Remaklusretabel
nach dem Gründer des Klosters von Stablo benannter romanischer Altaraufsatz des 12. Jahrhunderts
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Das Remaklusretabel war ein nach dem Gründer des Klosters von Stablo, dem Heiligen Remaklus, benannter Altaraufsatz des 12. Jahrhunderts, der ursprünglich einen Schrein für die Reliquien des Heiligen umschloss. Erhalten sind nur Zeichnungen und wenige Fragmente.



Geschichte
Das Retabel wurde wahrscheinlich zwischen 1148 und 1150 in einer maasländischen Werkstatt für die heute nicht mehr existierende Abteikirche von Stablo angefertigt. Auftraggeber war laut einer Inschrift der Abt Wibald von Stablo.
Im ursprünglichen Remaklusschrein wurden nach der Fertigstellung eines neuen Schreins für die Reliquien des Remaklus 1263 die Reliquien eines weiteren Abtes von Stablo, des heiligen Babolenus, untergebracht.
Das Retabel wurde zwischen dem Ende des 17. Jahrhunderts und 1718 zerstört. Erhalten haben sich nur zwei emaillierte Medaillons mit den Personifikationen von „Fides“/Glaube und „Operatio“/Werktätigkeit (im Sinne von Nächstenliebe) sowie zwei Leisten mit Tituli. Letztere befinden sich (wie auch der neuere der beiden Remaklus-Schreine) heute noch in der Kirche Saint-Sébastien in Stavelot. Die beiden Medaillons kamen nach mehreren Eigentümerwechseln in unterschiedliche Sammlungen: Das Fides-Medaillon gelangte 1929 in das Kunstgewerbemuseum in Frankfurt am Main (Inv. Nr. 6710),[1] das Operatio-Medaillon 1978 aus der Sammlung Robert von Hirsch in das Berliner Kunstgewerbemuseum (Inv. Nr. W-1978,56).[2]
Das Retabel lässt sich anhand zweier erhaltener Zeichnungen von kurz vor 1666 detailliert rekonstruieren. Sie wurden 1881 bzw. 2014 im Lütticher Staatsarchiv wieder aufgefunden.[3] Die detailliertere der beiden Zeichnungen war Beweismittel in einem Prozess vor dem Reichskammergericht.[4]
Gestaltung
Anhand der Zeichnungen konnte eine Größe des Retabels von 3,11 × 2,78 m rekonstruiert werden.[5]
Der ursprüngliche Remaklusschrein stand unten in der Mitte des Retabels, in der Nische einer Ädikula. In deren Giebel waren drei Medaillons angebracht, eine mit dem Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Die beiden anderen sind die erhaltenen Medaillons „Fides“ und „Operatio“. Deren Personifikationen sind in hoher Qualität in Grubenschmelztechnik gefertigt.
Zu beiden Seiten der Ädikula zeigten je vier quadratische Bildfelder Szenen aus dem Leben des heiligen Remaklus. Sie wurden jeweils durch metallene Tituli erläutert. Die beiden erhaltenen Tituli beziehen sich auf den Kirchenbau durch Remaklus und auf seinen Tod.
Über den Bildfeldern befindet sich eine mehrfach gegliederte, nach oben durch einen Bogen abgeschlossene Darstellung des Paradieses mit einander überlappenden Viertel-, Halb- und Vollmedaillons mit Christus, Evangelistensymbolen, Personifikationen der Kardinaltugenden und der Paradiesflüsse sowie links und rechts davon Engel, der Baum der Erkenntnis, Propheten und der heilige Remaklus selbst.
Literatur
- Woldemar Harleß, Ernst aus’m Weerth: Der Reliquien- und Ornamentenschatz der Abteikirche zu Stablo. In: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande. Band 46, 1869, S. 135–160 (Digitalisat).
- Ulla Krempel: Das Remaclusretabel in Stavelot und seine künstlerische Nachfolge. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. Folge 3, Band 22, 1971, S. 23–45.
- Wolfgang Kemp: Substanz wird Form – Form ist Beziehung. Zum Remaklus-Altar der Abtei Stavelot. In: Martin Papenbrock (Hrsg.): Kunst und Sozialgeschichte. Festschrift für Jutta Held. Centaurus, Pfaffenweiler 1995, ISBN 978-3-8255-0000-9, S. 219–234 (Digitalisat).
- Susanne Wittekind: Altar – Reliquiar – Retabel. Kunst und Liturgie bei Wibald von Stablo. Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-13102-4, S. 225–301.
- Nicolas Schroeder: Remarques d’historien sur le retable de Saint Remacle. In: Albert Lemeunier, Nicolas Schroeder (Hrsg.): Wibald en questions. Un grand abbé lotharingien du XIIe siècle. Actes du colloque de Stavelot (19–20 novembre 2009). Stavelot 2010, S. 71–76.
- Holger Kempkens: Abt Wibald von Stablo und Corvey und seine Kunststiftungen. In: Holger Kemken, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1425-9, S. 555–569, hier S. 565–567.
- Clemens M. M. Bayer: Die beiden Zeichnungen des untergegangenen Remaklus-Retabels. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, S. 587–590 Kat. Nr. VI.10.
- Holger Kempkens, Katharina Weiler: Medaillons vom Retabel des heiligen Remaklus aus der Abtei Stablo. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, S. 590–594 Kat. Nr. VI.11.
- Clemens M. M. Bayer: Fragmente des untergegangenen Remaklus-Retabels: Zwei metallene Leisten mit Inschriften. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, S. 594–596 Kat. Nr. VI.12.