Przemysław Czarnek
polnischer Politiker
From Wikipedia, the free encyclopedia
Przemysław Czarnek (* 11. Juni 1977 in Koło) ist ein polnischer Politiker (LPR, PiS) Er war vom 19. Oktober 2020 bis zum 27. November 2023 polnischer Minister für Bildung und Wissenschaft im Kabinett Morawiecki II. Sein Nachfolger war Krzysztof Szczucki (ebenso PiS). Zuvor war er von 2015 bis 2019 Woiwode der Woiwodschaft Lublin.[1] Czarnek ist bekannt für seinen Widerstand gegen LGBT-Rechte, Frauenrechte und Kinderrechte.[2] Seit 2015 gehört er dem Sejm in der IX. und X. Wahlperiode an.

Leben und Beruf
Czarnek wuchs in Goszczanów, Kreis Sieradz, auf. Die Mutter war Krankenschwester, der Vater LKW-Fahrer. Im Alter von 15 Jahren zog der Junge nach Lublin zu einem Onkel, der katholischer Priester und Professor an der Katholischen Universität Johannes Paul II. in Lublin (KUL) war. Czarnek schloss 2001 ein Jurastudium an der (KUL) ab. Er hat 2006 im Verfassungsrecht mit der Arbeit „Zasady państwa prawnego i sprawiedliwości społecznej w praktyce ustrojowej III Rzeczypospolitej Polskiej“ an der KUL promoviert und habilitierte sich dort 2015 mit der Arbeit „Wolność gospodarcza. Pierwszy filar społecznej gospodarki rynkowej“.
Czarnek wurde am 1. Oktober 2019 zum Universitätsprofessor an der KUL ernannt. Dies wurde in der Öffentlichkeit kritisiert, da er zwischen 2015 und 2019 kaum wissenschaftlich aktiv war, keine wissenschaftlichen Artikel in vom polnischen Bildungsministerium anerkannten wissenschaftlichen Journals verfasst hat und keine Studentenkurse an der KUL abgehalten hat, weshalb es zu Spekulationen kam, dass er hauptsächlich aufgrund seines politischen Einflusses zum Professor ernannt wurde.[3] Er erhielt am 28. Oktober 2019 eine Medaille für Verdienste um die Marie-Curie-Skłodowska-Universität (UMCS). Während der Preisverleihung hielt die Aktivistin Anna Dąbrowska ein Banner mit der Aufschrift „Eine Medaille für den Hasser – Schande“ hoch. UMCS-Mitarbeiter Tomasz Kitliński erklärt in einer Online-Botschaft: „Der Gouverneur der Region Lublin ist stolz darauf, Ukrainer, Muslime, die LGBT-Gemeinschaft und Frauen zu beleidigen, für die er keine andere soziale Rolle als die Fortpflanzung von Kindern sieht.“ Czarnek verklagte Kitlinski wegen Verleumdung eines Amtsträgers.[4] Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Politik
Bei den Selbstverwaltungswahlen 2002 kandidierte Czarnek erfolglos als Mitglied der Liga Polskich Rodzin auf der Liste des Wahlkomitees „Prawo i Rodzina“ zum Stadtrat von Lublin.[5] Später wurde er Mitglied der Prawo i Sprawiedliwość (PiS).
Czarnek wurde am 8. Dezember 2015 zum Woiwoden der Woiwodschaft Lublin ernannt.[6] Bei den polnischen Parlamentswahlen 2019 wurde er für die PiS zum Abgeordneten gewählt[7] und legte sein Amt als Woiwode nieder.
Czarnek wurde am 19. Oktober 2020 offiziell zum Minister für Wissenschaft und Bildung ernannt. Czarnek will gegen die „Gender-Theorie“, die „Pädagogik der Schande“ und „linke Ideologien“ kämpfen. Er entließ die Direktorin für Schulcurricula und annullierte die Reform des früheren gemäßigteren Ministers für Hochschulbildung, Jarosław Gowin.[8] Am 9. Dezember 2020 ließ er eine Charta der akademischen Freiheit verabschieden, die Akademikern mit extremistischen Positionen vermutlich mehr Spielraum einräumt. Direktoren von 79 polnischen Universitäten gaben eine gemeinsame kritische Erklärung ab, dass die Reformen die Autonomie der Universitäten verletzen und die akademische Freiheit behindern, während sie gleichzeitig die Vermittlung pseudowissenschaftlicher Meinungen an Universitäten ermöglichen.[9] Weitere Akademiker griffen seine politischen Positionen an.[10]
Czarnek verteidigte das pädagogische Schlagen von Kindern durch die Eltern als verfassungskonform.[11] Er steht hinter der umstrittenen Reform des Bildungssystems aus dem Jahr 2022, die im Sinne der politischen Vision der PiS das Bildungssystem zentralisiert und den bisherigen Geschichtsunterricht zugunsten der Zeitgeschichte abschafft.[12] Er erkennt eine ideologische Schlagseite der bisherigen Schule und will gegen verfehlte Sexualkunde und fremde Beeinflussung angehen.[13]
Zu Beginn des Schuljahres 2023/24 wiederholten sich Lehrerproteste gegen die durch die hohe Inflation verschlechterte Bezahlung und die überholte Bildungspolitik.[14] Er reichte eine Strafanzeige gegen die Anerkennung der ukrainischen Opfer der Armia Krajowa während des Sahryń-Massakers ein.[15] Unter Czarnek ist das seit 2008 betriebene Projekt Deutsch-Polnisches Geschichtsbuch 2022 durch die gezielte Auswahl von Gutachtern im Zulassungsverfahren für den 4. Band (20. Jahrhundert) vorläufig gestoppt worden.[16] Der Deutschunterricht für die deutsche Minderheit ist während seiner Amtszeit auf weniger Wochenstunden eingeschränkt worden.[17]
Bei der Parlamentswahl 2023 wurde er erneut für die PiS in den Sejm gewählt.[18] Nach der Wahlniederlage der PiS schied er am 27. November 2023 aus der Regierung aus. 2024 wurde er zum Vorsitzenden der PiS in der Woiwodschaft Lublin.[19] 2025 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der PiS auf gesamtpolnischer Ebene gewählt.[20]
Am 7. März 2026 wurde er als Kandidat der PiS für das Amt des Premierministers für die Parlamentswahlen in Polen 2027 vorgestellt.[21]
Weblinks
- Homepage. Abgerufen am 2. September 2023 (polnisch).
- Jacek Lepiarz: Das polnische Bildungswesen nach acht Jahren PiS-Regierung: strukturelle Veränderungen und ideologische Konfrontationen. In: Polen-Analysen. Nr. 314, 5. September 2023, S. 2–7, doi:10.31205/PA.314.01.