Polaroid 600

1981 vorgestelltes Sofortbild-System von Polaroid From Wikipedia, the free encyclopedia

Polaroid 600 war ein 1981 vorgestelltes Sofortbild-System von Polaroid. Es folgte Polaroid SX-70 und handelte sich ebenfalls um einen Integralfilm, das Foto kam also unmittelbar nach der Aufnahme motorisch aus der Kamera gefahren und entwickelte sich ohne jedwedes Zutun des Fotografen von allein. Polaroid 600 blieb bis zum Konkurs des Unternehmens im Jahr 2008 aktuell und erhielt keinen Nachfolger mehr. Für die Kameras in gehobenen Preissegment kam aber 1986 ergänzend Polaroid Image hinzu, das sich aber nur durch ein größeres Bildformat unterschied.

Polaroid 600 Film
Polaroid 600 Bild

Film

Fotochemie

Die Bezeichnung Polaroid 600 leitete sich von der Filmempfindlichkeit ab, welche ungefähr ASA 600 betrug, genau ISO 640/29°. Der Film basierte auf den SX-70 Supercolor, wobei die um zwei Belichtungsstufen höhere Empfindlichkeit im Wesentlichen durch ein gröberes Korn erreicht wurde, außerdem durch etwas mehr Silber und verschiedene Zusätze, zu denen Polaroid aber nur vage Aussagen machte. Die Farbstoffe blieben unverändert, infolgedessen unterscheiden sich SX-70 und 600 nicht in ihrem Bildeindruck. Die stärkere Körnung war mit dem bloßen Augen nicht zu bemerken.[1]

Kassette

Nicht nur das Bildformat von 7,8 cm × 7,9 cm mit einem Passepartout im Format 8,9 cm × 10,7 cm war mit SX-70 identisch, auch die Kassetten blieben bis auf ein Detail unverändert. Kleine vorstehende Nasen verhinderten nämlich das Einschieben in eine Kamera des Systems SX-70, umgekehrt gaben diese Nasen eine Sperre frei, die das Einschieben von einem SX-70-Film verhinderte.[2]

Blitzgerät

Die Batterie für die Stromversorgung der Kamera war unverändert in der Filmkassette eingebaut, sie bekam aber eine größere Kapazität. Weil die höhere Filmempfindlichkeit nur ein kleines Blitzgerät benötigte, konnte es nämlich ebenfalls von ihr versorgt werden. Die Leitzahl betrug zwar unverändert generell 45, aber nun bei ISO 640/29° anstatt bisher ISO 160/23°, so dass die halbe Größe ausreichte. Daraufhin gehörte ein eingebautes Blitzgerät zum Standard einer 600-Kamera, nur das bedeutungslose Einstiegsmodell besaß keins.

Dies hatte zum einen den Vorteil, dass Gelegenheitsfotografen nicht vergessen konnten, die Batterien im Blitzgerät zu erneuern, vor allem aber, dass man generell Aufhellblitzen konnte. Der Kontrastumfang des Films war nämlich unverändert gering, so dass viel eher als bei gewöhnlichem Film unterbelichtete Partien im Bild entstehen konnten. Dies zeigten Kundenfotos im Rahmen einer gelegentlich durchgeführten Umtauschaktion von misslungenen Bildern gegen einen neuen Film. Die Kameras wählten eine Sonne-Blitz-Verhältnis von 3 : 1, also 75 % Sonnenlicht und 25 % Blitzlicht, welches sich in Testreihen als optimal erwiesen hatte. Erst wenn das Umgebungslicht nicht ausreichte, gingen sie auf 100 % Blitzlicht über.[2]

Kameras

Das System 600 wurde im Sommer 1981 mit den beiden Kameras 640 und 660 vorgestellt.

Polaroid 660

Polaroid 660
Polaroid 660 Demonstrationsmodell

Die Polaroid 660 besaß wie vom SX-70-Modell Polaroid Sonar 5000 bekannt einen Autofokus, der mit Ultraschall arbeitet. Neu war allerdings, dass zur Fokussierung nicht mehr die Frontlinse bewegt wurde, sondern eine Linse ausgetauscht wurde. Dazu gab es ein Kreissegment mit vier Linsen, das elektrisch gedreht wurde und so die passende Linse in das Objektiv schwenkte. Dabei gab es vier Bereiche:

Weitere Informationen Entfernungsstufen, Stufe ...
Entfernungsstufen
Stufe von bis Brennweite
1 60 cm 1 m 90 mm
2 1 m 1,7 m 99 mm
3 1,7 m 3,9 m 105 mm
4 3,9 m 109 mm
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Die Fokussierung funktionierte wie von der Innenfokussierung bekannt. Bei ∞-Stellung hatte das Objektiv die angegebenen 109 mm Brennweite, mit den übrigen Linsen verringerte sich die Brennweite ohne das sich die Entfernung der Linsen von der Filmebene änderte, so dass sich eine nähere Entfernungseinstellung ergab. Beim Drücken des Auslösers drehte sich das Segment mit den Linsen und die Entfernungsmessung sendete ein Signal aus, dass vom Motiv reflektiert nach einer bestimmten Zeit wieder eintraf. Mit dem Eintreffen wurde die Scheibe mit einem Keil angehalten und die gerade im Objektiv befindliche Linse stellte die passende Entfernungseinstellung dar: wenn das Signal lange benötigt, die Linse für die Unendlichstellung, wenn es schneller wiederkommt, eine der drei anderen Linsen. Der Keil sorgte dafür, dass die jeweilige Linse die exakte Position im Objektiv einnahm.

Eine weitere Neuerung bestand darin, dass es sich um Kunststofflinsen handelte. Dies ermöglichte bei ungefähr gleicher Lichtstärke mit zwei anstatt bislang drei Linsen auszukommen, in dem man asphärische Linsen einsetzte. Da Kunststofflinsen durch Spritzgießen entstanden, konnten solche Linsen nämlich ohne Zusatzkosten hergestellt werden. Mit diesem Objektiv und seiner Fokussierung hatte Polaroid der Kameratechnik erneut um eine richtungsweisende Konstruktion ergänzt, einfache Mittel führten zu einer zuverlässig funktionierende Entfernungseinstellung.

Der Autofokus übermittelte der Belichtungssteuerung auch die Laufzeit des Ultraschallsignals. So konnte der Blitz gesteuert werden. Zunächst musste man den Auslöser halb drücken, dann leuchtete für etwa 5 s eine rote Leuchtdiode im Sucher und der Kondensator des Blitzes wurde aufgeladen. Nach dem Auslösen wählte die Steuerung eine Kombination aus Blendenwert und Zeit für die korrekte Belichtung und dann den Blendenwert, bei dem der Blitz für die gemessene Entfernung ¼ zur Belichtung beitrug. Anschließend öffnete der Verschluss und während dieses Vorgangs wurde der Blitz exakt zu dem Zeitpunkt ausgelöst, bei dem der gerade die passende Blendenwert freigab. Reichte das Umgebungslicht nicht aus, dann ging die Steuerung stufenlos vom Aufhellblitzen zum vollen Blitzen über. Für letzteres reichte der Blitzbereich von 4,3 m bei f/10 bis 60 cm bei f/45.

Für das Fotografieren durch eine Glasscheibe konnte man die Fokussierung mit drücken eines Taster unter dem Blitzgehäuse während der Aufnahme abschalten. Dann befand sich die Linse für die ∞-Einstellung im Objektiv. Den Blitz konnte man mit einem zweiten Auslöser deaktivieren, der in Kamerablickrichtung hinter dem rot markierten ersten Auslöser lag. Der Bereich für die Belichtungseinstellung lag dann zwischen ⅓ s bei f/10 und 1200 s bei f/45.[2]

Der Listenpreis der Polaroid 660 betrug $ 95. Foto Quelle bot sie unter dem Namen Revue 660 an. In den USA hieß sie Sun 660.

Polaroid 640

Die Polaroid 640 erschien mit einem Listenpreis von $ 75. Sie besaß ein Fixfokus-Objektiv f/14,6 mit 109 mm Brennweite und einen Entfernungsbereich von 1,2 m bis ∞. Wie von der Polaroid 1000 bekannt, bestand es aus einer einzigen asphärischen Kunststofflinse. Infolgedessen konnte die Belichtungssteuerung keine Entfernungseinstellung in Erfahrung bringen, um die Blitzbelichtung wie bei der Polaroid 660 zu steuern. Deswegen löste der Blitz immer aus und steuerte seine Helligkeit durch eine Fotodiode, die das vom Motiv reflektierte Licht maß. Bei weiter entfernten Motiven hatte der Blitz geringe bis gar keine Wirkung.[2] Den Blitz konnte man wie bei der 660 abschalten. Nach Erscheinen des Nachfolgers Impulse blieb die 640 unter verschiedenen Namen weiter in Produktion, wobei sich die Farbgebung unterschied, beispielsweise bei der Polaroid 635.

In den USA hieß die Kamera Sun 640.

Polaroid 650

Polaroid Hello Kitty
Polaroid Barbi

Die Polaroid 650 entsprach der 640 bis auf die Nahlinse. Sie wurde mit einem in Kamerablickrichtung rechts neben dem Objektiv befindlichen Schieber vor das Objektiv bewegt, woraufhin der Entfernungsbereich 0,6 m bis 1,2 m betrug.[3] Nach Erscheinen der Impulse blieb die Kamera mit unterschiedlicher Farbgebung unter verschiedenen Namen in Produktion, etwa Polaroid 645 CL (für Close-up Lens). Bei der Polaroid Hello Kitty in der ersten Ausführung und der Polaroid Barbie handelte es sich ebenfalls um eine 650.

In den USA hieß die Kamera Sun 640.

Polaroid 610 und 620

Die Polaroid 610 war das Einstiegsmodell ohne Blitzgerät. Es besaß nur eine Klappe, die bei Nichtgebrauch das Objektiv abdeckte. Die 620 besaß zusätzlich die Nahlinse. Beide Kameras sind aber kaum verkauft worden.[3]

Polaroid 680

Bei der Polaroid 680 handelte es sich im Prinzip um eine SX-70 Sonar mit eingebauten Blitzgerät. Die Platine für die Kamerasteuerung war bis auf einen Kondensator identisch, der nun eine Kapazität von 220 pF anstatt 1 nF aufwies, um die Belichtungsmessung an den höherempfindlichen Film anzupassen. Das Blitzgerät besaß einen Schwenkreflektor, der mit der Entfernungseinstellung gekoppelt war, um auch Nahaufnahmen vollständig auszuleuchten, was bei der SX-70 Sonar noch problematisch war.

Die 680 kam 1982 mit einem Listenpreis für $265 auf dem Markt und blieb bis 1986 im Programm, als die Polaroid Image sie ablöste. Die Variante 680 SE unterschied sich nur im Design.[3]

Polaroid 690

Polaroid 690

Die Polaroid 690 sollte lediglich ein limitiertes Sondermodell werden, gelangte aufgrund der großen Nachfrage 1998 aber ins reguläre Programm. Im den USA und Japan stellte man den Verkauf bereits 2002 ein, in Japan war sie aber noch länger erhältlich.[3]

Die 690 entsprach mit ihren Funktionen der 680, besaß aber eine neue Platine für die Kamerasteuerung, welche nun mit einem 4-Bit-Mikroprozessor arbeitete. Ein weiterer Unterschied lag in der Kunststoff- anstatt Metallklappe für die Filmaufnahme. Außerdem entstand die 690 in Japan.[4] Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Polaroid-Sofortbildkameras im Jahr 1998 erschien in kleiner Auflage ein Sondermodell mit Holz-Schatulle.[3]

Die 690 war die letzte Spiegelreflexkamera von Polaroid, danach gab es mit dem System Image nur noch aufklappbare Sucherkameras.

Polaroid Impulse

Polaroid Impulse

Die Polaroid Impulse ersetzte 1988 die 640 und unterschied sich durch ihr weniger kantiges Gehäuse, das moderner erschien. Es gab sie in Grau, Schwarz, Gelb, Blau, Grün und Purpur. Der Blitz wurde nun ausgefahren, in dem man oben auf ihn drückte und er dann ausrastete. Dabei schwenkte die Schutzklappe vor dem Objektiv weg. Es gab nur noch einen Auslöser, der Blitz arbeitete infolgedessen bei jeder Aufnahme. Spätere Modelle nannten sich Impulse SE oder Impulse QPS. Die Version mit Nahlinse hieß auch Impulse Close-up, Impulse CL oder Impulse Portrait.

Polaroid Impulse AF

Polaroid Impulse AF

Entsprechend der Impulse trat die Impulse AF die Nachfolge der 660 an. Sie besaß ebenfalls nur einen Auslöser und außerdem keine Möglichkeit, den Autofokus abzuschalten. Dafür gab es einen Selbstauslöser und an manchen Kameras einen Anschluss für den Fernauslöser des Image-Systems. Spätere Modelle hießen Impulse SE.

Polaroid 600 und 600 Autofocus

Polaroid 600 Autofocus
Polaroid 600 Autofocus
Spice Cam

Die Polaroid 600 entsprach technisch der 640 bzw. mit Nahlinse der 650, die Polaroid 600 Autofocus der 660. Diese Modelle erschienen 1997 mit einem neuen Gehäuse. Zu der Serie gehörte auch die 1998 als Merchandising Produkt für die Spice Girls erschienene Spice Cam, die auch über Schallplattengeschäfte verkauft wurde. Es handelte sich um eine 600 mit Nahlinse.

In den USA hießen die Modelle One Step 600 und One Step 600 Autofocus.

Polaroid one 600 Classic

Polaroid one 600

Die Polaroid one 600 erschien 2004, sie hatte ein Fixfokus-Objektiv f/12,9 mit 100 mm Brennweite, dessen Schärfenbereich von 90 cm bis ∞ reichte. Die Belichtungszeit lag wie bei der 640 zwischen ⅓ s und 1200 s. Die Kamera konnte ähnlich der Polaroid Image eingeklappt werden, sie besaß keinerlei Einstellmöglichkeiten, also weder eine Helligkeitskorrektur, noch einen Selbstauslöser oder eine Nahlinse.[5][6]

Commons: Polaroid 600 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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