Richard Hasper
deutscher klassischer Philologe, evangelischer Pädagoge und Autor
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Richard Hasper (* 13. Mai 1834 in Wittenberg; † 2. August 1898 in Innsbruck) war ein deutscher klassischer Philologe, evangelischer Pädagoge und Autor. Er erlangte Bedeutung als langjähriger Leiter des Evangelischen Schulvereins sowie durch seine exegetischen Arbeiten zu Horaz und den Paulusbriefen.[1][2]
Leben
Richard Hasper wurde am 13. Mai (laut Trauregister 13. April) 1834 in Wittenberg als Sohn des Landgerichtssekretärs Franz Hasper und dessen Frau Caroline (geb. Mitschke) geboren. 1852 begann er im Alter von 18 Jahren ein Studium der klassischen Philologie an der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg, welches er mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss.[3] Er wurde aktiv im Corps Neoborussia Halle, in welches er am 5. Februar 1853 recipiert wurde.[4] In seiner Zeit dort wirkte er als Protokollführer und focht zwei Partien.
Seine berufliche Laufbahn im höheren Schuldienst begann Hasper in Naumburg (Saale). Ab dem 6. Oktober war er Ordinarius der Sexta in Naumburg und legte im Mai 1857 sein Oberlehrerexamen ab. Ab 1858 arbeitete er als Lehrer (Candidat) am Domgymnasium Naumburg[5] und leitete dort unter anderem die Vorbereitungsklasse.[6] In dieser frühen Phase unterrichtete er zudem Fächer wie Religion, Latein und Griechisch in den unteren Klassen.[7]
Wirken in Mühlhausen und im Schulverein
Um das Jahr 1859 wurde Hasper als Konrektor nach Mühlhausen/Thüringen berufen.[8] Nach dem Tod des Vereinsgründers Theodor von Thrämer im selben Jahr[9] übernahm Hasper im September 1860 die verantwortungsvolle Position des „Ordners“ (Leiters) des evangelischen Schulvereins.[3][10] In dieser Funktion leitete er den Gesamtverein, koordinierte die Arbeit der verschiedenen wissenschaftlichen Sektionen und gab den gedruckten Vereinsbriefwechsel heraus. Er setzte sich intensiv für eine Pädagogik ein, die auf einer „schriftgemäßen Seelenlehre“[11] und der Erkenntnis eines „Sonderberufs des deutschen Volkes“ basierte.[12]
Am 2. April 1861 heiratete er in Magdeburg Wilhelmine Sophie Wolthat.
Späteres Wirken
Hasper kehrte später nach Naumburg zurück, wo er am Domgymnasium ab 1881 als Oberlehrer und schließlich als Prorektor wirkte.[13] Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand blieb er als Prorektor a. D. wissenschaftlich und gesellschaftlich in Naumburg aktiv.[13] Er pflegte Kontakte zum Umfeld von Friedrich Nietzsche, den er während seiner Schulzeit in Naumburg unterrichtete.[14][15]
Am 25. Mai 1889 wurde Hasper der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen.[16]
Am 2. August 1898 starb Hasper im Alter von 64 Jahren in Innsbruck.
Werk
Haspers Werk zeichnet sich durch die Verbindung von philologischer Akribie und theologischer Zielsetzung aus:
- Horaz-Forschung: Er galt als Experte für die horazischen Episteln. Seine Abhandlung zur siebenten Epistel des ersten Buches (1874) wurde für ihre „fließende und doch treue“ Übersetzung und die fundierte Verteidigung der handschriftlichen Überlieferung gelobt.[17][18]
- Biblische Exegese: Für den Schulgebrauch verfasste er griechische Urtext-Erklärungen zum Galaterbrief (1861)[19] und zum Epheserbrief (1862).[20]
- Sprachwissenschaftliche Pädagogik: Innerhalb des Schulvereins vertrat er die „historische Schule“ der Grammatik nach Jacob Grimm[21] und wandte sich entschieden gegen rein logisch-abstrakte Unterrichtsmodelle.[22]
Schriften (Auswahl)
- Quaestionum Horatianarum particula. Naumburg 1858
- Pauli Brief an die Galater. Im Urtext zunächst für den Schulgebrauch erklärt. Leipzig 1861
- Pauli Brief an die Epheser. Im Urtext zunächst für den Schulgebrauch erklärt. Leipzig 1862
- Ueber Göthe’s Torquato Tasso. Mühlhausen 1862
- Die siebente Epistel im ersten Buche des Horaz. Naumburg 1874