Płotowo

Dorf in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Płotowo (deutsch Platenheim) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Bytów im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

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Płotowo
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Płotowo (Polen)
Płotowo (Polen)
Płotowo
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytow
Gmina: Bytow
Geographische Lage: 54° 6′ N, 17° 26′ O
Einwohner:
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Geographische Lage

Das Orf liegt in Hinterpommern, in einer hügeligen Gegend an einem See, etwa zehn Kilometer südwestlich der Kreisstadt Bytow, sechs Kilometer östlich des Kirchdorfs Tuchomie und vier Kilometer südlich des Kirchdorfs Niezabyszewo.

Laubwald am Dorfrand (2025)

Geschichte

Groß und Klein Platenheim, ursprünglich zwei eigenständige kleine Dörfer, wurden 1752 im Rahmen der von Friedrich II. in dünn besiedelten oder öden Landstrichen Preußens in Gang gesetzten landwirtschaftlichen Kultivierungsmaßnahmen gegründet, der sogenannten Friderizianischen Kolonisation. Seit der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 hatte das unterentwickelte Siedlungsgebiet zum Domänenamt Bütow geghört.[1] Die beiden Neusiedlungen wurden mit je sechs polnischen Familien besetzt und nach einem General König Friedrichs II. benannt,[2] dem preußischen General der Kavallerie Dubislaw Friedrich von Platen (1714–1787). Die Bewohner verfügten zusammen über 914 Morgen 88 Quadratruten Siedlungsland, leisteten außer den Pass- und Marschfuhren keine Naturaldienste, gaben aber dem Amt einen bestimmten Ackerzins.[3]

Jedes der beiden Dörfer hatte einen Schulzenhof und fünf Kolonistenhöfe mit je 491 bzw. 417 Morgen Land.[4] Schulzenhof-Besitzer in Klein Platenheim war 1846 Franz Styp von Rekowski, der im Kreis Bütow als Schiedsmann tätig gewesen war und dieses Amt nun aufgab.[5]

Groß Platenheim hatte um 1858 eine einklassige römisch-katholische Schule für beide Geschlechter mit einem Lehrer, in die auch die Nachbargemeinde Klein Platenheim eingeschult war.[6] Durch Erlass der preußischen Regierung vom 16. Oktober 1861 wurde das Schulgrundstück, bestehend aus einem Schulhaus, einem Stall- und Scheunengebäude, einem Brunnen, einem Backofen, 11 Morgen 122 Quadratruten Acker, 3 Morgen 164 Quadratruten Wiesen und 4 Morgen 169 Quadratruten Hütung, soweit es dazu gehörte, aus dem Gemeindebezirk Groß Platenheim ausgegliedert und dem Gemeindebezirk Klein Platenheim einverleibt.[7]

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 195,2 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Groß Platenheim 25 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 22 Pferde, 61 Stück Rindvieh, 14 Schafe und 119 Stück Borstenvieh hielten. Zur gleichen Zeit wurden auf der 199,4 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Klein Platenheim 20 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 19 Pferde, 68 Stück Rindvieh, 25 Schafe und 127 Stück Borstenvieh hielten.[8]

Mit Wirkung vom 1. Januar 1929 wurden die Landgemeinden Klein Platenheim und Groß Platenheim sowie ein Teil des fiskalischen Forstgutsbezirks Zerrin zur Landgemeinde Platenheim zusammengeschlossen.[9]

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Platenheim eine Flächengröße von 14,5 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 43 bewohnte Wohnhäuser an drei verschiedenen Wohnplätzen:[10]

  1. Forsthaus Damsdorf
  2. Groß Platenheim
  3. Klein Platenheim

Als der NS-Staat 1933 das Reichserbhofgesetz einführte und Erbhöfe von Amts wegen in die Erbhöfe-Rolle eintragen ließ, wurde die freie Verfügbarkeit betroffener Bauern über ihr Eigentum eingeschränkt. Gegen die Eintragung seines Grundstücks in das gerichtliche Verzeichnis der Erbhöfe erhob der Besitzer Johann von Styp-Rekowski I aus Platenheim Einspruch, indem er seine Zugehörigkeit zur polnischen Minderheit geltend machte; seine Klage wurde in erster Instanz jedoch abgewiesen.[11]

Bis 1945 bildete Platenheim eine Landgemeinde im Kreis Bütow der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Platenheim war dem Amtsbezirk Platenheim zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Groß Tuchen.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs wurde Platenheim 1945, wie ganz Hinterpommern, von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach kamen Polen in das Dorf, von denen einheimische Dorfbewohner aus ihren Häusern und Wohnungen gedrängt wurden. Für Platenheim wurde von der polnischen Administration die polonisierte Ortsbezeichnung ‚Płotowo‘ eingeführt. Ein Großteil der einheimischen Dorfbewohner wurde in der Folgezeit von der polnischen Verwaltungsbeörde vertrieben.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1752118zwei neu gegründete Kolonien, besetzt mit je sechs polnischen Kolonisten-Familien[12][13]
1782zwei Amtsdörfer, bewohnt von je sechs polnischen Kolonisten-Familien, eingepfarrt zu Damsdorf[3]
1818106zwei Dörfer, königliche Besitzung, davon 57 in Groß Platenheim und 49 in Klein Platenheim, zum Kirchspiel Damsdorf gehörig;[14]
1825114zwei Dörfer, davon 65 in Groß Platenheim, mit der Försterei Borowe, und 49 in Klein Platenheim[15]
1846283zwei Dörfer, davon 130 in Groß Platenheim und 153 in Klein Platenheim[16]
1852310zwei Dörfer, davon 148 in Groß Platenheim und 162 in Klein Platenheim[17]
1855320am Jahresende, zwei Dörfer, davon 130 (40 Evangelische, 90 Katholiken) in Groß Platenheim und 190 (16 Evangelische, 174 Katholiken) in Klein Platenheim[18]
1864338am 3. Dezember, zwei Erhebungsbezirke, davon 146 in Groß Platenheim und 192 in Klein Platenheim[19]
1867329am 3. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 139 in Groß Platenheim und 190 in Klein Platenheim[20]
1871313am 1. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 130 (39 Evangelische, 91 Katholiken) in Groß Platenheim und 183 (elf Evangelische, 172 Katholiken) in Klein Platenheim[20]
1885354am 1. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 156 (61 Evangelische, 95 Katholiken) in Groß Platenheim und 178 (18 Evangelische, 160 Katholiken) in Klein Platenheim[21]
1895329am 2. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 141 (53 Evangelische, 88 Katholiken) in Groß Platenheim und 188 (23 Evangelische, 165 Katholiken) in Klein Platenheim[22].
1905309am 1. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 145 (49 Evangelische, sämtlich mit deutscher Muttersprache; 96 Katholiken, eine Person mit deutscher und 95 mit polnischer Muttersprache) in Groß Platenheim und 164 (13 Evangelische, sämtlich mit deutscher Muttersprache; 151 Katholiken, fünf mit deutscher und 146 mit polnischer Muttersprache) in Klein Platenheim[23].
1910335am 1. Dezember, zwei Dörfer, davon 167 in Groß Platenheim[24] und 168 in Klein Platenheim[25]
1925324Groß und Klein Platenheim zusammen, in 53 Haushaltungen, darunter 167 Evangelische und 156 Katholiken[10]
1933291[26]
1939281[26]
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Kirche

Kirchspiel bis 1945

Die vor 1945 hier lebenden Dorfbewohner waren mit knapper Mehrheit Evangelische (Angehörige der Landeskirche) und gehörten zum Kirchspiel Groß Tuchen.

Das katholische Kirchspiel war in Damsdorf.

Kirchspiel seit 1945

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört überwiegend der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Literatur

  • Groß Platenheim, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Groß Platenheim (meyersgaz.org)
  • Klein Platenheim, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Klein Platenheim (meyersgaz.org)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1058, Ziffer (24) und Ziffer (25) (Google Books).
  • Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Druck von B. Lilienthal, Bütow 1858, S. 99–100 (Google Books).
    • Anhang: Die Besitz- u. Eigenthumsverhältnisse der der Gemeinheitstheilung unterworfenen Ortschaften im Bütower Kreise zur Zeit der Gemeinheitstheilung (Google Books). Dazu Beilage 1: Verzeichniß sämmtlicher Ortschaften im Bütower Kreise, nebst Angabe Anzahl der Gebäude, der Seelenzahl, des Viehstandes, der Abgaben und des Flächeninhaltes Ende 1855, incl. 18 Ortschaften des südlichen Theiles Bütower Kreises (Google Books).
  • Gerhard Bronisch, Walter Ohle, Hans Teichmüller: Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern. Kreis Bütow. L. Saunier, Stettin 1938, insbesondere S. 240–242 (Bałtycka Biblioteka Cyfrowa; PDF, 40 MB).

Fußnoten

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