Rockall Bank
ausgedehntes untermeerisches Plateau im nordöstlichen Atlantik
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Die Rockall Bank ist ein ausgedehntes untermeerisches Plateau im nordöstlichen Atlantik, rund 300 km westlich von Schottland und nordwestlich von Irland. Sie bildet den südöstlichen und ältesten Teil des Rockall-Plateaus – eines isolierten Mikrokontinents aus kontinentaler Kruste – und erhebt sich aus Wassertiefen von über 2000 m im Rockallgraben (östlich) und rund 3000 m im Hatton-Rockall-Becken (nordwestlich) auf minimale Wassertiefen von unter 200 m auf ihrem flachen Scheitel. Der einzige subaerische Ausdruck der Bank ist die kleine Felsinsel Rockall – ein rund 17 m hoher, 27 m breiter Fels bei 57° 35′ 48″ N, 13° 41′ 19″ W, der aus einem paläogenen Ägirin-Granit besteht.[1]

Die Rockall Bank ist ozeanographisch, ökologisch und seerechtsrechtlich von Bedeutung: Sie liegt im Pfad des Nordatlantikstroms, der warmes, salzreiches Wasser über das Rockall-Plateau nordwärts transportiert; sie beherbergt die Logachev-Mound-Provinz – eine der weltweit größten Ansammlungen von Kaltwasserkorallen-Karbonatmounds –; und sie ist Gegenstand überlappender Festlandsockel-Ansprüche von vier Staaten.
Geologie
Grundgebirge
Die Rockall Bank ist das einzige Element des Rockall-Plateaus, auf dem das kristalline Grundgebirge am Meeresboden aufgeschlossen ist. DSDP- und ODP-Bohrungen sowie Dredgeproben belegen frühproterozoische Gneise und Granulite der Rockall-Bank/Islay-Terrane, die dem laurentischen Grundgebirge der Britischen Inseln und Grönlands zugeordnet werden – mit radiometrischen Altern im Bereich von rund 1750–1800 Ma, vergleichbar mit dem Lewisian (englisch Lewisian Gneiss Complex) in Schottland.[1][2] Das präkambrische Grundgebirge wird von einer dünnen Sediment- und Lockergesteinbedeckung überlagert, die im Vergleich zur Hatton Bank wesentlich geringer ist.
Die Felsinsel Rockall besteht aus einem Ägirin-Granit mit einem Alter von 52 ± 9 Ma und gehört damit zur paläozänen-früheoänen North Atlantic Igneous Province (NAIP). Weitere paläogene Intrusivkomplexe und Vulkanitgänge durchsetzen das Grundgebirge der Bank, darunter der Helen's Reef Complex wenige Kilometer südlich von Rockall.[3]
Tektonische Stellung
Die Rockall Bank nimmt innerhalb des Rockall-Plateaus eine relativ landwärtige, intraplattische Position ein: Sie liegt weiter vom ehemaligen Plattenrand (am Reykjanesrücken) entfernt als die Hatton Bank und zeigt daher weniger komplexe tektonische Deformationen – das Grundgebirge erscheint seismisch als großer, relativ ungestörter Krustenblock, im Gegensatz zu den Halbgraben- und Inversionsstrukturen der Hatton Bank.[4] Seismische Refraktionsmessungen zeigen unter der Rockall Bank eine Krustendicke von rund 33 km – die größte auf dem gesamten Plateau – bei typisch kontinentalen P-Wellengeschwindigkeiten.[5]
Ozeanographie
Die Rockall Bank liegt am östlichen Rand des Islandbeckens und am westlichen Rand des Rockallgrabens und wird von mehreren Ästen des Nordatlantikstroms (NAC) umströmt. Der Rockall Bank Jet – ein quasi-permanenter, überwiegend barotroper nordwärts gerichteter Strom an der Westflanke der Bank – transportiert rund 1,0 ± 0,7 Sievert (Sv) Modified North Atlantic Water (MNAW) nordwärts.[6] Auf der Südwestflanke fließen südwärts gerichtete Restströme, die mit der topographischen Gleichrichtung diurnaler Gezeiten zusammenhängen und besonders im Tiefenbereich von 600–900 m stark ausgeprägt sind.[7][8]
Die Bank ragt oberhalb der permanenten Thermokline aus dem umgebenden Tiefenwasser auf. Im Winter übersteigt die Tiefe der Durchmischungsschicht die Wassertiefe auf dem Bankscheitel, sodass das Wasser über der Bank durch verstärkten Wärmeverlust an die Atmosphäre dichter als das umgebende Ozeanwasser wird. Dieses dichte, nährstoffreiche Wasser bildet langlebige kalte Kuppeln (englisch: cold nutrient domes), die sich nur langsam über die Ekman-Bodenreibungsschicht von der Bank abdrainieren und dabei über Monate hinweg erhöhte Primärproduktion über der Bank und Nährstoffexport an den umgebenden Hang ermöglichen.[9][10][11]
In den intermediären Tiefen (600–1200 m) wird die Rockall Bank vom Wyville-Thomson-Overflow-Wasser (WTOW) beeinflusst – einem dichten Überlaufstrom aus den Nordischen Meeren, der über die Wyville-Thomson-Schwelle in den Rockallgraben einfließt und entlang der Ostflanke der Bank südwärts strömt.[12][13] Das Zusammenfallen des WTOW-Tiefenbereichs mit dem Hauptvorkommen der Kaltwasserkorallen-Mounds hat zu der Hypothese geführt, dass das WTOW eine Rolle bei der Steuerung der Moundverteilung spielen könnte.[13]
Kaltwasserkorallen und Mound-Provinzen
Die Rockall Bank beherbergt einige der bedeutendsten Kaltwasserkorallen-Vorkommen im Nordatlantik:
Die Logachev-Mound-Provinz auf der Südostflanke der Bank (500–1000 m Wassertiefe) ist eine der größten bekannten Ansammlungen von Kaltwasserkorallen-Karbonatmounds weltweit. Die Mounds – benannt nach dem russischen Forschungsschiff Professor Logachev, das sie 1997 erstmals systematisch untersuchte – erreichen Höhen von bis zu 380 m über dem umgebenden Meeresboden und erstrecken sich als Cluster über mehrere Kilometer.[14][15] Auf den Gipfeln und Flanken der Mounds wachsen Dickichte des riffbildenden Scleractiniers Desmophyllum pertusum (früher Lophelia pertusa) in Tiefen von 500–740 m, begleitet von Madrepora oculata und zahlreichen Schwarzen Korallen – insbesondere Leiopathes sp. mit Dichten von bis zu 14,5 Individuen pro Quadratmeter.[16]
Auf dem Nordostrand der Bank finden sich ausgedehnte Riffgebiete mit lebenden Korallendickichten auf dem Bankscheitel (103–1004 m) und Becherkorallenfelder (Caryophyllia smithii) auf dem flachen Scheitel in 218–286 m Wassertiefe.[17]
In tieferen Bereichen (1150–1750 m) wurde auf der Rockall Bank Solenosmilia variabilis-Riff nachgewiesen – eine riffbildende Art, die tiefer als Desmophyllum pertusum vorkommt und deren Verbreitung möglicherweise mit dem sauerstoffreichen, kühleren Labradorseewasser zusammenhängt.[18]
Fischerei
Die Rockall Bank ist seit Jahrzehnten ein bedeutendes Fischereigebiet für europäische Flotten, insbesondere für den Fang von Schellfisch, Kabeljau, Rotbarsch, Granatbarsch und Grenadierfischen. Die Rockall Haddock Box – eine seit 2001 bestehende saisonale Fischereischließung auf dem Bankscheitel – schützt laichende Schellfischbestände. Grundschleppnetzfischerei in den tieferen Bereichen (>600 m) hat nachweislich Kaltwasserkorallen-Mounds beschädigt und Schleppspuren auf dem Meeresboden hinterlassen.
Schutz und Seerecht
Zum Schutz der Kaltwasserkorallen und anderer VME-Habitate bestehen mehrere Meeresschutzgebiete und Fischereischließungen:
Die South-East Rockall Bank SAC (Irland) schützt die Logachev-Mound-Provinz und die umliegenden Korallenhabitate. Die North-West Rockall Bank SAC und die East Rockall Bank SAC (Großbritannien) schützen weitere Riffgebiete und Schwammgemeinschaften. Die North East Atlantic Fisheries Commission[19] hat Fischereischließungen an den West Rockall und South-West Rockall (Empress of Britain Bank) Gebieten sowie an den Logachev Mounds erlassen.[20]
Die Rockall Bank liegt teilweise außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen der angrenzenden Staaten. Großbritannien, Irland, Island und Dänemark (für die Färöer) erheben überlappende Ansprüche auf den Festlandsockel im Bereich des Rockall-Plateaus, was die Durchsetzung von Schutzmaßnahmen und die Zuständigkeit für die Fischereiverwaltung erschwert.[21]