Reiner Grabowitz

deutscher Schmuck- und Industriedesigner sowie Kulturakteur From Wikipedia, the free encyclopedia

Reiner Grabowitz (* 27. März 1936 in Flatow) ist ein deutscher Industriedesigner und Schmuckkünstler.

Familiäres

Der Vater Grabowitz‘ war Handelskaufmann. Er starb als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Die Mutter wurde Hilfslehrerin, als auch die Lehrer an die Front mussten. Nach dem Ende des NS-Staats machte sie eine pädagogische Ausbildung und arbeitete u. a. als Lehrerin. Grabowitz hat eine Schwester und einen Bruder. Ein Bruder starb schon 1945, wenige Zeit nach der Geburt.

Grabowitz war zwei Mal verheiratet und hat zwei Kinder.

Leben und Werk

Die Mutter floh 1945 mit den Kindern vor der anrückenden Roten Armee in die spätere Sowjetische Besatzungszone. Grabowitz absolvierte von 1950 bis 1953 eine Lehre als Maschinenschlosser. Er gehörte zu den Lehrlingen, die von Wilhelm Pieck als Bester Lehrling geehrt wurden und besuchte dann bis zum Abitur 1956 die Arbeiter- und Bauernfakultät Rostock. Danach war er an der Grundschule Pritzwalk Lehramtsanwärter in den Fächern Sport und Kunsterziehung. Von 1957 bis 1963 studiert er an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein (HIF). Seine Lehrer waren Walter Funkat, Karl Müller, Willi Sitte, Gustav Weidanz und Lothar Zitzmann. Für das Diplom als Industrieformgestalter entwarf Grabowitz eine Teigknetmaschine, die dann auch produziert wurde.

Von Grabowitz am Modeinstitut entworfene Schuhe.

Nach dem Studienabschluss entwickelte Grabowitz im VEB Leuchtenbau Leipzig das Leuchtendesign für Messekollektionen. 1964 war er künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HIF und ab 1966 am Zentralinstitut für Formgestaltung Berlin. Dort waren seine Arbeitsgebiete das Design von Werkzeugmaschinen und ein Konzept für ein öffentliches Nahverkehrssystem in Ostberlin. Von 1968 bis 1976 arbeitete Grabowitz als Designer im Modeinstitut der DDR. Er entwarf dort insbesondere Schuhe, Taschen[1] und Schmuck und schuf Modegrafik. Er galt am Institut als der „Schuhpapst“. 1972/1973 wurden auf der VII. Kunstausstellung der DDR eine von Grabowitz designte Stiefelette und eine Sandalette gezeigt. Von 1976 bis 1979 hatte Grabowitz an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee einen Lehrauftrag. 1978/1979 war er Formgestalter beim VEB Produkt- und Umweltgestaltung Dresden, dem späteren VEB Designprojekt. Dann arbeitete er bis 1987 in Berlin freiberuflich als Schmuckdesigner. 1987/1988 konzipierte er als freier Mitarbeiter des Außenhandelsunternehmens Metallurgiehandel dessen Auftritt auf der Leipziger Messe. Er erhielt 1988 den Ehrentitel Verdienter Aktivist. 1988/1989 entwickelte er als Mitarbeiter der Baudirektion Berlin unter Erhardt Gißke ein alternatives Konzept zur Gestaltung der Friedrichstraße.

Grabowitz lebte und arbeitete in einer großen Atelierwohnung am Bersarinplatz. Nach der deutschen Wiedervereinigung musste er diese wegen der stark gestiegenen Miete aufgeben, und er zog in eine kleine Mietwohnung in der Sredzkistraße.

Ab 1990 war Grabowitz maßgeblich an der Revitalisierung und baulichen Entwicklung der Hackeschen Höfe beteiligt. Er war von 1990 bis 1997 als Mitbegründer Gesellschafter der Varieté Chamäleon GmbH und von 1991 bis 1994 Projektleiter bei der Gesellschaft Hackesche Höfe e. V. In dieser Funktion entwickelte er für die Hackeschen Höfe insbesondere ein Nutzungskonzept für Wohnen, Gewerbe und Kultur. Er gehörte bis 1994 auch der Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt an.

Von 1995 bis 2010 war Grabowitz als Mitarbeiter der Johannishof Projektentwicklung GmbH und Co. KG mit der Gestaltung der Freiflächen des Tacheles befasst.

2004/2005 wirkte er in den Hackeschen Höfen an der Restaurierung eines 1905/1906 von August Endell ausgestalteten Festsaals und dort an der Etablierung des Chamäleon Theaters mit.

2007 gründete er mit der Schmuckkünstlerin Tatjana Goldberg in der Chausseestraße eine Werkstatt-Galerie, für die er anspruchsvollen Schmuck entwirft und fertigt.

Mitgliedschaften

  • bis 1990: Verband Bildender Künstler der DDR, dort
  • 1972 bis 1988 Leiter der Sektion Design und Kunsthandwerk des Bezirksverbands Berlin
  • ab 1990: Berufsverband Angewandte Kunst Berlin-Brandenburg e.V.
  • bis 1994: Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt

Weitere Werkbeispiele

  • Ein Paar Ohrhänger (1982, Silber/Schiefer; auf der IX. Kunstausstellung der DDR)
  • Armreif (1982, Silber/Piacryl; auf der IX. Kunstausstellung der DDR)[2]

Ausstellungen (unvollständig)

Einzelausstellung

  • 1978: Berlin, Galerie im Turm („Schmuck – Glas – Fotografie“; mit Klaus Musinowski und Roger Melis)
  • 1984: Berlin, Galerie Skarabäus (Schmuck)

Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR

  • 1972 bis 1983: Dresden, VII. bis IX. Kunstausstellung der DDR
  • 1976 und 1985: Berlin, Bezirkskunstausstellungen Kunsthandwerk/Design
  • 1979: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Kunst, Handwerk, Form, Gestaltung“)
  • 1984: Erfurt, Galerie am Fischmarkt („Schmuck und Glas“)

Literatur

  • Peter Schubert: Die Hackeschen Höfe. Geschichte und Geschichten einer Lebenswelt in der Mitte Berlins. Argon-Verlag, 1993, S. 99
  • Rainer Grabowitz. „Ein Genius bin ich nicht“. In: Peter Schubert und Rainer Blankenburg (Hrsg.): Die Spandauer Vorstadt. Utopien und Realitäten zwischen Scheunenviertel und Friedrichstraße. Argon Verlag, Berlin; Hrsg.: Gesellschaft Hackesche Höfe e.V., 1995; ISBN 3-87024-327-9, S. 67–69
  • Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 272
  • Irina Schrecker: Schmuck-Künstler Reiner Grabowitz. Er bewahrte die Seele der Hackeschen Höfe. In: Berliner Kurier, Berlin, 8. Februar 2010, S. 18

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI