Rechtsextremismus an deutschen Schulen

innerhalb des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland sich zu einem den schulischen Alltag prägenden Problem entwickelnder Komplex politisch motivierter Einstellungen und Verhaltensweisen an Schulen From Wikipedia, the free encyclopedia

Rechtsextremismus an deutschen Schulen bezeichnet innerhalb des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland einen Komplex politisch motivierter Einstellungen und Verhaltensweisen, der sich an Schulen nicht nur, aber auch in Deutschland zu einem den schulischen Alltag prägenden Problem entwickelte. Antidemokratische Positionen breiten sich aus, demokratisch gesinnte Schüler werden verängstigt, deren Eltern verunsichert und Lehrer eingeschüchtert. Verstärkt durch gesellschaftliche Krisen und das Erstarken der AfD nimmt der Rechtsruck an Schulen seit Jahren zu und löst bei demokratischen Kräften auch jenseits der Schulen Besorgnis aus. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat den Rechtsextremismus an Schulen spätestens seit Beginn der 2000er Jahre im Blick, der Deutsche Bundestag war im Jahr 2023 mit dem Thema befasst und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich 2025 dazu. Die bei Beltz verlegte Zeitschrift Pädagogik widmete als eine der zentralen Zeitschriften innerhalb der deutschsprachigen Schulpädagogik Anfang 2026 ein ganzes Heft dem Thema Rechtsextremismus an Schulen.

Veränderungen im schulischen Alltag

„Antidemokratische Tendenzen sind kein neues Phänomen, sie sind nur sichtbarer und sagbarer geworden“ lässt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bildung der Universität Potsdam verlauten.[1]

„Die extreme Rechte greift die Schulen und ihre Lehrkräfte an: mit Einschüchterung, Kleinen Anfragen in den Landtagen und Dienstaufsichtsbeschwerden. Mit der AfD hat sie eine Partei in den Landtagen und im Bundestag, die so viel politische Macht hat wie keine andere rechtsextreme Partei vor ihr im Nachkriegsdeutschland.“

Bent Freiwald, Lea Schönborn: Krautreporter[2]

Laut dem Vorsitzenden des Landesschülerausschusses Berlin bewegt sich die Schülerschaft seit Jahren in eine „antidemokratische Richtung“. Die Bereitschaft steige, Diskriminierungen und rassistische Narrative „als legitime Meinungsäußerung hinzunehmen“, zumal die Schüler selbst oft davon überzeugt wären, „prodemokratisch eingestellt zu sein“.[1]

Die hessenschau erinnerte Ende Januar 2026 an die Liebigschule Gießen,[3] die wegen des Rechtsextremismus-Vorfalls bei der Wahl des Abiturmottos 2025 bundesweit für Empörung sorgte, weil „etwa die Hälfte der Jahrgangsstufe“ dem Oberstufenleiter zufolge für das Motto „NSDABI“ mit seinem Bezug zur NSDAP votiert haben soll.[4]

Erscheinungsform rechten Gedankenguts

Der „Rechtsruck in Klassenzimmern stellt Lehrkräfte vor Herausforderungen“,[1] sie sehen sich zunehmend mit „Hitlergrüßen, Hakenkreuz-Schmierereien, rassistischen, sexistischen und homofeindlichen Äußerungen“ konfrontiert, die inzwischen zum Alltag gehören,[2] in Teilen der Bevölkerung jedoch „große Besorgnis“ auslösen.[5][6] Hinzu kommen „antisemitische und rassistische Hetze sowie körperliche Gewalt“.[7] Bezüglich antisemitischer Tendenzen an Schulen[8] ist zu vermerken, dass sie nicht zwingend mit einer parteipolitischen oder rechten Meinung einhergehen, denn sie finden sich ebenfalls bei linken und muslimischen Jugendlichen, insbesondere, wenn sie einem ausgeprägten Islamismus anhängen.[Anm. 1]

Dem Extremismus von rechts steht als Richtungsbegriff ein ebenfalls zunehmender Linksextremismus gegenüber,[9] wie unter anderem in der sogenannten Hufeisentheorie beschrieben.

Zahlen

„Rechtsextreme Symbole und Äußerungen sind Alltag an deutschen Schulen: Doch längst nicht alle Lehrkräfte und Schulleitungen melden sie, aus Angst vor Drohungen oder weil es ein schlechtes Licht auf sie oder ihre Schule werfen könnte. Zu wie vielen solcher Vorfälle es genau kommt, weiß also niemand. Die Statistiken der Bundesländer zeigen, dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle steigt, in Sachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg sogar deutlich.“

Wie das Bildungsministerium verlauten ließ, wurden 2024 an Schulen in Thüringen „120 rechte, rassistische oder extrem rechte Vorfälle registriert, 64 Prozent mehr als im Vorjahr“.[7] An manchen Schulen drohe „eine rechte Vorherrschaft“. Wie viele Vorfälle es bundesweit gibt, ist schwer zu sagen, denn die Zahlen werden, wenn überhaupt, nicht einheitlich erfasst.[11] Allein sechs Bundesländer haben keinen Überblick zu rechtsextremen Vorfällen an Schulen (Stand: Oktober 2025).[12] Mitunter ermittelt der Staatsschutz.[13]

Lehrer dürfen nicht politisch neutral sein

Erklärvideo der Landeszentrale für Politische Bildung NRW zur Entstehung des Beutelsbacher Konsenses

Im Herbst 1976 wurde in Beutelsbach auf einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg von Politikdidaktikern unterschiedlicher parteipolitischer und konfessioneller Ausrichtung der Beutelsbacher Konsens verabschiedet, der Grundsätze für die politische Bildung festlegte.

Mit dem darin festgeschriebenen „Überwältigungsverbot“ sollen Lehrer daran gehindert werden, Schülern ihre politische Meinung aufzuzwingen. Stattdessen sollen Schüler dazu befähigt werden, sich zu mündigen Bürgern mit eigener Meinung zu entwickeln. Unter dem Stichwort „Kontroversität“ wird festgehalten, dass gesellschaftliche Kontroversen sich auch im Unterricht als solche abbilden sollen. Als dritter Grundsatz habe die „Schülerorientierung“ Schüler in die Lage zu versetzen, eigene und gesellschaftlich vertretene poitische Positionen zu analysieren und sich an der Gestaltung politischer Prozesse zu beteiligen.

Im Jahr 2016 veröffentlichte die Bundeszentrale für politische Bildung unter dem Titel Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens? einen fast 400 Seiten umfassenden Band zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Beutelsbacher Konsenses mit 26 kontroversen Beiträgen über die „aktuelle Bedeutung, Funktion und Auslegung“. Zu Wort kamen Vertreter „aus Wissenschaft und Praxis der schulischen Politikdidaktik und der außerschulischen politischen Jugend- und Erwachsenenbildung“. Auch Leitbilder, heißt es im Schlusswort, seien „immer wieder neu zu diskutieren und zeitgemäß zu interpretieren“.[14]

Lehrer müssen sich jeglicher Techniken der Propaganda und Manipulation enthalten. Der Beutelsbacher Konsens verlangt ihnen eine parteipolitische, aber keine politische Neutralität ab. Dieser scheinbar kleine, doch überaus bedeutungsvolle Unterschied führt zu Missverständnissen, die teils unbeabsichtigt, von rechtsextremen Organisationen jedoch absichtsvoll herbeigeführt werden. Seit 2018 richtet die AfD „Meldeportale“ ein, auf denen Lehrkräfte denunziert werden sollen, die sich an das angeblich geforderte Neutralitätsgebot nicht hielten. Im Gegensatz zur Meinung von Vertretern der AfD sind Lehrer „dazu verpflichtet, gegen antipluralistische, diskriminierende und geschichtsrevisionistische Tendenzen einzutreten“.[15]

Im Zusammenhang mit den sogenannten Meldeportalen initiierte Johannes Varwick, Politikwissenschaftler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) Anfang 2024 einen von mehr als 50 Professoren unterzeichneten Aufruf zur Prüfung eines AfD-Verbots[16] und plädierte dafür, dem Rechtsextremisten Björn Höcke einen Teil seiner Grundrechte zu entziehen.[17] Die seit Anfang 2021 vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als rechtsextremer Verdachtsfall eingestufte Partei versucht, „Lehrkräfte einzuschüchtern und argumentiert mit dem Neutralitätsgebot, das sich aus dem sogenannten ‚Beutelsbacher Konsens‘ ableite“.[18] Auf ihrer Website bringt die AfD den Beutelsbacher Konsens fälschlich mit dem Begriff der Neutralität in Verbindung.[19]

Sibylle Reinhardt sprach im Jahr 2020 als Politikdidaktikerin der MLU auf der Herbsttagung der DVPB gut 20 Minuten über Politische Bildung und das vermeintliche Neutralitätsgebot. Eine Vorabveröffentlichung ihres Vortrags ist auf YouTube hinterlegt,[20] bei der DVPB[21] zusätzlich mit einer PDF zum Nachlesen.

Der rbb berichtete im Juli 2024 über das „viel beschworene“, aber oft missverstandene Neutralitätsgebot. Das Gegenteil des von der AfD Behaupteten ist der Fall: Lehrkräfte haben den Auftrag, Schülern demokratische Werte zu vermitteln und sind gehalten, klare Haltung gegen verfassungswidrige Positionen zu beziehen. „Gegenüber demokratiefeindlichen Meinungen dürfen sie nicht neutral sein“.[1]

Klaus Hirsch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): „Die AfD instrumentalisiert den Beutelsbacher Konsens, um eine kritische Aufarbeitung ihrer menschenverachtenden Ideologie an den Schulen verächtlich zu machen und Lehrkräfte einzuschüchtern.“[22] Zur Debatte um Neutralität im Klassenraum schreibt die GEW:

„Ein Irrglaube hält sich hartnäckig in Debatten rund um die Themen im Klassenzimmer: politische Neutralität. Viele rechte Influencer*innen versuchen in den sozialen Medien immer wieder über ein für Lehrerinnen und Lehrer vermeintlich geltendes Gebot der Neutralität, die kritische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus im Unterricht zu verhindern. Dabei müssen Lehrkräfte gar nicht politisch neutral sein – im Gegenteil.“

GEW im April 2024[23]

Für die Waldorfschulen meldeten sich unter dem Titel Wider den Missbrauch der Neutralität die beiden Waldorf-Lehrer Albrecht Hüttig und Frank Steinwachs im Dezember 2024 auf dem Online-Portal der Zeitschrift Erziehungskunst zu Wort, um den „Mythos gewordenen Begriff Neutralität“ klarzustellen und seiner Instrumentalisierung entgegenzutreten.[24] Der Abschnitt Antidemokratisches Denunzieren ihres Positionspapiers nimmt Bezug auf die „Meldeportale“ der AfD.

Der Stern bezog 2025 mit einer groß angelegten Reportage unter dem Titel Inside Schule Position. Immer häufiger werde „aus dem staatlichen Neutralitätsgebot abgeleitet, dass sich Schulen nicht gegen Rechtsextremismus positionieren dürften.“[25] Vor allem die AfD habe „dieses Missverständnis in den vergangenen Jahren befeuert“. Tatsächlich verlange „das Gebot zwar politische Unparteilichkeit von den Vertretern des Staates – aber keine Gleichgültigkeit“. Im Gegenteil: Staatsbedienstete seien „verpflichtet, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schützen“. Die Verunsicherung sei groß: „Viele Lehrkräfte fragen sich, wie sie auf die wachsende Zahl rechtsextremer Vorfälle reagieren können, ohne sich angreifbar zu machen – und andere Eltern fragen sich, wie offen sie gegen rechte Positionen auftreten können, ohne ihre Kinder zu gefährden.“ Während „demokratisch gesinnte Eltern“ zunehmend zögern, „sich klar zu positionieren“, werden von anderen, die sich gern in den Elternbeirat wählen lassen, „rechtsextreme Ansichten offen vertreten“. Dies geschehe „zulasten sozialer Inklusion und des Schutzes diskriminierter Gruppen“, bevorzugt „queere Familien, Familien mit behinderten Angehörigen oder Familien mit Migrations- und Fluchthintergrund“.[25] Auch der Bundespräsident meldete sich im Rahmen dieser Recherche zu Wort.[26]

„Mit den Grund- und Menschenrechten, dem Beamtenrecht sowie den Schulgesetzen aller Bundesländer existiert ein juristischer Handlungsrahmen, der (partei)politische Werbung sowie Indoktrination ausschließt und der politischen Bildung zugleich vielfältige Handlungsperspektiven für den Umgang mit rassistischen und populistischen Positionen eröffnet – auch wenn diese in oder von Parteien vertreten werden. Er basiert auf unverhandelbaren, normativen Grundsätzen wie der Menschenwürde, der Meinungsfreiheit und der freiheitlich-demokratischen Ordnung. Eine wohlfeile Forderung nach vollständiger „Neutralität“ von Lehrenden ist damit nicht in Einklang zu bringen, ein Neutralitätsgebot dieser Lesart ein Mythos.“

Frederik Schetter: Aus Politik und Zeitgeschichte[27]

Aufklärung

Um Aufklärung bemühen sich zahlreiche staatliche und außerstaatliche Institutionen, Beratungsstellen, Vereine, NGOs, Fachzeitschriften und viele Massenmedien.

Zentralen für politische Bildung

Spätestens seit Beginn der 2000er Jahre informiert die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) regelmäßig über das Thema Rechtsextremismus an Schulen. So wurde im Jahr 2003 unter dem Schlagwort Schritte gegen Gewalt über ein Heft ihrer Reihe Informationen zur politischen Bildung (IzpB) berichtet, das die Ergebnisse einer Umfrage zum Ausmaß rechtsextremistischer Vorfälle an Schulen zusammentrug.[28] In dem vor mehr als 20 Jahren verfassten Bericht über die Erhebung wird Rechtsextremismus noch als ein „zahlenmäßig geringer“ Bestandteil der Gesellschaft bezeichnet. Ein Jahr später wurde im Juli 2004 eine Pressemitteilung darüber herausgegeben, dass die rechtsextreme Szene „im Rahmen des "Projekts Schulhof" rund 250.000 CD-ROMs mit rassistischer Musik vor Schulen verteilen“ wolle. Die Bundeszentrale und jugendschutz.net wollten laut damaligem bpb-Präsidenten Thomas Krüger dem Treiben der Szene „gezielt durch Informations- und Bildungsangebote“ entgegentreten.[29] Im Jahr 2008 veröffentlichte die bpb ein von Madeleine Warsitz zusammengestelltes Muster-Seminar über Rechtsextremismus.[30]

„Die Vertiefung des Themas Rechtsextremismus wird nicht an vielen Universitäten angeboten. Im Wintersemester 2007/2008 bot, weil es ihm ein persönliches Anliegen war und auch die Nachfrage von Studierenden nach dem Thema wuchs, der inzwischen emeritierte Prof. Karl Schmitt am politikwissenschaftliche [sic!] Institut der Uni Jena seinen Studenten ein Seminar zu diesem Thema an. Der Kurs fand regen Zulauf, nicht zuletzt von interessierten Lehramtsstudenten, die wissen wollten, wie man sich der Materie am besten nähert.“

Madeleine Warsitz: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)[30]

Bis heute ist es zu zahlreichen Veröffentlichungen der bpb über das Thema gekommen. Die Volltextsuche nach Rechtsextremismus an Schulen warf im Januar 2026 dort 250 Treffer aus.[31] Im fluter, dem Jugendmagazin der bpb, stellte Doreen Reinhard im April 2025 für Jugendliche beispielhaft eine kurze „Chronik rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Vorfälle“ zusammen, die sich von April 2023 bis Mai 2024 an deutschen Schulen zutrugen.[10] „Keine Form von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus“ dürfe an Schulen hingenommen werden, heißt es im fluter, doch würden Lehrkräfte in ihrer Ausbildung „kaum auf den Umgang mit extremen Haltungen vorbereitet“.

Die sechzehn Landeszentralen für politische Bildung widmen dem zunehmenden Rechtsextremismus ebenfalls einige Aufmerksamkeit – nicht immer, zuweilen aber auch auf deutsche Schulen fokussierend. So legte beispielsweise die Landeszentrale Baden-Württemberg (LpB) unter dem Schlagwort Demokratie stärken auf ihrer Website Unterseiten zu den Themen Rassismus,[32] Rechtsextremismus,[33] Linksextremismus,[9] Antisemitismus,[34] Islamismus[35] und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit[36] an. Sie hinterlegte neben Hinweisen auf Beratungsangebote für den Ober- und Sammelbegriff des Rechtsextremismus Definitionen, Informationen über Einstellungen und Verhalten, und über Spektren und Strategien des Rechtsextremismus.[33] Überdies gehört zu den Herausforderungen im Alltag an deutschen Schulen eine Zunahme des Radikalismus. Die Berliner Landeszentrale wirft im Januar 2026 zum Stichwort Rechtsextremismus an Schulen etwa 200 Treffer aus.[37] Darunter findet sich zum Beispiel im März 2023 der Hinweis auf einen Fortbildungskurs zum Thema Kinderschutz, religiös begründeter Extremismus (siehe: Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus) und antidemokratische Weltanschauungen, die sich an Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Erzieher und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe richtete und für die Zeit von Mai bis Dezember des Jahres angeboten wurde.[38]

Deutsche Vereinigung für Politische Bildung

Die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) hinterlegte als überparteilicher und konfessionell ungebundener Fachverband für insbesondere Politiklehrer und Fachdidaktiker auf der Startseite ihrer umfangreichen Website im Januar 2026 den Link zu einer Unterschriftensammlung für die Petition Schule zeigt Haltung.[39] Die Petition richtet sich an die zuständigen Kultusministerien und ihre nachgeordneten Behörden und wurde von der DVPB in Zusammenarbeit mit einem breiten Bündnis von Organisationen und prominenten Erstunterzeichnern[40] am 5. November 2025 gestartet, um die Lehrkräfte gegen Hass und Hetze zu stärken.[41] Bis Anfang Februar 2026 waren rund 250.000 Unterschriften gesammelt.

Ebenfalls auf der Startseite wurde am 17. März 2023 eine Stellungnahme der DVPB zum Entwurf der Bundesregierung für ein Demokratiefördergesetz (DFördG) zur Verfügung gestellt.[39] Am 27. März 2023 folgte eine Pressemitteilung zum Entwurf der Bundesregierung, mit der die DVPB vor „Entkernung und Instrumentalisierung der politischen Bildung“ warnte. Im Februar 2024 stellte die DVPB unter dem Titel Demokratie braucht Politische Bildung, keine Neutralität eine PDF zum Download bereit und im Mai 2024 eine solche mit dem Titel Politische Bildung muss überparteilich und unabhängig bleiben.[39] Unter dem Menüpunkt Nicht neutral! werden Forderungen und Kernsätze formuliert:[42] Die Schule sei „kein politisch neutraler Ort“ und „ist den demokratischen Prinzipien und Werten, wie etwa dem Schutz der Würde des Menschen und dem Schutz vor Diskriminierung, verpflichtet“. Der gesetzliche Bildungsauftrag verlange „von Schulen und Lehrkräften eine klare Haltung zu Grund- und Menschenrechten“. Neutralität als Bildungsziel tauge „für autoritäre und totalitäre Staaten, aber nicht für die Demokratie“.

Stern-Reportage: Inside Schule

Inside Schule ist der übergeordnete Titel einer Investigativ-Reportage des Wochenmagazins Stern in Kooperation mit dem Streamingportal von RTL (RTL+), die im Spätherbst 2025 veröffentlicht wurde und sich in Text und Video dem Rechtsextremismus an deutschen Schulen widmet. Das offline-Magazin berichtete darüber in Heft 45 vom 30. Oktober 2025 unter dem Titel Die Schule brennt.[43] Online wird auf Stern.de reichhaltiges Material zur Verfügung gestellt.[44] Man näherte sich dem Thema deutschlandweit sowohl undercover als auch mit offener Kamera, um die Verbreitung von Rechtsextremismus an deutschen Schulen zu erfassen und zu klären, wer daraus Kapital schlage.[45]

Jana Luck und vier weitere Journalisten, die den Artikel im Stern-Magazin verfassten, merkten an, die Entwicklung des Rechtsrucks in Klassenräumen und Pausenhöfen habe „ungeahnte Ausmaße erreicht“ und „in einer Heftigkeit und Geschwindigkeit“ stattgefunden, „die einem den Atem rauben“ könne – „im Osten wie im Westen, hinweg durch alle Schulformen“.[46] Die AfD sei „nicht nur Profiteurin dieses Trends, sondern auch Akteurin“.[46] Inzwischen habe sich die Schule „mancherorts zu einem politischen Schlachtfeld entwickelt“.[47] Der neuen Mitte-Studie[48] zufolge „reicht völkisch-nationales Denken inzwischen weit in die politische Mitte hinein“ und wer sich dagegen engagiere, „muss damit rechnen, bedroht zu werden - im Netz sowie auf der Straße“.[49] Politische Neutralität habe sich zu einem „Kampfbegriff“ der AfD entwickelt und in Niedersachsen musste eine Schulleiterin einen Elternabend kurzfristig absagen, weil nicht mehr für die Sicherheit der Teilnehmer garantiert werden konnte.[50] In Sachsen-Anhalt forderte die AfD den Ausstieg aus der Schulsozialarbeit; der rechtspolitische Sprecher der Landtagsfraktion bezeichnete sie als einen „wuchernden Tumor in dem Fleische deutscher Bildungspolitik“.[51] Bildungsministerin Karin Prien warnte „vor einer Verrohung des Klimas an Schulen“.[52]

Auf dem Online-Portal Stern.de sind folgende Videos und Artikel als Ergebnis der Recherche hinterlegt:[44]

  • Erste Stunde Mathe, zweite Stunde Deutsch, große Pause Hitlergruß[53]
  • Rechnen, schreiben, Hakenkreuze malen: Undercover in der Schule[54]
  • Er kritisierte die AfD. Seitdem fürchtet er die Nacht[55]
  • "Die Aggressivität von rechten Eltern hat deutlich zugenommen"[25]
  • "Wir sind hier alle rechts und lassen uns nicht belehren"[56]
  • Das sind die fünf Methoden, mit denen die AfD Schulen vor sich hertreibt[57]
  • Fleiß, Disziplin, Heimatliebe – was die AfD mit den Schulen vorhat[58]
  • "Die AfD hätte die Möglichkeit, den Unterricht massiv zu verändern"[59]
  • Ja, Lehrer dürfen über die AfD sprechen. Nein, sie dürfen nicht alles sagen[60]
  • "Schule ist nicht ansatzweise demokratisch"[61]
  • Setzen, sechs! Warum die Schulen gegen Rechtsextremismus nicht gewappnet sind[62]
  • "Propaganda und Schund machen vor Kindern und Jugendlichen nicht halt"[63]
  • Rechtsextremismus an Schulen: Schwesig nennt AfD "Partei des Hasses"[64]
  • "Die Schule ist zur Spielwiese des rechten Kulturkampfes geworden"[65]
  • Sechs Bundesländer haben keinen Überblick zu rechtsextremen Vorfällen an Schulen[12]
  • Wo schon jetzt mehr rechtsextreme Vorfälle an Schulen gezählt wurden als 2024[11]
  • Umfrage: AfD-Anhänger weniger besorgt über Rechtsextremismus an Schulen[6]
  • Wie Lehrkräfte den Rechtsextremismus an Schulen erleben[66]
  • Karin Prien fordert Dokumentation extremistischer Vorfälle an Schulen[67]
  • GEW-Vorsitzende warnt vor Einflussnahme der AfD an Schulen[68]
  • Nach AfD-Eklat: Keine politischen Aussteller mehr bei Didacta[69]
  • Rassismus im Alltag: "Ich erkenne meine Stadt nicht wieder"[70]
  • Rechte Klassenzimmer – wie der Rechtsextremismus in die Schulen dringt[71]

Im Rahmen der Investigativ-Reportage Inside Schule wurde Forsa als eines der führenden Meinungsforschungsinstitute beauftragt, das Ausmaß der Besorgnis über den Rechtsextremismus an Schulen unter den Bundesbürgern in Abhängigkeit von ihrer Parteipräferenz bei Wahlen zu erfassen.[6] In ihrer repräsentativen Umfrage vom Oktober 2025 zeigte sich eine „große Einigkeit unter den Befragten – außer unter denen, die der AfD nahestehen“. Drei von vier Anhängern der AfD halten rechtsextreme Vorfälle an Schulen für Einzelfälle, „während die große Mehrheit aller anderen Befragten glaubt, dass sie weit verbreitet sind“. 90 % der Befragten erwarten von Lehrern, dass sie sich im Unterricht für die freiheitliche demokratische Grundordnung einsetzen, jeder vierte AfD-Anhänger „spricht sich nicht dafür aus“. Wenn es zu rechtsextremen Vorfällen kommt, sollen Lehrer „Maßnahmen ergreifen“, meint eine „große Mehrheit der Bundesbürger“, deutlich seltener sprechen sich AfD-Anhänger dafür aus. „Dass Lehrkräfte gar nichts tun sollten, fand niemand, außer Anhänger der AfD, bei denen sieben Prozent für diese Option stimmten.“[6]

Fachzeitschriften

Die Zeitschrift Pädagogik wird bei Beltz verlegt, einer Verlagsgruppe, die 2017 aus Anlass des 175. Firmenjubiläums ihre Verlagsgeschichte recherchierte[72] und eine Untersuchung ihres Wirkens im NS-Staat bei der von Benjamin Ortmeyer geleiteten Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main in Auftrag gab.[73] Die Ergebnisse der Studie wurden 2018 veröffentlicht.[74]

Bei der Zeitschrift handelt es sich um eine der zentralen Fachzeitschriften innerhalb der deutschsprachigen Schulpädagogik. Sie widmete Anfang 2026 ein ganzes Heft dem Thema Rechtsextremismus an Schulen. Das Heft habe den Anspruch, „die Schule gegen Rechtsextremismus zu verteidigen“ und solle dazu beitragen, ihn zu erkennen, ihn in der Schule zu thematisieren und pädagogisch zu bearbeiten.[75] Dafür wurden acht Artikel eingestellt:[76]

  • Sabine Klomfaß: Umgang mit Rechtsextremismus (Überblick über die nachfolgenden Artikel)
  • Benjamin Winkler: Identitär, aktivistisch, umdeutend – die neuen Rechtsextremen (über rechte Social-Media-Kampagnen)
  • Samuel Schmelzer: Rechtsextremismus als Thema in Unterrichtsmaterialien (mit fünf Gestaltungsprinzipien für Schulbücher)
  • Nils Richter: Mitgehen, um Rassismus wegzuputzen (mit einem Beispiel für Schule ohne Rassismus)
  • Udo Dannemann, Eric Angermann: Antidemokratische Positionen und Einstellungen im Schulalltag (über ein Brandenburger Modellprojekt)
  • Frederik Damerau, Nina Kolleck, Nina Soujon: Nicht neutral – Demokratiebildung ist unser Auftrag (mit Handlungsempfehlungen für Schulen)
  • Nele Kuhlmann: Argumentationstrainings gegen Hatespeech (und der Frage, ob sie helfen)
  • Felix Hanschmann: Rechtssicher gegen Rechtsextremismus (über Rechte und Pflichten der Lehrkräfte)

Das Thema einleitend gibt Sabine Klomfaß,[77] Vertretungsprofessorin an der Universität Gießen, einen Überblick über die nachfolgenden Artikel.[78] Die Protagonisten der Neuen Rechten beabsichtigen laut Klomfaß, „ihre rechtsextremen Narrative und Begriffe zu normalisieren, um Diskurse beispielsweise über Migration, Familie oder Herrschaft zu steuern“. Die Lehrkräfte haben gesetzlich „die Pflicht, Demokratie- und Menschenfeindlichkeit in der Schule entgegenzuwirken, und sie haben das Recht, sich dabei politisch zu positionieren“. Dafür müssen sie „antidemokratische Tendenzen erkennen können“ und sich professionell weiterbilden. Die Schule müsse gegen Rechtsextremismus verteidigt werden – „auch angesichts der historischen Verantwortung, die wir in Deutschland bezogen auf die Verbrechen des Nationalsozialismus tragen“. Dabei dürften sich Fehler „einer »akzeptierenden Jugendarbeit«, in denen rechtsextreme Haltungen toleriert werden“, nicht wiederholen.[78]

Die Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung (ZRex) veröffentlichte 2021 einen Artikel von Wolfgang Frindte, seit 1994 Kommunikationspsychologe an der Universität Jena. Seinem Artikel gab er in Anlehnung an die Regierungserklärung von Willy Brandt vom 28. Oktober 1969 den einleitenden Titel Mehr Demokratie wagen.[79] In seiner Studie befasste er sich mit rechtsextremen Einstellungen deutscher Jugendlicher und dem Potenzial demokratischer Praxis in Elternhaus und Schule. Dafür unterzog er „standardisierte Befragungsdaten eines Projekts aus den Jahren 2018/2019 einer erneuten Analyse“. Seine Sekundäranalyse sollte prüfen, ob „Familie, Schule und Unterricht als Puffer gegen rechtsextreme Einstellungen fungieren“ und demokratische „Einstellungen bei Jugendlichen fördern können“. Frindte definierte Rechtsextremismus als ein Einstellungsmuster, „das sich in der Befürwortung rechtsautoritärer Diktaturen, in der Zustimmung zu chauvinistischen Aussagen, in einer Verharmlosung des Nationalsozialismus, durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Tendenzen sowie in der Affinität zu politischer Gewalt äußern kann“. Er stellte unter anderem fest, dass sich unter 14- und 15-jährigen Jugendlichen „signifikant stärker ausgeprägte rechtsextreme Einstellungen“ als in älteren Altergruppen finden und dass Mädchen „signifikant geringere rechtsextreme Einstellungen als Jungen“ haben und „positiver gegenüber dem politischen Engagement in Unterricht und Schule sowie in gesellschaftlichen Organisationen eingestellt“ sind. Zwar unterscheiden sich Schüler der verschiedenen Schularten in einigen Merkmalen, doch seien die gefundenen Effektstärken „sehr gering“. Mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von „p <.05“ sind rechtsextreme „Einstellungen und Affinitäten für politische Gewalt“ signifikant stärker bei Schülern aus „Haupt- und Regelschulen ausgeprägt“. Aus verschiedenen Gründen, unter anderem verschieden großer Teilstichproben, müssten die „jeweiligen signifikanten Unterschiede allerdings mit Vorsicht betrachtet werden“.[79]

Zusammenfassend stellte Frindte fest, dass diese Sekundäranalyse „ihre Grenzen“ habe. Dennoch sind Aussagen möglich. Rechtsextreme Einstellungen Jugendlicher sind weder ein spezifisches Problem bestimmter Schularten, noch eindeutig regional verortet. Regional unterschiedliche „Bewertungen von Andersartigkeit, Migration und Interkulturalität“ könnten mit dem Anteil von Migranten vor Ort in Verbindung stehen, der in Regionen mit hohem Migrantenanteil (in Hamburg 30,6 Prozent) mehr konkrete Erfahrungen miteinander bereitstellt als in Regionen mit einem niedrigen Migrantenanteil (in Thüringen 6,3 Prozent). Politisches Engagement wird von Vertretern aller politischen Lager gezeigt – was „nicht selbstverständlich“ sei – und insofern auch von Jugendlichen, die ihre rechtsextremen Auffassungen zu verbreiten suchen. „Demokratiepraktizierende Familien- und Unterrichtsbedingungen“ reduzieren den „Einfluss von autoritären Überzeugungen und rechtsextremen Einstellungen“ deutlich und verstärken „die Entwicklung demokratischer Einstellungen bei Jugendlichen und die Bereitschaft zu politischer Partizipation“. Das sei, „wenn auch immer wieder betont, keine Plattitüde“. Es gelte, Strategien zu entwickeln, Jugendlichen „eine positive Einstellung zur Demokratie und zur politischen Partizipation zu vermitteln und sie noch mehr als bisher für ein eigenes politisches Engagement im Sinne demokratischer Prinzipien und Werte zu begeistern“. Überdies sei die Akzeptanz gegenüber Menschen zu fördern, „die scheinbar anders oder fremd sind“.[79]

Medien

Kaum ein Massenmedium hätte sich in den vergangenen Jahren nicht mit diesem Thema befasst. Rundfunk und Fernsehen berichten, Internet und Onlinedienste stellen Material zur Verfügung, Bücher und Artikel in Fachzeitschriften und Boulevard wurden geschrieben.

Beispielsweise berichtete im Juli 2024 der rbb über antidemokratische Vorfälle.[1] Im Mai 2025 sorgten Flugblätter der rechtsextremistischen Identitären Bewegung in mehreren Bundesländern für Aufregung, weil sie zuhauf auf zahlreichen Schulhöfen herumlagen. Der Jugendsender ZDFtivi berichtete darüber.[80] Kurz darauf titelte der Deutschlandfunk: Zunehmender Rechtsextremismus an deutschen Schulen löst große Besorgnis aus.[5] Das Politikmagazin Report Mainz berichtete im Juni 2025 über Lehrer am rechten Rand.[81] Wie AfD-Politiker Lehrer unter Druck setzen war im Zusammenhang mit einer „AfD-Kampagne“ im November 2025 in einer Ausgabe des Magazins Kontraste zu erfahren.[82]

Auf tagesschau.de wird regelmäßig berichtet, zum Beispiel wenn Schülervertretungen besorgt sind, weil „mehr rechtsextreme Fälle an Schulen gemeldet“ wurden, die Lehrkräfte verunsichert sind, Hitlergruß und Hakenkreuz in der Schule auftauchen, verpflichtende Seminare zum Thema oder genaue Dokumentation der Vorfälle gefordert werden oder die Bildungsministerien „keinen neuen Handlungsbedarf“ sehen und auf bestehende Strategien verweisen.[83] Im August 2025 wurde auf die Indoktrination von Kindern und Jugendlichen durch die Grauen Wölfe, „laut Experten eine der gefährlichsten Extremismus-Bewegungen“, aufmerksam gemacht.[84] Im Januar 2026 wurde von einem seit Jahren zu verzeichnenden starken Anstieg der Fälle an hessischen Schulen berichtet: „Die beteiligten Schüler werden immer jünger.“[85] Die Tagesschau betreibt auf YouTube einen eigenen Kanal, auf dem im September 2024 ein Video zu der Frage hochgeladen wurde, was die AfD an Schulen ändern würde – „wenn sie dürfte“.[86]

Ende November 2025 berichtete die Frankfurter Allgemeine (FAZ) unter dem Titel Schüler wollen AfD ausladen über eine Initiative der „Schülis gegen Rechts“, mit der die Schulleitungen anlässlich der bevorstehenden Kommunalwahl in Hessen gebeten wurden, zu den aus diesem Anlass üblichen Podiumsdiskussionen mit Bewerbern der unterschiedlichen Parteien „ihr Hausrecht zu nutzen und die AfD nicht einzuladen, um die Schüler ‚vor dieser menschenverachtenden Partei‘ zu schützen.“ Schulen seien „Orte der Vielfalt“ und dürften nicht zulassen, „dass die Würde der Schüler infrage gestellt werde“.[87] Im Dezember berichtete die FAZ, es sei unter Jugendlichen zu einer „Turboradikalisierung“ gekommen, die sich „in Telegram- und Whatsapp-Gruppen innerhalb weniger Jahre, teils sogar innerhalb von Monaten vollzogen“ habe.[7] Es gebe Schulen, an denen „eine rechte Vorherrschaft“ drohe und „demokratisches Engagement zur Mutprobe“ werde. Krisenerfahrungen wie Klimawandel, Corona-Pandemie, Ukrainekrieg und die drohende Wehrpflicht hätten Jugendliche anfälliger für radikale Ideen gemacht. Neonazis würden sich gezielt Schulen aussuchen, „um Nachwuchs zu rekrutieren“. Aus Furcht vor Angriffen würden manche Lehrer „nicht einmal mehr wagen, die Wörter Vielfalt und Demokratie in den Mund zu nehmen“.[7]

Beteiligte Gruppen

Über die gesamtgesellschaftliche Bedeutung hinaus sind neben den Schulleitungen und den je zuständigen Schulbehörden alle mit dem Schulalltag konkret befassten Personen auf die ein oder andere Weise mit dem Thema involviert.

Schüler

Durch den verstärkten Handygebrauch der Digital Natives, der bereits im Alter von sechs bis sieben Jahren beginnt,[88] sind Schüler durch das Internet schnell zu erreichen und Jugendliche bei ihrer Suche nach Identität leicht zu missbrauchen. Die Forscherin Laura Maren Michel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Identität und Repräsentation am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig,[89] warnte vor dieser Gefahr, weil es für Kinder und Jugendliche auf Social Media oft schwierig sei, „auf Anhieb die tatsächlichen Absichten hinter den oft harmlos wirkenden Posts zu erkennen“.[90] Das „politische Mimikry“ als „Tarnung der eigentlich rechtsextremistischen zugrunde liegenden Intention“ steht neben der Provokation, die „als zentrales Stilmittel“ der AfD „der Generierung von Aufmerksamkeit in den Medien“ dient. Die Anfälligkeit von Kindern und Jugendlichen für die Übernahme bedenklichen Gedankenguts ist Michel zufolge relativ hoch. „Dabei verstärken die den Sozialen Medien zugrunde liegenden Mechanismen wie unter anderem Filterblasen und Echokammern die Verbreitung und Aufrechterhaltung deterministischer Weltsichten.“ Jugendliche „gelten als bedeutendste Zielgruppe rechtsextremer Ideologie“ und oft lasse rechtsextremistische Agitation „nur subtil eine Verbindung zu radikalen Einstellungen erkennen“. In der Regel werde „ein auf die Altersgruppe angepasstes jugendliches Lebensgefühl vermarktet“ und dabei „Zusammenhalt und Gemeinschaft suggeriert, welche gerade Jugendliche auf der Suche nach Identität oder Entertainment adressieren“. Die Identitätsbildung bei Jugendlichen werde inzwischen stark von medialen Einflüssen geprägt und Einflussnahme sei gemeinhin nur erfolgreich, wenn sie insofern anschlussfähig sind, als sie bereits vorhandene „Interessen und Bedürfnisse befriedigen oder zumindest den Anschein erwecken, dies zu tun“. Geschickt kombiniere der „moderne Rechtsextremismus“ Freizeitwert, Lebensgefühl und politische Botschaften, so dass er „zu einer für Jugendliche interessanten Erlebniswelt“ werde. Zudem verändere die „Expansion der Massenmedien“ die politische Kommunikation und die Bedeutung politischer Aktionen. Mit dem Schlagwort der Lügenpresse „werden etablierte Medien zum Feindbild erklärt“, zumal das Internet den Jugendlichen „niedrigschwelligere Partizipationsmöglichkeiten“ anbiete, „als es klassische Medien tun“. Auf diese Weise würden „Unterhaltung suchende junge Menschen quasi zufällig mit rechtsextremem Gedankengut behelligt“ und „einfache Konfliktlösungsmuster wie Gewalt legitimiert“.[90]

Matthias Quent, Rechtsextremismusforscher an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Gründungsdirektor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft bei der Amadeu Antonio Stiftung sprach von „einer massiven quantitativen und qualitativen Radikalisierung im rechten Bereich“ und ist überzeugt, bei den Entwicklungen unter Schülern handele es sich um „ein Abbild gesellschaftlicher Verhältnisse“.[5] Rassistisch aufgeladene Untergangsszenarien würden Quent zufolge besonders bei Personen verfangen, die sich „mit einfachen Botschaften leichter identifizieren können“. Eltern würden sich „zu wenig mit der Radikalisierung ihrer Kinder nach rechts“ auseinandersetzen, andere Eltern teilen diese Positionen. Die an rechtsextremistischen Vorfällen beteiligten Schüler „werden immer jünger“, wie sich am Beispiel von Schulen in Hessen zeigen ließ.[85] Auch der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, „warnte vor einem Anwachsen krimineller Jugendgruppen“.[5] Bundesweite Debatten löste der Fall des 12. Jahrgangs eines Gymnasiums aus, das für das bevorstehende Abitur „online auf einem Portal Motto-Ideen gesammelt hatte“. Darunter fanden sich „antisemitische, rassistische und diskriminierende Vorschläge“.[5]

Auf der anderen Seite machen sich Schüler für demokratisch Werte stark und erheben ihre Stimme gegen Hass, Hetze, Wut und Gewalt an Schulen. So verfassten 27 Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Engels-Gymnasiums in Senftenberg ein Plädoyer für Demokratie, Zivilcourage und gesellschaftliches Engagement. Unter dem Hashtag #FürDemokratieGegenExtremismus wurde 2025 ein von Dona Kujacinski herausgegebenes Buch veröffentlicht, für das Iris Berben das Geleitwort verfasste.[91] Ausgehend von eigenen Erfahrungen und Analysen stellen sich die Schüler dem Extremismus entgegen und erheben das Wort gegen demokratiefeindliche Bestrebungen. Der Klappentext erinnert an Barack Obama: „Die Demokratie ist dann gefährdet, wenn wir sie als selbstverständlich betrachten.“ Die Präsentation des Buchs mit teils sehr persönlich gehaltenen Beiträgen wurde im städtischen Theater gefeiert. Der Deutschlandfunk berichtete darüber und ließ Beteiligte zu Wort kommen, wie die als Herausgeberin fungierende Journalistin Kujacinski, die die Schüler beim Abfassen ihrer Beiträge unterstützte.[92]

Lehrer

Auch die Lehrkräfte sind auf zweifache Weise betroffen. Einerseits finden sich unter ihnen Personen, die selbst rechtsextremes Gedankengut vertreten und das auch in der Schule tun. Als Beispiel sei ein Lehrer aus Baden-Württemberg zitiert, der sich im Februar 2025 in der Wochenzeitung Die Zeit im Abschnitt Antidemokratische Einstellungen im Kollegium äußerte – aus Furcht vor beruflichen Konsequenzen unter geändertem Namen:

„Im Lehrerzimmer herrscht eine schlimme Stimmung. Viele sind unzufrieden. Ich beobachte, dass einige Kollegen Richtung AfD abdriften. Es sind fast 10 Prozent im Kollegium. Diese Kollegen bezeichnen SPD und Grüne als linksextrem. Sie machen im Lehrerzimmer Stimmung gegen Migranten. Das seien Messerstecher, sagen sie. Das liege in deren Kultur, am muslimischen Hintergrund. Einige Lehrkräfte sagen den Schülern ins Gesicht: 'Ihr seid dumm, ihr habt auf dieser Schule nichts verloren.' Eine Lehrkraft hat ihrer Klasse, in der kaum Kinder mit Migrationshintergrund sind, verboten, mit den Schülern einer anderen Klasse, die einen hohen Anteil an Schülern mit Einwanderungsgeschichte hat, zu sprechen. Niemand unternimmt etwas dagegen. Ich habe ein paar Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich mich gut verstehe, direkt angesprochen, um aktiv zu werden. Aber sie schauen lieber zu.“

Lehrer an einer Realschule in Baden-Württemberg: Die Zeit[93]

Die Rektorin einer Gesamtschule in Süddeutschland berichtete, dass sich einige Kollegen „radikalisiert“ hätten. Andere würden schweigen. Sie leiste Aufklärungsarbeit, habe aber nicht den Eindruck, dass ein Umdenken stattfinde. Laut der Zeit gibt es keine „konkrete Studie zur Untersuchung der politischen Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern“, allerdings würden die Ergebnisse eines Modellprojektes der Universität Potsdam zeigen, „dass sich seit der Coronapandemie antidemokratische Einstellungen beim Lehrpersonal verstärkt“ hätten.[93] Und die „Erfolge der Rechten ermutigen, sich offener zu zeigen“.[94]

Auf der anderen Seite sehen sich Lehrkräfte, die ihren Erziehungsauftrag im Sinne der Vermittlung demokratischer Grundwerte ernst nehmen, vor Herausforderungen gestellt, denen sie sich oft nicht gewachsen fühlen. Es gebe „Defizite in der Lehramts-Ausbildung“.[1] Ein Referendar empfand sich noch im Juli 2024 „durch das Studium nicht gut darauf vorbereitet“, mit „konkreten Vorfällen“ umzugehen. Regelmäßige Fortbildungen im Bereich Rechtsextremismus müssten „verpflichtender Bestandteil der Aus- und Weiterbildung werden“, fordert Anna Schmidt von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus.[1] Es gebe inzwischen Gebiete, in denen sich „nicht-rechtsextreme Leute verstecken müssten“ und sich „Lehrer nicht mehr zur Arbeit trauten“.[5] Laut Krautreporter, einem Online-Magazin, blieb zwei Lehrkräften „nur noch die Flucht“, nachdem sie „80 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur“ an ihrer Grund- und Oberschule in Burg (Spreewald) gegen Rechtsextremismus an ihrer Schule vorgegangen waren und sie weder durch die Schulleitung noch durch Schulbehörden Unterstützung erfuhren.[2]

Bundespräsident Steinmeier sagte im Oktober 2025, den Lehrern gehe es „ähnlich wie ihm“, sowohl sie als auch er hätten „parteipolitisch neutral zu sein“: „Aber wenn Lehrer auf Situationen im Unterricht und auf dem Pausenhof treffen, bei denen Kinder sich rassistisch oder antisemitisch äußern, dann können sie nicht neutral wegschauen“. Bei Angriffen auf demokratische Werte „müssten Lehrkräfte einschreiten“.[26]

Im November sendete das Magazin Kontraste einen 13 Minuten langer Beitrag darüber, wie AfD-Politiker Lehrer unter Druck setzen.[82] Die Reportage Inside Schule widmete dem Erleben von Lehrern einen gesonderten Artikel.[66] Im Lehrerzimmer wird Stimmung gegen Migranten gemacht, doch mit den AfD-Meldeplattformen[18] haben Lehrer es schwerer, sich dagegen zur Wehr zu setzen.[93] Überdies werden „angehende Lehrkräfte in der Ausbildung kaum auf den Umgang mit extremen Haltungen vorbereitet“[10] und haben „oft Angst, von rechtsextremen Eltern angegriffen zu werden“.[5]

Ein spezifisches Problem wird von Anja Besand angesprochen: Lehrkräfte würden „zu einer Kultur von Einzelkämpferinnen und -kämpfern“ neigen und im Konfliktfall „oft erst spät kollegialen Beistand“ suchen. Das hält die Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden für „problematisch“ und änderungsbedürftig.[95]

Eltern

Der Versuch der Einflussnahme durch Eltern mit rechter Gesinnung beginnt bereits im Kindergarten:

„Die ‚Hoyerswerda-Generation‘, die fremdenfeindlichen Jugendlichen, die Anfang der 90er Jahre traurige Berühmtheit erlangten, sind ihrem Credo ‚Deutschland den Deutschen – Ausländer raus’ zum großen Teil treu geblieben. Viele davon sind inzwischen Eltern geworden.“

Danilo Starosta, Kulturbüro Sachsen: Wer kommt denn da sein Kind abholen?[96]

„Es gibt besorgniserregende, aggressive Auftritte von Eltern mit rechter, rechtspopulistischer, rechtsradikaler oder rechtsextremer Gesinnung, die zum Beispiel Vielfalts- oder Demokratieprojekte ablehnen.“[94]

Wachsender Rechtsextremismus zeige sich der Stern-Reportage Inside Schule zufolge „auch unter Müttern und Vätern“, von denen manche versuchen, ihre Ansichten in die Schule hineinzutragen.[25] Die Aggressivität der Eltern habe ebenso zugenommen, wie die der Schülerinnen und Schüler. Demokratisch gesinnte Eltern würden Angst vor Anfeindungen entwickeln und drohen zunehmend in einen inneren Konflikt zu geraten: „Gegen Rechtsextremismus laut werden – oder das eigene Kind schützen?“[25]

Seit den 1960er-Jahren zeigen Studien, dass „das Elternhaus eine wichtige Rolle bei der politischen Meinungsbildung des Nachwuchses spielt“, was 2022 durch eine Untersuchung der Universität Luzern bestätigt wurde.[93] In einer 2023 im European Journal of Political Research publizierten Studie, die ebenfalls die Bedeutung transgenerationaler Weitergabe politischer Überzeugungen bestätigte, fand die Wissenschaftlerin Mathilde Van Ditmars heraus, dass Töchter seltener als Söhne die rechtsgerichteten Positionen ihrer Eltern übernehmen.[97][98] Im Mai 2025 berichtete der Deutschlandfunk über das Problem und erwähnte, „dass sich Eltern durch Jobbelastung, aus inhaltlicher Zustimmung oder angesichts eigener Probleme zu wenig mit der Radikalisierung ihrer Kinder nach rechts“ auseinandersetzen würden.[5]

Elternvertretungen haben großen Einfluss auf das Schulklima“.[25] Insofern lassen sich rechtsextreme Eltern gern in die ansonsten recht unbeliebte Funktion des Elternbeirats wählen. Vor allem „im ländlichen Raum haben sie versucht, in Elterninitiativen, den Elternbeirat oder den Elternsprecherkreis gewählt zu werden“, sagte Lena Lehmann vom Bildungsträger Miteinander e.V. in Sachsen-Anhalt. Demgegenüber sieht Aline Sommer-Noack, stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats, keine „Übernahme“ der Elternbeiräte durch Rechtsextreme und meint, sie wären eher „eine Brandmauer gegen rechtsextreme Einflussversuche“.[25]

Demokratisierungsbemühungen

Netzwerk Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage, teilnehmende Schulen Januar 2026

Es gibt verschiedene Bemühungen, demokratische Prinzipien an Schulen zu verankern. Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage als ein bundesweites Schulnetzwerk, die demokratische Schule als Alternativschule zur staatlichen Regelschule und das Konzept selbstbestimmtes Lernen der Reformpädagogik gehören dazu. Für Präventionsarbeit stehen Beratungsstellen flankierend zur Seite, wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen die Beratungsstelle Sabra. Das Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen in Hamburg bietet Prävention von Radikalisierung mit Unterstützung in der schulischen Einzelhilfe an.[99]

Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) richtete auf seiner Internetpräsenz eine gesonderte Seite zur Rechtsextremismusprävention ein und stellt dort verschiedene Angebote und Strukturen in Bayern vor.[100] Unter vielem anderen wird auf das Projekt Einmischen! des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement aufmerksam gemacht, das teilnehmenden Schulklassen hilft, „ein eigenes Engagement-Projekt in ihrem Umfeld“ zu realisieren und dadurch „Radikalisierungsprävention an ihren Schulen“ zu verankern.[101] Die Stadt München richtete eine Fachstelle für Demokratie ein und bietet im Fall von Diskriminierung und rechten Vorfällen an Schulen Unterstützung an.[102][103]

Albert Scherr vormals Sozialarbeitswissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Freiburg – veröffentlichte gemeinsam mit Barbara Schäuble bereits im Jahr 2008 Empfehlungen für den Umgang von Pädagogen mit Schülern, „die sich antisemitisch oder rechtsextrem äußern und verhalten“.[8] Die Empfehlungen wurden für nötig gehalten, weil Pädagogen aus verschiedenen Gründen – „etwa in Folge familienbiografischer Verstrickungen“ – in der Gefahr stünden, „Lernprozesse zu verhindern“. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichte schon 2008 einen Artikel und zwar gezielt zur Frage, was Schülerinnen und Schüler zu den Demokratisierungsbemühungen beitragen können.[104]

Die „Entwicklung von rechtsextremen Vorfällen an Schulen“[105] beschäftigte im Jahr 2023 den Bundestag. In der 20. Wahlperiode kam es zu einer Anfrage der Abgeordneten Nicole Gohlke zu „Quantität und Qualität rechtsextremer Vorfälle an Schulen“ und entsprechenden Präventionsplänen der Bundesregierung. Als parlamentarische Staatssekretärin antwortete Rita Schwarzelühr-Sutter am 6. Juni 2023. Die Zahl der Vorfälle habe unzweifelhaft zugenommen, sei aber schwer zu beziffern. Demokratisierungsbemühungen an Schulen würden durch zahlreiche – namentlich aufgeführte – Präventionsprogramme unterstützt.[106]

Auch die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) beteiligt sich an Bemühungen zur Demokratisierung an Schulen, zum Beispiel mit dem Projekt Starke Lehrer – starke Schüler. Benjamin Winkler, Leiter des Büros der Stiftung in Sachsen und zugleich Verantwortlicher für das Projekt sagte 2024 im Interview „über rechtsextreme Kader in Elterngesprächen, Hakenkreuzschmierereien und Gegenstrategien“, es gebe „eine Häufung von klassischen Fällen“. Darunter versteht er unter anderem „Propagandadelikte“, Parolen wie „Sieg Heil“ und „NS-Propaganda auf T-Shirts“.[94] In Regionen, „in denen sich rechtsextreme Strukturen verfestigt haben“, existiere laut Winkler „überhaupt keine Distanz mehr zum Rechtsextremismus“. Die Neonazipartei Der III. Weg werbe sehr um Schüler, auch die Freien Sachsen und die Jugendorganisation der NPD – nach Umbenennung Die Heimat – seien aktiv. Das Projekt Starke Lehrer – starke Schüler habe im Jahr 2013 an der TU Dresden begonnen und wurde 2018 „als staatliches Regelprogramm übernommen“. Lehrer und Schulleitungen müssten gestärkt werden und politische Weiterbildung erfahren, „weil nur so ein nachhaltiger Einsatz gegen Rechtsextremismus möglich“ sei – eine „Erkenntnis, die sich in den Kultusministerien der Länder durchgesetzt“ habe. Nötig seien Projektunterricht, Gedenkstättenfahrten mit Schülern und Routinen „für den Umgang mit Vorfällen“.

„Viele Schulen sind auf die Arbeit mit NGOs, gemeinnützigen Vereinen, Bildungsinitiativen oder Jugendzentren angewiesen. Etwa wenn es um Medienkompetenz, Aufklärungsarbeit rund um Antisemitismus und Rechtsextremismus, mentale Gesundheit oder Demokratiebildung geht. Hunderte solcher zivilgesellschaftlicher Projekte werden durch öffentliche Gelder finanziert. Eines der wohl bekanntesten Förderprogramme ist "Demokratie leben!" des Bundesfamilienministeriums. Die letzte Bundesregierung wollte die prekäre Finanzierung solcher Projekte langfristig sichern und hatte für den Bundeshaushalt 2025 keine Kürzungen vorgesehen. Ob das Bestand hat, ist fraglich: Seit dem Scheitern der Ampelregierung bangen viele Demokratieinitiativen um ihre Zukunft.“

Eser Aktay: Die Zeit (21. Februar 2025)[93]

Der Bundespräsident forderte Unterstützung für Lehrkräfte. Angesichts steigender Zahlen rechtsextremer Vorfälle an Schulen sollten sie Solidarität und Unterstützung erfahren.[26]

Literatur (Auswahl)

  • Rico Behrens, Anja Besand, Stefan Breuer: Politische Bildung in reaktionären Zeiten. Plädoyer für eine standhafte Schule. Wochenschau Verlag, Frankfurt 2021, ISBN 978-3-7344-1135-9 (utb.de Rezension, Lesung: JoDDiD liest).
  • Julia Bernstein: Antisemitismus an Schulen in Deutschland. Befunde - Analysen - Handlungsoptionen (= Anne-Frank-Shoah-Bibliothek). Beltz Juventa, Weinheim, Basel 2020, ISBN 978-3-7799-6224-3.
  • Anja Besand: Zum Umgang mit Rechtspopulismus in der Institution Schule. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): APuZ. Band 70, Nr. 14–15, 2020, ISSN 0479-611X, S. 4–9 (bpb.de [PDF; 1,5 MB]): „Wie kann politische Bildung in der Schule auf die steigende Aggressivität, sprachliche Enthemmung und Polarisierung der Auseinandersetzung reagieren?“
  • Bundeskoordination Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage in der Trägerschaft von Aktion Courage e.V. (Hrsg.): Rechtsextremismus & Schule. Themenheft. #wirsindnichtneutral (= Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage). Aktion Courage e.V., Berlin 2024, ISBN 978-3-933247-85-8 (schule-ohne-rassismus.org [PDF; 5,9 MB] Redaktion: Jeannette Goddar, Eberhard Seidel).
  • Christoph Butterwegge, Georg Lohmann (Hrsg.): Jugend, Rechtsextremismus und Gewalt. Analyse und Argumente (= Anne-Frank-Shoah-Bibliothek). 2. Auflage. Leske und Budrich, Opladen 2001, ISBN 3-8100-3222-0 (Inhaltsverzeichnis Kapitel 3: Aufgaben der Schule: Modelle - Methoden - Medien. Mit 6 Beiträgen).
  • Gabi Elverich, Friedemann Gürtler: Politiklehrer*in sein heute – herausfordernd wie nie?! In: Polis. Band 29, Nr. 2, 2025, ISSN 1433-3120, S. 21–24 (utb.de).
  • Rosa Fava: „Sie sind Feinde der Hoffnung.“ (Nâzım Hikmet). Türkischer Ultranationalismus und Rechtsextremismus als Thema für die Schule. In: Politisches Lernen. Band 43, Nr. 1+2, 2025, ISSN 0937-2946, S. 9–15.
  • Andreas Foitzik, Marc Holland-Cunz, Clara Riecke: Praxisbuch diskriminierungskritische Schule. Beltz, Weinheim, Basel 2019, ISBN 978-3-407-25805-2, doi:10.25656/01:29160 (oapen.org).
  • Wolfgang Frindte: „Mehr Demokratie wagen“: Rechtsextreme Einstellungen von deutschen Jugendlichen und das Potenzial von demokratischer Praxis in Elternhaus und Schule. In: Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung (ZRex). Band 1, Nr. 1, 2021, ISSN 2701-9624, S. 108–130 (utb.de [PDF; 426 kB]).
  • Jan-Hendrik Herbst: „Christentum von rechts“ als Thema des Religionsunterrichts? Religiöse Bildung im Angesicht von Angriffen auf den menschenrechtlichen Konsens in Kirche und Schule. In: Religionspädagogische Beiträge. Band 45, Nr. 1, 17. Februar 2022, ISSN 2750-3941, S. 87–99, doi:10.20377/rpb-164.
  • Sylke Kirschnick: Rechtsextremismus an Schulen: Was tun? Anregungen und Argumente für Lehrer/innen. In: Christoph Butterwegge, Georg Lohmann (Hrsg.): Jugend, Rechtsextremismus und Gewalt. Analyse und Argumente (= Anne-Frank-Shoah-Bibliothek). 2. Auflage. Leske und Budrich, Opladen 2001, ISBN 3-8100-3222-0, S. 131–148, doi:10.1007/978-3-663-01243-6_10.
  • Michael May, Gudrun Heinrich: Rechtsextremismus pädagogisch begegnen. Handlungswissen für die Schule (= Brennpunkt Schule, Anne-Frank-Shoah-Bibliothek). Kohlhammer, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-17-037222-1.
  • Laura Maren Michel: Digital, interaktiv und rechtsextrem. Jugendliche als Zielgruppe rechter Online-Rekrutierung. In: Markus Baum, Julia Maria Breidung, Martin Spetsmann-Kunkel (Hrsg.): Rechte Verhältnisse in Hochschule und Gesellschaft. Rassismus, Rechtspopulismus und extreme Rechte zum Thema machen (= Schriften der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen). Band 35. Verlag Barbara Budrich, Opladen, Berlin 2021, ISBN 978-3-8474-2498-7, S. 163–188 (oapen.org [PDF; 5,9 MB]).
  • Cynthia Miller-Idriss: Vom Umgang mit rechten Jugendlichen: Zur Rolle der Schule bei der Lösung sozialer Probleme. In: Christian Geißler, Bernd Overwien (Hrsg.): Elemente einer zeitgemäßen politischen Bildung. Festschrift für Prof. Hanns-Fred Rathenow zum 65. Geburtstag (= Kinder - Jugend – Lebenswelten). Band 4. Lit, Berlin, Münster 2010, ISBN 978-3-8258-1928-6, S. 157–172.
  • Ben Salomo: Sechs Millionen, wer bietet mehr? Judenhass an deutschen Schulen. Suhrkamp Jüdischer Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-633-54342-7.
  • Wilfried Schubarth, Wolfgang Melzer: Schule, Gewalt und Rechtsextremismus. Analyse und Prävention. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-322-96037-5.
  • Wilhelm Schwendemann, Christian Stahmann (Hrsg.): Antisemitismus an Schulen - Analysen und Prävention. Erster Freiburger Fachtag 2022 zur Antisemitismusprävention an Schulen. Konferenzschrift, 2022, Freiburg im Breisgau (= Erinnern und Lernen. Band 16). LIT, Berlin, Münster 2023, ISBN 978-3-643-15498-9.
  • Annette Streeck-Fischer: »Geil auf Gewalt«. Psychoanalytische Bemerkungen zu Adoleszenz und Rechtsextremismus. In: Psyche. Band 46, Nr. 8, 1992, S. 745–768.
  • Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens? Eine Debatte der politischen Bildung. In: Benedikt Widmaier, Peter Zorn (Hrsg.): Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung. Band 1793. Bonn 2016, ISBN 978-3-8389-0793-2 (bpb.de [PDF; 2,9 MB]).
  • Benjamin Winkler: Handlungsempfehlungen. 10 Punkte gegen Rechtsextremismus an Schulen. Hrsg.: Amadeu Antonio Stiftung. 8. Oktober 2025 (amadeu-antonio-stiftung.de).

Anmerkungen

Einzelnachweise

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