Renate Bodmer

Schweizer Künstlerin, Kunsterzieherin und Zeichenlehrerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Renate Bodmer (* 28. Dezember 1939 in Zofingen; † 4. Februar 2020 in Winterthur) war eine Schweizer Künstlerin, Kunsterzieherin und Zeichenlehrerin.

Leben

Renate Bodmer wuchs in Thun auf. Dort absolvierte von 1957 bis 1961 am Seminar die Ausbildung zur Primarlehrerin. Von Herbst 1962 bis 1967 arbeitete sie als Primarlehrerin in Burgdorf, danach lehrte sie in Thun, Burgdorf, Herzogenbuchsee und in Bern. Gleichzeitig liess sie sich zur Kunsterzieherin an der Schule für Gestaltung und Kunst in Bern sowie an der Universität Bern ausbilden und schloss mit dem Lehrdiplom für Bildnerische Gestaltung und Kunst ab. Von 1966 bis 1968 besuchte sie die Malklasse von Max von Mühlenen in Bern.[1]

1970 führte Bodmer das Sekretariat der Gesellschaft Schweizerischer Zeichenlehrer (GSZ). In dieser Zeit entstand die Publikation Textiles Handarbeiten des Staatlichen Lehrmittelverlags Bern, in welcher sie Zeichnungen als Illustrationen beisteuerte.[2]

Renate Bodmer zog 1972 nach Berlin, wo sie drei Jahre lang lebte. Dort bildete sie im Auftrag der bundesdeutschen Max-Planck-Gesellschaft Kindergärtnerinnen in Didaktik aus. Bodmer heiratete in Berlin, doch die Ehe war von kurzer Dauer. 1975 kehrte sie in die Schweiz nach Winterthur zurück, wo sie als Lehrerin für Bildnerische Gestaltung und Kunstbetrachtung an der Kantonsschule Im Lee tätig war.[1]

Um 1978 bezog sie gemeinsam mit Bendicht Fivian (1940–1999) ein kleines Atelier an der Oberfeldstrasse in Wülflingen. 1980 zogen sie in das grössere Industrieareal Schleife an der Winterthurer Grüzenstrasse um (ab 1988 Standort der Fotostiftung Schweiz).

Anfang der 1990er Jahre schuf Renate Bodmer die Serie Aufzeichnung. Es handelte sich um grossformatige Zeichnungen, die gemäss Titel einer Kunstkritik von Fritz Billeter im Züritipp von 1993 «den ganz normalen Alltagsschrecken» darstellten.[3]

1994 wurde Renate Bodmer Mitglied der Künstler:innengruppe Winterthur und war bis 2006 deren Revisorin.[4] Als letzte Vertreterin der Künstler:innengruppe amtierte Bodmer im Kunstverein Winterthur. In dieser Zeit setzte sie sich mit ihrer persönlichen Geschichte sowie ihren Erfahrungen als Kind, als Frau und als Künstlerin auseinander. Dabei entstanden Werke, in denen Bodmer die Erinnerungen an ihre Adoleszenz aufarbeitete.[5]

2014 gründete Renate Bodmer zusammen mit Bendicht Fivian und Giampaolo Russo den Salon der Gegenwart. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Bodmer im Winterthurer Alterszentrum «Adlergarten», wo sie am 4. Februar 2020, drei Monate nach Fivian, starb.

Würdigung

Renate Bodmer schuf ihre Werke weitgehend zurückgezogen von der Öffentlichkeit. Sie sprach vor Besuchenden im Atelier nicht von sich aus über ihre Werke. Ob sie im Schatten ihres erfolgreichen Ehemanns Bendicht Fivian stand, wird kontrovers diskutiert.[1] Das Künstlerpaar hinterliess eine umfangreiche Sammlung von Werken. Ein Teil ihrer Arbeiten überführte das Paar bereits 2014 in eine Stiftung. Rund 700 Objekte wurden 2020 in einer öffentlichen Auktion angeboten. Während alle Werke von Fivian verkauft wurden, blieben die meisten Arbeiten von Bodmer unverkauft. Der Winterthurer Architekt und Sammler Ruedi Lattmann und Roger Cottier, beides Freunde des Künstlerpaars, sichteten daraufhin das reichhaltige, eigenwillige Werk Bodmers und machten es im Buch Den Blick schärfen sichtbar. 2024 folgte eine Ausstellung im Kunsthaus Zofingen.[5]

Stipendien

Ausstellungen

Einzelausstellungen

  • 2008: Arbeiten auf Papier, Galerie Atelier Alexander, Winterthur
  • 2020: Aus dem Alltag gefallene Träume, Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg, Zürich
  • 2024: 10 Jahre Salon der Gegenwart. Im Fokus: Renate Bodmer, Kunsthaus Zofingen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

1986 organisierte Renate Bodmer zusammen mit den Berner Künstlerinnen Beatrice Gysin, Eva Haas, Manuela Stähli-Legnazzi eine Ausstellung im Frauenmuseum Bonn.[6] Bodmer beteiligte sich mit grossformatigen Gemälden auf Zirkuszeltplanen, welche sie im selben Jahr für eine Ausstellung im Vebikus Schaffhausen nutzte.

  • 2022: Salon der Gegenwart: Found in translation, Helmhaus Zürich
  • 2021: Salon der Gegenwart, Kammgarn West, Schaffhausen
  • 2016: Renate Bodmer, Bendicht Fivian, Kunstverein Frauenfeld
  • 2013: Dezember-Ausstellung. Focus, Kunstmuseum Winterthur
  • 2007: 90. Dezemberausstellung der Künstlergruppe Winterthur, Kunstmuseum Winterthur
  • 2003: Renate Bodmer / Bendicht Fivian. «Meeting Point», Galerie Links, Duflon & Racz, Bern
  • 1999: 30 ans de jumelage Winterthur – Yverdon-les-Bains, Salle d’Exposition de la Ville d’Yverdon, Yverdon-les-Bains
  • 1998: Spurensuche – Das Bild des Menschen in der Schweizer Gegenwartskunst, Sammlung Vögele Kulturzentrum, Pfäffikon
  • 1997: Winterthurer Künstlerinnen, RW Fine Arts Collection Limited, Winterthur

Einzelnachweise

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