Rose Leon
deutsche Silber- und Metallschmiedin
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Rose Leon (* 1. September 1909 in Berlin; † 2. März 2010 in Ardsley, Westchester County, New York) war eine deutsche Silber- und Metallschmiedin jüdischer Herkunft, die wegen antisemitischer Verfolgung ins Exil ging.
Werdegang
Rose Leon wurde als Tochter von Gertrud (geb. Markwald; 1881–1944) und Bernhard Baruch Leon (1867–1941) in eine jüdische Familie geboren. Sie wuchs mit ihren Geschwistern Ilse Jeanette (* 1903), Arno (* 1905), Heinz (* 1907) und Gerhard (* 1911) in Berlin auf. Ihre Familie gehörte zur Gemeinde von Rabbiner Leo Baeck und besuchte die liberale Synagoge Fasanenstraße in der Fasanenstraße 79 im Berliner Ortsteil Charlottenburg.[1] Rose Leon absolvierte ihre schulische Ausbildung in einem jüdischen Internat in Lausanne.[2] Nach ihrer Rückkehr ließ Rose Leon sich an der Schule Reimann in Berlin-Schöneberg von 1930 bis 1931 zur Silber- und Metallschmiedin ausbilden.[1]
Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers und unter den zunehmenden Repressalien gegen jüdische Menschen fand Rose Leon außerhalb jüdischer Kreise kaum noch Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten in Deutschland.[3] Am 31. März 1933 reiste sie nach England, um dort ihrem Beruf als professionelle Silberschmiedin nachgehen zu können. Unterstützung erhielt sie von ihrem Bruder Heinz, der bereits um 1926 im Alter von 18 oder 19 Jahren nach England ausgewandert war und auch seinen Geschwistern half, nach England zu kommen. Rose Leon pendelte fortan zwischen den Ländern, zuletzt war sie 1936 in Deutschland, um das Silber aus ihrer Werkstatt abzuholen.[1]
In England hatte Rose Leon den ebenfalls aus Deutschland geflüchteten Zahnarzt Sally „Steven“ Wegner (1901–1968) kennengelernt, den sie 1937 in Antwerpen heiratete.[1] Mit ihrem Mann nahm sie 1938 ein Schiff von Rotterdam nach New York und emigrierte in die Vereinigten Staaten.[3] Rose Leon und ihr Mann Steven lebten im Großraum New York, wo sie ihre beiden Kinder Bryan (* 1939) und Marian (* 1945) großzogen.[4] Rose Leon stellte für Familienmitglieder weiterhin Schmiedearbeiten her, konnte aber an die Erfolge ihre Berliner Zeit nicht anknüpfen.[3] Ihr Mann starb im Mai 1968. Rose Leon starb 2010 in Ardsley im Westchester County.[1]
Familie
Rose Leons drei Brüder dienten im Zweiten Weltkrieg in England in der britischen Armee. Heinz starb im Einsatz in Nordafrika an Krebs. Zu Beginn des Kriegs gelang es Rose Leon zusammen mit ihren Geschwistern, für ihre Eltern Bernhard und Gertrud Visa nach Kuba zu bekommen, damit diese dann von dort in die Vereinigten Staaten hätten reisen können. Eine Auswanderung nach Großbritannien war nicht möglich, da sich das Land im Krieg mit Deutschland befand. Als ihr Vater Bernhard Mitte April 1941 starb, verzögerte sich erst das Visumverfahren für ihre Mutter Gertrud durch bürokratische Hürden und scheiterte schließlich ganz. 1942 eigneten sich der SS-Sturmbannführer Bruno Sattler (1898–1972) und seine Frau Elfriede (1904–1984) in Berlin-Tempelhof die Hälfte eines Doppelhauses in der Manfred-von-Richthofen-Straße 125 an, das ihrer Mutter gehörte.[1] Diese hatte es unter Zwang im Mai 1942 in der Hoffnung, ihre Deportation so verzögern zu können, zu einem sehr niedrigen Preis an ihn verkauft. Nach dem Verkauf wurde sie zusammen mit Rose Leons Onkel väterlicherseits, Moritz Leon, Anfang Juli 1942 aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Moritz Leon starb am 19. Juli 1942,[5] Gertrud Leon wurde im Herbst 1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.[6]
Rose Leons Bruder Arno kehrte nach dem Krieg mit den britischen Besatzungstruppen nach Deutschland zurück. Er liegt auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf begraben. Ihre Schwester Ilse blieb mit ihrem Mann Julius Meyer und ihren zwei Kindern in Großbritannien, ebenso ihr Bruder Gerhard.[1]
Werk
Zu Rose Leons Lehrern an der Schule Reimann gehörte Karl Heubler, dessen Unterricht in der Metallabteilung sie besuchte und der Einfluss auf ihr künstlerisches Werk hatte.[2] Im Fachbereich Metallarbeit fertigte sie jüdische Zeremonialobjekte nach ihren eigenen Entwürfen und experimentierte bereits mit ungewöhnlichen Formen, die sich in ihren späteren Arbeiten fortsetzten. Sie schuf zudem dekorative Alltagsgegenstände und Schmuck.[3] Zu ihren Werken zählen unter anderem ausgefallene, filigrane Weinflaschenverschlüsse, ein Tortenheber, „der in seiner Gestaltung als silberner Halbkreis an einem schmalen Griff und seinen Proportionen formschöner ist als alle bekannten Kuchenbestecke“ und eine Chanukkia „auf neun zarten silbernen Ringen“.[2][7]
Im Jahr 2025 zeigte das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Rose Leon vertreten war.[8]
Fotos, silberne Tortenheber, Weinkorken, Services, Kannen und Chanukka-Leuchter von Rose Leon befinden sich in der Sammlung Marian Natter in Briarcliff Manor.[2] Das Leo Baeck Institut bewahrt einen umfangreichen Briefwechsel von etwa 175 Briefen, 40 Postkarten und 20 Telegrammen zwischen Rose Leon und ihrer Mutter Gertrud aus den Jahren 1938–1942 auf.[1]
Literatur
- Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3