Ringreiten
Pferdesport
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Ringreiten bzw. Ringstechen ist ein Pferdesport, bei dem der Reiter einen kleinen Ring im Galopp, üblicherweise der Karriere, mit einer Lanze oder einem Ringstecher aufspießen muss. Es entwickelte sich im Zuge des Wechsels von der ritterlichen Tradition der Scharfrennen zur höfischen Reitkunst ab 1549, insbesondere im Zuge der Dresdner Inventionen,[1] höfischer Schaufeste. Herausragender Ausübungsort war der Dresdner Stallhof (älteste erhaltene Ringstechbahn, 1586).
Heutiges Ringreiten
Heute ist das Ringstechen fester Bestandteil von Wettbewerben wie etwa der Working-Equitation.
Als aristokratisch-höfische Tradition der Renaissance wird das Ringstechen auch heute noch bei Umzügen und Festen vorgeführt.
In vielen Orten in den ländlichen Regionen Norddeutschlands finden noch immer jährlich Turniere mit Festumzügen statt. Gewinner bzw. Ringkönig wird, wer die meisten Ringe sticht. Um diese zu erlangen, müssen die Reiter im Galopp unter dem Galgen hindurch reiten, an dem der Ring mit einem Magneten an einem über der Bahn gespannten Band befestigt ist, um diesen mit ihren zwischen 50 und 160 cm langen Lanzen aufzuspießen. Im Bereich des einstigen Amt Stapelholm in Schleswig-Holstein wird statt der Lanze ein sogenannter Stecher verwendet (siehe Bild Kinderringreiten in Wohlde). Anfänglich haben alle 24 im Spiel befindlichen Ringe einen Durchmesser von 22 mm, der sich im Verlaufe des Wettkampfs bis auf 6 mm verkleinert. Der Reiter, der letztlich die meisten Ringe aufspießen kann, wird zum König ausgerufen. Der schlechteste Teilnehmer erhält in vielen Fällen den Titel Blindstecher (ähnlich dem Pudel beim Kegeln).
Ringreiten ist hauptsächlich im nördlichen Norddeutschland und im südlichen Dänemark (Nordschleswig) verbreitet, daneben aber auch auf der niederländischen Halbinsel Walcheren. Die größten Ringreiterfeste finden in Aabenraa (Apenrade), einer Hafenstadt Südjütlands, und auf der Insel Alsen jährlich zwischen Mai und August statt. Auf der Insel hat jeder Ort seine eigene Veranstaltung. Hier kämpfen teilweise über 1.000 Teilnehmer um den Titel des Königs und nehmen anschließend am traditionellen abendlichen Ringreiteressen, mit einer speziellen Ringreiterwurst, teil. Eingeleitet wird das Fest von einem festlichen Umzug und umrahmt von einem mehr oder minder ausgedehnten Volksfest mit Bierzelt, Fahrbetrieben und einem Programm für Jung und Alt.
Das Ringreiten kann auch als Mannschaftssport durchgeführt werden. In diesem Fall werden die Punkte der Mannschaftsmitglieder zum Mannschaftsergebnis zusammengezählt.
In Braunschweig (z. B. am Hohen Tore[2]) sowie im Braunschweiger Land (etwa in Hondelage[3], Querum[3], Rühme und Schapen[4]) und angrenzenden Gebieten und Ortschaften wie Bortfeld[5], Hornburg[6] und Lagesbüttel[7] wird dies auch Fahnenjagen genannt.
Der US-Bundesstaat Maryland hat das sogenannte Ring Jousting, ebenfalls eine Version des Ringreiten, als offiziellen Sport des Bundesstaats festgelegt.[8]
- Ringreiten in Oevenum, Nordfriesland
- Ringreiten in Sonderburg, Dänemark
- Ringreiter in Epenwöhrden, Dithmarschen
- Kinderringreiten in Wohlde, Kreis Schleswig-Flensburg
- Ringreiten in Maryland, Vereinigte Staaten
Das aristokratische Ringstechen in der Renaissance


Das Ringstechen entstand aus einer mittelalterlichen Knappenübung zur Vorbereitung auf den Kampf und auf das gefährliche Tjosten der Ritter. Die Knappenübung konnte dabei auch ohne Pferd erfolgen, bei der auf Drehscheibe sitzend ein handtellergroßer Ring mit der Lanze bzw. dem Rennspieß anvisiert wurde.
Ab der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken im Jahr 1453, bei der Kanonen zum Einsatz kamen, wurde der geharnischte Ritter (der wie ein Panzer zum Reihenbrechen diente) zunehmend überflüssig. Im Schlachtfeld ersetzte die Reitkunst daher die ritterliche Reitweise.
Da diese völlig andere Pferde nutzt, wurde das Scharfrennen nach und nach abgeschafft. Als man keine - stur geradeaus gehenden - Ritterpferde mehr hatte, musste man das Ringreiten erfinden. Das Ringreiten imitiert das Ritterturnier. Man zielt mit einer Lanze auf einen kleinen Fleck, aber man vermeidet die Kollision. Das Ringstechen wurde sodann mit Paraden, wie den legendären Dresdner Inventionen, und Hohe Schule-Lektionen begleitet (das Pferd kabrioliert, geht in Pesade, spanischen Schritt etc.).
Weitere Nahkampfübungen zu Pferd waren etwa die Quitanrennen, wie die heute noch durchgeführte Quintana von Ascoli Piceno, oder Kopfrennen.
Von seinem Besuch in Indien berichtet 1333 der mittelalterliche Weltreisende Ibn Battuta, dass Reitersoldaten in einem Einstellungstest vom galoppierenden Pferd mit einer Lanze einen aufgehängten Ring erfolgreich aufnehmen mussten.[9]
Gebäude
Der älteste und vielleicht erste Ringstechhof der Renaissance befindet sich im Dresdner Stallhof, vor dem Kurfürstlichen Stall (Johanneum), dem ersten Museum der Neuzeit.[10]