Rokautskyia

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Rokautskyia ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 14 Arten kommen nur im südöstlichen Brasilien vor.[1][2]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Rokautskyia

Rokautskyia microglazioui

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Bromelioideae
Gattung: Rokautskyia
Wissenschaftlicher Name
Rokautskyia
Leme, S.Heller & Zizka
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Beschreibung

Habitus und Blüten von Rokautskyia microglazioui
Blütenstand von Rokautskyia whitmanii

Vegetative Merkmale

Rokautskyia-Arten wachsen als immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Sie wachsen meist terrestrisch oder lithophytisch.[2] Die Rokautskyia-Arten sind relativ klein. Die Sprossachsen sind gestaucht oder relativ lang.[2] Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Kindel an kurzen bis mehr oder weniger langen, dünnen Ausläufern.[2] Selten werden pseudovivipar Kindel im Blütenstand gebildet.[2]

Die Laubblätter sind an einer gestauchten Hauptachse in einer grundständigen Rosette oder wechselständig an relativ langen Sprossachsen angeordnet und in Blattscheide sowie -spreite gegliedert. Die unscheinbaren Blattscheiden sind nicht dicht genug an einander angeordnet als dass Wasser gesammelt werden könnte.[2] Die einfachen, mehr oder weniger dick-ledrigen, derben, parallelnervigen Blattspreiten sind lanzettlich bis fast-linealisch, nicht oder unbedeutend verschmälert an ihrer Basis.[2] Der gerade oder schwach gewellte, gesägte Blattrand ist bewehrt.[2] Die gleichmäßig gefärbten Blattflächen besitzen mindestens an der Blattunterseite dicht angeordnete und weiße Saugschuppen oder es sind selten kastanienfarbige Trichome vorhanden, die unregelmäßig Querbänder bilden.[2]

Generative Merkmale

Es sind deutlich erkennbare Blütenstandsschäfte vorhanden oder die Blütenstände sitzen in der Blattrosette.[2] Die zusammengesetzten Blütenstände haben stark gestauchte Blütenstandsachse und so sitzen alle Blüten in einem „Köpfchen“ zusammen in der Mitte der Blattrosette oder die Blütenstandsachse ist verlängert und die Blütenstände sind schirmrispig oder knäuelig rispig, dabei können die basalen, äußeren Teilblütenstände unbedeutend gestielt sind.[2] Die Tragblätter sind laubblattähnlich. Die basalen, äußeren Teilblütenstände sind polsterartig und enthalten 5 bis 15 Blüten. Die häutigen Deckblätter sind eiförmig bis dreieckig sind höchstens so lang wie die Kelchblätter.[2] Es sind keine Blütenstiele erkennbar.[2]

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Falls ein Blütenbecher vorhanden ist, dann ist er unauffällig.[2] Die drei Kelchblätter sind von ihrer Basis an 1/5 bis 1/2 ihrer Länge verwachsen. Die drei weißen, während der Anthese spreizenden Kronblätter sind von ihrer Basis an 1/3 bis 1/2 ihrer Länge verwachsen, 2,4- bis 3,3-mal länger als breit und breit-elliptisch-eiförmig bis fast-kreisförmig. An der Basis der Kronblätter sind keine Schüppchen aber gut entwickelte Schwielen vorhanden.[2] Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, diese sind mehr oder weniger aufrecht und während der Anthese sichtbar. Die gleichlangen Staubfäden sind mit der Basis der Kronblätter verwachsen. Die weißen Staubbeutel sind schmal-länglich und an ihrer Basis deutlich zweilappig, nicht seitlich abgeflacht und während der Anthese gerade.[2] Die Pollenkörner sind sulcat, 50 bis 55 μm und ellipsoid.[2] Drei Fruchtblätter sind zu einem keulenförmigen, unterständigen Fruchtknoten verwachsen, der viele Samenanlagen enthält. Die Samenanlagen sind kugelförmig mit stumpfem Ende. Der Griffel endet in einer weißen, oft etwas abgeflachten Narbe. Die Narbenlappen sind aufrecht oder manchmal am oberen Ende zurückgekrümmt, deutlich verbreitert und sich dachziegelartig überdeckend; ihre Ränder sind fast glatt oder gekerbt und gewellt; sie sind nicht oder unscheinbar papillös.[2]

Die Blütenformel lautet .

Die haltbaren Kelchblätter sind 1,5- bis 2-mal länger als die Früchte. Die Beeren sind bei einer Länge von 4 bis 7 Millimetern sowie bei einem Durchmesser von 4 bis 6 Millimetern kugelförmig mit stumpfem Ende und enthalten 18 bis 60 Samen. Die Samen sind 1.2 bis 2 Millimeter lang sowie 1 bis 1,5 Millimeter breit.[2]

Ökologie

Die tagsüber geöffneten Blüten duften. Es liegt Homogamie vor, die männlichen und weiblichen Blütenorgane sind also gleichzeitig reif.[2]

Systematik und Verbreitung

Taxonomie

Die Gattung Rokautskyia wurde 2017 durch Elton M. C. Leme, Sascha Heller, und Georg Zizka in Elton M. C. Leme, Sascha Heller, Georg Zizka und Heidemarie Halbritter: New circumscription of Cryptanthus and new Cryptanthoid genera and subgenera (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on neglected morphological traits and molecular phylogeny. in Phytotaxa, Volume 318, Issue 1, S. 1–88 aufgestellt. Typusart ist Cryptanthus sanctaluciae Leme & L.Kollmann, der Ursprung von Rokautskyia sanctaluciae (Leme & L.Kollmann) Leme, S.Heller & Zizka.[1] Der Gattungsname Rokautskyia ehrt den brasilianischen Naturforscher und Pflanzensammler Roberto Anselmo Kautsky (1924–2010) um seine Beiträge zur Erhaltung und Dokumentation der brasilianischen Arten der Familie Bromeliaceae zu würdigen.

Äußere Systematik und Abgrenzungen zwischen den nah verwandten Gattungen

Die Gattungen Cryptanthus, Forzzaea, Orthophytum, Rokautskyia, Sincoraea und Lapanthus gehören zum Cryptanthoid-Komplex in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie Bromeliaceae.[2] Bei dieser Verwandtschaftsgruppe gibt es noch laufend Änderungen.[2][1]

Arten und ihre Verbreitung

Die Areale der Rokautskyia-Arten liegen im südöstlichen brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Es sind terrestrisch und lithophytisch im Mata Atlântica in montanen Höhenlagen meist oberhalb von 500 Metern lebende Arten.[2][1]

Es gibt 2025 etwa 14[1] Rokautskyia-Arten:[2]
Dreizählige, radiärsymmetrische Blüten von Rokautskyia microglazioui
Herbarbeleg von Rokautskyia aracruzensis
  • Rokautskyia aracruzensis (Leme & L. Kollmann) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus aracruzensis Leme & L.Kollmann): Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht an Felsen an schattigen Standorten im Inneren des halbimmergrünen Mata Atlântica in Höhenlagen von etwa 400 Metern.[1]
  • Rokautskyia caulescens (I.Ramírez) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus caulescens I.Ramírez): Sie wurde 1998 erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht in bewaldeten Gebieten in Höhenlagen von etwa 800 Metern in den brasilianischen Bundesstaaten Bahia bis Espírito Santo.[1]
  • Rokautskyia exaltata (H.Luther) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus exaltatus H.E.Luther): Sie wurde 1990 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 300 Metern.[1] (2017)
  • Rokautskyia fernseeoides (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus fernseeoides Leme): Sie wurde 1996 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017.[1]
  • Rokautskyia latifolia (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus latifolius Leme): Sie wurde 1991 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 300 Metern.[1]
  • Rokautskyia leuzingerae (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus leuzingerae Leme): Sie wurde 1999 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht terrestrisch.[1]
  • Rokautskyia microglazioui (I.Ramírez) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus microglazioui I.Ramírez): Sie wurde 1998 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017. Genauere Fundortangaben gibt es zu dieser Art nicht.[1]
  • Rokautskyia odoratissima (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus odoratissimus Leme): Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo vor. Diese Neukombination erfolgte 2017.[1]
  • Rokautskyia pseudoglazioui (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus pseudoglaziovii Leme): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht auf sehr feuchten Felsen oder auf einer Art sandigen Untergrund in Höhenlagen von 700 bis 750 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo.[1]
  • Rokautskyia pseudoscaposa (L.B.Sm.) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus pseudoscaposus L.B.Sm.): Diese Neukombination erfolgte 2017. Dieser Endemit wurde bisher nur in einer Höhenlage von etwa 75 Metern von Domingos Martins bis Vitoria im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo gefunden.[1]
  • Rokautskyia roberto-kautskyi (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus roberto-kautskyi Leme): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von 700 bis 800 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo.[1]
  • Rokautskyia sanctaluciae (Leme & L.Kollmann) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus sanctaluciae Leme & L.Kollmann): Sie wurde 2008 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Diese Neukombination erfolgte 2017. Dieser Endemit gedeiht nur in einer Höhenlage von etwa 750 Metern lithophytisch an schattigen, feuchten Felswänden im Inneren des Mata Atlântica.[1]
  • Rokautskyia scaposa (E.Pereira) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus scaposus E.Pereira Cryptanthus scaposus var. kautskyanus E.Pereira): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo vor.[1]
  • Rokautskyia whitmanii (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus whitmanii Leme): Die Erstbeschreibung erfolgte 1994 und Neukombination 2017. Sie gedeiht terrestrisch im Mata Atlântica nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito.[1]

Quellen

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