Regulatorische Technologie
bezeichnet einen Bereich in der Informationstechnik, der mittels verschiedener Produkte und Dienste versucht, regulatorische Anforderungen an Unternehmen und anderen Organisationen zu automatisieren
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Regulatorische Technologie (Schachtelwort RegTech oder Regtech) bezeichnet einen Bereich in der Informationstechnik, der mittels verschiedener Produkte und Dienste versucht, regulatorische Anforderungen an Unternehmen und anderen Organisationen zu automatisieren.[1][2]
Hintergrund und Begriff
RegTech ist eine junge Branche, die seit den 2010er Jahren entstanden ist. Der Begriff „RegTech“ wurde erstmals 2015 von der britischen Finanzaufsichtsbehörde (FCA) im Zuge der sich entwickelnden modernen Finanztechnologie (FinTech) erwähnt:[3][1]
„FinTech hat das Potenzial, im Bereich der Regulierung und Compliance eingesetzt zu werden, um die Finanzregulierung und -berichterstattung transparenter, effizienter und effektiver zu gestalten – wodurch neue Mechanismen für regulatorische Technologien, RegTech, geschaffen werden.“
Eine Definition für Regulierung ist:[4]
„Regulierung ist die vielfältige Palette an Instrumenten in Form von Gesetzen, formellen und informellen Anordnungen sowie untergeordneten Regeln, mit denen alle Regierungsebenen in die Wirtschaft und das Leben ihrer Bürger eingreifen.“
Regulierungsumfeld
Ein auslösendes Ereignis war die Weltfinanzkrise von 2007–2008, die eine Verbesserung von Richtlinien und Gesetzen sowie deren Einhaltung forderte.[5][6] Regulierungen wie Basel II, Basel III, Basel IV, Solvabilität II, die Zahlungsdiensterichtlinie, MiFID II oder die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hatten einen starken Einfluss auf die Entwicklung von RegTech.
Im Zuge der massiven Datenverarbeitung im modernen Internet, die mit dem Aufkommen von Internetdiensten als Teil der New Economy begann und später zur Digital Economy wurde, fordert speziell im Wirtschaftsraum Europa die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eine umfassende Verwaltung personenbezogener Daten.[7] Weitere EU-Gesetze sind das Gesetz über digitale Dienste (DSA) und das Gesetz über digitale Märkte (DMA). Die Werkzeuge von RegTech sollen hierbei helfen.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Themen, die unter das rechtliche Stichwort Compliance oder betriebswirtschaftliche Fachthema Compliance fallen. Im Rahmen der Compliance möchte man typischerweise Risiken vermeiden, beispielsweise durch Korruption und andere Probleme. Ein weiteres Thema, das von RegTech abgedeckt wird, ist das in einigen Unternehmen mittlerweile etablierte Whistleblowing-System zur Meldung von Missständen oder illegalen Aktivitäten.
Technologien
RegTech setzt verschiedene computerbasierte „Technologien“ ein, welche als Produkte und Dienstleistungen auf moderne Art und Weise gesetzliche Anforderungen verwalten lassen. Diese Technologien sind meist Internet- oder Onlinedienste, Softwareprodukte, sowie Leistungen in Form von begleitender Beratung. Weitere Werkzeuge sind moderne Künstliche Intelligenz/Maschinelles Lernen, Big Data oder Cloud Computing.
Diese Technologien erheben, werten aus und halten Daten zur Erfüllung von Auflagen bereit. Dabei werden Prozesse zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen meist als Teil der Produkte und Dienste abgebildet und den Nutzern zugänglich gemacht. Die Werkzeuge ermöglichen beispielsweise im Idealfall die effektive und effiziente Auditierung einer bestimmten regulatorischen Richtlinie.
Marktumfeld
Die Unternehmen der RegTech-Branche sind entweder eigenständige Einheiten oder derartige Dienste werden von größeren Beratungsunternehmen wie den Big Four angeboten. Sie bieten Services für regulierte Branchen wie die Finanzwirtschaft (Banken u. a.), die Versicherungswirtschaft oder die Gesundheitswirtschaft an. Doch auch viele weitere Unternehmen aus verschiedenen Industrien müssen Regulatorien und Gesetze erfüllen, wo RegTech zum Einsatz kommen kann.
RegTech steht in Verbindung zu modernen Geschäftsmodellen und Unternehmen der Digital Economy, beispielsweise dem Wirtschaftszweig Finanztechnologie (FinTech).
Der Markt für RegTech-Leistungen wächst kontinuierlich. Es wurde geschätzt, dass die Ausgaben von Banken für regulatorische Technologien von 10 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf über 75 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 zunehmen würden.[8]
Organisationen
- International Regtech Association (IRTA)
Kontroversen
Anreize für RegTech
Für die Finanzdienstleistungsbranche sind die Kosten regulatorischer Verpflichtungen drastisch gestiegen, sodass die große Mehrheit der CEOs von Banken diese Kosten als eine Quelle disruptiver Umwälzungen betrachten. Dies schafft einen starken wirtschaftlichen Anreiz für effizientere Berichts- und Compliance-Systeme, um Risiken besser zu kontrollieren. Darüber hinaus stellen die massiven Zuwächse im Umfang und in der Vielfalt der an Regulierungsbehörden zu meldenden Daten eine große Chance für die Automatisierung von Compliance- und Überwachungsprozessen dar. Der Einsatz dieser Technologie wird in der Finanzdienstleistungsbranche als potenziell effizientitätssteigernd sowie als förderlich für Skaleneffekte und eine breitere wirtschaftliche Reichweite bestehender Marktteilnehmer angesehen.
Regulierung in der Einführung von Technologie
In einer Studie zum Einsatz von RegTech wurden die Auswirkungen auf den Finanzsektor untersucht, wie die Reaktionen von Unternehmen auf neue interne Kontrollanforderungen sind. Betroffene Unternehmen investieren erheblich in ERP-Systeme und Hardware. Diese Ausgaben ermöglichen weitere Investitionen, die zur Bekämpfung von Compliance-Verstößen genutzt werden und zu geringen Einsparungen durch vermiedene Kundenbeschwerden und Fehlverhalten führen. Es wird untersucht wie Regulierungen die Technologieeinführung direkt und indirekt beeinflussen können, was wiederum Auswirkungen auf die Nichteinhaltung von Vorschriften und die Marktstruktur hat.[9]
Siehe auch
- Bürokratie
- Digital Governance
- Digitale Transformation
- Informationszeitalter
Literatur
- Klaus Mathis, Avishalom Tor (Hrsg.): Law and Economics of Regulation. Springer International Publishing, Cham 2021, ISBN 978-3-03070529-9, doi:10.1007/978-3-030-70530-5 (englisch).
- Lukas Staffler: Business Criminal Law: A Primer for Management and Economics. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-658-34471-9, doi:10.1007/978-3-658-34472-6 (englisch).
- Markus Mueck, Christophe Gaie (Hrsg.): European Digital Regulations (= Intelligent Systems Reference Library. Band 265). Springer Nature Switzerland, Cham 2025, ISBN 978-3-03180808-1, doi:10.1007/978-3-031-80809-8 (englisch).