Polizeiruf 110: Your Body My Choice

Fernsehfilm aus der Krimireihe Polizeiruf 110 From Wikipedia, the free encyclopedia

Your Body My Choice ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Polizeiruf 110. Der vom MDR produzierte Beitrag ist die 424. Polizeiruf 110-Episode und wurde am 8. März 2026 (dem Weltfrauentag 2026) im Ersten ausgestrahlt. Die Magdeburger Ermittlerin Doreen Brasch ermittelt in ihrem 22. Fall.

TitelYour Body My Choice
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Länge88 Minuten
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Folge 424 der Reihe Polizeiruf 110
Titel Your Body My Choice
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Länge 88 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen 42film im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks für Das Erste
Regie Franziska Schlotterer
Drehbuch Annika Tepelmann
Musik David Grabowski
Kamera Hanno Lentz
Schnitt Dagmar Lichius
Premiere 8. März 2026 auf Das Erste
Besetzung
Episodenliste
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Handlung

In Magdeburg wird die Mitarbeiterin einer Frauenarztpraxis, Marwa Gula, tot an ihrem Fahrrad aufgefunden, nachdem die Bremse offenbar sabotiert wurde. Hauptkommissarin Doreen Brasch ermittelt im Spannungsfeld radikaler Abtreibungsgegner, gesellschaftlicher Debatten und persönlicher Konflikte. Während sie Marwa Gulas Umfeld durchleuchtet, hinterfragt sie, ob der Anschlag ihr persönlich galt oder eine Botschaft an die Praxis war, welche seit einiger Zeit anonyme E-Mails mit Morddrohungen erhält. Dazu versammeln sich regelmäßig Abtreibungsgegner christlichen Glaubens vor der Praxis, die protestieren und beten.

Zur gleichen Zeit sucht die junge Polin Dania nach einer legalen Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch – begleitet von Aktivistin Lara, die als „Abortion Buddy“ (dt.: „Abtreibungs-Kumpel“) Frauen ehrenamtlich, in Zusammenarbeit mit der Praxis, unterstützt. Bei einem Zusammentreffen mit Brasch teilt Lara Fotos von Gläubigen, die in letzter Zeit vor der Praxis protestiert haben. Außerdem gibt sie ihr die Adresse eines Mannes, von dem die Droh-Mails laut IP-Adresse gesendet worden waren; diese Information hat sie von einem Hacker. Später stellt sich jedoch heraus, dass das E-Mail Konto gehackt und im Darknet verkauft worden war, weshalb jemand anders die Mails verfasst haben muss.

Am nächsten Tag will Lara mit Dania zu einem Termin in der Praxis, doch dieser kann nicht stattfinden, da das Personal aus Angst vor mehr Anschlägen nicht mehr zur Arbeit kommt. Kurz darauf geht Lara auf die Gläubigen zu und es kommt zu einem verbalen Konflikt. Dania steht am Rand und geht allein in die Innenstadt, gefolgt von Maik Gerboth, der bis dahin bei den Gläubigen gesessen hat. Maik spricht Dania an und lädt sie zum Essen zu sich ein; sie nimmt arglos die Einladung an. Dania reagiert auf dem Weg zu Maiks Wohnung nicht auf Laras Anrufversuche. Da Lara Dania nirgendwo auffinden kann, sucht sie Hilfe bei der Polizei. Maik „errät“ in seiner Wohnung, dass Dania schwanger ist. Er versucht, Dania zu überreden, das Baby zu behalten.

Daraufhin offenbart Dania Maik ihre Lage: Sie habe in alkoholisiertem Zustand in Polen mit dem Partner einer Freundin geschlafen und sei dadurch ungewollt schwanger geworden. Eine Schwangerschaft direkt nach dem Abitur drohe ihre gesamte weitere Lebensplanung zu Makulatur zu machen. Maik bietet ihr daraufhin an, ihr für den Fall, dass sie das Kind gebiert, das Schicksal einer Alleinerziehenden zu ersparen, indem er ihr Lebensgefährte wird, so dass sie sich beruhigt um ihr Kind kümmern könne. Diesen Plan lehnt Dania ab.

Als sie zum Weggang aufbricht, verschließt Maik die Tür. Dania gelingt es, schnell Laras Nummer zu wählen. Diese kann gemeinsam mit Brasch Danias Hilfeschreie am Telefon hören.

Durch Überwachungskamera-Aufnahmen können Brasch und ihre Helfer zurückverfolgen, wo Dania von der Praxis aus hingegangen ist. Brasch erkennt Maik von den Fotos wieder, die Lara ihr geschickt hatte. Das Video zeigt auch das Kennzeichen von Maiks Auto. Das Polizeiteam macht dadurch seinen Namen und seine Adresse ausfindig. Maik hat Dania inzwischen an einen Rollstuhl gefesselt und in eine Waldhütte entführt. In seiner Wohnung finden die Ermittelnden auf Maiks Laptop die Droh-Mails wieder. Lara möchte selbst tätig werden und besucht eine gehbehinderte Nachbarin von Maik, die ihren Rollstuhl vermisst. Mit Hilfe eines QR-Codes in der Bedienungsanleitung kann Lara den Standort des Rollstuhls in Echtzeit mitverfolgen.

In der Waldhütte gesteht Maik, Marwas Bremse manipuliert zu haben, doch nicht mit der Absicht, sie umzubringen. Dania täuscht vor, auf Toilette zu müssen und kann Maik entfliehen. Während Lara zur Hütte fährt, erhält Brasch von Maiks Ex-Frau ebenfalls die Adresse. In der Waldhütte angekommen, gerät Lara in unkontrollierbare Wut und tritt auf Maik ein, bis Brasch sie rechtzeitig aufhält. Sie befestigt Lara mit Handschellen an der Außenwand und ruft einen Rettungswagen. Dania erreicht derweil eine Straße und wird von einem Autofahrer mitgenommen.

Der Film endet damit, dass Danias Schwangerschaft professionell abgebrochen wird, so dass sie anschließend mit dem Bus nach Polen zurückkehren kann.

Doreen Braschs persönliche Betroffenheit

Während eines Verhörs des Tatverdächtigen Thilo Schubert durch die Kriminalhauptkommissarin Doreen Brasch stellt dieser ihr die Frage: „Haben Sie Kinder?“. Brasch lässt sich auf diese Frage ein und gibt an, einen Sohn zu haben, mit dem sie aber seit Langem keinen Kontakt mehr habe. Damit stellt sie Schuberts Behauptung in Frage, wonach jede Frau, die sich dazu entscheide, ihr Kind auszutragen, mit „Mutterglück“ belohnt werde.

Christian Buß lobt dieses Verhalten: „In den abstrakten Pro-Life/Pro-Choice-Abwägungen kommt Brasch ganz konkret auf ihren Sohn zu sprechen, verstummt dann ratlos. In ihrem ohnmächtigen Blick aber offenbart sich die Möglichkeit einer grausamen Frage, die sich im Gegensatz zum Rest der Handlung nicht einfach wegpolitisieren lässt: Würde es mir und der Welt besser gehen, wenn ich meinen Sohn abgetrieben hätte?“ Diese Szene gehöre zu den „schonungslose[n] Szenen, die man so im deutschen Fernsehen mit seinen vielen Haltungsangeboten zum Nulltarif selten sieht.“[1]

Tilmann P. Gangloff, Autor für evangelisch.de, weist darauf hin, dass bereits in der ersten Polizeiruf-110-Folge Der verlorene Sohn mit Claudia Michels als Polizei-Ermittlerin (erstmals ausgestrahlt im Oktober 2013) ihr damals 20 Jahre alter „verlorener Sohn“ Andi als Neonazi vorgestellt wurde.[2] Marek Bang von kino.de vervollständigt die Informationen über die Mutter-Sohn-Beziehung: Der „entfremdete Sohn“ sei „im Gefängnis [gelandet]. Über zehn Jahre wurde dessen Schicksal [in der Reihe „Polizeiruf 110“] nicht mehr thematisiert, nun wird klar, warum Andreas Wegener so lange keine Rolle mehr spielte. Sie habe zu ihm keinen Kontakt mehr und wisse noch nicht einmal, ob Andi noch lebe, so die traurige Bilanz, welche die Kommissarin in ihrem mittlerweile 22. Einsatz zieht.“[3]

Drehorte

Der Film wurde vom 1. Juli 2025 bis zum 31. Juli 2025 in Magdeburg und Umgebung gedreht.[4]

Rezeption

Kritiken

„Als Krimi bleibt „Your Body My Choice“ […] blass, als Gedankenstück über Selbst- und Fremdbestimmung hat es mehr Qualitäten. Die Filmemacherinnen geben dem Publikum nicht vor, wie dieses und jenes bitte schön einzuordnen sei. Der „Polizeiruf“ ist kein Belehrungsfernsehen. […] Nur ein mittelguter „Polizeiruf“, jedenfalls für Magdeburger Verhältnisse.“

Holger Gertz: Süddeutsche Zeitung[5]

„[Es] bleibt […] unterm Strich beim Fazit, dass „Your Body, my Choice“ einerseits ein eher durchschnittlicher „Polizeiruf 110“ geworden ist, andererseits aber auch genau der richtige Film zur richtigen Zeit.“

Marek Bang: kino.de[6]

„„Your Body, my choice“ […] spielt sämtliche Anmaßungen (religiös, männlich) und Ermächtigungen (solidarisch, weiblich) durch, die bei so einem Stoff eben durchgespielt werden müssen. Das ist verantwortungsvoll, aber auch vorhersehbar.“

Von Christian Buß stammt auch das im Abschnitt „Doreen Braschs persönliche Betroffenheit“ referierte Lob.

Einschaltquoten

Die Erstausstrahlung von Your Body My Choice am 8. März 2026 wurde in Deutschland von 7,20 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 27,4 % für Das Erste.[8]

Einzelnachweise

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