Qerret
Dorf bei Kavaja, Albanien
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Qerret, oft auch Qeret[1] (albanisch auch Qerreti/Qereti) ist ein Ort an der mittelalbanischen Küste. Im 21. Jahrhundert entwickelte sich das Dorf Qerret an der Bucht von Durrës zum Badeort. Qerret gehört zur Njësia administrative von Golem, seit der Verwaltungsreform von 2015 Teil der Bashkia Kavaja (Qark Tirana).[2]
Geographie

Der Ort Qerret – einer von vielen in Albanien mit diesem Namen – liegt im südlichen Bereich der Bucht von Durrës in der Küstenebene nördlich der Stadt Kavaja. Bis Durrës sind es rund 15 Kilometer.
Es können drei Ortsteile unterschieden werden:
- Auf heutigen Karten wird Qerret als Straßensiedlung angegeben, die parallel zur Nationalstraße Durrës–Kavaja verläuft und zwischen Golem und Kavaja liegt.[3]
- Ältere Karten haben das Ortszentrum beidseits des Bachs Lishat/Leshniqa (heute kanalisiert) verzeichnet, der von Kavaja nach Nordwesten zum Meer fließt.[4][5]
- Der vorgelagerte Strandabschnitt an der Küste der Bucht von Durrës, heute dicht bebaut mit Hotels und Appartementgebäuden, wird als Qerret Plazh („Qerret-Strand“) bezeichnet.
Die Nationalstraße SH4, die Qerret im Osten passiert, ist heute zur vierspurigen Autobahn ausgebaut.
Geschichte
Qerret wurde in den Jahren 1923/1924 gegründet, als Albaner wegen ethnischer Vertreibung aus dem Kosovo – damals Teil des serbisch geführten Königreichs Jugoslawien – flüchten mussten:[6][7][8] Inmitten der Konflikte nach dem Ersten Weltkrieg und einer Kolonisierungspolitik, die auf die „Serbisierung“ des Kosovos abzielte, wurden etwa 28 albanische Familien aus der Region Podujeva – überwiegend muslimische Hochländer – gewaltsam vertrieben. Diese Welle war Teil einer umfassenderen Deportationsmaßnahme, die 30.000 bis 40.000 Albaner betraf und durch Landbeschlagnahmungen (100.000 Hektar wurden für serbische Siedler konfisziert), hohe Steuern und die Unterdrückung der albanischen Identität vorangetrieben wurde.[9] Die Familien, darunter Clans wie Krasniqi, Shala, Vokrri, Berisha, Abrija und Dulla, wurden von jugoslawischen Gendarmen und Beamten zusammengetrieben. Auf Befehl von Premierminister Nikola Pašić und dem Ministerium für Agrarreform wurden sie im Rahmen eines Abkommens zwischen Jugoslawien und der Türkei (1923–1925) zur Umsiedlung von bis zu 200.000 Muslimen (hauptsächlich Albanern) auf dem Landweg in Richtung Türkei eskortiert. Die Reise verlief über eine strapaziöse Route: von den Dörfern um Podujeva über Skopje (im heutigen Nordmazedonien) bis zur türkischen Grenze mittels Wagen, zu Fuß und per Zug. Nach ihrer Ankunft in der Türkei sahen sich die Familien einer sechswöchigen Qual erzwungener Assimilation gegenüber: Die türkischen Behörden verlangten von ihnen, ihre Namen zu ändern, ihre albanische Identität aufzugeben und ihre traditionelle Kleidung abzulegen, insbesondere den Plis. Die Vorfahren weigerten sich und hielten standhaft an ihrer Sprache, ihren Bräuchen und Symbolen fest. Als „unkooperativ“ eingestuft, wurden sie nach Albanien geschickt und reisten über Vlora ein. Der albanische Staat unter Premierminister Ahmet Zogu siedelte sie bei Kavaja an und teilte ihnen das sumpfige, unerschlossene Land zu, das später zu Qerret wurde.[10][11]
Die ankommenden Familien standen vor der Herausforderung, die Këneta (den Sumpf) der Küstenebene in bewohnbares Land zu verwandeln. Die ersten Bemühungen zum Bau von Häusern wurden von Persönlichkeiten aus der Stadt Kavaja unterstützt, die Hilfe beim Errichten der ersten Gebäude leisteten und so den Grundstein für das Wachstum des Dorfes legten. Das Gründungs-Motto von Qerret, wie es in der Familienüberlieferung bewahrt wurde, bringt diese Widerstandsfähigkeit auf den Punkt:
„Kaluan Shkupin, shkuan në Turqi, u kthyen — por plisin nuk e hoqën, gegnishten nuk e harruan.“
„Sie passierten Skopje, gingen in die Türkei, kehrten zurück – doch den Plis nahmen sie nie ab und das Gegische vergaßen sie nie.“
In Qerret wurde vom britischen Politiker Aubrey Herbert für die Einwanderer eine Schule gegründet. Das Dorf soll ursprünglich auch Herbert geheißen haben.[12][7][11]
Nach dem Jahr 2000 hat sich der Strand von Qerret stark touristisch entwickelt. Es entstanden Hotels, Apartmenthäuser und Ferienhäuser in Strandnähe sowie ein Hafen für Sportboote an der Mündung des Bachs.[10]

