Ricardo Paras
philippinischer Jurist und Politiker, Abgeordneter und Präsident des Obersten Gerichtshofes
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Ricardo Parás y Mercader Jr. (* 17. Februar 1891 in Boac, Marinduque, Generalkapitanat der Philippinen; † 10. Oktober 1984 in Manila) war ein philippinischer Jurist und Politiker, der unter anderem zwischen 1919 und 1922 Mitglied der Legislative sowie von 1951 bis 1961 Präsident des Obersten Gerichtshofes der Philippinen war.

Leben

Ricardo Parás y Mercader Jr. begann nach dem Besuch der Manila High School 1909 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität der Philippinen, das er 1913 mit einem Bachelor of Laws (LL.B.) beendete, und belegte im selben Jahr (hinter dem späteren Präsidenten Manuel Roxas[1]) den zweiten Platz bei der Anwaltsprüfung (Bar Exam). Im Anschluss war er als Rechtsanwalt in der Anwaltskanzlei „Ross and Lawrence Law Firm“ tätig und wurde am 3. Juni 1919 als Nachfolger von Gregorio Nieva Mitglied des Legislative (Philippine Legislative) und vertrat in diesem in der fünften Legislaturperiode bis zu seiner Ablösung durch Rafael R. Vilar am 6. Juni 1919 den Wahlkreis „Tayabas 2nd District“. Nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament und nach einer erneuten anwaltlichen Tätigkeit wurde er 1924 zum Richter an dem für die Provinzen Samar, Ilocos Sur, Abra und Pangasinan zuständigen Gericht der Ersten Instanz CFI (Court of First Instance) ernannt.[2][3]
Am 5. Februar 1936 wurde Paras zum Beigeordneten Richter auf einen neu geschaffenen Posten am Berufungsgericht (Court of Appeals of the Philippines) ernannt und hatte diese Funktion bis zum 24. Juni 1940 inne, woraufhin Jose P. Melencio seine Nachfolge antrat. Er selbst übernahm daraufhin am 24. Juni 1940 von Antonio Horilleno den Posten als Vorsitzender Richter (Presiding Justice) des Berufungsgerichts und hatte dieses Amt bis zum 28. Dezember 1941, ehe Jose G. Generoso am 24. Februar 1942 neuer Vorsitzender Richter wurde. Darauf erfolgte am 28. Dezember 1941 durch von Präsident Manuel Quezon[4] seine Ernennung zum Beigeordneten Richter am Obersten Gerichtshof der Philippinen und hatte dieses Richteramt bis zum 2. April 1951 inne.[5][6] Während der japanischen Besatzung der Philippinen war er Mitglied der Kriegsjustiz (Wartime judiciary).
Im Anschluss wurde Ricardo Paras am 2. April 1951 von Präsident Elpidio Quirino[7] zum achten Chief Justice of the Philippines ernannt und übernahm damit von Manuel Moran[8] das Amt des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes. Er bekleidete diese Funktion bis zum 17. Februar 1961 und wurde daraufhin von Cesar Bengzon[9] abgelöst.[10][11] In der Nachkriegszeit setzte er sich zur Aufrechterhaltung der Effizienz des Gerichts für den Abbau des Fallrückstands ein und förderte eine zügige Rechtsprechung und Beratung der Fälle. Während seiner Amtszeit als Chief Justice kam es zur Entscheidung im „People of the Philippines v. Hernandez“ (G.R No. L-6025 et al.), ein wegweisendes Urteil, in dem entschieden wurde, dass das Verbrechen der Rebellion gemäß dem überarbeiteten Strafgesetzbuch der Philippinen (Revised Penal Code) als ein einziges Vergehen geahndet wird und nicht zu einem komplexen Verbrechen gemacht werden kann. Obwohl die Entscheidung auf einer fast gespaltenen Meinung beruhte, wurde sie dennoch zu einer festen Doktrin in der philippinischen Rechtsprechung. Dabei beschuldigte Richter Sabino Padilla, der Bruder des Generalstaatsanwalts war und die Regierung vertrat, während der Beratungen den Obersten Richter Paras öffentlich der Voreingenommenheit gegenüber der Regierung und der parteiischen Fragen während der mündlichen Verhandlung.[12]
Sein Sohn Edgardo L. Paras war zwischen 1986 und 1992 ebenfalls Richter am Obersten Gerichtshof der Philippinen.
Literatur
- Isagani A. Cruz, Cynthia Cruz-Datu: Res Gestae. A Brief History of the Supreme Court, Rex Book Store, Manila 2000
Weblinks
- Chief Justice Ricardo M. Paras. Oberster Gerichtshof der Philippinen, abgerufen am 18. November 2025 (englisch).