Ralf Richter
deutscher Schauspieler (1957–2026)
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Ralf Richter (* 17. August 1957 in Essen; † vor oder am 15. September 2026 in Köln) war ein deutscher Schauspieler und Musiker.

Leben und Wirken
Herkunft
Ralf Richter wuchs als zweitältestes von acht Kindern des Architekten Otto Richter und seiner Frau Hannelore in einer katholisch geprägten Familie in einem Bochumer Arbeiterviertel auf.[1] Sein Vater realisierte als Architekt große Wohnbauprojekte und malte und zeichnete in seiner Freizeit.[2] Richters jüngerer Bruder Frank-Martin Strauß ist der Künstler und Musiker FM Einheit.
Ausbildung
Nach dem Besuch verschiedener Grundschulen absolvierte Richter von 1973 bis 1975 eine Schreinerlehre, ab 1977 besuchte er zwei Jahre die Westfälische Schauspielschule Bochum. Daneben arbeitete er für das Bauunternehmen seines Vaters. Nach eigenen Angaben startete Richter seine schauspielerische Laufbahn eher ungeplant, da er zum Termin der Aufnahmeprüfungen an der Schauspielschule gerade zufällig in Bochum war.[2] Nach zwei Jahren wurde Richter als „nicht ausbildungsfähig“ von der Bochumer Schauspielschule verwiesen.[3]
Schauspiel
Nachdem er an der Freien Volksbühne in Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und in Bonn am Theater gespielt und erste Kurzauftritte in den Tatort-Folgen Herzjagd (1980) und Duisburg-Ruhrort (1981) absolviert hatte, zog er 1981 nach München. Dort bekam er von Wolfgang Petersen die Rolle des Zentralemaats Frenssen in dem Spielfilm Das Boot, durch die er erstmals einem breiten Publikum bekannt wurde.[2]
Er spielte meist die harten oder „bösen“ Charaktere oder auch einen Ruhrpott-Proleten. Kultstatus erreichte er vor allem als „Kalle Grabowski“ im Film Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding.[4] Im Film Superstau von 1991 spielte er einen gestressten Gelsenkirchener Bergmann, der in seinem Audi 100 mit Frau und Sohn auf dem Weg in den Urlaub nach Korsika ist. Richter gab an, dass er eine Vorliebe für die Rolle des Proleten habe, seit er in der Kindheit eine Familie in seiner Siedlung erlebt habe, die er als „extrem asi“ empfunden habe.[2]
Im Laufe seiner Karriere arbeitete er mit bekannten Regisseuren des deutschen Films, darunter Dominik Graf (Die Katze), Oskar Roehler (Suck My Dick) oder Til Schweiger (Der Eisbär), zusammen.[5] In der TV-Bergarbeiter-Saga Rote Erde von Klaus Emmerich verkörperte er den Bergmann „Otto Schablowski“. Richter wirkte in über 160 Film-und-Fernsehproduktionen mit[6] und in Fernsehserien wie beispielsweise in Auf Achse, Pogo 1104, Balko, Ein Fall für zwei, Der Alte, Der Fahnder, Alarm für Cobra 11, Heldt und Großstadtrevier.[7][8][9]
2015 übernahm er eine der Hauptrollen im Hörspiel Abwärts, nachdem er bereits 1984 eine Nebenrolle in dem gleichnamigen Thriller gespielt hatte.
Als Synchronsprecher lieh Ralf Richter unter anderem Danny Trejo und Steve Coogan seine Stimme.[10]
Sein anschließendes Projekt hieß Grabowski – Alles für die Familie. Aufgrund des Kultstatus seiner Rollenfiguren Karl-Heinz, Kalle und Harry Grabowski in der Unna-Trilogie von Peter Thorwarth initiierte sein Sohn Maxwell dieses Projekt, in dem Richter in einer Dreifachrolle noch einmal seine Kultfiguren spielen sollte. Das Drehbuch schrieben Vater und Sohn gemeinsam.[2] Um den Film produzieren zu können, starteten die beiden eine Crowdfunding-Kampagne, die mit mehr als 1200 Unterstützern eine Summe von 127.000 € einbrachte. Das Projekt wurde mehrfach verschoben und nicht mehr umgesetzt.
Musik
Neben der Tätigkeit als Schauspieler veröffentlichte Richter als Sänger die CD One Heart.[11]
Engagements
Ralf Richter engagierte sich für die Alphabetisierung. Er wirkte bei dem Hörspiel Mit einem blauen Auge! des Projektes „iCHANCE“ vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung mit.[12][13] Mehrere Jahre setzte sich Richter für ein Obdachlosenhotel in Köln ein.[2]
Persönliches
Richter war zweifacher Vater und hatte sechs Enkelkinder.[1] Sein Sohn Maxwell ist ebenfalls Schauspieler. Seine Tochter Aline hatte einen Kurzauftritt in Was nicht passt, wird passend gemacht als Tochter von Richters Filmfigur Kalle.[14] In Abspannen erscheint sein Vorname gelegentlich auch in der Schreibweise Ralph. Er lebte im Pantaleonsviertel der Kölner Innenstadt[15] und betrieb neben der Schauspielerei mehrere Restaurants.[16]
Tod
Richter litt an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung und an einer Herzunterfunktion.[17] Er starb in der Nacht zum 15. September 2026 im Alter von 69 Jahren in Köln.[16]
Filmografie (Auswahl)
Kino
- 1981: Das Boot
- 1984: Decoder
- 1984: Abwärts
- 1984: Zielscheiben
- 1987: Zabou
- 1988: Die Katze
- 1991: Manta – Der Film
- 1991: Superstau
- 1991: Es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk
- 1992: Cosimas Lexikon
- 1994: Marianengraben
- 1996: Happy Weekend
- 1996: Peanuts – Die Bank zahlt alles
- 1997: Was nicht paßt, wird passend gemacht (Kurzfilm)
- 1998: Der Eisbär
- 1999: Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding
- 2000: Fußball ist unser Leben
- 2000: Marmor, Stein & Eisen
- 2001: Westend
- 2001: Suck My Dick
- 2002: Kuscheldoktor (Kurzfilm)
- 2002: Was nicht passt, wird passend gemacht
- 2003: Dirty Sky
- 2004: Cowgirl
- 2006: Goldene Zeiten
- 2007: Streets of Rio
- 2008: Chaostage – We Are Punks!
- 2009: Die Vorstadtkrokodile
- 2009: Kopf oder Zahl
- 2009: Village People 2 – Auf der Suche nach dem Nazigold
- 2013: Bob der Baggerführer
- 2014: Nicht mein Tag
- 2015: Halbe Brüder
- 2016: Im Winter, so schön
- 2016: Radio Heimat
- 2016: Pets (The Secret Life of Pets, Synchronstimme)
- 2019: Der Rabe (Kurzfilm)
- 2019: Tal der Skorpione
- 2019: Stories of the Dead – Die Farm
- 2019: Der letzte Bulle
- 2020: Enfant Terrible
- 2020: Sky Sharks
- 2024: Frisch
Fernsehen
- 1980: Tatort: Herzjagd (Fernsehreihe)
- 1981: Tatort: Duisburg-Ruhrort
- 1981: Tour de Ruhr (Fernsehserie, 6 Folgen)
- 1982: Der Alte (Fernsehserie, Folge Ich werde Dich töten)
- 1982: Tatort: Wat Recht is, mutt Recht bliewen
- 1982: Smileys Leute – Agent in eigener Sache (Smiley’s People, eine Folge)
- 1983–1990: Rote Erde (Fernsehserie, 7 Folgen)
- 1984: Pogo 1104 (Fernsehserie, 4 Folgen)
- 1985: Die Krimistunde (Fernsehserie, Folge Die richtige Medizin)
- 1985–2009: Ein Fall für zwei (Fernsehserie, verschiedene Rollen, 9 Folgen)
- 1985–1999: Der Fahnder (Fernsehserie, verschiedene Rollen, 4 Folgen)
- 1986: Rosowski (Fernsehserie, Folge Canale Grande)
- 1987: Verlierer
- 1987: Tatort: Eine Million Mäuse
- 1988: Tatort: Ausgeklinkt
- 1988, 1993: SOKO München (Fernsehserie, verschiedene Rollen, 2 Folgen)
- 1989: Eurocops (Fernsehserie, Folge Zahltag bei Nacht)
- 1990: Alles im Griff (Regie: Joachim Roering)
- 1991: Tatort: Blutwurstwalzer
- 1993: Glückliche Reise – Grönland (Fernsehserie)
- 1993: Bella Block: Die Kommissarin (Fernsehreihe)
- 1994, 1999: Die Kommissarin (Fernsehserie, verschiedene Rollen, 2 Folgen)
- 1995: Alles außer Mord: Blutiger Ernst (Fernsehreihe)
- 1995: Der schwarze Fluch – Tödliche Leidenschaften
- 1995: Tatort: Der König kehrt zurück
- 1996: Auf Achse (Fernsehserie, Folge Falsche Freunde)
- 1996: Im Namen des Gesetzes (Fernsehserie, Folge Kreuzfeuer)
- 1996: Die Katze von Kensington
- 1997: Küstenwache (Fernsehserie, Folge Tanz auf dem Meer)
- 1998–2015, 2025: Alarm für Cobra 11 (Fernsehserie, verschiedene Rollen, 4 Folgen)
- 1999: Männer aus zweiter Hand
- 2000: Geisterjäger John Sinclair, Folge 9 Der Gerechte
- 2000: Großstadtrevier (Fernsehserie, Folge Der Partner)
- 2001: Kommissar Rex (Fernsehserie, Folge Strahlen der Rache)
- 2002: Tatort: Filmriss
- 2003: Alarm für Cobra 11 – Einsatz für Team 2 (Fernsehserie, Folge Verschwunden)
- 2003: Mädchen Nr. 1
- 2003, 2015: SOKO Köln (Fernsehserie, verschiedene Rollen, 2 Folgen)
- 2005: Die Rosenheim-Cops (Fernsehserie, Folge Bettgeflüster)
- 2005: Urmel aus dem Eis
- 2003–2007: Was nicht passt, wird passend gemacht (Fernsehserie, 20 Folgen)
- 2006, 2012: Die ProSieben-Märchenstunde (Fernsehserie, verschiedene Rollen, 2 Folgen)
- 2006: Löwenzahn, Folge: Verblüffende Entdeckung in Bärstadt
- 2007: Lutter: Um jeden Preis (Fernsehreihe)
- 2008: Spiel mir das Lied und du bist tot! (Fernsehreihe)
- 2010: Zeche is nich – Sieben Blicke auf das Ruhrgebiet 2010 (Episodenfilm, Episode The new Malocher)
- 2012: SOKO Stuttgart (Fernsehserie, Folge Mord & Malerei)
- 2013: Turbo & Tacho
- 2013: The Devil Loves Rock 'n' Roll
- 2013–2016: Heldt (Fernsehserie, 3 Folgen)
- 2014: Familie Dr. Kleist (Fernsehserie, Folge Dunkle Wolken)
- 2014: Pastewka (Fernsehserie, Folge 7x03 Der Fluch)
- 2017–2018: Offscreen (Fernsehserie, 12 Folgen)
- 2019: SOKO Potsdam (Fernsehserie, Folge Eine verhängnisvolle Affäre)
- 2024: ZDF Magazin Royale: Richter Ralf Richter (Special)
- 2024: Die Passion
Musikvideos
- 2003: Tanzwut – Nein Nein
- 2011: Eko Fresh – Köln Kalk Ehrenmord
- 2012: SEBEL- Rock N Roll Leben
- 2013: Sinan G – Bademeister[18]
- 2016: Betontod – Ich nehme dich mit
- 2016: Long Distance Calling – Getaway
- 2017: Pillath – Wie ein Onkel
- 2018: Owerstolz – Günther[19]
- 2021: Sondaschule – Ich verspreche mir selbst
- 2021: Sondaschule – Home Sweet Home (Unbesiegbar Episode 5/13)
Hörspiele
- 1984: Sean O’Casey: Das Erntefest – Produktion: Rundfunk der DDR[20] (mit Bernd Friebel: Ton)
- 1989: Knight Rider – Elliott, der Schlaukopf (Folge 5) (als Mac Gifford) – Regie: Heikedine Körting[21]
- 1989: Cop & Co. – Der kleine Unterschied (Folge 6) (als Bernie Römer) – Regie: Heikedine Körting[21]
- 1989: Stefan Wolf: TKKG – Hinterhalt im Eulenforst (Folge 67) (als Kriminalanwärter Valentin Paschke) – Regie: Heikedine Körting[21]
- 1991: Jost Baum: Ruhrfrieder oder Keine Chance für Rudi – Produktion: WDR
- 1991: Lothar Meyer: Stop and go – Produktion: WDR
- 1991: Ria Endres: Weltmeister – Regie: Norbert Schaeffer – Produktion: BR
- 1992: Werner Schmitz: Schön war die Zeit – Regie: Hein Bruchl – Produktion: WDR
- 1993: Werner Streletz: Mankurt oder Die späte Rache eines Schülers – Produktion: WDR
- 1993: Adolf Schröder: Es gibt kein Ende – Produktion: SWF
- 1994: Karl-Heinz Bölling: Die Zeit macht keine Pause – Produktion: SWF
- 1994: Jens Hagen: Kein Absprung ohne Anlauf – Produktion: NDR
- 1994: Christian Geissler: Walkman weiß Arschloch Eins A – Produktion: SWF
- 1995: Peter Meisenberg: Happy End – Regie: Ulrich Lampen – Produktion: SWF
- 1995: Werner Streletz: Ein Misanthrop aus Herne Zwei – Produktion: WDR
- 1995: David Pownall: Die Party von Frau Dr. K. – Produktion: SWF
- 1996: Dirk Spelsberg: Der Sturz – Produktion: HR / WDR
- 1996: Hubert Wiedfeld: Mutabor oder Die Sprache der Störche – Produktion: WDR / NDR
- 1997: Klaus Hoggenmüller: Hasentöter – Produktion: NDR
- 1997: Erwin Koch, Friedrich Bestenreiner: Jernigan. The Visible Human Project – Produktion: HR
- 1997: Funny van Dannen: Jubel des Lebens – Produktion: SDR
- 1999: Jáchym Topol: Engel Exit – Produktion: BR
- 2001: Jörg Juretzka: Sense – Produktion: WDR
- 2002: Denis Johnson: Engel – Produktion: WDR
- 2003: Jon Ewo: Rache – Regie: Leonhard Koppelmann – Produktion: WDR
- 2007: Jean-Patrick Manchette: Tödliche Luftschlösser – Produktion: WDR
- 2010: Dirk Schmidt: Task Force Hamm – Produktion: WDR
- 2014: Dirk Schmidt: Calibra – oder: Die Geißel Gottes – Produktion: WDR
- 2021: Sebastian Büttner: Katsche, Kopp und Ko: Ein helles Köpfchen – Regie: Matthias Kapohl – Produktion: WDR[22]
- 2021: Wimmel-Max & Wimmel-Biene – wimmelmax-verlag (Lern-Hörspiel für Kinder zum Thema Landwirtschaft)
Literatur
- Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 828.
Weblinks
- Literatur von und über Ralf Richter im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ralf Richter bei IMDb
- Ralf Richter bei seiner Agentur hb management