Reinhold Konstanty
deutscher Jurist und Funktionär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Reinhold Manfred Konstanty (* 23. Januar 1939 in Brödau; † 31. März 2025 in Bremen)[1] war ein deutscher Experte für Arbeitsschutz und Funktionär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Jahrelang gehörte er dem DGB-Bundesvorstand und dem Ausschuss für Gefahrstoffe beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung an. Er hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Asbest verboten wurden (Asbest-Verbot; trat in Deutschland am 31. Oktober 1993 in Kraft) und Asbest-bedingte Erkrankungen als Berufskrankheiten anerkannt wurden (siehe Berufskrankheiten-Verordnung-Nr. 4103/05/05); dafür erhielt er das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.
Leben und Wirken
Mit seinen Eltern Max und Ida Konstanty und seinen Geschwistern Elfriede und Herbert kam er im Winter 1944/1945 als Flüchtling aus Ostpreußen nach Bremen-Blumenthal, wo sein Vater eine Tätigkeit als Schrankenwärter bei der Farge-Vegesacker Eisenbahn aufnahm.

Er besuchte die Grundschule in Bremen-Blumenthal und anschließend das Gerhard-Rohlfs-Gymnasium in Bremen-Vegesack. Von 1959 bis 1963 studierte er Rechtswissenschaften (Jura) an der Universität Hamburg.
Verheiratet ist er seit 1961 mit Katrin, geborene Schulken, aus Bremen-Blumenthal. Sie haben drei Kinder: Katharina, Till und Jan.
Von 1955 bis 1968 ergänzte er seinen Lebensunterhalt, indem er im Bremer (bis 1959) und Hamburger Hafen, in der Anzeigenwerbung, in einer Ziegelei, im Schiffbau, im Hoch- und Tiefbau, in einer Betonfabrik und im Tapetenhandel arbeitete. Von März 1968 bis April 1971 war er Rechtssekretär für Sozialrecht beim DGB-Kreis Hamburg, und von Mai 1971 bis Januar 1974 Referatssekretär in der Abteilung Arbeitsrecht und Sozialpolitik des DGB-Landesbezirks Nordmark. Danach wechselte er in die Abteilung Sozialpolitik des DGB-Bundesvorstandes als Referatsleiter für Gesundheitspolitik, Rentenversicherung, Rehabilitation und Unfallsversicherungsrecht, und im Oktober 1975 in den DGB-Bundesvorstand als Referatsleiter für Arbeitsschutz, Arbeitsumwelt, Arbeitsmedizin und Unfallversicherung. Seit 1983 war er Prozessbevollmächtigter des DGB für bestimmte Berufskrankheiten. Er hat zahlreiche sonstige Mandate wahrgenommen:
- als Arbeitnehmervertreter bei 9 Internationalen Arbeitskonferenzen der ILO (International Labour Organization der United Nations Organization UNO) zur Erörterung von Übereinkommen und Empfehlungen zum Arbeitsschutz
- 1975–2001: als Experte im Beratenden Ausschuss für Sicherheit, Arbeitshygiene und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz der EU-Kommission
- 1975–1984: als alternierender Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft für Arbeitssicherheit
- 1975–1986: als alternierender Vorsitzender des Kuratoriums bzw. des Beirates der Bundesanstalt für Arbeitsschutz
- 1975–1986: als Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Technische Arbeitsmittel
- Seit 1975: als Vorstandsmitglied beim Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften e.V.
- Seit 1975: als Vorstandsmitglied bei der Berufsgenossenschaft Feinmechanik und Elektrotechnik
- Seit 1980: als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für gefährliche Arbeitsstoffe (heute Ausschuss für Gefahrstoffe AGS)
- Seit 1983: als Mitglied des Verwaltungsrates des Europäischen Technikbüros der Gewerkschaften für Gesundheit und Sicherheit
- Seit 1985: als Experte für Erörterung von Arbeitsschutzrichtlinien im Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Union (EU)
- Seit 1993: als Vorstandsmitglied beim Berufsgenossenschaftlichen Arbeitsmedizinischen Dienst (heute BG prevent)
- Seit 1995: Agentur für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz
Mitgliedschaften
Seit 1960 war er Mitglied der SPD, und seit 1964 der Gewerkschaft ÖTV (heute Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft). Er war 1992 Gründungsmitglied des Verbandes arbeits- und berufsbedingt Erkrankter e.V. (abekra)[2]
Auszeichnungen


Er erhielt 1989 den Naturschutzpreis (Bodo-Manstein-Medaille) des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und am 12. März 1999 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.[3]
Publikationen
- R. Konstanty: Durchsetzung von Ansprüchen der Arbeitnehmer. In: Gerd Albracht und Oswald Schwerdtfeger (Hrsg.): Rolf Ählberg, Gerd Albracht und Bernd Beck: Herausforderung Asbest. Universum Verlag, Wiesbaden 1991, ISBN 3-923221-06-1, S. 194–202.
- Reinhold Konstanty: Arbeitsschutz 1976–1980:Bilanz u. Ausblick. In: Soziale Sicherheit. 1980, S. 260–265.
Weblinks
- Echte Bombe Nach dem Asbest geraten nun auch Ersatz-Dämmstoffe wie Glas- und Steinwolle unter Krebsverdacht. In: Der SPIEGEL 24/1990. 10. Juni 1990, abgerufen am 3. März 2026.
- Jedes Jahr 10 000 Tote durch Asbest? Der Umgang mit Asbest, scheinbar unentbehrlich in Haushalt und Industrie, fördert Lungenkrankheiten und Krebs - doch offizielle Statistiken verschleiern die Gefahr. In einer bislang unveröffentlichten Untersuchung des Umweltbundesamtes werden Verwendungsbeschränkungen für den Stoff gefordert, die Industrie verharmlost. In: Der SPIEGEL 49/1980. 30. November 1980, abgerufen am 3. März 2026.
- Reinhold Konstanty, Christine Holch: „Mindestens fahrlässige Tötung“. DGB-Arbeitschutzrechtler: Politik und Wirtschaft haben jahrzentelang wissentlich die ArbeiterInnen durch Asbest verseuchen lassen / Serie "Asbest - die geleimten Opfer (9). In: TAZ. 17. Dezember 1994, abgerufen am 4. März 2026.