Rapaxavis
Gattung der Familie Longipterygidae
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Rapaxavis (lateinisch rapax – „räuberisch“ und avis – „Vogel“) ist eine ausgestorbene Gattung von Vögeln im weiteren Sinne aus der Gruppe der Enantiornithes. Sie lebte während der ersten Hälfte der Kreidezeit im heutigen Nordosten Chinas.[1] Die einzige bekannte Art ist Rapaxanis pani.
| Rapaxavis | ||||||||||||
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Holotyp von Rapaxavis pani (DNHM D2522) | ||||||||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||||||||
| Aptium/Albium (Unterkreide) | ||||||||||||
| 113 Mio. Jahre | ||||||||||||
| Fundorte | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Rapaxavis | ||||||||||||
| Eric M. Morschhauser, David Varricchio, Gao Chunling, Liu Jinyuan, Wang Xuri, Cheng Xiadong, Meng Qingjin, 2009 | ||||||||||||
| Art | ||||||||||||
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Rapaxanis pani | ||||||||||||
Entdeckung
2006 entdeckte Pan Lijun den Holotyp (DMNH D2522) in der Jiufotang-Formation in Liaoning, einer geologischen Schicht, die bereits dutzende Arten hervorbrachte. Es handelt sich um ein nahezu vollständiges Exemplar, das beim Auftrennen des Gesteins sauber auf einer Seite verblieb. Da die drei Mittelfußknochen noch nicht vollständig verwachsen waren, handelt es sich bei dem Tier um ein subadultes Individuum. Zunächst wurde das Fossil noch Longirostravis zugeordnet.[1] Die Restauration allerdings wurde unsauber durchgeführt. Das Skelett nahm durch grobes Werkzeug und fehlende Sorgfalt ernsthaften Schaden. Es wurde an das Natural History Museum of Los Angeles County überstellt. Dort gelang es die Präparation fertig zu stellen und die Beschädigungen weitgehend zu beheben. Während Wirbel und Flügel gerettet werden konnten, ging das rechte Jochbein unwiederbringlich verloren. Eric M. Morschhauser und sein Team umreißen den Sachverhalt in ihrer Erstbeschreibung von 2009.[2]
Zu Ehren des Finders wurde die Art pani getauft. Zudem wurde ein baumbewohnender Lebensstil angenommen, weshalb der Name zudem als Anlehnung an Pan als Gott des Waldes dient.
2011 erfolgte eine weiterführende Beschreibung durch eine Arbeitsgruppe um Jingmai K. O’Connor und Luis K. Chiappe, beide waren an der Rettung des Fundes beteiligt.[3]
Merkmale

Die anhand des Skeletts von Rapaxavis errechneten Maße liegen bei rund 10–12 cm Körperlänge samt Schnabel, einer Spannweite von knapp 25 cm und einem Gewicht von 44 g.[4] Voll ausgewachsen müssten diese nochmals ein wenig darüber liegen.
Alles deutet auf einen stochernden Baumkletterer, ganz ähnlich der rezenten Baumläufer hin:
| Körperteil | Merkmale | Deutung | |
|---|---|---|---|
| Schädel | Schnabel | mit 35,4 mm extrem lang (>60 % Schädellänge), gewaltig im Bezug zur Körperlänge, sehr schmal und zulaufend. | „Pinzette“ – spechtartiges Stochern |
| Zähne | sehr klein, stiftartig, distal, 2–3 pro Kieferseite, animalivore Morphologie[5] | Greifhilfe zum Entnehmen von Insekten aus Baumlöchern, höchst wahrscheinlich insektenfressend | |
| Augenhöhlen (Orbits) | geradezu riesig | exzellentes Sehvermögen zur Erspähung im Dickicht, eventuell verbesserte Sicht im Halbdunkel | |
| Halswirbel | sehr beweglich, leicht unabhängiger Oberkiefer | vergrößerte Schnabelöffnung ohne Kopfbewegung, gute Drehfähigkeit und Schädelkinese (Beweglichkeit), ähnlich moderner Vögel | |
| Füße | Hallux
(hintere Zehe) |
vollständig gegenüberstehend (opponiert) | ermöglicht Umschließen von Ästen, Sitzvogel |
| Krallen[2] | lang, sehr scharf, starke Krümmung, seitliche Abflachung | enorme Schließkraft, sehr wahrscheinlich stark genug für vertikale Bewegungen an Bäumen | |
| Laufknochen | kurz, kräftig | typisch für Kletterer und Greifer | |
| Brustbein (Sternum) | groß, ausgeprägter Kiel | Ansatz für massive Flugmuskeln, kein Gleiter | |
| Flügel | Federn | asymmetrische Schwungfedern, wahrscheinlich lange Schmuckfedern am Schwanz | aktiver Flug, gute Balance |
| Daumenfittich | Rückstände | ermöglicht langsamen Flug und punktgenaue Landung | |
| Oberarm
(Humerus) |
hohl, leicht, an Gelenken verstärkt | für hohe Belastung ausgelegt | |
| Schwanz (Pygostyl) | lang, schwertförmig | Ankerpunkt für Schmuckfedern, Gegendruck am Baum | |

Systematik
Rapaxavis reiht sich neben Longirostravis und Shanweiniao innerhalb der Longipterygidae in die Untergruppe der Longirostravinae ein. Wie die beiden genannten zeichnet er sich durch den filigraneren Körperbau und grazilere Zahnmorphologie aus als die Schwestergruppe der Longipteryginae aus. Der Fund belegt eine frühere und ausgefeiltere Spezialisierung der Gruppe als bisher angenommen.
Die systematische Stellung von Rapaxavis
| Enantiornithes |
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