Rutheniumrot

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Rutheniumrot, auch als Ruthenrot bezeichnet, ist ein Komplexsalz des Metalles Ruthenium, das als Farbstoff in der botanischen und zoologischen Histologie zur Anfärbung spezifischer Polysaccharidstrukturen verwendet wird. Nach der chemischen Nomenklatur lautet der Name: Tetradecaammin-di-µ-oxo-triruthenium(III,IV)-hexachlorid-Hydrat[4] mit der Halbstrukturformel [(NH3)5Ru3+-O-Ru4+(NH3)4-O-Ru3+(NH3)5]Cl6·H2O.[5]

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur des Rutheniumrot-Kations + 6 · Chloridion
Allgemeines
Name Rutheniumrot
Andere Namen
  • Ruthenrot
  • C.I. 77800
  • Tetradecaammin-di-µ-oxo-triruthenium(III,IV)-hexachlorid-Hydrat
Summenformel H42Cl6N14O2Ru3
Kurzbeschreibung

dunkelroter bis violetter, geruchloser Feststoff[1][2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer (Listennummer) 802-133-7
ECHA-InfoCard 100.228.922
PubChem 16218584
Wikidata Q424006
Eigenschaften
Molare Masse 786,35 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

3,11 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

200 °C (Zersetzung)
ab 85 °C Kristallwasserabgabe[1]

Löslichkeit

löslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Gewinnung und Darstellung

Rutheniumrot kann durch Reduktion von in Salzsäure gelöstem Ruthenium(III)-chlorid mit Ethanol und anschließender Reaktion mit einer Ammoniaklösung dargestellt werden.[5]

Eigenschaften

Rutheniumrot ist ein purpurroter, kupferglänzender, kristalliner Feststoff. Er verliert bei 85 °C zwei Mol Kristallwasser, bei 150 °C das Restliche. Der wasserfreie Komplex bleibt bis 200 °C stabil. In 0,1 N Ammoniak ist es löslich. Die äußerst intensive Rotfärbung ist noch bei einer Verdünnung von 1 ppm sichtbar. Die Verbindung ist ein empfindlicher Redox-Indikator, der in saurer Lösung durch Oxidation von Rot nach Gelb umschlägt.[5]

Verwendung

Rutheniumrot wird in der Zoologie zur Anfärbung von Mucopolysacchariden verwendet, in der Botanik lassen sich Pektinstrukturen, wie z. B. die des Kollenchyms, anfärben. Die angefärbten Strukturen erscheinen dabei lichtmikroskopisch, entsprechend der Namensgebung des Farbstoffs, leuchtend rot.

Experimentell kommt Rutheniumrot bei der Untersuchung des Calciumtransports zum Einsatz, da es insbesondere die intrazelluläre Calciumfreisetzung des Ryanodin-Rezeptors[6] und die Aufnahme von Calcium in die Mitochondrien inhibiert.[7] Ferner hemmt Rutheniumrot die Polymerisation von Tubulindimeren und moduliert die Aggregation von FtsZ bei der Zellteilung von Bakterien.[8]

Daneben wird Rutheniumrot auch als Redoxindikator und zur Textilfaseruntersuchung verwendet.[9]

Einzelnachweise

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