SAP Cloud Infrastructure

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SAP Cloud Infrastructure ist eine von SAP SE betriebene Infrastructure as a Service (IaaS)-Cloudplattform, die für SAPs Cloudlösungen sowie Kunden für Deployments von SAP-Workloads und third-party (non-SAP) Workloads bereitgestellt wird.[2][3]

Schnelle Fakten Basisdaten ...
SAP Cloud Infrastructure
Basisdaten
Hauptentwickler SAP SE
Entwickler SAP SE
Erscheinungsjahr 2012[1]
Kategorie Infrastructure as a Service (IaaS)
https://help.sap.com/docs/SAP_Cloud_Infrastructure
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Sie wird innerhalb von SAPs Rechenzentrumsnetzwerk mit Open-Source-Technologien entwickelt und betrieben, basiert auf OpenStack und Kubernetes und unterstützt unter anderem SAP S/4HANA sowie weitere Standardanwendungen.[4][3][5] Für SAP-Kunden stellt die SAP Cloud Infrastructure Compute-, Storage- und Platformservices bereit.[2][3]

Geschichte

Im Jahr 2012 bewarb SAP erstmalig Cloud-Computing-Lösungen.[6] Im Oktober 2012 kündigte SAP daraufhin ein Platform-as-a-Service-Angebot (PaaS) unter dem Namen SAP Cloud Platform an.[7][8][9] Im Mai 2013 wurde ein darauf aufbauendes Managed-Private-Cloud-Angebot unter dem Namen S/4HANA Enterprise Cloud angekündigt.[10][11][12]

Im Januar 2015 wurde die SAP Converged Cloud angekündigt. Sie wurde ursprünglich als SAPs internes, standardisiertes Infrastructure as a Service (IaaS)-Angebot entwickelt, um SAPs Cloud-Lösungen zu betreiben.[13] Ausgehend von SAP Converged Cloud wurde SAP Cloud Infrastructure entwickelt und als SAPs Cloud-Computing-Angebot angekündigt, das sowohl für SAP- als auch für Kunden-Workloads bereitgestellt wird.[3] Im Jahr 2025 umfasste die SAP Cloud Infrastructure weltweit 15 Regionen und 29 Rechenzentren sowie mehr als 200.000 aktive VMs und über 6.000 Hypervisoren.[3]

Im September 2025 kündigte SAP den Einsatz der SAP Cloud Infrastructure (neben SAP Sovereign Cloud On-Site) für sein europäisches „SAP Sovereign Cloud“-Portfolios an, das auf besondere Anforderungen des öffentlichen Sektors und der regulierte Privatwirtschaft ausgerichtet ist.[4][14]

Dienste und Funktionen

Die SAP Cloud Infrastructure ist ein Infrastructure-as-a-Service (IaaS)-Angebot von SAP. Die SAP Cloud Infrastructure wird positioniert als hochverfügbares, hochsicheres, hochskalierbares und innovatives Cloudangebot. Sie stellt virtuelle Compute-, Storage- und Networking-Services sowie Dienste für Identity, Key Management und den Betrieb bereit. SAP Cloud Infrastructure folgt einem Self-Service-Modell und wird über APIs und eine webbasierte Benutzeroberfläche verwaltet.[15]

Compute

SAP Cloud Infrastructure stellt Virtual-Machine-Instanzen bereit, die aus Betriebssystem-Images provisioniert und in vordefinierten Größen (flavors) ausgewählt werden können. Unterstützt werden Operationen über den Lebenszyklus (Anlegen, Ändern, Resizing, Löschen), das Steuern des Betriebszustands (z. B. Start/Stopp) sowie Snapshots. Instanzen können zu Servergruppen zusammengefasst werden, um Platzierungsregeln zu beeinflussen.[15]

Storage

SAP Cloud Infrastructure stellt persistente Storage-Services bereit, darunter:

  • Block Storage (virtuelle Volumes) mit Attach/Detach an Instanzen, Online-Erweiterung, Klonen und Snapshots sowie der Bereitstellung von Volumes aus Images oder Snapshots.[15]
  • Object Storage (Container und Objekte), verwaltet über API/CLI, mit Access Control Lists (ACLs) und konfigurierbaren Redundanzoptionen.[15]
  • File Storage (Shared File Systems) mit Zugriffskontrollen, Online-Resizing, Snapshot/Restore und Replikation über Availability Zones hinweg.[15]

Networking

SAP Cloud Infrastructure bietet Software-defined Networking (SDN) für Mandanten-Netzwerke (Networks, Subnets, Router) sowie Konnektivitätsfunktionen wie Floating IPs für öffentliche Erreichbarkeit. Zur Netzwerkabsicherung dienen Security Groups und Firewall-Regeln; als Konnektivitätsoption ist unter anderem BGP-basiertes VPN-Networking dokumentiert.[15]

Load Balancing und DNS

SCI stellt einen Managed-Load-Balancing-Dienst zur Verteilung von Datenverkehr auf Backend-Instanzen sowie einen autoritativen DNS-Service (DNSaaS) bereit. DNS-Zonen und -Records werden API-basiert verwaltet; dokumentiert sind unter anderem Optionen zum Teilen bzw. Transfer von Zonen zwischen Projekten/Tenants sowie Integrationen zur automatisierten Record-Erstellung.[15]

Identity, Access und Key Management

SCI beinhaltet Identity and Access Management (IAM) für Authentifizierung/Autorisierung in Projekten/Tenants (z. B. Token-Handling, Rollenvergabe und Credential-Management). Zusätzlich stellt die Plattform Key- und Secrets-Management für die Ablage und Zugriffskontrolle von Geheimnissen (z. B. Keys und Zertifikate) bereit; je nach Konfiguration können unterschiedliche Backends genutzt werden.[15]

Cloud-native Services

SCI bietet eine Container Image Registry (Image Push/Pull, Access Policies und Lifecycle Controls) sowie eine Auto-scaling-Funktion für File Shares auf Basis konfigurierbarer Regeln.[15]

Observability und Audit

SCI stellt Metriken und Audit-Logs für das operative Monitoring bereit; Audit-relevante Ereignisse können serviceübergreifend gelistet und gefiltert werden.[15]

Verfügbarkeit und Service Levels

Die SCI-Dokumentation nennt verfügbarkeitsbezogene Funktionen wie Load Balancing, Storage-Redundanzoptionen und die Replikation von File Shares über Availability Zones hinweg. SAP-Cloud-Services werden vertraglich über Service-level agreements (SLA) geregelt; für SAP Cloud Infrastructure ist ein SLA-Zusatz mit infrastrukturspezifischen Begriffen vorgesehen, sofern er in Bestellformularen referenziert wird.[15][16]

SAP-Cloud-Services

SAP-Cloud-Services werden je nach Produkt auf unterschiedlichen zugrunde liegenden Infrastrukturen betrieben; neben Hyperscalern ist auch SAP Cloud Infrastructure als Basis vorgesehen. Die Dokumentation zu SAP HANA Cloud nennt SAP Cloud Infrastructure als eine der unterstützten Infrastrukturen neben Hyperscalern.[17] Zu den Kategorien von SAP-Cloud-Lösungen, die auf SAP Cloud Infrastructure verfügbar sind, zählen SAP Cloud ERP, SAP HCM, SAP-Lösungen für Spend Management, Supply Chain Management, Business Transformation Management sowie die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) einschließlich zugehöriger Analytics- und Business-Data-Lösungen.

Nachhaltigkeit

Für den Rechenzentrumsbetrieb nennt SAP unter anderem energieeffiziente Infrastruktur (z. B. fortgeschrittene Kühlsysteme und Power Management), den Einsatz erneuerbarer Elektrizität, soweit umsetzbar, sowie betriebliche Maßnahmen wie Recycling von Elektronikschrott und die Reduktion des Wasserverbrauchs. Als relevante Standards werden ISO 14001 und ISO 50001 für Umwelt- bzw. Energiemanagement angeführt.[18]

SAP verweist darauf, dass SAP-eigene Rechenzentren mit 100 % erneuerbarer Elektrizität betrieben werden und dass erneuerbare Elektrizität seit 2014 zur Versorgung von SAP-Einrichtungen einschließlich eigener Rechenzentren und Co-Locations eingesetzt wird.[19][20]

SAP Cloud Infrastructure im Kontext von SAP Sovereign Cloud

SAP Sovereign Cloud ist ein Portfolio von SAP-Lösungen, das es Organisationen ermöglicht, Cloud-Anwendungen zu nutzen und dabei die Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Compliance gemäß lokalen Gesetzen und Vorschriften zu behalten. Wie im Abschnitt SAP-Cloud-Services dargestellt, umfasst das Portfolio unter anderem SAP Cloud ERP und weitere typische SAP-Cloud-Lösungen. Zielgruppe sind Kunden die besondere Anforderungen an digitale Souveränität, insbesondere in Bezug auf Datenresidenz, Betriebszugriffe oder Sicherheit haben. Vorrangige Nutzergruppen sind somit Einrichtungen des öffentlichen Sektors und die regulierte Privatwirtschaft.[21] Zu den Bereitstellungsoptionen gehören die SAP Cloud Infrastructure sowie die SAP Sovereign Cloud On-Site (SCOS), eine lokale Private-Cloud-Variante der SCI für den Betrieb im eigenen oder in Third-Party-Rechenzentren. Darüber hinaus umfasst das Portfolio die Delos Cloud sowie unterschiedliche Hyperscaler-basierte Bereitstellungsoptionen (z. B. via AWS European Sovereign Cloud).[4][22]

In der Europäischen Union bietet die SAP Cloud Infrastructure (SCI) eine souveräne Betriebsvariante für sicherheitssensitive und regulierte Einsatzszenarien der SAP Sovereign Cloud. Sie ist Open-Source-basiert und ohne technische Abhängigkeit zu Hyperscaler-Technologien für sicherheitssensitive und regulierte Einsatzszenarien:[21][4] Daten werden in lokalen Rechenzentren oder in zugelassenen Ländern gespeichert (Datensouveränität), Betrieb und Wartung erfolgen lokal durch autorisiertes Personal (betriebliche Souveränität), Steuerungsebenen werden lokal gehostet und technisch strikt getrennt (z. B. durch Verschlüsselung oder dedizierte Infrastruktur) (technische Souveränität), und die Ausgestaltung orientiert sich an lokalen rechtlichen Vorgaben sowie der Begrenzung externer Einflussnahme (rechtliche Souveränität).[21][4]

Standort und Verfügbarkeitszonen (Availability Zones)

  • Rechenzentren in Deutschland im Betrieb und Eigentum der SAP[23][24]
  • Drei Verfügbarkeitszonen und drei Rechenzentren, verbunden über SAP-eigene Leitungswege auf SAP-eigenem Grund und Boden

Rechenzentrumsstandards, Compliance und Zertifizierungen

Die Rechenzentren der SCI erfüllen hohe regulatorische Anforderungen, einschließlich Vorgaben für kritische Infrastrukturen. SCI weist dies über Zertifizierungen, Prüfberichte und Anforderungskataloge nach, darunter beispielsweise

Informationssicherheits- und Cloud-Audits
  • BSI C5 Prüfbericht (Typ 2 / „C5 Typ II“)[24]
  • ISO/IEC 27001[25]
  • ISO/IEC 27001 auf Basis von IT-Grundschutz („ISO 27001 nach IT-Grundschutz“)
Rechenzentrumsnormen und physische Infrastruktur
  • DIN EN 50600 (Verfügbarkeitsklasse VK3)[26]
  • TSI.STANDARD (Trusted Site Infrastructure; Level 3 / „TSI3+“)[27]
  • hoher Schutzbedarf (Schutzziel „HOCH“)[28]
Bundes-/BSI-Anforderungskataloge für Verfügbarkeit und Standort
  • HV-Benchmark kompakt („HVB-kompakt“)[29]
  • Bauliche Maßnahmen Rechenzentren des Bundes
  • Standortkriterien Rechenzentren des Bundes[30]

Plattformmerkmale für souveräne Nutzungsszenarien

  • Entwicklung und Betrieb durch SAP in Deutschland
  • Einsatz von Open-Source-Technologien (u. a. OpenStack) sowie Container-Orchestrierung mit Kubernetes[4][3]
  • Bereitstellung und Verwaltung von Ressourcen über Programmierschnittstellen (API) sowie über ein Self-Service-Portal[15]
  • Unterstützung von SAP- und Nicht-SAP-Workloads (Drittanwendungen)[23][3]
  • Auslegung für hochskalierbare Workloads und sicherheitssensitive Einsatzszenarien[3]
  • Akkreditierungen und Zulassungen für die Speicherung und Verarbeitung von sicherheitseingestuften Informationen
  • Mandantentrennung (Tenant-Isolation) unter Einsatz BSI-geeigneter Mechanismen

Betrieb, Personal und administrativer Zugriff

  • Einsatz von sicherheitsüberprüftem Personal[21]
  • Sabotageschutz-Überprüfungen im Betriebsumfeld
  • Wählbares Personalkonzept: Betrieb mit EU- und NATO-Staatsangehörigen; für sensitive Szenarien Betrieb mit deutschem Personal[21]

EU AI Cloud

Die EU AI Cloud ist ein souveränes KI-Angebot für Europa, durch das SAP auf der SAP Cloud Infrastructure und anderen Infrastrukturen sichere, rechtskonforme Umgebungen für Entwicklung und Betrieb von KI-Modellen und -Anwendungen bereitstellt. Sie ermöglicht den Zugriff auf auditierbare KI-Anwendungen und -Modellen von SAP und Partnern auf der SAP Cloud Infrastructure auf europäischer High-Performance-Infrastruktur (einschließlich Accelerator-/GPU-basierter Rechenleistung für KI-Workloads).[31][32][33]

Siehe auch

Einzelnachweise

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