Reiner Knizia
deutscher Spieleautor
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Reiner Walter Knizia (* 16. November 1957 in Illertissen) ist ein deutscher Spieleautor. Von seinen über 800[1][2] veröffentlichten Spielen, die in mehr als 2.000 Versionen vorliegen[3], wurden nach eigenen Angaben bisher mehr als 20 Millionen Exemplare verkauft.[3][4] Viele seiner Spiele wurden mehrfach ausgezeichnet, so gewann Knizia bereits viermal den Deutschen Spielepreis und dreimal den Hauptpreis beim österreichischen Spiel der Spiele. 2008 erhielt er sowohl die Auszeichnung Spiel des Jahres als auch Kinderspiel des Jahres und ist damit bis dato der einzige Spieleautor, dem es gelang, im gleichen Jahr zwei Hauptpreise beim Spiel des Jahres zu gewinnen. Mit dem Gewinn des Kennerspiel des Jahres 2026 ist er der erste Spieleautor, der alle drei Spiel-des-Jahres-Auszeichnungen gewinnen konnte.

Leben

Knizia studierte Physik und später Mathematik an der Universität Ulm, machte dort sein Diplom und erwarb den Master of Science auf der Syracuse University in den USA. Er erlangte den Doktorgrad für seine Arbeit über „Charakterisierung von mehrdimensionalen Perron-Integralen“ wiederum in Ulm, für welche er 1987 einen Promotionspreis erhielt.[5]
Knizia war Projektleiter und Gruppenleiter für Softwareentwicklung, schließlich stellvertretender Abteilungsdirektor für Informationstechnologie im Auslandsgeschäft einer deutschen Großbank und Abteilungsdirektor für Unternehmensplanung einer deutschen Großbank. Außerdem war er General Manager und im Vorstand eines britischen Baufinanzierungsunternehmens. Es folgten Lehraufträge für Projektmanagement und Managementtechniken an mehreren Universitäten und Instituten.[6]
Spieleautor

Mit etwa acht Jahren entwickelte Knizia seine ersten eigenen Spiele. Ernsthafter beschäftigte er sich mit Spielen aber erst ab Mitte/Ende der 1980er Jahre. Zu den ersten von Reiner Knizia entwickelten Spielen gehörten Postspiele für sein 1985 gegründetes Zine Postspillion. Sieben verschiedene Postspiele starteten zwischen 1985 und 1987. Der Postspillion erschien bis 2005[7], und sein Spiel Bretton Woods, das 1987 gestartet wurde, lief bis April 2007.[8]
1990 veröffentlichte er dann Digging bei Hexagames und Goldrausch bei Hans im Glück, welches den 5. Platz beim Deutschen Spielepreis erreichte. Im selben Jahr erschien auch sein Buch Neue Taktikspiele mit Würfeln und Karten bei Hugendubel.
Seit 1997 ist er hauptberuflicher Spieleautor. Zwischen 1999 und 2001 war Knizia auch Vorsitzender der Spiele-Autoren-Zunft SAZ.
Knizias Spiele wurden vielfach mit Preisen ausgezeichnet. 1993, 1998, 2000 und 2003 erhielt er für Modern Art, Euphrat & Tigris, Tadsch Mahal und Amun-Re jeweils den Deutschen Spielepreis, 2003, 2004 und 2006 erhielt er für King Arthur, Einfach Genial und Tal der Abenteuer den Hauptpreis beim österreichischen Spiel der Spiele. 2008 erhielt er für Keltis die Auszeichnung Spiel des Jahres und für Wer war’s? die Auszeichnung Kinderspiel des Jahres. In der Internet Top 100 Games List[9] stehen 16 Knizia-Spiele, davon sechs Spiele in den Top 20. (Stand 2004).
2004 wurde er in die Hall of Fame des Origins Award aufgenommen.[10]
Kritik
Den Spielen von Reiner Knizia wird nachgesagt, gelegentlich zu trocken und zu mathematisch perfekt zu sein.[11][12] Es gibt dazu aber auch Gegenbeispiele, etwa das Ende 2003 erschienene King Arthur, ein elektronisches Brettspiel, oder das 2005 erschienene Heckmeck am Bratwurmeck, ein einfaches Würfelspiel, die unterhaltsam und leicht verständlich sind. Die Behauptung, man könne Knizias Spiele in zwei Kategorien einteilen, die eher komplexen und strategischen „Knizia-Spiele“ und die lockeren und glücksbetonteren „Reiner-Spiele“, trifft laut Knizia nicht zu. Er selbst möchte sich „nicht in diese zwei Schachteln, nämlich ‚Knizia-Spiele‘ und ‚Reiner-Spiele‘, stecken“, da es einer seiner Ansprüche sei, „sehr vielfältige Dinge zu machen“, z. B. auch im Kinder-, Knobel- und sogar Elektronikbereich.[13]
Trivia
In der Brettspiel-Szene ist der Begriff „Knizia scoring“ (d. h. „Knizia-Wertung“) bekannt, der einen speziellen Mechanismus beschreibt, am Ende eines Spiels die erzielten Punkte zu ermitteln, der sich in mehreren von Knizias Spielen findet.[14][15] Beim „Knizia scoring“ sammeln die Spieler während des Spiels Punkte in verschiedenen Kategorien, bei Spielende wird aber nur diejenige Kategorie gewertet, die von allen den niedrigsten Punktestand aufweist. Diese Mechanik belohnt eine ausgewogene Strategie und verhindert, dass Spieler sich auf eine Punktekategorie fokussieren, in der sie beispielsweise besondere Vorteile genießen.
Ludografie
Auszeichnungen (Auswahl)
- Spiel des Jahres
- 1992: Quo Vadis?: Auswahlliste
- 1993: Tutanchamun: Auswahlliste
- 1993: Modern Art: Auswahlliste
- 1995: Medici: Auswahlliste
- 1998: Durch die Wüste: Auswahlliste
- 1998: Money: Auswahlliste
- 1998: Euphrat & Tigris: Auswahlliste
- 2000: Tadsch Mahal: Auswahlliste
- 2001: Der Herr der Ringe: Sonderpreis „Literatur im Spiel“
- 2001: Royal Turf: Auswahlliste
- 2002: Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Kartenspiel: Auswahlliste
- 2003: Amun-Re: Auswahlliste
- 2004: Einfach Genial: nominiert
- 2004: Carcassonne – Die Burg: Empfehlungsliste
- 2006: Blue Moon City: nominiert
- 2008: Keltis: Hauptpreis
- 2008: Pingu-Party: Empfehlungsliste
- 2009: Fits: nominiert
- 2009: Poison: Empfehlungsliste
- 2010: Jäger und Sammler: Empfehlungsliste
- 2013: Rondo: Empfehlungsliste
- 2012: Indigo: Empfehlungsliste
- 2017: Wettlauf nach El Dorado: nominiert
- 2019: Lama: nominiert
- 2020: My City: nominiert
- Kennerspiel des Jahres
- 2026: Rebirth: Aufbruch in eine neue Zeit: Hauptpreis
- Kinderspiel des Jahres

Wer war's - 2004: Schatz der Drachen: nominiert
- 2005: Mago Magino: nominiert
- 2005: Schildkrötenrennen: nominiert
- 2005: Fleckenmonster: Empfehlungsliste
- 2007: Der kleine Sprechdachs: Empfehlungsliste
- 2008: Wer war’s?: Hauptpreis
- 2008: Alles Tomate: Empfehlungsliste
- 2011: Grimaffen: Empfehlungsliste
- 2015: Honigbienchen: Empfehlungsliste
- 2016: Mmm!: nominiert
- Deutscher Spielepreis
- 1990: Goldrausch: 5. Platz
- 1992: Quo Vadis?: 3. Platz
- 1993: Modern Art: 1. Platz
- 1993: Tutanchamun: 2. Platz
- 1995: Auf Heller und Pfennig: 7. Platz
- 1995: Medici: 5. Platz
- 1995: High Society: 10. Platz
- 1998: Euphrat & Tigris: 1. Platz
- 1998: Durch die Wüste: 4. Platz
- 1999: Ra: 2. Platz
- 1999: Samurai: 4. Platz
- 2000: Tadsch Mahal: 1. Platz
- 2003: Amun-Re: 1. Platz
- 2004: Einfach Genial: 5. Platz
- 2006: Blue Moon City: 4. Platz
- 2008: Keltis: 8. Platz
- Deutscher Kinderspielepreis
- 1990: Goldrausch: 8. Platz
- Österreichischer Spielepreis
- 2003: King Arthur: Hauptpreis
- 2003: Amun-Re: Spiele Hit für Experten
- 2004: Einfach Genial: Hauptpreis
- 2005: Mago Magino: Spiele Hit für Kinder
- 2006: Tal der Abenteuer: Hauptpreis
- 2007: Risiko Express: Spiele Hit für Familien
- 2008: Drachenparade: Spiele Hit für Familien
- 2009: Fits: Spiele Hit für Familien
- 2009: Ramses Pyramid: Hauptpreis
- 2012: Indigo: Spiele Hit für Familien
- 2012: Drachenhort: Spiele Hit für Familien
- 2013: Rondo: Spiele Hit für Familien
- Schweizer Spielepreis
- 2003: Amun-Re: 2. Platz Freakspiele
- 2004: Einfach Genial: 1. Platz Strategiespiele
- 2005: Der Turmbau zu Babel: 1. Platz Strategiespiele
- 2006: Pirates!: 2. Platz Familienspiele
- 2007: Einfach Genial Knobelspaß: 1. Platz Familienspiele
- À-la-carte-Kartenspielpreis
- 1991: Res Publica: 1. Platz
- 1992: Pirat: 1. Platz
- 1993: Attacke: 2. Platz
- 1993: En Garde: 3. Platz
- 1995: High Society: 3. Platz
- 1999: Lost Cities: 4. Platz
- 2001: Trendy: 14. Platz
- 2009: Poison: 5. Platz
- 2008: Handelsfürsten: 7. Platz
- 2008: Pingu-Party: 8. Platz
- Niederländischer Spielepreis
- 2004: Amun-Re: nominiert
- 2005: Veel Soeps!: nominiert
- 2006: Durch die Wüste: nominiert
- 2006: Pirates!: nominiert
- 2007: Tadsch Mahal: nominiert
- Essener Feder
- 1994: Neue Spiele im alten Rom
- 2000: Tadsch Mahal
- Origins Award
- 2002: Kingdoms
- International Gamers Award
- 2000: Lost Cities: Hauptpreis in der Kategorie Zweispieler
- 2000: Ra: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2000: Stephenson's Rocket: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2000: Schotten Totten: nominiert in der Kategorie Zweispieler
- 2001: Der Herr der Ringe: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2001: Die Kaufleute von Amsterdam: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2001: Tadsch Mahal: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2001: Traumfabrik: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2003: Der Herr der Ringe: Die Entscheidung: Sieger in der Kategorie Zweispieler
- 2004: Einfach Genial: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2004: Carcassonne: Die Burg: nominiert in der Kategorie Zweispieler
- 2006: Blue Moon City: nominiert in der Kategorie Mehrspieler
- 2007: Medici vs. Strozzi: nominiert in der Kategorie Zweispieler
- MinD-Spielepreis
- 2010: Einfach Genial
- Mensa Select Games
- 2023: Mille Fiori[16]
Literatur
In jedem Abschnitt chronologisch sortiert
Wissenschaftliche Veröffentlichungen
- Reiner Walter Knizia: Charakterisierung von mehrdimensionalen Perron-Integralen. Dissertation 1986, 131 Seiten, Link zum Inhaltsverzeichnis.
Spielebücher von Reiner Knizia
- Reiner Knizia: Neue Taktikspiele mit Würfeln und Karten. Hugendubel, München 1990, ISBN 3-88034-458-2.
- Ders.: Neue Spiele im alten Rom. Hugendubel, München 1994, ISBN 3-88034-735-2.
- Ders.: Kartenspiele im Wilden Westen. Hugendubel, München 1995, ISBN 3-88034-808-1.
- Ders.: Das große Buch der Würfelspiele. Hugendubel, München 2000, ISBN 3-7205-2183-4.
- Ders.: Kartenschach. Berliner Spielkarten, 2000
Einzelne Beiträge von Reiner Knizia
- Ders.: The Design and Testing of the Board Game Lord of the Rings, in: Katie Salem; Eric Zimmerman: Rules of Play – Game Design Fundamentals. MIT Press, 2004.
Interviews mit Reiner Knizia
- Playing By Design, in: What Board Games Mean To Me. Aconyte, 2023, ISBN 978-1-83908-271-9.
- Zurück von der Insel: Reiner Knizia, in: Spielbox 4/2017, S. ?.
- „Ich will nicht das dritte Heckmeck machen“. Reiner Knizia im Gespräch über sein neues Spiel Mlem und über mehr als 30 Jahre Autorentätigkeit, in: Spielbox 7/2023, S. ?.
Literatur über Reiner Knizia
- Verschiedene: Der Knizia Almanach I. Nostheide Verlag, 2006.
- Kevin Jacklin. Simply Knizia: The Art in Keeping Game Design Simple, in: Tabletop: Analog Game Design. ETC Press, Pittsburgh 2011, S. 47–53.
- Udo Bartsch: Ein Autor wie kein anderer: 40 Jahre Knizia Games, in: Spielbox 6/2025, S. ?.
Weblinks
- Literatur von und über Reiner Knizia im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Offizielle Website (englisch)
- Reiner Knizia in der Spieledatenbank BoardGameGeek (englisch)
- Reiner Knizia in der Spieledatenbank Luding
