Robert Runeberg
finnischer Ingenieur
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Jakob Robert Runeberg (* 7. März 1846 in Porvoo; † 13. Oktober 1919 in Helsinki) war ein bedeutender finnlandschwedischer Schiffbauingenieur, Unternehmer und ein Pionier in der Entwicklung von Eisbrechern.

Herkunft und Ausbildung
Robert Runeberg war ein Sohn des finnischen Nationaldichters Johan Ludvig Runeberg (1804–1877) und der Schriftstellerin Fredrika Charlotta Runeberg (1807–1979).
Nach seiner Schulzeit am Porvooer Gymnasium begann der sechzehnjährige Robert Runeberg 1862 ein Studium an der Technischen Hochschule in Helsinki in der Abteilung für Maschinenbau an der Technischen Fakultät, das er 1867 erfolgreich abschloss.[1]
Im selben Jahr gewährte ihm der Senat einen zweijährigen Aufenthalt in England, um seine praktischen Fähigkeiten im Maschinenbau zu vertiefen. Von 1867 bis 1870 arbeitete Runeberg in der C. M. Palmers Werft in Newcastle upon Tyne, wo er zum Konstrukteur ausgebildet wurde. Von 1870 bis 1872 war er als Leitender Konstrukteur in der mechanischen Werkstatt in Wiborg beschäftigt.
Im Jahr 1870 beantragte Runeberg ein Reisestipendium für die Jahre 1873–1874 und erhielt die Genehmigung, um den Mangel an finnischen Schiffskonstrukteuren zu beheben. Seine Absicht war es, eine Zulassung zum Royal Naval College in Greenwich zu erhalten. Dort fanden die Kurse im Jahr 1873 mit dem Schwerpunkt auf Dampfmaschinen statt, weshalb er stattdessen von 1873 bis 1874 in Cherbourg studierte. Vor und nach seinem Studium praktizierte er in Marseille und Le Havre.[1]
Wichtige Leistungen
Dampfschiff Express
Im Jahr 1877 entwarf Runeberg Finnlands erstes eisverstärktes Dampfschiff, die Express, das einen regelmäßigen Winterverkehr auf der Route Hanko–Stockholm möglich machte, und erhielt daher den Beinamen „Vater der Winterschifffahrt“.[2]
Bureau Vega
Im Jahr 1879 Jahre ließ sich Runeberg in Sankt Petersburg als technischer Berater nieder und gründete dort 1881 sein eigenes Ingenieurbüro, das Bureau Vega, ein technisches Beratungs- und Agenturbüro für die finnische Industrie. Seine Firma lieferte Pflastersteine aus Finnland und finnische Industrieprodukte, darunter 140 Boote und Schiffe sowie Lokomobilen, landwirtschaftliche Geräte, Verbrennungsmotoren usw. nach Russland.
Das Büro war bis zur Revolution 1918 tätig und hatte eine Personalstärke von 10 bis 20 Personen. Es arbeiteten dort auch mehrere Familienmitglieder Runebergs, unter anderem sein Sohn, der Maschinenbauingenieur Tom Runeberg (1885–1984). Dieser hatte eine deutsche Schule in St. Petersburg besucht, in Helsinki studiert und bei Vega und Nobel gearbeitet. Der Name Vega war ein Ausdruck von Robert Runebergs lebenslanger Freundschaft mit dem Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld (1832–1901).[1]
Runebergs Firma Vega hatte breit gefächerte Geschäftsfelder. Die Agentur betrieb u. a. einen Dampfschiffsverkehr auf dem Fluss Newa und den Kanälen, befestigte und asphaltierte Straßen nach eigener Methode, verkaufte Dampfmaschinen, Turbinen, Lokomobilen und landwirtschaftliche Maschinen, darunter eine große Anzahl von Eggen aus Finnland, und hatte Agenturen für mehrere finnische Unternehmen.[1]
Konstrukteur von Eisbrechern
Robert Runeberg avancierte Ende des 19. Jahrhunderts zum führenden Konstrukteur von Eisbrechern in den nordischen Ländern, da er auch über das notwendige theoretische Verständnis für Eisbrecher verfügte. Unter anderem berechnete er die optimale Form und Motorleistung eines Eisbrechers, lange bevor diese Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt wurden.[2]
Runeberg-Steven
Er entwickelte den „Runeberg-Steven“, eine schiffbauliche Bezeichnung für eine spezielle Form des Vorstevens, die besonders bei älteren Eisbrechern und für die Eisfahrt tauglichen Schiffen verwendet wurde. Der Runeberg-Steven bewirkt, dass sich das Schiff nicht mehr nur – wie bei den früher gebauten Eisbrechern mit Löffelbug – mit seinem Rumpf auf das Eis schiebt und es nur durch sein Gewicht zerdrückt. Beim Runeberg-Steven zerteilt vielmehr eine Schneidspante das Eis, das dann seitlich abgebrochen wird. Diese Stevenform hat die weitere Entwicklung des Eisbrecherbaus maßgeblich beeinflusst.
Der Dampfeisbrecher Stettin war 1933 das erste deutsche Schiff, das mit dieser damals neuartigen finnischen Entwicklung ausgestattet wurde.
Flugboot mit Dampfmaschine als Antrieb
Runeberg entwarf Schiffe und Dampfmaschinen und konstruierte 1879, während seines Aufenthalts in Wiborg, ein Flugboot mit einer 15 PS starken Dampfmaschine. Trotz mehrerer Versuche gelang es Runeberg jedoch aufgrund der geringen Leistung der Dampfmaschine nicht, mit diesem Fluggerät zu fliegen.[2]
Forschungsreise Angara
Im Jahr 1883 unternahm Runeberg eine lange Forschungsreise im Auftrag des Kaufmanns Alexander Michailowitsch Sibirjakow (1849–1933), der ebenfalls zur Finanzierung der Nordenskiöld-Expedition 1878/79 mit dem Auxiliarsegler Vega durch die Nordostpassage beigetragen hatte. Runeberg erforschte den Fluss Angara über eine Länge von 1700 Werst (1813 km) von Irkutsk bis zum Jenissei, um herauszufinden, ob der Fluss mit seinen rauen, aber recht flachen Stromschnellen für Dampfschiffe befahrbar war. Er entwarf auch Pläne für einen Dampfer, der die Stromschnellen bewältigen konnte.[1]
Weltausstellungen
Runeberg arbeitete auch als Ausstellungsbeauftragter. Der erste Kontakt war die Weltausstellung 1873 in Wien. Im Jahr 1876 arbeitete er zusammen mit dem Hersteller A.W. Wahren als Kommissar auf der Industrieausstellung in Helsinki und stand zusammen mit Julius Lindfors an vorderster Front für Finnlands Teilnahme an der Moskauer Kunst- und Industrieausstellung im Jahr 1882.
Runeberg war finnischer Kommissar bei den Weltausstellungen in Paris 1878 und 1900. Er sah Weltausstellungen als Chance, Finnland bekannt zu machen, obwohl Finnland 1878 keinen eigenen Pavillon erhielt. Er erreichte zusammen mit seinem Assistenten Jacob Ahrenberg, dass die Objekte aus Finnland in separaten Gruppen ausgestellt und in einer separaten Gruppe gemeldet wurden. Bei der Weltausstellung Paris 1900 wurde die Ausstellung für Finnland durch den berühmten finnischen Pavillon zu einem großen Erfolg.[1]
Politische Positionen
Politisch nahm Runeberg eine schwedische Position ein und war mäßig konstitutionell. Er stand Leo Mechelin, dem Gründer der kurzlebigen Liberalen Partei und Führungspersönlichkeit des Verfassungskampfes, nahe und war an den Gründungsversuchen beteiligt, eine halboffizielle russischsprachige Wochenzeitschrift in St. Petersburg zur Förderung der Position Finnlands zu etablieren. Die Absicht war, dass Runeberg als Verleger fungierte, aber der Publikation wurde keine Drucklizenz erteilt. Neben seiner Karriere in Russland reiste Runeberg ausgiebig durch Europa und hielt über eine lebendige Tätigkeit mit Geschäfts- und anderen Kontakten Verbindung mit dem Heimatland Finnland. Er gehörte der Technical Society an und schrieb ausführlich in finnischen Zeitungen. Im Jahr 1879 wurde er Teilhaber am Gut Laajasalo bei Helsinki, kaufte später jedoch den Bauernhof Lapinharju am Fluss Vuoksi. Als leidenschaftlicher Angler konnte er sich hier ganz seiner Lieblingsbeschäftigung widmen.[1]
Ehrungen
- 1888: Orden der Heiligen Anna
Privatleben
Nach der Russischen Revolution musste Runeberg 1918 St. Petersburg verlassen und verlor sein gesamtes Eigentum.[2]
Runeberg war dreimal verheiratet: mit Naema Forsström 1882, Tatjana K. Grosdoff 1886 und Wilhelmina Elisabet Ploom 1918.[1]
Weblinks
- Taina Syrjämaa: At Intersections of Technology and a Modern Mass Medium. The Engineer Robert Runeberg and Exhibitions, 1867–1900 (englisch)
- Runeberg, Robert. Finna.Fi (englisch)