Polizeiruf 110: Widerfahrnis

Fernsehfilm aus der Krimireihe Polizeiruf 110 From Wikipedia, the free encyclopedia

Widerfahrnis ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Polizeiruf 110. Der vom MDR produzierte Beitrag ist die 417. Polizeiruf 110-Episode und wurde erstmals am 4. Mai 2025 im Ersten ausgestrahlt.[1] Die Magdeburger Ermittlerin Doreen Brasch ermittelt in ihrem 20. Fall.

TitelWiderfahrnis
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Länge90 Minuten
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Folge der Reihe Polizeiruf 110
Titel Widerfahrnis
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Länge 90 Minuten
Regie Umut Dağ
Drehbuch
Musik Iva Zabkar
Kamera Moritz Anton
Schnitt Harald Aue
Premiere 4. Mai 2025 auf Das Erste
Besetzung
Episodenliste
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Handlung

Kriminalhauptkommissarin Doreen Brasch wird zu einem Verkehrsunfall gerufen. Eine Frau ist auf der Bundesstraße 184 von einem Auto erfasst worden, wird zunächst für tot gehalten und später, immer noch bewusstlos, in ein Krankenhaus eingeliefert. Kriminalrat Uwe Lemp will in dieser Sache zunächst nicht weiter ermitteln, da es sich seiner Auffassung nach nur um einen unglücklichen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht handelt. Doch Doreen Brasch lässt der rätselhafte Fall keine Ruhe, weil das Unfallopfer lange nicht identifiziert werden kann, und sie ermittelt auf eigene Faust weiter.

Die Frau hatte ein Handy bei sich, das auf eine Berna Kandemir registriert ist. Berna hatte die Frau, die sie nur mit dem Vornamen Sarah kennt und die in einer tiefen mentalen Krise steckt, zwei Monate zuvor bei sich aufgenommen. Als Gegenleistung hatte Sarah regelmäßig an Bernas Stelle als Reinigungskraft im Hotel Excelsior gearbeitet, wo sie unerwartet dem Architekten Rene Tamm begegnet ist. Dessen Frau fährt einen silbernen Mercedes, wie er als Tatfahrzeug anhand von Lackspuren ermittelt werden konnte.

In Rückblenden ist zu sehen, dass Sarah nach der Begegnung Tamm über längere Zeit verfolgte. Schließlich wollte Sarah Suizid im Straßenverkehr begehen, indem sie sich gezielt vor Tamms Auto warf. Bei der Prostituierten Dorota, die Sarah als Letzte vor dem Unfall gesehen hat, finden Brasch und Lemp Sarahs Papiere und erfahren, dass diese in Wahrheit Sandra Polzin heißt – eine ehemalige Lehrerin, die durch einen Autounfall fünf Jahre zuvor ihren Ehemann und ihren Sohn sowie in der Folge ihren Job und ihr Eigenheim verloren hatte. Nach der Kollision war Rene Tamm aus seinem Auto ausgestiegen und hatte kurz den auf dem Dach liegenden Van von Familie Polzin betrachtet, war dann aber vom Unfallort geflüchtet. Sandra alias Sarah hat Tamm im Hotel wiedererkannt, sie konnte ihn aber juristisch nicht zur Verantwortung ziehen, weil die Fahrerflucht nach fünf Jahren verjährt war.

Sandra erliegt ihren Verletzungen; dank der Zeugenaussage von Dorota wird Tamm überführt und wegen Fahrerflucht nach dem jüngsten Unfall verurteilt. In einer weiteren Rückblende wird offenbart, dass bei dem ersten Unfall, bei dem Sandras Familie starb, nicht Rene Tamm, sondern seine Ehefrau Lucy am Steuer gesessen hatte.

Hintergrund

Der Film wurde vom 14. November 2023 bis zum 14. Dezember 2023 an 22 Drehtagen in Magdeburg und Umgebung gedreht.[2] Es ist der letzte Film mit Pablo Grant als Günther Márquez, der kurz nach Ende der Dreharbeiten verstarb.[3] Der Film endet mit einer Widmung an ihn und nach dem Abspann mit einer Texttafel mit einem Hinweis auf die Telefonseelsorge Deutschland.

Aufgrund der inhaltlichen Nähe zum Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt entschieden die Verantwortlichen, dass der Film nicht wie geplant am 2. Februar 2025 ausgestrahlt wurde, sondern erst am 4. Mai 2025. Stattdessen zeigte Das Erste den Film Herz der Dunkelheit aus der Reihe Tatort.[4]

Rezeption

Kritiken

„Bisweilen überzieht dieser Polizeiruf leicht, etwa wenn zu viel geschwiegen und zu viele bedeutsame Blicke getauscht werden. Wenn dafür die Polizeirecherchen etwas kurz kommen und Brasch durch ein Klopfen ans Autofenster geweckt werden muss. Ein Schwachpunkt auch, dass in einem so feingezeichneten Film die Ehefrau des Verdächtigen (Martina Ebm als Lucy Kamm) einmal mehr die Klischee-Frau ist, Typ privilegierte Eisprinzessin. Während er, Stephan Kampwirth als René Kamm, ein großartig nuancierter Verdächtiger sein darf.“

Sylvia Staude: Frankfurter Rundschau[5]

„Viel geredet wird nicht in diesem gelungenen Psycho-Krimi. Regisseur Umut Dag verlässt sich ganz auf Atmosphäre – gierig glimmende Zigaretten, kalte Ausfallstraßen, stoisch rotierende Windparks – und die Präsenz von Mareike Sedl, die die traumatisierte Sarah beinhart spielt. […] Überhaupt handelt ‚Widerfahrnis‘ vor allem von der Ohnmacht von Frauen. Seien sie alleinerziehend, ohne Job und Familie, ohne gute Anwälte oder schlicht mit Migrationshintergrund. Am Ende solidarisieren sie sich und sorgen für Gerechtigkeit im Jammertal.“

Johannes Löhr: tz[6]

„In diesem tragischen Drama geht es weniger um klassische Krimi-Spannung. Stattdessen erzählt der Film mit enormer emotionaler Wucht davon, wie ein einziger Schicksalsmoment das Leben einer Frau zerstört. Der Titel ist buchstäblich gemeint: Sarah widerfährt ein Unglück, das sie verwandelt und verstummen lässt. Mareike Sedl erhielt im März für ihre schauspielerische Leistung den Deutschen Fernsehkrimi-Preis. Auch der österreichische Regisseur Umut Dağ wurde bei dem Festival in Wiesbaden ausgezeichnet […].“

Thomas Gehringer: Westdeutsche Zeitung[7]

Einschaltquoten

Die Erstausstrahlung von Widerfahrnis am 4. Mai 2025 wurde in Deutschland von 8,12 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 30,7 % für Das Erste.[8]

Einzelnachweise

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