Poppo von Stablo
katholischer Heiliger und Abt
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Poppo von Stablo (* 978 in Deinze; † 25. Januar 1048 im Kloster Marchiennes) war Abt von insgesamt 17 zum Teil reichsunmittelbaren Abteien und ein Vertreter der Cluniazensischen Klosterreform. Er wurde 1624 heiliggesprochen.


Leben
Poppo wuchs als einziges Kind einer adeligen Familie in Flandern auf. Bereits 978 war sein Vater Tizekinus im Kampf gegen den König von Frankreich gefallen. Der Sohn erhielt zunächst die Erziehung eines typischen Adeligen seiner Zeit. Poppo war der Sohn der heiligen Adelwiva, die nach dem Tode ihres Mannes ins Kloster ging. Sie starb ca. 1000. Poppo begab sich um 1000 auf eine Wallfahrt in das Heilige Land und kam auf dem Rückweg 1005 nach Rom.
Ein Erweckungserlebnis ließ ihn 1005 als Benediktiner in das Kloster Saint-Remi in Reims eintreten. 1008 wurde er von Richard von St. Vanne in das Kloster Saint-Vanne in Verdun geholt. 1013 avancierte er auf Veranlassung seines Lehrers Richard von St. Vanne zum Prior der Abtei Saint-Vaast in Arras. 1015/16 wurde er Abt im Kloster von Beaulieu-en-Argonne. Nachdem er Kaiser Heinrich II. kennengelernt hatte, ernannte ihn dieser 1020 zum Abt in den Schwesterklöstern Stablo und Malmedy. 1023 wurde er Abt der Abtei St. Maximin in Trier. Um das Mönchsleben zu reformieren und zu seinen Ursprüngen zurückzuführen, entwarf Poppo von Stablo eine eigene Regel für seine Klöster. Deshalb betraute ihn Kaiser Konrad II. zwischen 1028 und 1037 zusätzlich mit der Aufsicht über die Reichsabteien Echternach, Saint-Ghislain, Hersfeld, Weißenburg, Sankt Gallen und Limburg an der Haardt. Auf Vermittlung des Erzbischofs Pilgrim von Köln hatte Poppo 1024 auch die Abtei Brauweiler gegründet. Zuletzt trug er Verantwortung für 17 bedeutende Klöster. Neben seinen geistlichen Ämtern war er Berater Heinrichs II. bzw. Konrads II. und wurde von ihnen auch als Gesandter eingesetzt. Unter Heinrich III. verlor er jedoch nachhaltig an Einfluss.[1]
Poppo von Stablo trieb in den ihm unterstellten Klöstern die Reform nachhaltig voran, oft gegen den Widerstand der Mönche. Nach dem Tode Konrads II. wurde von Seiten des Kaisers die Klosterreform, als Mittel gegen die Verweltlichung der Konvente, nicht weiter unterstützt, wodurch sie im Heiligen Römischen Reich keinen nachhaltigen Erfolg erzielen konnte. Persönlich galt Abt Poppo als Asket und hervorragender Organisator.
Der Benediktiner starb auf einer Reise, die er wegen seiner Reformbestrebungen unternahm. Er wurde im Kloster Stablo beigesetzt; anlässlich der Heiligsprechung 1624 öffnete man das Grab und erhob die Gebeine. Heute befinden sich die Reliquien in einem Büstenreliquiar in der Pfarrkirche Saint-Sébastien von Stavelot (Stablo).
Sein Gedenktag ist der 25. Januar. Er wird vor allem in der Diözese Lüttich verehrt.
Literatur
- Paul Ladewig: Poppo von Stablo und die Klosterreformen unter den ersten Saliern. Puttkammer & Muhlbrecht, Berlin 1883 (Digitalisat).
- Wilhelm Wattenbach: Poppo. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 26, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 435.
- W. Legrand: Notes sur le culte de saint Poppon, abbé de Stavelot. In: Chronique archéologique du Pays de Liège. 33, 1942, S. 34–48.
- Hubertus Seibert: Poppo von Stablo. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 2., völlig neu bearb. Auflage, Band 8, Herder, Freiburg im Breisgau 1963, Sp. 424–425.
- Dorothee Schäfer: Studien zu Poppo von Stablo und den Klosterreformen im 11. Jahrhundert. Dissertation München 1991.
- Lothar Kolmer: Poppo von Stablo. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 831–832.
- Philippe George: Un réformateur lotharingien de choc: l’abbé Poppon de Stavelot (978–1048). In: Revue Mabillon. 71, 1999, 89–111.
- Herbert Zielinski: Poppo. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 20. Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 632–633 (deutsche-biographie.de).
- Philippe George: Un moine est mort: sa vie commence. «Anno 1048 obiit Poppo abbas Stabulensis». In: Le Moyen Âge. 108, 2002, 497–506 (Digitalisat).
- Koen Vanheule: The Beginnings of a Monastic Reformer. The Younger Years of Poppo of Stavelot (Lotharingia, 978–1020). In: Revue d'histoire ecclésiastique. 111, 2016, 483–524 (Digitalisat).