Rathaus (Duisburg)
Rathaus der Stadt Duisburg
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Das Rathaus (Adresse Burgplatz 19) der nordrhein-westfälischen Stadt Duisburg ist eingetragenes Baudenkmal und repräsentativer Verwaltungssitz. Es liegt inmitten der Altstadt am historischen Burgplatz. Das Rathaus entstand zwischen 1896 und 1902 und wurde vom Architekten Friedrich Ratzel erbaut.

Geschichte
Vorgängerbauten
Ein Rathaus kann für Duisburg im Jahr 1274 eher indirekt fassbar gemacht werden. Damals war erstmals von Ratsleuten (lat. consules) die Rede. Das Haus, in dem die Ratsleute tagten, taucht zuerst 1361 als „domus consulum“ (lat. Haus der Ratsleute) in den Quellen auf. Bei diesem handelte es sich um das letzte erhaltene Anwesen, der Königspfalz, die den Siedlungskern der späteren Stadt bildete. Es war im romanischen Stil errichtet worden und hatte den verheerenden Brand von 1283 überstanden, dem alle anderen Bauten der Pfalz zum Opfer gefallen waren.
Das Rathaus lag etwas weiter südlich als der heutige Bau und blickte nach Westen in Richtung des Alten Marktes, während im Osten der heute verschwundene Weinhausmarkt anschloss. Die älteste Darstellung des Rathauses geht auf den Plan des Johannes Corputius von 1566 zurück. Gezeichnet wurde ein dreigeschossiges Satteldachhaus. Die gekoppelten Fenster verweisen auf den romanischen Ursprung. Im 16. Jahrhundert bezog man ein nebenstehendes Haus in das Rathaus mit ein. Kenntnisse über Erneuerungen des Rathauses liegen nur wenige vor.
Umfassend renoviert wurde es im Jahr 1802, wobei Bruchsteine aus dem abgerissenen Koblenzer Turm einbezogen wurden. Das alte Rathaus wurde jahrhundertelang genutzt und verlor erst im Zuge des Bevölkerungszuwachses in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Funktion. In den 1840er Jahren riss man das älteste Rathaus ab und errichtete an seiner Stelle einen größeren Neubau, das seine Front erstmals dem Burgplatz zuwandte und 1843 fertiggestellt wurde. Dieser Bau besaß bereits einen Rathausdurchgang, der von einem Turm überragt wurde. Das zweite Rathaus präsentierte sich als zweckmäßiges Bauwerk, lediglich in der Gliederung durch Biforien wurde die romanische Tradition aufgegriffen.
Das zweite Rathaus geriet bereits dreißig Jahre nach seiner Fertigstellung an die Kapazitätsgrenzen. Um die Verwaltung der im Zuge der Industrialisierung rasant wachsenden Bevölkerung sicherzustellen, erweiterte man das Rathaus mehrfach. Besonders auffällig war die Aufstockung des Turms, die im Jahr 1888 im Zusammenhang mit der Anschaffung einer elektrischen Rathausuhr erfolgte. Der markante schiefergedeckte Turm sollte allerdings nur knapp 20 Jahre bestehen, weil sich die Bevölkerungszahl Duisburgs zwischen 1871 und 1895 mehr als verdoppelte und den Stadtrat zu einer grundsätzlichen Entscheidung drängte.[1]
Bauphase und Einweihung
Am 6. Dezember 1895 veröffentlichte die Stadtverwaltung ein Preisausschreiben für den Rathausneubau. Als Preisgeld wurde die Summe von 15.000 Mark ausgeschrieben, die sich auf die ersten drei Preisträger verteilen sollten. Insgesamt wurden 83 Entwürfe eingesendet. Den ersten Preis erhielten die beiden Assistenten an der Technischen Hochschule Karlsruhe, Friedrich Ratzel und C. Boes, für ihren Entwurf „Blauer fünfzackiger Stern“. Nach dem Erhalt des Preisgeldes mussten die Pläne allerdings überarbeitet werden, weil der Stadtrat Änderungswünsche hatte. In dieser Phase zog sich Boes aus dem Projekt zurück, sodass Friedrich Ratzel allein als Architekt verantwortlich zeichnete.

Um die wesentlich größere Grundfläche des Rathauses zwischen Burgplatz und Altem Markt unterzubringen, musste die Stadt vor Baubeginn rund 25 Häuser und Grundstücke erwerben. Daneben waren weitere Abrisse nötig, um die Dimensionen des Burgplatzes an das geplante Rathaus anzupassen. Das Rathaus wurde Stück für Stück errichtet, weil Ratzel die Auflage bekommen hatte, dass der Verwaltungsbetrieb in der Zeit des Neubaus weitergehen musste. Während der Bauarbeiten nahm der Burgenforscher Konrad Plath Grabungen vor. Dabei wurde ein etwa drei Meter langer Abschnitt der frühmittelalterlichen Pfalzmauer als Grundstein unter die Fundamente des im Bau befindlichen Rathauses abgesenkt.
Ehe mit dem nördlichen Bauabschnitt in der Umgebung der gotischen Salvatorkirche begonnen werden konnte, mussten noch Einwände vonseiten der Königlich-Preußischen Regierung ausgeräumt werden, die eine Absenkung des Trakts in Kirchennähe und eine Freistellung des Gotteshauses gefordert hatte. Am 15. August 1897 begannen die Bauarbeiten. Bereits am 1. April 1900 konnte der nördliche Trakt bezogen werden. In der Folge wurde das alte Rathaus abgebrochen. Beim Bau des Turms in den folgenden Monaten mussten weitere Häuser weichen, weil die Fundamente ihre Stabilität gefährdeten.
Am 3. Mai 1902 konnte das Rathaus eingeweiht werden. An den Feierlichkeiten waren große Teile der Stadtgesellschaft beteiligt. Der Weg zum Rathaus war mit Girlanden und Lorbeerbäumen gesäumt. Um 11 Uhr fanden die Feierlichkeiten im großen Ratssaal ihren Höhepunkt. Als Gäste konnte Oberbürgermeister Karl Lehr den Innenminister, den Finanzminister sowie den Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Berthold von Nasse, und den Regierungspräsidenten begrüßen. Nach der feierlichen Übergabe der Rathausschlüssel an den Oberbürgermeister und einem Rundgang folgte ein Festessen in der Tonhalle. Insgesamt hatte der Rathausbau 2,6 Millionen Goldmark gekostet und damit mehr als ein Drittel eines damaligen Jahresetats der Stadt Duisburg verschlungen.[2]
Veränderungen am Bau
Das weitere Wachstum der Stadt Duisburg machten bald Umbauarbeiten im Inneren notwendig. Die Ausstattung des Ratssaales musste dabei immer wieder den verändernden Bedingungen angepasst werden. So waren zwischen 1902 und 1924 die Städtischen Sammlungen als Vorgängerin des Kultur- und Stadthistorischen Museums sowie Lehmbruck-Museums im Rathaus untergebracht. Daneben wurden die Toilettenanlagen ausgebaut, um den gewachsenen, hygienischen Standards gerecht zu werden. Das Foyer verkleinerte sich darüber hinaus merklich durch den Einbau einer Pförtnerloge und des heute noch in Betrieb befindlichen Paternosteraufzugs. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschwanden die Decken- und Gewölbemalereien im Inneren des Baus.

Den größten Eingriff erfuhr der Baubestand durch die Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 1943 war der Dachstuhl und das oberste Turmgeschoss nach einem Bombentreffer ausgebrannt, die Giebelmauern überstanden den Angriff allerdings recht unbeschadet. Der Wiederaufbau wurde 1951 in die Wege geleitet. Dabei verzichtete man auf die originalgetreue Wiederherstellung des Baus, sondern entschied sich für eine vereinfachte Rekonstruktion. Kleinere Türmchen verschwanden, das Dach wurde glatt durchgezogen und die drei Giebel zum Burgplatz nicht wieder aufgebaut. Der Rathausturm erhielt ein schlichtes Satteldach, am 19. September 1952 konnte Richtfest gefeiert werden.[3]
Die Stadtverwaltung nutzte die Kriegsschäden, um den Rathausbau weiter nach Süden zu erweitern. Dieser Anbau konnte am 5. Januar 1956 eingeweiht werden. Das neue Rathaus stieß bald an seine Kapazitätsgrenzen, sodass in den 1960er Jahren neuerlich um Ergänzungen gestritten wurde. Pläne sahen einen Sitzungssaal auf Stelzen vor, der im Stil der Nachkriegsmoderne verwirklicht werden sollte. Daneben war auch ein Rathaus-Hochhaus auf dem Alten Markt im Gespräch. In den 1970er Jahren wurde erstmals auch der Denkmalcharakter des Rathauses diskutiert.
Mit der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen erhielt die Stadt Duisburg im Jahr 1975 weitere Einwohner. Der auf 83 Personen angewachsene Rat war für den Ratssaal zu groß geworden und zog für seine Sitzungen in die Mercatorhalle um. Erst 1980 konnten die Räte nach einem Umbau in das Rathaus am Burgplatz zurückkehren. In den 1970er Jahren wurde das Rathaus auch erstmals restauriert. Heute ist die Stadtverwaltung auf viele Baulichkeiten im Duisburger Stadtgebiet verteilt, darunter dem Stadthaus nahe des Stadttheaters. Im Rathaus haben heute der Oberbürgermeister, seine Stellvertreter und mehrere Ämter ihren Sitz.
Baubeschreibung
Ostfassade am Burgplatz
Bei der Ostfassade des Rathauses, die in Richtung des Burgplatzes blickt, handelt es sich um die eigentliche Schauseite des Baus. Der Baukörper im Norden des Rathausturms enthält das Hauptportal und wurde achsensymmetrisch um einen Mittelrisalit angeordnet. Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Risalit durch einen hohen Giebel, ein Walmdach und einen Dachreiter noch stärker betont. Heute schließt er mit einem schlichten durchfensterten Aufbau ab, auf den Pyramiden aufgesetzt wurden. Dem Risalit ist die Eingangshalle auf vier Rundsäulen vorgesetzt.

Es entsprach dem Wunsch des Stadtrates den Ratssaal oberhalb des Eingangs unterzubringen. Dieser sollte auch äußerlich sichtbar gemacht werden. Dabei wurde dieser Bau an spätgotischen Rathäusern orientiert. Die Eingangshalle wird von einem Balkon mit einer nachgotischen Maßwerkbrüstung abgeschlossen. Lediglich die Mittelachse wird durch einen Erker bis zur Front der Halle vorgezogen. Die Fenster des Risalits ziehen sich über zwei Geschosse und sind ebenfalls mit nachgotischem Maßwerk ausgestattet. Links und rechts vom Risalit weist das Rathaus jeweils drei Fensterachsen auf. Auf der linken Seite wurde im dritten Obergeschoss ein weiterer, kleinerer Erker angebracht.
Das Hauptportal verschwindet unterhalb des Vordachs und ist im Vergleich zur Vorhalle übersichtlich dimensioniert. Es wurde an ein Renaissanceportal angelehnt und wird von zwei gebauchten Säulen, auf denen zwei wappenhaltende Löwen sitzen, sowie einem Oberlicht mit schmiedeeisernem Stadtwappen eingerahmt. Die eichene Eingangstür ahmt in ihrem Schnitzwerk diese Aufbauten nach und greift weitere Gliederungselemente der Renaissance wie antikisierende Konsolen auf. Alle Fenster der Erd- und Kellergeschosse wurden mit schmiedeeisernen Gittern versehen, die zur Bauzeit teilweise vergoldet waren und heute einen schwarzen Anstrich tragen.
Mit den beiden Kaisergestalten und dem Wappenrelief sind die bedeutendsten Zierelemente der Westfassade am Mittelrisalit angebracht. Friedrich Ratzel schlug dem Rat am 1. Oktober 1898 vor, hier die beiden überlebensgroßen Figuren Karls des Großen (links) und Kaiser Wilhelm I. (rechts) anzubringen. Beide sind in mittelalterlicher Tracht gekleidet und stehen auf mit Löwenköpfen verzierten Konsolen. Unterhalb Karls brachte man das, unhistorische, Adlerwappen des Römisch-Deutschen Reiches an, unterhalb Kaiser Wilhelms ist der preußische Adler zu finden.[4] Das Stadtwappen oberhalb des Fensters im Zentrum des Risalits wird von zwei Engeln als Halter eingerahmt und von einer Stadtmauer als Helm verziert.
Westfassade am Alten Markt

Die Westfassade des Duisburger Rathauses präsentiert sich heute wesentlich nüchterner als ihr östliches Pendant. Nach den Veränderungen im Zuge des Wiederaufbaus wirkt die ca. 80 Meter lange Front blockhaft. Links vom Rathausdurchgang findet sich ein dreieckiger Erker, der ursprünglich von einem geschweiften Neo-Renaissance-Giebel überragt wurde. Darunter wird der aus drei Fensterachsen bestehende Abschnitt durch ein Architrav gegliedert, das am Rathausbogen von einer neoromanischen Rundsäule mit breitem Fuß gestützt wird.
Das Zentrum der Fassade bildet hier, wie auf der Ostfassade ein Wappen, das im Zentrum eines über zwei Fensterhöhen reichenden Erkers angebracht wurde. Zwei kniende Engel halten das deutsche Kaiserwappen von 1871 in Händen, dem das Wappen der preußischen Rheinprovinz angehängt wurde. Links und rechts des Erkers finden sich zwei Toreinfahrten, deren Aufbau entfernt an Renaissance-Portale erinnert. Das rechte Portal in Richtung Rathausbogen wird von zwei vollplastisch gearbeiteten, männlichen Köpfen begleitet, die den Blick in Richtung der Passanten richten. Das linke Portal wird von einem Fratzenkopf als Schlussstein dominiert.

Größtes Gliederungselement der Westfassade stellt der Eckpavillon zur Salvatorstraße hin dar. Er wurde im Zuge der Wiederaufbauarbeiten stark vereinfacht und die ursprünglich aus einem geschweiften Giebel, zwei Rundtürmchen und einem Dachreiter bestehende Dachlandschaft auf einen schlichten Treppengiebel reduziert. Die vier Wappen unterhalb des Giebels verweisen auf die Herren, die in der Vormoderne über Duisburg herrschten. Von links nach rechts sind dies die Herren von Limburg, Kleve, die Grafen von der Mark und die Hohenzollern. Im Giebelfeld des neben den Wappen befindlichen Erkers hat sich der ausführende Baumeister Friedrich Ratzel in Form eines plastischen Brustbildes verewigt.[5]
Unterhalb des Eckpavillons wurde der Bau an der Ecke Alter Markt/Salvatorstraße abgeschrägt. Hier erhebt sich eine fast vier Meter hohe halbplastische Figur. Sie zeigt einen barhäuptigen Ritter, der in seiner Rechten ein Schwert hält und vor seiner Brust mit einem Wappen der Stadt Duisburg ausgestattet wurde. Sie erinnert an die Tradition der Rolandsfiguren, die als Wahrzeichen für die Hoch- und Marktgerichtsbarkeit im Mittelalter in der Nähe von Märkten Aufstellung fanden.
Turm und Rathausdurchgang

Der Turm des Rathauses bildet mit seiner Haube noch immer ein stadtbildprägendes Wahrzeichen. Er erhebt sich über dem Durchgang zum Alten Markt. Er ist zwischen der Traufhöhe des Rathauses und dem oberen Umgang völlig fensterlos. Aufgelockert wird er lediglich durch einen schmalen Erker. Für den Mittelbereich des sich über zwei Fensterhöhen erstreckenden Erkers erarbeitete Ratzel eine Dreiergruppe von mythologischen Wesen, bestehend aus einer doppelgeschwänzten Seejungfrau in der Mitte, rechts ein jugendlicher Triton und links ein bärtiger Triton mit den Vorderbeinen eines Pferdes.
Der Rathausdurchgang wird auf der Ostseite von zwei auffälligen Eckreliefs flankiert, die sich vom restlichen Figurenprogramm abheben. Es handelt sich um die Darstellung von Adam und Eva. Der Entwurf für die in der Hocke befindlichen Figuren wurden vom Karlsruher Künstler Fridolin Dietsche geliefert. Seine Arbeiten entsprechen deshalb auch nicht den historisierenden Figuren Ratzels, sondern weisen Anleihen des Jugendstils auf. Ratzel musste die Anbringung der beiden Figuren vor den Stadträten verteidigen und betonte, dass „ohne Zuthun dieser beiden edeln Menschen das Rathaus zu Duisburg kaum notwendig geworden wäre.“[6]

Der Turmdurchgang selbst wurde wie ein Innenhof gestaltet, der den Charakter eines Burghofes besitzt. Ursprünglich wurde dieser Eindruck noch durch die auskragenden Balkone in Fachwerkbauweise unterstrichen, die im Zuge des Wiederaufbaus vereinfacht wurden. Auf der Treppe war ursprünglich der Tritonbrunnen eingebaut, der sich seit 1971 in der unweit gelegenen Münzstraße befindet. Im Rathausbogen sind mehrere Gedenktafeln aus der Duisburger Stadtgeschichte angebracht. Da ist zum einen eine Platte, die an den Philosophen Immanuel Kant erinnert. Zum anderen wurde eine Tafel aus Anlass des zehnjährigen Partnerschaftsjubiläums mit dem britischen Portsmouth aufgerichtet. Eine weitere Plastik stiftete das in Duisburg stationierte britische Regiment aus Anlass seines Abschieds. Es zeigt zwei dreidimensionale, verschlungene Hände.
In einer Nischen im Rathausdurchgang ist das Relief eines Narrenkopfes eingelassen. Dieser wurde während der Bauarbeiten an Ort und Stelle aus dem Stein geschlagen. Ein besonderes Augenmerk fällt im Durchgang außerdem auf das hier angebrachte Portal, das in seinen Dimensionen dem Hauptportal entspricht. Oberhalb das Türsturzes findet sich ein rechteckiges Feld, das ein Relief eines antiken Flussgottes mit Muschelhorn enthält, und als Symbol für den Rhein steht. Das Portal besitzt auf der gegenüberliegenden Salvatorstraße eine Entsprechung, wobei das Bogenfeld hier die Jahreszahl 1897 in gotischer Frakturschrift enthält.
Innenraum und Ausstattung
Betritt man das Rathaus durch das Hauptportal auf der Ostseite, befindet man sich zunächst in einer von vier Säulen getragenen, dreischiffigen Eingangshalle. Das hier angebrachte, niedrige Kreuzrippengewölbe schließt mit einem Schlussstein in Kronenform ab. Eine Treppe leitet von hier in das Foyer über, das durch eine verglaste Eingangstür erreicht werden kann. Links und rechts befinden sich zwei umrahmte Türen, die jeweils mit einer Bauinschrift verziert wurden. Im Foyer befindet sich die ebenfalls gewölbte Treppenhalle, auf der eine abwechselnd ein- bzw. zweizügige Treppe durch das ganze Gebäude führt. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine weit schmalere Wendeltreppe und der seit 1953 in Betrieb befindliche Paternoster der Firma Flohr-Otis.[7]
Im ersten Obergeschoss stößt man auf der linken Seite auf den Zugang zum Ratssaal. Er wird durch eine reich verzierte Eichentür betreten, der von zwei Rundsäulen eingerahmt wird. Darüber erhebt sich ein dreieckiger Architrav mit der Jahreszahl 1898. Im Giebelfeld thront eine Salvatordarstellung, die außerdem Bildelemente des Christus als Weltenrichter aufgreift. Vonseiten Friedrich Ratzels war hier ursprünglich eine Justitia vorgesehen, die Restaurierung der Salvatorkirche und die dabei entdeckten Fresken des Kirchenpatrons brachten die Ratsherren aber dazu, das Bildprogramm zu verändern. Eingerahmt wird die Tür von zwei aufgemalten Landsknechten in einer schwarzen Nische.
Auf Höhe des Sitzungssaales wurden außerdem zwei Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht, die in den Jahren 1920/1921 vom Bildhauer Leopold Fleischhacker gestaltet wurden. Sie überstanden die Säuberungsaktionen der Nationalsozialisten, in deren Folge die meisten Arbeiten dieses jüdischen Künstlers zerstört wurden. Der Ratssitzungssaal selbst nimmt zwei Geschosshöhen ein. Die meisten Gliederungselemente der Bauzeit wurden in den 1950er Jahren entfernt. Drei Glasfenster im Ratssaal entstammen ebenfalls der Wiederaufbauphase und zeigen auf der linken Seite das Stadtwappen und -siegel, die Wappen von Ruhrort und Meiderich sowie Beeck und Hamborn, im Zentrum das Wappen Nordrhein-Westfalens und einiger hier liegenden Städte und rechts die Wappen von Städten am Niederrhein.[8]
Erhalten blieben die dunklen Wandpanelen aus Eichenholz und die schweren Flachdecken. An den Schmalseiten des Saales wurden Zuschauergalerien in Form von Balkonen angebracht. Insgesamt sieben große Gemälde schmücken den Saal. Die beiden Kaiserporträts Wilhelms I. und Friedrich III. wurden von Otto und Arnold Böninger im Jahr 1888 gestiftet. Sie wurden vom Maler Anton von Werner ausgeführt, der nach der Entscheidung einer Kommission ausgewählt worden war. Er erhielt für die als Kniestücke gemalten Porträts 11.400 Goldmark, musste aber die vergoldeten Rahmen selbst bezahlen. Noch 1888 erwarb Otto Böninger ein Porträt Kaiser Wilhelm II., das oberhalb des Eingangs angebracht war.
Ein Jahr später stiftete der Kommerzienrat Heinrich Josef Vygen ein weiteres Porträt des Reichskanzlers Otto von Bismarck für dessen Ausführung Franz Lenbach gewonnen werden konnte. Das Porträt des preußischen Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke geht auf Theodor Keetmann und das Jahr 1892 zurück. Gemalt wurde es wohl vom Illustrator Konrad Dielitz. Die Darstellung des Kriegsministers Albrecht von Roon, die von einem Maler Körner ausgeführt worden war, ist heute nicht mehr im Saal zu finden. Im Jahr 1902 wurde auch Oberbürgermeister Karl Lehr mit einem Amtsporträt im Ratssaal geehrt.
Die beiden Historiengemälde wurden für den Ratssaal entworfen. Beide zeigen bedeutende Ereignisse der Stadtgeschichte. Links erkennt man die von Claus Meyer geschaffene Darstellung des erfolglosen Überfalls des Kölner Erzbischofs Dietrich von Moers auf Duisburg im Jahr 1445. Zu sehen ist der Rückzug der kölnischen Truppen. Von Willy Spatz stammt dagegen die Darstellung der Duisburger Universitätsgründung im Jahr 1655, auf der die Ansprache des klevischen Vizekanzlers Johann von Diest in der Salvatorkirche in Szene gesetzt wird.
Ebenfalls im ersten Obergeschoss findet sich das kleine Sitzungszimmer, das an den großen Sitzungssaal angelehnt wurde. In Richtung des Alten Marktes ist das Mercatorzimmer zu sehen, das als Ort für Verleihungen und Ehrungen dient. Hier wurde ein flandrischer Teppich des 17. Jahrhunderts aufgehängt. Das Büro des Oberbürgermeisters, der ursprünglich einen direkten Zugang zum Ratssaal hatte, weist noch die originale Stuckdecke auf. Daneben ist auch der Trausaal, der bereits von Ratzel als solcher vorgesehen war, im ersten Obergeschoss zu finden.[9]
Literatur
- Joseph Milz: 100 Jahre Duisburger Rathaus. In: Duisburger Jahrbuch 2002. Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-326-8. S. 77–84.
- Joseph Milz: Rathaus Duisburg. Gestalt und Geschichte. Walter Braun Verlag, Duisburg 1996, ISBN 978-3-87096-090-2.
- Stadt Duisburg (Hg.): Dokumentation zum Jubiläum 75 (Fünundsiebzig) Jahre Rathaus Duisburg und zur gleichnamigen Ausstellung vom 30. April bis 14. Mai 1977. Matthäi Verlag, Duisburg 1977.
Weblinks
- Baukunst NRW: Rathaus Duisburg
- Stadt Duisburg: Rathausgebäude mit 360 Grad Rathaustour