Projekt 22100
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Das Projekt 22100 Okean (russisch «Океан», deutsch: Ozean), auch als Okean-Klasse bezeichnet, ist eine Klasse von drei Patrouillenbooten der russischen Küstenwache.
Okean-Klasse der russischen Küstenwache | ||||||||||||||
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Geschichte
Anfang der 2000er Jahre stellte sich die Frage nach der Notwendigkeit, ein eisgängiges Grenzschutzschiff für den Einsatz in der Arktis zu bauen, um die Interessen des Landes in den hohen Breitengraden zu schützen. Das Projekt 22100 wurde speziell vom Schiffsbaukonstruktionsbüro „Almaz“ für die Bedürfnisse der russischen Küstenwache entwickelt und ist keine angepasste Version eines Kampfschiff- oder Hilfsschiffprojekts der russischen Marine. Chefkonstrukteur ist Boris Avramovich Leikis. Die Grenzschutzschiffe dieses Typs sollten ursprünglich die PSKR-Projekte 11351 („Krivak III“) und 97P ersetzen.[1] Diese waren bis 2017 im Dienst.[2]
Der FSB schrieb in einer Pressemitteilung, dass das neue Schiff für Patrouillen auf langen Fahrten auf offener See und in Küstengebieten konzipiert ist, wo es terroristischen Bedrohungen entgegenwirken, an Rettungsaktionen teilnehmen und als Feuerlöschschiff fungieren kann.[3]
Die Polyarnaya Zvezda (deutsch: Polarstern) ist das Führungsschiff des Projekts 22100. Sie wurde 2012 von der Schiffswerft Selenodolsk in Kasan, der tatarischen Hauptstadt in der Wolga-Region, gebaut. Im Mai 2015 wurde sie über russische Wasserstraßen nach Kronstadt in der Nähe von St. Petersburg transportiert und 2016 in Dienst gestellt.[4] Die Petropawlowsk-Kamtschatski ist das zweite Schiff und nutzt seit Dezember 2019 die Einrichtungen der Grenzverwaltung in der Kola-Bucht als Heimathafen.[3] Am 14. Juni 2019 hat die Schiffswerft Selenodolsk das dritte serienmäßig gebaute Patrouillenschiff namens Anadyr vom Stapel gelassen.[5] Die Anadyr wurde 2023 über Binnenwasserstraßen zur Ostsee gebracht. Von dort aus fuhr sie weiter nach Murmansk, absolvierte die Nordostpassage und erreichte sicher Kamtschatka. Das nach der Hauptstadt der Tschuktschen benannte Schiff wird im Rahmen der Grenzkontrollabteilung des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation (FSB) im östlichen Arktisgebiet zum Schutz der Gewässer eingesetzt werden.[6]
Entwurf
Die Schiffe verfügen über ein modernes Tarnkappentechnik-Design und können in bis zu 80 Zentimeter dickem Eis fahren. Sie haben eine Verdrängung von 2700 Tonnen. Im Heck verfügen die Schiffe über einen Hangar und ein Hubschrauberlandedeck für einen Kamow-Ka-27- oder Kamow Ka-226-Hubschrauber.[3] Außerdem ist es möglich, vom Schiff aus Drohnen vom Typ Horizont G-Air S-100 zu starten. Die Schiffe erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten und können bis zu 60 Tage lang autonom operieren.[4]
Gemäß dem ursprünglichen Entwurf sollten die Schiffe der Serie mit Dieselmotoren 16V4000M90 des deutschen Unternehmens MTU und Getrieben von ZF (auf dem ersten Schiff) ausgestattet werden. Aufgrund der im Jahr 2014 verhängten Sanktionen wurden jedoch russische Dieselmotoren eingebaut. Nach Medieninformationen vom 26. Juni 2019 wurden die Grenzschutzboote des Projekts 22100 seit 2016 zu 100 Prozent aus einheimischen Komponenten hergestellt. Die Hauptantriebsanlage besteht aus zwei DRRA-6000 auf Basis von zwei Dieselmotoren 16D49 von Kolomensky Zavod und zwei rückwärtsgetriebenen RRP6000 von PJSC Zvezda, einem lokalen elektronischen digitalen Steuerungssystem „Purga-11“ von NPO Aurora. Dies teilte Alexander Karpow, Generaldirektor der Schiffswerft Selenodolsk in einem Interview mit.[2]
Nach Angaben der Entwickler sind die Kabinen der Klasse für zwei Personen ausgelegt, wobei jede Kabine über ein separates Badezimmer verfügt. Durch zwei Frischwassererzeuger an Bord wird die Besatzung mit Frischwasser versorgt. Auch die Service- und Haushaltsräume auf den Schiffen sind so gestaltet, dass ein Höchstmaß an Komfort gewährleistet wird.[2]
Bewaffnung
Die Hauptbewaffnung der Schiffe ist die 76,2-mm-Universalartillerie AK-176M, mit der Oberflächen- und Bodenziele in einer Entfernung von bis zu 15,6 km und Luftziele in einer Höhe von bis zu 11,6 km getroffen werden können. Gleichzeitig beträgt die maximale Feuerrate der Anlage bis zu 120 Schuss pro Minute. Darüber hinaus befinden sich an Bord zwei großkalibrige 14,5-mm-Vladimirov-Maschinengewehre, die auf einer speziellen maritimen Maschinengewehrhalterung MTPU angebracht sind. Mit solchen Maschinengewehren können Oberflächen-, Küsten-, Luft- und leicht gepanzerte Ziele in einer Entfernung von bis zu 2000 Metern bekämpft werden.[2]
Einheiten
| Name | Werft | Kiellegung | Stapellauf | Indienststellung | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Poljarnaja Swjesda | Schiffswerft Selenodolsk, Selenodolsk |
30. Mai 2012 | 21. Mai 2014 | 15. Dezember 2016 | Aktiv (Nordflotte) |
| Petropawlowsk-Kamtschatski | 15. Juni 2015 | 1. Juni 2018 | 1. Dezember 2019 | Aktiv (Pazifikflotte) | |
| Anadyr | 28. April 2017 | 14. Juni 2019 | 16. August 2023 | Aktiv (Pazifikflotte) |
Ähnliche Schiffsklassen
Weblinks
- Project 22100 Okean auf russianships.info (englisch)