als ebenso unverkäuflich erwies und ebenfalls zum Untergang des Geräteherstellers beigetragen hat.

Einzelnachweise

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