Quai des Chartrons
Straße in Bordeaux
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Quai des Chartrons ist der Name einer knapp 1,2 km langen Straße in Bordeaux. Sie verläuft unmittelbar parallel am westlichen Ufer der Garonne, nur durch einen etwa 50 Meter breiten Streifen einer Parkanlage, weiter nördlich ehemaliger Lagerhallen getrennt. Im Norden geht die Straße ab der Rue Maurice in den Quai de Bacalan, im Süden ab dem Palais de la Bourse in den Quai Louis XVIII über.




Die Straße wurde im Zuge der Neueinführung der Straßenbahn Bordeaux, Linie B 2007 vollständig umgebaut und modernisiert. Die zweigleisige, mit Gras bewachsene Bahntrasse befindet sich in der Mitte und wird auf beiden Seiten von ruhendem Verkehr begrenzt. Zur Garonne hin verläuft die vierspurige Hauptverkehrsstraße, zu der Häuserzeile hin eine als Einbahnstraße konzipierte, einspurige Fahrspur für die Anwohner. Ein breites Trottoir vor den Häusern lädt zum Flanieren und dient als Außenbereich für die Gastronomie. Stahlpfosten verhindern „Wildes Parken“.
Das Ufer ist mit einer Kaianlage und regelmäßigen Festmacherpollern ausgestattet, weist also noch auf die ehemalige Funktion als Hafenanlage hin. Nur die eine Straßenseite ist mit historischen Gebäuden bebaut, die vorwiegend zur Warenlagerung und der Abwicklung von Handelsgeschäften dienten. Heute wird diese Anlegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe und zu Repräsentationszwecken ausländischer Kriegsschiffe genutzt.
Geschichte
Der Name Quai des Chartrons rührt von dem Stadtviertel Les Chartrons, das seinen Namen dem Kloster Chartreuse de Bordeaux (dem Kartäuserkloster) verdankt. Ab dem 17. Jahrhundert siedelten sich flämische, englische und irische Makler und Händler in der Umgebung des Klosters ihre Niederlassungen, um von dort aus Wein in ihre Heimatländer zu verschiffen. Der Straßenverlauf war der Flussbiegung der Garonne geschuldet und entwickelte sich als funktional wandelnder Wirtschaftsraum, der punktuellen Anpassungen, also beispielsweise der Nutzungsänderung einzelner Gebäude oder Plätze folgte, und dem kein strategischer Plan zugrunde lag.[1]
Im 18. Jahrhundert veranlasste der Stadtplaner Louis-Urbain-Aubert de Tourny den Bau vornehmer Handels- und Wohnhäuser entlang dieser Straße. Hier entstand das Herzstück des bordelaiser Weinhandels. Mit der Verlagerung der Hafenanlagen ins ca. 100 km entfernte Le Verdon in den 1990er Jahren wurden die Lagerhäuser auf der Ostseite des Quai des Chartrons und die Wohn- und Geschäftshäuser auf der Westseite nutzlos und verfielen. Das ganze Stadtviertel galt als das „ärmste und verrufenste der Stadt“. Der Zugang zum Fluss wurde durch Metallgitter versperrt. Unter dem damaligen Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé wurde die ganze Stadt Bordeaux zusammen mit diesem Stadtviertel modernisiert und wiederbelebt, das 2007 mit der Aufwertung des Kulturerbes („Port de la Lune“) und Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbe gipfelte. Das Quai des Chartrons hat davon besonders profitiert: Die alten Kaianlagen wurden wieder ertüchtigt, alte Lagerhallen wurden entweder abgerissen oder in Parkhäuser, Gastronomiebetriebe oder Geschäfte des Einzelhandels umgewandelt.[2]
Bedeutung
Neben dem Wert als Verkehrsachse und als Attraktion für Touristen und Einheimische gilt die gesamte Fassade der historischen Bauten als erhaltenswert. Der Straßenzug darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern bildet den Abschluss des ganzen Stadtquartiers mit seinen inneren Strukturen von Handels-, Geschäfts- und Wohnhäusern. Der bauliche Frontbereich am Quai des Chartrons ist geschützt und muss vollständig erhalten bleiben. Es besteht ein hoher Denkmalwert mit Ensemblecharakter.
Das Quartier der Chartrons ist durch eine dichte und weitgehend geschlossene Bebauung geprägt, die einen hohen Grad an räumlicher Geschlossenheit aufweist und sich in großflächigen Blockstrukturen organisiert. Diese Struktur beruht auf einer historisch gewachsenen Parzellierung, die auch in jüngeren städtebaulichen Maßnahmen weiterhin als maßgebliches Ordnungsprinzip berücksichtigt wird. Der Bereich des Quai des Chartrons ist in dieses Gefüge eingebunden und bildet dessen zum Fluss hin orientierte Vorderkante.[3]
Innerhalb dieser geschlossenen Bebauung treten charakteristische bauliche Elemente wie die „voies sous porche“ auf, die als Durchfahrten den Zugang zu den rückwärtigen Lager- und Hofbereichen ermöglichen und damit die funktionale Verknüpfung von Quai, Handelsräumen und inneren Parzellenstrukturen herstellen.[3]
Die Häuser haben wegen Hochwassergefahr systematisch keine Keller. Das Erdgeschoss hat eine ungewöhnlich hohe Deckenhöhe, weil diese Ebene als Lager genutzt wurde. Auf schmalen Parzellen gibt es idealtypisch ein Vorder- und ein Hinterhaus mit einem dazwischen innen liegenden Treppenhaus. Die Treppenhäuser sind vielfach ohne Wendelung in Form einer Himmelsleiter an einer der Mauern zum Nachbarhaus gebaut und haben wegen hoher Geschosshöhe vielfach 30 Stufen zwischen den Stockwerken, eine Konstruktion, die nach Arrêté du 25 juin 1980, Art. CO 56 / CO 66 heute nicht mehr genehmigungsfähig wäre. Ein Treppenlauf besteht in Frankreich heute üblicherweise aus 15 bis 18 Stufen, maximal 25 Stufen, worauf ein Podest folgt.[4]