Richard Ewert
deutscher Botaniker, Imker und Bienenwissenschaftler
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Richard Ewert (* 23. Februar 1867 in Greifswald; † 25. Juli 1945 in Berlin) war ein deutscher Botaniker, Imker und Bienenkundler. Er befasste sich vor allem mit zahlreichen Aspekten des Obstbaus.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Ewert kam 1867 in der norddeutschen Stadt Greifswald zur Welt, die damals zur Provinz Pommern des Königreiches Preußen gehörte. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Gärtner, legte erst später sein Abitur ab[1] und studierte dann in seiner Heimatstadt sowie in Freiburg Naturwissenschaften mit Hauptfach Botanik.[2] Schließlich wurde er am 5. März 1897 mit einer organisch-chemischen Dissertation promoviert.[3]
Berufliche Karriere
Seinen Einstieg ins Berufsleben fand Ewert nach dem Studium, als er eine Anstellung an der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Möckern (Königreich Sachsen) unter Oskar Kellner[2] erhielt. Dort war er von März bis November 1897 tätig.[4] Anschließend wechselte er an die pflanzenphysiologische Versuchsstation des Königlichen Pomologischen Instituts in Proskau (Provinz Schlesien). Lediglich zwei Jahre später übernahm er 1899 an dieser Station die Leitung der botanischen Abteilung.[2][5] Gleichzeitig wurde er damit auch Oberlehrer für Naturwissenschaften[4] und nahm am Institut Lehraufträge wahr.[2]
Nachdem das Proskauer Institut – inzwischen bekannt als Höhere Staatliche Lehranstalt für Obst- und Gartenbau – 1924 aufgrund staatlicher Einsparungen schließen musste, wurde Ewert im Alter von 57 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.[3][1] Er zog jedoch nach Landsberg an der Warthe (Provinz Brandenburg) und setzte an der dortigen Preußischen Landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalt seine Forschungen im Rang eines Professors[2] noch bis in die 1940er Jahre fort.[1]
Wissenschaftliches Wirken
Entsprechend seines Arbeitsplatzes in Proskau publizierte Ewert zahlreiche Fachartikel zum Obstbau. Hierbei lagen seine Interessenschwerpunkte auf Blütenbiologie und Blütenphysiologie, auf Pflanzenschutz, auf der potentiellen Schadwirkung von Abgasen und Zementstaub[3] sowie auf gärtnerischen und landwirtschaftlichen Samenpflanzen.[2] Infolge der Nahrungsmittelengpässe während des Ersten Weltkrieges wandte er sich während dieser Zeit zwecks Versorgung seiner Familie der Imkerei zu. Während der darauffolgenden Jahrzehnte beschäftigte er sich intensiv mit der Rolle der Bienen bei Bestäubung und Befruchtung der Blütenpflanzen[2] und wurde einer der angesehensten Bienenkundler Deutschlands. Fast zweieinhalb Jahrzehnte nach Ewerts Tod urteilte das Imkerfachmagazin Die Biene 1968, dass „noch heute [...] ohne seine Forschungsergebnisse in Praxis und Wissenschaft nicht auszukommen [ist], die sich auf den weiten Bogen vom Buchweizen über Raps und Rotklee bis zum Obstbau beziehen.“[1] Dass Ewerts wissenschaftliche Leistungen auch schon zu Lebzeiten hoch geschätzt wurden, zeigt sich unter anderem daran, dass er in den 1910er Jahren Mitglied des Beirates für Fragen der Land- und Forstwirtschaft der in Dahlem (Provinz Brandenburg) ansässigen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft war.[5]
Publikationen (Auswahl)
- Die Parthenokarpie oder Jungfernfrüchtigkeit der Obstbäume und ihre Bedeutung für den Obstbau. Eine Anleitung zur Erzielung kernloser Früchte nach einem einfachen Verfahren. Paul Parey Verlagsbuchhandlung, 1907, 57 Seiten.
- Blühen und Fruchten der insektenblütigen Garten- und Feldfrüchte unter dem Einfluß der Bienenzucht. Verlag von J. Neumann, 1929, 150 Seiten.
- Die Nektarien in ihrer Bedeutung für Bienenzucht und Landwirtschaft. Verlag Leipziger Bienenzeitung, 1932, 95 Seiten.
- Die Honigbiene als wichtigste Gehilfin im Frucht- und Samenbau. Verlag Leipziger Bienenzeitung, 1939, 48 Seiten.
- Das Honigen unserer Obstgewächse. Verlag Leipziger Bienenzeitung, 1941, 48 Seiten.
Beiträge zu Sammelwerken
- Bodenvergiftung durch die Abgase der Zinkhütten. In: Königlich Pomologisches Institut (Hrsg.): Bericht der Höheren Staatlichen Lehranstalt für Obst- und Gartenbau zu Proskau für die Rechnungsjahre 1918/19. Paul Parey Verlagsbuchhandlung, 1921, Seiten 82–83.
Fachaufsätze
- Der wechselseitige Einfluss des Lichtes und der Kupferkalkbrühen auf den Stoffwechsel der Pflanze. In: Landwirtschaftliches Jahrbuch. Band 34, 1905, Seiten 233–310.
- Blütenbiologie und Tragbarkeit unserer Obstbäume. In: Landwirtschaftliches Jahrbuch. Band 35, 1906, Seiten 259–287.
- Neuere Untersuchungen über Parthenokarpie bei Obstbäumen und einigen anderen fruchttragenden Gewächsen. In: Landwirtschaftliches Jahrbuch. Band 38, 1909, Seiten 767–839.
- Parthenokarpie bei der Stachelbeere. In: Landwirtschaftliches Jahrbuch. Band 39, 1910, Seiten 463–470.
- Die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Organe der Obstblüte insonderheit des Blütenpollens gegen Frost. In: Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten. Band 20, № 2, 1910, Seiten 65–76.
- Verschiedene Überwinterung der Monilien des Kern- und Steinobstes und ihre biologische Bedeutung. In: Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten. Band 22, № 2, 1912, Seiten 65–86.
- Rauchkranke Böden. In: Angewandte Botanik. Band 6, 1924, Seiten 97–104.
- Der mittelbare Nutzen der Honigbiene in der Landwirtschaft und im Gartenbau. In: Deutscher Imkerführer. Band 14, № 10, 1941, Seiten 146–148.
- Eigene Erfahrungen über die Fruchtbarkeit diploider und triploider Apfelsorten. In: Deutscher Obstbau. Band 57, Heft 5, 1942, Seiten 81–83.