Putoranit
Mineral aus der Gruppe der Sulfide
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Putoranit (russisch Путоранит) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu1,1Fe1,2S2[1] und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Eisen-Sulfid.
| Putoranit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1979-054[1] |
| IMA-Symbol |
Put[2] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/C.04-030[3] 2.CB.10b 02.09.07.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | kubisch |
| Kristallklasse; Symbol | hexakisoktaedrisch; 4/m32/m |
| Raumgruppe | Pn3m (Nr. 224) |
| Gitterparameter | a = 5,30 Å[5] |
| Formeleinheiten | Z = 3[5] |
| Zwillingsbildung | polysynthetisch |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4[3] bis 4,5[6] (VHN50 = 263[5]) |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 6,14[5] |
| Spaltbarkeit | gut[3] |
| Farbe | blassgelb[5] bis messinggelb[3] |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | undurchsichtig (opak) |
| Glanz | Metallglanz |
Putoranit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten idiomorphe Kristalle. Meist findet er sich in Form von bis zu 0,1 mm großen messingfarbenen Körnern, die mit Mooihoekit verwachsen sind.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Putoranit in der Kupfer-Nickel-Sulfid-Lagerstätte des Grubenreviers „Oktyabr'skoye“ (auch Oktyabrsky, Oktyabr'sky oder Oktyabr'skoe) bei Talnach (seit 2004 Stadtteil des südwestlich gelegenen Norilsk) am Nordwestrand des Putorana-Gebirges in der russischen Region Krasnojarsk. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch A. A. Filimonowa, T. L. Jewstignejewa und I. P. Laputina (russisch А. А. Филимонова, Т. Л. Евстигнеева, И. П. Лапутина, wiss. Transliteration A. A. Filimonova, T. L. Evstigneeva, I. P. Laputina), die das Mineral nach dem Gebirge benannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnis und den gewählten Namen 1979 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nummer der IMA: 1979-054[1]), die den Putoranit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde anschließend 1980 im russischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russisch Записки Всесоюзного Минералогического Общества) veröffentlicht. Die Bestätigung der Freigabe folgte 1981 mit der Publikation der New Mineral Names im englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist. Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Putoranit lautet „Put“.[2]
Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Museum, benannt nach A. J. Fersman (englisch Fersman Mineralogical Museum, Abkürzung FMM) unter der Katalog-Nummer 81312 aufbewahrt.[7]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Putoranit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.04-030. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Putoranit zusammen mit Haycockit, Isocubanit, Mooihoekit, Orickit, Talnakhit und Wilhelmramsayit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/C.04 bildet.[3]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Putoranit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden, wo es zusammen mit Haycockit, Mooihoekit und Talnakhit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.CB.10b bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Putoranit die System- und Mineralnummer 02.09.07.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 02.09.07.
Kristallstruktur
Putoranit kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pn3m (Raumgruppen-Nr. 224) mit dem Gitterparameter a = 5,30 Å sowie drei Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Bildung und Fundorte
Putoranit bildet sich in Kupfer-Nickel-Erzen und findet sich dort unter anderem vergesellschaftet mit Alabandin, Cabriit, Cubanit, Djerfisherit, Galenit, Mackinawit, Magnetit, Mooihoekit, Pentlandit, manganhaltigem Shadlunit, Sphalerit, verschiedenen Platingruppen-Mineralen, Silber, Talnakhit und Valleriit.[5]
Außer an seiner Typlokalität in der Region Krasnojarsk fand sich das Mineral in Russland noch in der Lagerstätte „Lovnoozero“ südwestlich vom See Lovno und nahe Montschegorsk in der Oblast Murmansk.
Daneben trat Putoranit bisher nur noch in der „Hamutenha-Intrusion“ nahe Chibia in Angola sowie in den Chromit-Gruben „Dağküplü“ und „Kavak“ bei Eskişehir in der Türkei auf.[9]
Siehe auch
Literatur
- А. А. Филимонова, Т. Л. Евстигнеева, И. П. Лапутина: Путоранит и Никелистый Путоранит – Новые Минералы из Группы Халькопирита. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band 109, Nr. 3, 1980, S. 335–341 (russisch, rruff.info [PDF; 872 kB; abgerufen am 6. August 2023] englische Übersetzung: A. A. Filimonova, T. L. Evstigneeva, I. P. Laputina: Putoranite and nickel-bearing putoranite, new minerals of the chalcopyrite group. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva.).
- Michael Fleischer, Louis J. Cabri: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 66, 1981, S. 637–639; hier: 638 (englisch, rruff.info [PDF; 489 kB; abgerufen am 6. August 2023]).
Weblinks
- Putoranit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Putoranite. In: rruff.info. RRUFF Project (englisch).
