Priderit

Mineral, Kalium-Titan-Eisen-Oxid From Wikipedia, the free encyclopedia

Priderit (IMA-Symbol Pdr[1]) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung K(Ti7Fe3+)O16[2] und damit chemisch gesehen ein Kalium-Titan-Eisen-Oxid.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Priderit
Kleine schwarze Priderit-Einkristalle aus der Typlokalität Walgidee Hills, Noonkanbah, Westaustralien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Pdr[1]

Chemische Formel
  • K(Ti7Fe3+)O16[2]
  • (K,Ba)(Ti,Fe3+)8O16[3]
  • (K,Ba)(Ti,Fe3+)8(O,OH)16[4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/D.02 – Anhang
IV/D.08-030[3]

4.DK.05
07.09.04.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-dipyramidal; 4/m[5]
Raumgruppe I4/m (Nr. 87)Vorlage:Raumgruppe/87[4]
Gitterparameter a = 10,14 Å; c = 2,97 Å[4]
Formeleinheiten Z = 1[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 6[3] (VHN100 = 161 kg/mm2[6][7])
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,86(8); berechnet: 3,948[6]
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}[6]
Bruch; Tenazität muschelig[6]
Farbe rötlichschwarz[3] bis schwarz, gelblichbraun in dünnen Schichten[6]
Strichfarbe grau[6] bis dunkelgrau[3]
Transparenz durchscheinend[6]
Glanz Diamantglanz[6]
Magnetismus schwach paramagnetisch[6]
Kristalloptik
Optischer Charakter einachsig negativ[7]
Pleochroismus Sichtbar:[7] ω = dunkelrötlichbraun, ε = dunkelrötlichbraun bis schwarz
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Priderit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt rechteckige, tafelige bis prismatische Kristalle bis etwa einen Zentimeter Größe mit einem diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist durchscheinend und von rötlichschwarzer bis schwarzer, in dünnen Schichten auch von gelblichbrauner, Farbe. Auf der Strichtafel hinterlässt Priderit allerdings einen grauen bis dunkelgrauen Strich.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Priderit in Mineralproben aus den Walgidee Hills nahe der Noonkanbah Station im Fitzroy-Becken innerhalb des Derby-West Kimberley Shire im australischen Bundesstaat Western Australia. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral 1951 durch den australischen Mineralogen Keith Norrish (1924–2017),[8] der es nach Rex Tregilgas Prider (1910–2005) benannte. Dieser war Professor der Geologie an der University of Western Australia und trug unter anderem mit seinen Studien der Leucit-Lamproite des nördlichen Canningbeckens dazu bei, dass das Diamantenabbaugebiet Kimberley erschlossen werden konnte. Daneben war er Präsident der Geological Society of Australia.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der University of Western Australia (UWA) in Perth unter der Inventarnummer 18766 (HT) aufbewahrt.[9][10]

Da der Priderit bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Priderit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Priderit lautet „Pdr“.[1]

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Priderit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „MO2- und verwandte Verbindungen“, wo er gemeinsam mit Cafetit, Gerasimovskit, Manganbelyankinit, Redledgeit und dem bisher als fraglich geltenden Belyankinit im Anhang der „Rutil-Reihe“ mit der Systemnummer IV/D.02 und den Hauptmitgliedern Kassiterit, Plattnerit, Rutil und dem ebenfalls bisher als fraglich geltenden Varlamoffit steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/D.08-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo Priderit zusammen mit Cesàrolith, Coronadit, Ferrihollandit, Henrymeyerit, Hollandit, Kryptomelan, Manjiroit, Mannardit, Redledgeit und Strontiomelan die „Kryptomelangruppe“ mit der Systemnummer IV/D.08 bildet.[3]

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Priderit in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen (± mittelgroßen) Kationen; Tunnelstrukturen“ zu finden, wo es zusammen mit Akaganeit, Coronadit, Henrymeyerit, Hollandit, Manjiroit, Mannardit und Redledgeit die „Hollanditgruppe“ mit der Systemnummer 4.DK.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Priderit die System- und Mineralnummer 07.09.04.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung und gleichnamigen Unterabteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 07.09.04, in der auch Ankangit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Priderit kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe I4/m (Raumgruppen-Nr. 87)Vorlage:Raumgruppe/87 mit den Gitterparametern a = 10,14 Å und c = 2,97 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.[4]

Bildung und Fundorte

Priderit bildet sich in einigen ultrapotassischen Lamproiten, Ultramafiten und Karbonatiten. Im westlichen Kimberly-Gebiet trat das Mineral in Paragenese mit Apatit, Jeppeit, Leucit, Perowskit, titanhaltigem Phlogopit, kaliumhaltigem Richterit, Shcherbakovit, Wadeit auf. Auf der französischen Insel Korsika konnten daneben noch Anatas, Calcit, kaliumhaltiger Feldspat, Ilmenit, Olivin und Titanit als Begleitminerale entdeckt werden.[6]

Als seltene Mineralbildung konnte Priderit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 60 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).[12] Außer an seiner Typlokalität in den Walgidee Hills konnte das Mineral in der Umgebung von Noonkanbah noch an mehreren Hügeln und Bergen entdeckt werden. Daneben fand es sich in Western Australia noch bei Calwynyardah, Ellendale und Fitzroy Crossing im Derby-West Kimberley Shire, in der Argyle Diamond Mine im Wyndham-East Kimberley Shire und in den Fohn-Lamproiten im Bonaparte-Becken des Northern Territory.

In Deutschland konnte Priderit bisher nur am Katzenbuckel bei Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Württemberg sowie im Steinbruch Herchenberg in der Gemeinde Burgbrohl (Landkreis Ahrweiler) und in den Steinbrüchen Löhley in der Gemeinde Üdersdorf und Stolz (auch Graulai oder Graulay) bei Hillesheim (Landkreis Vulkaneifel) in Rheinland-Pfalz gefunden werden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in der Antarktis, Brasilien, China, Elfenbeinküste, Frankreich, Grönland, Indien, Italien, Kanada, Russland, Spanien, Südafrika, Tschechien und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arkansas, Kalifornien, Montana, Pennsylvania, Utah, Wyoming).[13]

Siehe auch

Literatur

  • K. Norrish: Priderite, a new mineral from the leucite-lamproites of the west Kimberley area, western Australia. In: Mineralogical Magazine. Band 29, 1951, S. 496–501, doi:10.1180/minmag.1951.029.212.03 (englisch).
  • Michael Fleischer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 36, 1951, S. 793–794 (englisch, minsocam.org [PDF; 121 kB; abgerufen am 22. November 2025]).
Commons: Priderite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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