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Rat für Nachhaltige Entwicklung

Organisation zur Beratung der deutschen Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die deutsche Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit und soll mit Beiträgen und Projekten die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie fortentwickeln und umsetzen helfen. Eine weitere Aufgabe des RNE ist es, innerhalb der Bevölkerung und den Beteiligten deutscher Nachhaltigkeitspolitik die Vorstellung von nachhaltiger Entwicklung und die Debatte darüber zu stärken, Nachhaltigkeit also zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Dem Rat gehören 15 Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Umweltschutz, Landwirtschaft, Sozialpolitik, Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit sowie Vertreter von Gewerkschaften und Kirchen an, die der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin für eine Mandatszeit von drei Jahren ernennt. Erstmals berufen wurde der Rat im April 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Seine Geschäftsstelle ist in Berlin bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) angesiedelt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der 14. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 2. Juni 2014 im bcc Berlin

Geschichte

Im Rahmen der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) in Rio de Janeiro (1992) beschlossen damals 178 Staaten die Agenda 21, ein Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung für das 21. Jahrhundert. Als Reaktion auf nationaler Ebene rief die damalige Bundesregierung den RNE ins Leben und ernannte im Februar 2001 dessen erste Mitglieder. Am 4. April 2001 wurde unter Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin der Rat offiziell eingesetzt,[1] um die Regierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zu beraten. Diese veröffentlichte die Bundesregierung ein Jahr später.

Nach einer Auftaktveranstaltung am 28. September 2001 werden regelmäßig Jahreskonferenzen abgehalten.[2] Besuchten 2002 noch rund 600 Teilnehmer die Veranstaltung, hat sich die Anzahl mittlerweile weitaus mehr als verdoppelt.

Aufgaben

Der Rat entwickelt Beiträge zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, richtet Empfehlungen an die Bundesregierung und benennt konkrete Handlungsfelder und Projekte dazu.[3] Er äußert sich in Stellungnahmen zu aktuellen Themen, gibt wissenschaftliche Studien in Auftrag und trägt dazu bei, Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Der Rat ist in seiner Tätigkeit unabhängig und gibt sich selbst ein Arbeitsprogramm für die aktuelle Mandatsperiode. Diesem folgen weiter konkrete Arbeitsschritte.

Zu den Instrumenten des RNE gehören:

  • der politische Dialog (z. B. Empfehlungen für den Chef des Bundeskanzleramtes)
  • die politische Öffentlichkeit (z. B. Veranstaltung der Jahreskonferenz als politischer Nachhaltigkeitsgipfel)
  • Publikationen (z. B. aktuelle Pressemitteilungen)

Diskussionsbeiträge hat er mit der Studie „Nachhaltig aus der Krise. Analyse möglicher Beiträge einer ökologischen Finanzreform“ und der „Empfehlung Konsum und Nachhaltigkeit. Wie Nachhaltigkeit in der Konsumgesellschaft käuflich und (er)lebbar wird“ geleistet. 2009 organisierte der Rat die Arbeiten zu einer kritischen Analyse der deutschen Nachhaltigkeitspolitik, einem internationalen Peer-Review im Auftrag der Bundeskanzlerin. Daraus entstand das Gutachten „Sustainability - Made in Germany. We know you can do it“. Ein neues Peer-Review-Verfahren der Nachhaltigkeitsstrategie startete zu Beginn des Jahres 2013. Der Rat hat den „Deutschen Nachhaltigkeitskodex“ öffentlich diskutiert und in einer Praxisphase gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und Kapitalmarkt getestet und weiterentwickelt. Der neue Transparenzstandard beschreibt in zwanzig Kriterien die Kernanforderungen nachhaltigen Wirtschaftens und macht diese mit einer Auswahl quantifizierter Indikatoren vergleichbar. Die jüngsten politischen Empfehlungen des Rates fordern Verbindlichkeit für Energieeffizienz, eine Stabilisierung der Finanzmärkte, eine am Leitbild der Nachhaltigkeit orientierte Agrarwende und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für strategische Rohstoffe sowie eine Stellungnahme zur Flächeninanspruchnahme. Im März 2011 erprobte der Rat mit „Dialoge_Zukunft_Vision2050“ ein neues Format für gesellschaftlichen Dialog über langfristige Politik.

Nachhaltige Stadt

Seit dem Jahr 2010 begleitet er die Initiative Dialog „Nachhaltige Stadt“, zu dem sich über 20 Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister aus deutschen Städten zusammengefunden haben. Die kommunalen Vertreter setzen sich in besonderem Maße für eine nachhaltige Entwicklung in ihren Städten ein, tauschen Erfahrungen aus und treffen sich regelmäßig, um nachhaltige Stadtentwicklung als politisches Anliegen auch auf Bundesebene zu stärken.[4]

Das ebenfalls vom Rat entwickelte Qualitätslabel „Werkstatt N“ zeichnet seit dem Jahr 2010 jährlich rund 100 Projekte aus. Seit 2017 werden diese unter der Bezeichnung „Projekt Nachhaltigkeit“ gewürdigt. Die außerordentlichen und in ihrem Engagement besonders nachhaltigen Projekte dürfen für ein Jahr das Label tragen und werden zusätzlich auf einer Website präsentiert.[5] Der Nachhaltigkeitsrat vergibt den Titel „Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit“ und lädt zu wissenschaftlichen Carl-von-Carlowitz-Vorlesungen ein. Im Februar 2013 veranstaltete er eine Jugendkonferenz unter dem Motto „Contemporary Carlowitz“. Im Rahmen der dreitägigen Zusammenkunft 50 Jugendlicher und junger Erwachsener unterschiedlichster Biographien und Interessen, formulierten diese ein Impulspapier mit Forderungen an die Bundesregierung für eine nachhaltige Entwicklung.

Zu den Publikationen des Rates zählen Stellungnahmen, Empfehlungen und Studien zu Nachhaltigkeitsthemen sowie ein monatlich erscheinender Newsletter.

Öffentlichkeitswirksame Projekte des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE)

  • 2003 – heute: Der Nachhaltige Warenkorb – Broschüre und online-Angebot[6][7]
  • 2008 – heute: Der RNE unterstützt als Partner den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP)[8]
  • 2011 – heute: Der RNE ruft jährlich im September zu den Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit (DAN) auf.[9]
  • 2016 – heute: Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) – Die RENN sind eine regional organisierte Informations- und Aktions-Plattform für nachhaltige Entwicklung[10].
  • 2017–2021: Fonds Nachhaltigkeitskultur – Der Fonds Nachhaltigkeitskultur förderte Projekte gemeinnütziger Akteure zur Nachhaltigkeitskultur.[11]
  • 2021 – heute: Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit - eine Initiative von Bund und Ländern, koordiniert vom RNE.[12][13]
Projekt Nachhaltigkeit
  • 2018 – heute: Projekt Nachhaltigkeit (vormals Werkstatt N) – Der Wettbewerb zeichnet herausragende Initiativen und Projekte des Wandels in Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kommunen aus, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Die Auszeichnung wird von den vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategie (RENN) in Kooperation mit dem RNE verliehen.[14][15]

Werkstatt N-Projekte / Projekt Nachhaltigkeit (in Wikipedia)

Weitere Informationen Projekt, Beschreibung ...
ProjektBeschreibungOrtBundeslandJahr der Auszeichnung
Mundraub (Website)Datenbank mit Obstfeldern, die abgeerntet werden können[16]-bundesweit2011, 2012
Jaana Liisa PrüssBuch „fair-handeln! Anstiftungen für zukunftsfähiges Handeln“[17]BerlinBerlin2015
Virtuelle Akademie NachhaltigkeitVideobasierte Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit für Studierende deutschsprachiger Hochschulen[18]BremenBremen2013, 2016
Industrieverband Körperpflege- und WaschmittelAktionstag Nachhaltiges (Ab-) Waschen[19]FrankfurtHessen2011, 2012, 2015
Adrienne GoehlerAusstellung Zur Nachahmung empfohlen!, Expedition in Ästhetik und Nachhaltigkeit, (verantwortlich: Adrienne Goehler und Jaana Prüss)[20]BerlinBerlin2011
Jugend gründetonline-Wettbewerb des BMBF zur ökonomischen Bildung und beruflichen Orientierung[21]PforzheimBaden-Württemberg2015
SynagierenJeweils 10–20 Teilnehmer pro Arbeitsgruppe arbeiten für ein Wochenende an einem gesellschaftlich relevanten Projekt.[22]DarmstadtHessen2011, 2012, 2013
BücherBoxxAusrangierte Telefonzellen werden zu Straßenbibliotheken umgebaut.[23]Berlin / RüdesheimBerlin2011
Interkulturelle GärtenDas bundesweite Netzwerk Interkultureller Gärten umfasst über 100 Gartenprojekte, mit denen soziale Kontakt zwischen Flüchtlingen, Migranten und Einheimischen hergestellt werden sollen.[24]GelsenkirchenNordrhein-Westfalen2011
Kunst-StoffeAltstoff-Sammelstelle, in der Kunstwerke entstehen[25]BerlinBerlin2011, 2012, 2013
Micaela BaraSozialpädagogische Projekt „Ich bin Dion“ der Kontakt- und Beratungsstelle Berlin[26]BerlinBerlin2013
EUROPARC DeutschlandFreiwilligen-Programm „Ehrensache“ des Dachverbands der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks in Deutschland[27]BerlinBerlin2013
Angelika JanzKinderAkademie im ländlichen Raum[28]FerdinandshofMecklenburg-Vorpommern2012, 2016
GlovicoSprachlernplattform, über die Menschen aus Entwicklungsländern Sprachstunden in ihren Muttersprachen via Skype anbieten konnten.[29]--2011, 2012, 2013
Spree2011Projekt, mit dem die Wasserqualität der Spree zu verbessert werden soll.[30]BerlinBerlin2011
WWF JugendJugendliche forschen an Ideen, mit denen der Klimawandel gebremst werden soll und präsentieren die Ergebnisse auf ihrer Webseite.[31][32]BerlinBerlin2012, 2013, 2015
Heike Zimmermann-TimmSommerschule für Doktoranden[33]FrankfurtHessen2015
Kiezpark FortunaParkanlage in Berlin-Marzahn[34]BerlinBerlin2013
Perspective DailyPerspective Daily ist ein online-Medium, das mit Konstruktivem Journalismus über Probleme und Lösungen gleichermaßen berichtet.[35][36]MünsterNordrhein-Westfalen2016
Gondwana CollectionNaturschutz- und Tourismus-Projekt in Namibia[37]Windhoek/Namibia-2016
ZwischennutzungDie ZZZ - ZwischenZeitZentrale Bremen organisiert Zwischennutzungen in leerstehenden Immobilien und Brachen.[38]BremenBremen2016
Joachim FranzMit der „world aids awareness expedition“ wirbt Joachim Franz seit 2001 mit weltweiten Aktionen für eine humanere Welt. Ziel des Projekts ist es, durch außergewöhnliche Aktionen mehr Aufmerksamkeit für das Thema HIV/Aids zu erregen.[39]WolfsburgNiedersachsen2011, 2012, 2015
Heimathafen NeuköllnDie Initiative Act e. V. will Menschen in die Lage versetzen, ihr Leben unter Nutzung ihrer positiven Potentiale eigenständig zu führen.[40]BerlinBerlin2012, 2013, 2015
ASA-ProgrammDas ASA-Programm besteht seit 55 Jahren. Jährlich werden 260 junge Menschen aus Deutschland, Europa und dem Globalen Süden darin unterstützt, sich für eine solidarische, gerechte und nachhaltige Entwicklung einzusetzen.[41]BerlinBerlin2015
Junior_RangerDas bundesweite Junior-Ranger-Programm ist ein Bildungs- und Freizeitangebot, das Kindern eine Möglichkeit bietet, mit den „Nationalen Naturlandschaften“ in Kontakt zu kommen.[42]BerlinBerlin2012, 2013, 2015
Maro TemmMit der Siedlung MARO TEMM ist ein Ort entstanden, an dem Sinti und Roma Generationen übergreifend miteinander leben und sich gegenseitig unterstützen können und an dem sie ihre kulturellen Besonderheiten und ihre Sprache Romanes bewahren und weiterentwickeln können.[43]KielSchleswig-Holstein2015
Norddeutsches Zentrum für Nachhaltiges BauenBauwillige sollen erfahren, dass das Bauen mit regional gewonnen, nachwachsenden und ressourcenschonenden Baustoffen energieeffizient, ressourcenschonend und ästhetisch anspruchsvoll gelingen kann.[44]Verden (Aller)Niedersachsen2015
Switch – In 4 Tagen um die WeltHamburger Kinder werden in Gruppen aus vier Kindern unterschiedlicher Herkunft eingeteilt. Die Kinder verbringen vier Tage im Wechsel in einer der Familien.[45]HamburgHamburg2015
Schweisfurth StiftungDie Schweisfurth-Stiftung macht auf die Problematik der industriellen Land- und Lebensmittelwirtschaft aufmerksam. Mit „Tierschutz auf dem Teller“ sollen die unterschiedlichsten Personenkreise quer durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten erreicht werden.[46]MünchenBayern2011, 2012, 2015
Restlos glücklichDas erste Non-Profit–Reste-Restaurant Deutschlands wurde 2016 eröffnet. Gekocht wird fast ausschließlich mit gespendeten Lebensmitteln, die nicht verkauft werden können, etwa wegen optischer Mängel, falscher Etikettierung oder Sortimentwechsels.[47]Berlin-NeuköllnBerlin2016
VaudeDer Produzent für Bergsportausrüstung wurde für sein „Second-Use“-Programm ausgezeichnet, das die Nutzungsdauer seiner Produkte verlängern soll.TettnangBaden-Württemberg2016
Schließen

Ratsmitglieder

Derzeitige Mitglieder

Die Mitglieder des Rates werden für drei Jahre berufen. Dem Gremium gehören an[48]:

Ehemalige Mitglieder

Ehemalig kooptierte Mitglieder als Sachverständige

Organisation

Die Geschäftsstelle unterstützt den RNE inhaltlich und organisatorisch. Der Generalsekretär hält direkten Kontakt zur Bundesregierung, insbesondere zum Staatssekretärausschuss für Nachhaltige Entwicklung, zu den Ministerien und Behörden, zum Parlament, zur Wirtschaft, Wissenschaft und gesellschaftlichen Gruppen.

Siehe auch

Einzelnachweise

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