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Robert Hubert (Uhrmacher)

französischer Uhrmacher From Wikipedia, the free encyclopedia

Robert Hubert (* 1640; † 27. Oktober 1666) war ein französischer Uhrmacher. Er wurde hingerichtet, nachdem er ein falsches Geständnis abgelegt hatte, den Großen Brand von London gelegt zu haben.

Darstellung Huberts in der Pyrotechnica Loyalana (1667), in der er vor dem Galgen von einem Jesuiten eine Brandbombe erhält.[1]

Großer Brand von London

Am 2. September 1666 brach in der Pudding Lane in der Bäckerei von Thomas Farriner ein Brand aus, der rasch außer Kontrolle geriet und bis zum 6. September als Großer Brand von London über drei Viertel der City of London zerstörte. Der Uhrmacher Robert Hubert, ein Franzose, der an einer geistigen Behinderung litt, wurde wie andere Ausländer auch von einem wütenden Mob aufgegriffen.[2]

Hubert legte ein Geständnis ab, wonach er in Westminster ein Feuer gelegt habe.[3] Diese Geschichte erwies sich als unglaubwürdig, und er änderte sein Geständnis, als er erfuhr, dass das Feuer Westminster gar nicht erreicht hatte.[4] Nachdem entsprechende Hinweise zu ihm gelangt waren, dass das Feuer in der Pudding Lane im Haus des Bäckers Thomas Farriner ausgebrochen war, behauptete er, dort eine selbstgebaute Brandbombe durch ein offenes Fenster geworfen zu haben. Er gab an, mit Komplizen gehandelt zu haben, die die Wasserhähne abgestellt hätten, um die Löscharbeiten zu sabotieren. Huberts angebliches Motiv war offenbar, dass er ein französischer Spion und ein Agent des Papstes sei.[5]

Prozess und Hinrichtung

Huberts Geständnisse wirkten nie überzeugend. Dass er seine Geschichte nachträglich den Tatsachen anpasste, war jedoch nicht der einzige Grund. Hubert war zum Zeitpunkt des Brandausbruchs gar nicht in London gewesen, denn er erreichte die Stadt erst zwei Tage später.[3] Dass er sich zum Zeitpunkt des Brandausbruchs nicht mal in England befand, ist ebenso unbestritten wie die Aussage des Kapitäns des schwedischen Schiffs Maid of Stockholm[6] Jahre später, der Hubert zwei Tage nach dem Brand an Land gebracht hatte.[7] Da Hubert Farriners Bäckerei nie gesehen hatte, konnte er auch nicht wissen, dass sie gar keine Fenster hatte. Außerdem wurde er als so schwer behindert eingestuft, dass es ihm unmöglich gewesen wäre, die behauptete Bombe zu werfen.[8]

Huberts Geständnis wird oft auf geistige Beschränktheit zurückgeführt, auf die Unfähigkeit zu verstehen, was er tat. Eine Quelle behauptet jedoch, das Geständnis sei „wahrscheinlich durch eine extreme Form der Folter“ erzwungen worden.[7] Wie die London Gazette nahelegt, schrieben manche das Unglück dem Zufall zu:

[…] ungeachtet dieses Verdachts lässt uns die Art und Weise, wie das Feuer sich entlang eines Zuges ausbreitete und von starken Winden auf seinem gesamten Weg vorwärtsgetrieben wurde, den Schluss ziehen, dass das Ganze die Folge eines unglücklichen Zufalls war, oder besser gesagt, die schwere Hand Gottes, die wegen unserer Sünden auf uns lastete […][9]

Trotz der vielen offensichtlichen Mängel und Unmöglichkeiten in Huberts Geständnis wurde ein Sündenbock benötigt. Sogar König Karl II. wurde verdächtigt, das Feuer inszeniert zu haben, um die Londoner Bevölkerung für die Hinrichtung seines Vaters zu bestrafen.[10] Der Nationalismus war im Zweiten Englisch-Niederländischen Krieg stark ausgeprägt, und viele Ausländer – Niederländer, Franzosen, Spanier, Iren – gerieten unter Verdacht,[11] wie die London Gazette nahelegte:

[…] Fremde, Niederländer und Franzosen, wurden während des Brandes festgenommen, da der Verdacht bestand, dass sie vorsätzlich dazu beigetragen hatten. Sie befinden sich alle in Haft, und es wird eine strenge Untersuchung vorbereitet. […][9]

Auch Katholiken standen unter Verdacht, und die Anschuldigung waren derart schwerwiegend, dass sie 1668 auf dem Monument an den Großen Brand angebracht wurden, auf dem (mit kurzen Unterbrechungen) bis 1830 zu lesen war:

[…] die schrecklichste Zerstörung dieser Stadt; begonnen und fortgesetzt durch den Verrat und die Bosheit der päpstlichen Fraktion.[12]

Auf Hubert trafen alle genannten Eigenschaften zu, und er wurde im Old Bailey zum Tod verurteilt.

Trotz der Widersprüchlichkeit seiner Aussage und der öffentlichen Meinung stand die Familie Farriner, in deren Bäckerei das Feuer ausgebrochen war, naturgemäß unter Druck – sie musste nachweisen, dass ihre Öfen ordnungsgemäß gelöscht worden waren. Drei Familienmitglieder sagten vor Gericht aus.[4] Farriner gab an, nach Mitternacht Folgendes getan zu haben:

Ich durchsuchte jeden Raum und fand kein Feuer, außer in einem Kamin, dessen Boden mit Ziegeln gepflastert war. Dort schaufelte ich fleißig Glut heraus. […] Kein Fenster und keine Tür konnten durch den Wind die Glut stören, und es war eindeutig, dass das Feuer absichtlich gelegt worden war.[…][11]

Nur wenige der Geschworenen hielten Hubert für schuldig. Ein zeitgenössischer Bericht besagt, dass er „nur aufgrund seines eigenen Geständnisses angeklagt wurde; dennoch glaubten weder die Richter noch irgendjemand im Prozess an seine Schuld, sondern hielten ihn für einen armen, verwirrten Mann, der seines Lebens müde war und sich auf diese Weise das Leben nehmen wollte.“ Die Geschworenen erklärten, er habe „keine Gottesfurcht, sondern sei vom Teufel verführt worden.“[13] Hubert wurde am 27. Oktober 1666 in Tyburn erhängt. Als man seinen Leichnam der Company of Barber-Surgeons zur Obduktion übergab, wurde er von einer Menge Londoner zerrissen.[14]

Man hoffte, mit Huberts Tod würden auch die Gerüchte um Verschwörungen und Intrigen ein Ende finden. Nachdem 1667 die Aufregung zurückgegangen war, schrieb man dem Brand offiziell „Gottes Fügung, einem starken Wind und einer sehr trockenen Jahreszeit“ zu.[11] Eine Quelle führt den Unfall auf einen Funken zurück, der in Farriners Bäckerei auf einen Strohballen fiel.[7] Viele vermuten, dass der Funke aus dem Ofen der Bäckerei stammte.[11]

Commons: Robert Hubert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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