Requiem (Michael Haydn)

Requiem von Michael Haydn From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Requiem in c-Moll (MH 155) ist das erste größere kirchenmusikalische Werk von Michael Haydn. Es entstand Ende 1771 für die Trauerfeierlichkeiten für den Salzburger Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph von Schrattenbach. Es trägt deshalb auch den Titel Missa pro defuncto archiepiscopo Sigismundo und wird landläufig auch als „Schrattenbach-Requiem“ bezeichnet.

Michael Haydn

Geschichte

Erzbischof Sigismund von Schrattenbach war am 16. Dezember 1771 verstorben. Michael Haydn vermerkte in der Partitur den 31. Dezember 1771 als Fertigstellungsdatum, es verblieben ihm also nur rund zwei Wochen für die Komposition. Ob Haydn schon zu Lebzeiten Schrattenbachs mit der Arbeit an dem Werk begonnen hatte, ist nicht bekannt.[1] Die Innigkeit des Werkes ist für mehrere Autoren auch ein Hinweis darauf, dass die Komposition auch noch unter dem Eindruck der persönlichen Trauer entstanden sein könnte: Haydns einziges Kind, Aloisia Josepha, war im Januar 1771 noch vor Vollendung des ersten Lebensjahres gestorben.[2][1][3] Diesen Verlust hatte Haydn zeitgenössischen Aussagen zufolge bis zu seinem Lebensende nie wirklich verschmerzt.[4]

Das Requiem wurde anlässlich der Exequien für Erzbischof Schrattenbach aufgeführt, die am 2., 3. und 4. Januar 1772 im Salzburger Dom stattfanden. An welchem der drei Tage genau es erklang, ist nicht überliefert, vermutlich aber am ersten.[5] Die Aufführung erfolgte durch die Salzburger erzbischöfliche Hofkapelle, was seinerzeit Staatsbegräbnissen vorbehalten war, während für gewöhnliche Requiem-Messen die „Totensinger“, also die Stadtpfarrmusikanten, gemeinsam mit dem Thurnermeister[6] und seinen Gesellen zuständig waren.[5]

Die autographe Partitur Haydns ist erhalten geblieben und befindet sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin.[7]

Werkbeschreibung

Erste Seite von Michael Haydns Requiem, zeitgenössische Partiturabschrift von Nikolaus Lang[8]

Haydns Requiem ist für vier Vokalsolisten, vierstimmigen gemischten Chor (SATB), Trompeten, Posaunen und Pauken, Streicherensemble und Basso continuo gesetzt. Die durchschnittliche Aufführungsdauer der Totenmesse beträgt 35 Minuten.[9]

Das Werk ist wie folgt aufgebaut:

  1. Introitus: Requiem aeternam. Adagio, c-Moll, 4/4
  2. Sequenz: Dies irae Andante maestoso, c-Moll, 3/4
  3. Offertorium: Domine Jesu Christe, g-Moll
    „Rex gloriae“, Andante moderato, 4/4
    „Quam olim Abrahae“, Vivace, alla breve
    „Hostias et preces“ Andante, 4/4
    „Quam olim Abrahae“, Vivace, alla breve
  4. Sanctus: Andante, c-Moll, 3/4
    „Benedictus qui venit ...“, Allegretto, Es-Dur, 3/4
  5. Agnus Dei und Communio, c-Moll
    „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi“ Adagio con moto, 4/4
    „Cum sanctis tuis“, Allegretto, alla breve
    „Requiem aeternam“, Adagio, 4/4
    „Cum sanctis tuis“, Allegretto, alla breve

Einflüsse auf Mozarts Requiem

Nach Aufzeichnungen der Salzburger Hofkapelle haben sowohl der damals fünfzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart als auch sein Vater Leopold, die erst am 15. Dezember 1771, dem Vortag von Schrattenbachs Ableben, von ihrer zweiten Italienreise zurückgekehrt waren, qua ihrer Ämter bei der Uraufführung von Haydns Requiem im Orchester mitgewirkt: Leopold Mozart war Vizekapellmeister, Wolfgang Amadeus dritter Konzertmeister der Kapelle.[10] Der junge Mozart „war von dem Werk beeindruckt und nahm es sich später – wie einige offenkundige Anklänge zeigen – für sein eigenes Requiem zum Vorbild.“[1]

Reinhard G. Pauly, Verfasser einer Dissertation über die lateinischen Messen von Michael Haydn, hat auf Ähnlichkeiten der beiden Totenmessen hingewiesen, die Material für einen „faszinierenden Vergleich“ böten. Dazu zählt er unter anderem die imitatorische Ausgestaltung des Introitus, den Psalmton in Te decet hymnus, die Rhythmik bei Quantus tremor und Confutatis maledictis innerhalb des Dies irae und das Fugenthema des Quam olim Abrahae.[11]

Literatur

  • Gerhard Croll, Kurt Vössing: Johann Michael Haydn. Sein Leben – sein Schaffen – seine Zeit. Neff, Wien 1987, ISBN 3-7014-0243-4.
  • Selke Harten-Strehk: Requiem c-Moll WV 155 (»Schrattenbach-Requiem«). In: Hans Gebhard (Hrsg.): Harenberg Chormusikführer. 2. Auflage. Harenberg, Dortmund 2001, ISBN 3-611-00817-6, S. 424 f.
  • Werner Oehlmann, Alexander Wagner: Reclams Chormusik- und Oratorienführer. 7. Auflage. Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-010450-5, S. 233–236.
  • Angela Pachovsky: Missa pro defuncto archiepiscopo Sigismundo (c-Moll). „Schrattenbach-Requiem“. In: Silke Leopold, Ullrich Scheideler (Hrsg.): Oratorienführer. Bärenreiter, Kassel / Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-00977-7, S. 330–331.
  • Michael Wersin: Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-010569-2, S. 236 f.

Einzelnachweise

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