Reliable Replacement Warhead
US-amerikanisches Kernwaffenprogramm
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Reliable Replacement Warhead (RRW) war ein Programm der US-Regierung und ihrer nationalen Organisationen von etwa 2004 bis 2008 um die Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Zertifizierbarkeit bestehender Kernwaffen und ihrer Komponenten zu verbessern.[2]

Mit dem Programm – auf Deutsch: „Zuverlässiger Ersatzsprengkopf“ – sollte auch ein neues Design namens „WR1“ erstellt werden, um beispielsweise den alternden W76 zu ersetzen. Letzterer wurde jedoch nicht durch den geplante WR1 ersetzt.
Hintergrund
Seit den 1990er Jahren (vgl. Ende des Kalten Kriegs) haben die USA und Russland ihr Kernwaffenarsenal und die Produktion dergleichen reduziert. Der CTBT-Vertrag verbietet das aktive Testen (seit 1968 im Untergrund, vgl. der LTBT-Vertrag und ab 1976 der TTBT-Vertrag) und hemmt seitdem die Entwicklung von Kernwaffen. Diese altern seitdem in gewissem Umfang und sind speziellen Langzeiterhaltungsprogrammen unterworfen (Stichwort: Stockpile Stewardship).[3] Letztere Programme sind seit 1990, also seit rund drei Jahrzehnten, in Entwicklung und beinhalten eine Vielzahl von Aktivitäten. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 veränderten sich die Sicherheits- und Außenpolitik der USA durch die National Security Strategy (NSS) 2002, in gewissen Teilen auch die Nukleardoktrin, als erste große Veränderung nach dem Kalten Krieg.
Geschichte
Am 2. März 2007 hat die National Nuclear Security Administration (NNSA) die Entwicklung eines Kernsprengkopfs auf Basis des 1991 eingestellten W89-Programms beschlossen. Federführend für die Entwicklung ist das Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL). Damit war die erste Phase des RRW-Projektes abgeschlossen, in der verschiedene Designs und Optionen, unter anderem auch ein Entwurf des Los Alamos National Laboratory (LANL) und eine Hybridlösung zwischen den Livermore- und Los Alamos-Entwürfen, evaluiert worden waren.
Der RRW sollte zunächst die in Trident II-SLBMs verwendeten W76-Kernsprengköpfe ersetzen. Ein Einsatz in Interkontinentalraketen (ICBMs) der US Air Force (heute Teil von STRATCOM) wäre ebenfalls möglich laut den Studien. Außerdem wurde der W76 wird als unzuverlässig und potenziell gefährlich kritisiert.
Die Entscheidung für eine Weiterentwicklung des W89 wurde insbesondere aufgrund der Tatsache getroffen, dass dieser Kernsprengkopf bereits in unterirdischen Tests geprüft wurde und so weitere Atomtests vermieden werden sollen. Der W89 wurde vornehmlich in Hinblick auf Sicherheit bei Betrieb und im Falle von Unfällen entwickelt. Der Zündmechanismus wurde im Vergleich zur Variante W88 sicherer gemacht und der verwendete hochexplosive Sprengstoff wurde unter anderem hinsichtlich seiner Feuersicherheit verbessert.
Ziel der Entwicklung als Teil des RRW-Programms war es Fehlzündungen der Kernsprengköpfe zu vermeiden. Speziell ältere Plutoniumtreiber altern nach Angaben der NNSA und werden dadurch unsicher. In umfangreichen und teilweise klassifizierten Studien wurde jedoch belegt, dass Plutonium ca. 100 Jahre verwendbar ist und dies auch auf viele ältere Kernsprengköpfe in den Beständen zutrifft.[4][5] Durch Selbstbestrahlung bildet sich in Plutonium beispielsweise Americium und weitere Folgeprodukte.
Die Kosten des RRW-Programms sollten durch die Wiederverwendung des Plutoniums aus alten Kernsprengköpfen und durch eine weitestgehend automatisierte Produktion gesenkt werden. Das verwendete Plutonium soll allerdings nicht älter als 45 Jahre sein. Die Verwendung sicherer und haltbarer Kernsprengköpfe würde die immensen Kosten für die Unterhaltung des Lagerbestandes an Atomwaffen spürbar senken. Für die Instandhaltung der vorhandenen Atomwaffen durch die USA sind die Kosten im Milliarden-Dollar-Bereich, siehe die Berichte der NNSA.
Die Indienststellung der ersten Kernsprengköpfe nach WR1-Design war für das Jahr 2012 geplant.
Kurz nach seiner Amtsübernahme im Januar 2009 stoppte der US-Präsident Barack Obama das RRW-Programm und engagierte sich stattdessen für weitere Abrüstungsvorhaben und Rüstungskontrolle in diesem Bereich.[6] Im Jahr 2010 verkündete die Obama-Administration das New START-Abkommen.[7][8]
Für die aktuellen Aktivitäten siehe die Informationen der NNSA.
Daten
Technische Daten zum WR1-Kernsprengkopf sind nicht bekannt geworden, orientieren sich aber vermutlich an dem W89-Design. Die Sprengkraft des W89 sollte ca. 425 Kilotonnen TNT entsprechen, die des W76 beträgt 100 Kilotonnen.
Kontroversen
Kritiker äußerten die Befürchtung, das RRW-Programm könnte eine erste Neuentwicklung von Atomwaffen seit 1989 sein und somit einen neuen Rüstungswettlauf einläuten. Das RRW-Programm war grundlegend umstritten. So deutete das Programm „Zuverlässiger Ersatzsprengkopf“ beispielsweise auf eine implizite Unsicherheit im Hinblick auf die Sicherheit oder Funktion der Waffen und einen Mangel im Kernwaffenpotenzial der USA hin. Dies ist jedoch nicht der Fall, da spätestens seit der Entwicklung der Autoritätskontrollsysteme (vgl. PAL ab den 1960er Jahren) auch die Sicherheitstechnologie weiterentwickelt wurde.
Die Lebenserhaltungsprogramme der NNSA dienen bis heute einem ähnlichen Zweck, nämlich die Sicherheit, Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, Funktion und Zertifizierbarkeit der Waffen zu gewährleisten.
Siehe dazu auch der Atomwaffensperrvertrag, der Kernwaffenteststopp-Vertrag, die SALT-Verträge und die START-Abkommen.