Wikiwand AI

S-Zug Brüssel

Pendlerbahnnetz in Brüssel, Belgien From Wikipedia, the free encyclopedia

Der S-Zug Brüssel (französisch Train S Bruxelles, niederländisch S-trein Brussel) ist ein S-Bahn-System der Nationalen Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen (SNCB/NMBS) in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Die ursprünglich geplanten zweisprachigen Bezeichnungen Réseau Express Régional (RER) (französisch) bzw. Gewestelijk ExpresNet (GEN) (niederländisch) wurden durch das einheitliche Signet S ersetzt. Es ist die Abkürzung von suburbain bzw. suburbaan; ein S-Zug ist demnach eine Vorortbahn. S-Zug-Netze wurden in den 2010er Jahren auch in anderen belgischen Städten (Antwerpen, Charleroi, Charleroi, Lüttich) angelegt.[1]

Schnelle Fakten
Staat Belgien
Stadt Brüssel und Umland
Linien 11 (Stand Dez. 2025)
Streckenlänge ca. 350
Stationen ca. 150
Fahrgäste 25.000.000 im Jahr (erwartet)
Fahrzeuge Siemens Desiro ML
Betreiber SNCB/NMBS
(Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen)
Siehe S-Zug
Schließen
S-Zug der Linie S5 auf dem Weg nach Halle, kurz vor Beersel (2016)

Geschichte

Im Raum Brüssel verkehren täglich 365.000 Pendler, für die außerhalb des engeren Stadtzentrums vorher nur ein unzureichendes ÖPNV-Angebot mit Vorortszügen, vergleichbar den deutschen Regionalbahnen, existierte. Da viele dieser potenziellen Kunden heute mit dem eigenen PKW fahren, sind regelmäßige Staus, Parkplatzprobleme und Luftverschmutzung die Folge.

Die Idee zur Anlage eines S-Zug-Netzes stammte aus den 1990er Jahren. Eine erste Planung wurde 1995 veröffentlicht. Die Inbetriebnahme der ersten Linien war zunächst für 2002 vorgesehen. Da jedoch Genehmigungen sowohl von den drei Regionen des Landes als auch von vier beteiligten Verkehrsbetrieben, nämlich SNCB/NMBS, TEC, STIB/MIVB und De Lijn, eingeholt werden mussten, verschob und verzögerte sich das Vorhaben.

Die ersten Bauarbeiten begannen 2005; man plante nun die Inbetriebnahme für 2012. Ein Netz aus zwölf Linien wurde schließlich am 13. Dezember 2015 in Betrieb genommen, auch wenn sich einige Infrastrukturmaßnahmen bis in die 2020er Jahre verspäteten. Die Führung mehrerer Linien hat sich seither geändert (siehe Tabelle unten).

Planung

S-Züge sollen auf weitgehend eigenem Gleis, unabhängig vom übrigen Zugverkehr, und mit eng vertaktetem Fahrplan nicht nur die Region Brüssel-Hauptstadt erschließen, sondern auch bis in die benachbarten Provinzen Wallonisch-Brabant und Flämisch-Brabant in den Regionen Wallonien und Flandern reichen. Außerdem soll der internationale Flughafen Brüssel-Zaventem besser angeschlossen werden. In der Brüsseler Gemeinde Anderlecht wird ein Umsteigebahnhof mit direkter Anbindung an die U-Bahn Brüssel errichtet. Die erforderliche Verzahnung mit der Brüsseler Metro steckt noch in den Kinderschuhen, ein gemeinsamer Liniennetzplan ist zwar bereits erschienen, ein gemeinsamer Verkehrsverbund jedoch kaum umgesetzt.

Ursprünglich bis 2012 waren neun Bahnlinien mit ergänzenden Buslinien geplant, die auf bestimmten Strecken zur Hauptverkehrszeit im 15-Minuten-Takt oder im 30-Minuten-Takt verkehren sollten. Ferner wurden ein vereinfachtes und einheitliches Tarifsystem sowie der Ausbau des Park-and-ride-Angebotes geplant und im Jahr 2008 305 Elektrotriebwagen des Typs Siemens Desiro ML bestellt.[2]

Die neun Bahnlinien sollten auf verschiedenen Streckenführungen strahlenförmig das Stadtzentrum umschließen. Zu diesem Zweck mussten fünf so genannte „Schlüsselstrecken“ viergleisig ausgebaut werden; zwei waren bereits ausgebaut:

sowie das als „Diabolo-Projekt“ bezeichnete Projekt

  • Brüssel – Mechelen (mit zusätzlicher Anbindung des Brüsseler Flughafens).

Vorlaufnetz CityRail

Die belgische Bahn hatte ein vorläufiges Netz eingeführt, welches mit modernisierten Zügen der NMBS/SNCB-Reihe AM 62-79 betrieben wurde. Dieses Netz wurde CityRail genannt. Das Netz bestand unter diesem Namen bis zum Fahrplanwechsel 2013, danach wurden diese Linien wieder normale L-Züge. Es gab insgesamt sechs CityRail-Linien:

  • CR 1: Aalst – Denderleeuw – Brüssel – Etterbeek – Eigenbrakel
  • CR 2: Dendermonde – Brüssel – Halle – Geraardsbergen
  • CR 3: Brüssel – Etterbeek – Louvain-la-Neuve-Université
  • CR 4: Zottegem – Denderleeuw – Brüssel
  • CR 5: Aalst – Denderleeuw – Brüssel
  • CR 6: Leuven – Zaventem – Brüssel – ’s-Gravenbrakel

Finanzierungsprobleme

Anfang Februar 2016 musste Verkehrsministerin Jacqueline Galant zugeben, dass es bei der Fertigstellung des Streckennetzes für die S-Züge große Finanzierungsprobleme gibt. Der Ausbau der Eisenbahnstrecken 124 Brüssel–Nivelles und 161 Brüssel–Ottignies auf Zweigleisigkeit hatte für sie somit keine Priorität mehr.[3] Auch Ausbaupläne in Antwerpen und Gent wurden zugunsten Brüssels zurückgestellt. Dies sorgte in den betroffenen Regionen für Verärgerung.[4] Tage später sagte Galant, dass alles nicht so gemeint sei und man sie falsch verstanden habe. Durch diese Aussage geriet ihre Position innerhalb der Regierung ins Wanken.[5]

Aktuelles Liniennetz

Der offiziell erste „symbolische Spatenstich“ erfolgte am 23. August 2006. Einige Ausbaumaßnahmen wurden bereits 2004 begonnen und sind ebenfalls Bestandteil des Projekts. Im Zuge des Ausbaus der internationalen Verbindungsstrecke für Hochgeschwindigkeitsverkehr von Frankreich über Brüssel nach Deutschland und in die Niederlande – auch vor dem Hintergrund der Entwicklung Brüssels als Hauptstadt der Europäischen Union – konnten bereits erste Verbesserungen erreicht werden.

Am 23. März 2015 haben der Geschäftsführer der Belgischen Eisenbahnen, Jo Cornu, und die Bundesministerin für Mobilität und Verkehr, Jacqueline Galant, das Konzept des S-Zuges Brüssel vorgestellt. Der Starttermin war der 13. Dezember 2015, und bis ca. 2025 sollten alle Bahnstrecken in Betrieb genommen werden.

Der aktuelle Netzplan (Sachstand Juni 2026) weist einige Änderungen im Vergleich zur Ausgangssituation 2015 (siehe Karte oben) auf. Unter anderem wurde die Linie S1 bis Antwerpen Centraal verlängert, und die Linie S19 schafft eine Verbindung zwischen Brüssel und Charleroi sowie zwischen diesen und dem internationalen Flughafen in Zaventem nordöstlich von Brüssel.[6]

Weitere Informationen Linie, Linienweg ...
Linie[7] Linienweg Anzahl Stationen Takt[8]
Mo–Fr Sa, So,
Feiertag
S1 Nivelles – Brüssel – Mechelen – Antwerpen-Centraal
Die Linie S1 ist ebenfalls Teil der S-Bahn Antwerpen
31 tags 30′; abends 60′ tags 30′; abends 60′
S2 Braine-le-Comte – Brüssel – Zaventem – Löwen 22 tags 30′; abends 60′ tags 30′; abends 60′
S3 Denderleeuw – Brüssel – Dendermonde 27 30′; Geraardsbergen – Dendermonde nur 60′ 60′
S4 Aalst – Brüssel-Schuman – Brüssel-Luxemburg – Louvain-la-Neuve 24 30′; Brüssel-Luxemburg – Louvain-la-Neuve nur 60′ kein Betrieb
S5 Geraardsbergen – Enghien – Halle – Brüssel-Luxemburg – Brüssel-Schuman – Mechelen 25 30′; Geraardsbergen – Mechelen nur 60′ 60′
S7 Halle – Brüssel-Merode – Vilvoorde – Mechelen 18 30′; Vilvoorde – Mechelen nur 60′ kein Betrieb
S8 Zottegem – Brüssel-Süd – Nord-Südverbindung – Brüssel-Schuman – Brüssel-Luxemburg – Ottignies – Louvain-la-Neuve 27 60′ 60′
S9 Landen – Zaventem – Brüssel-Schuman – Nivelles 60′ kein Betrieb
S10 Dendermonde – Jette – Brüssel-West – Nord-Südverbindung – Jette – Aalst 28 60′; abends nur Brüssel-Süd – Aalst 60′
S19 Charleroi – Nivelles – Brüssel-Luxemburg – Brussels-Airport-Zaventem
Die Linie S 19 ist ebenfalls Teil der S-Bahn Charleroi
60′ 60′
S20 Ottignies – Löwen 13 30′; abends teilweise nur Ottignies – Wavre 60′
Schließen

Fahrzeuge

Die Hauptlast des Verkehrs wird von den Siemens-Desiro-Triebzügen der Reihe AM/MS 08 bewältigt. Teilweise kommen auch die älteren Baureihen AM/MS 80 und AM/MS 86-89 zum Einsatz, einzelne Züge in der Hauptverkehrszeit werden auch lokgezogen.

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks