SED-Bezirksleitung Berlin

politische Autorität im Sowjetischen Sektor Groß-Berlins und später Ost-Berlins From Wikipedia, the free encyclopedia

Die SED-Bezirksleitung Berlin war bis zur Friedlichen Revolution von 1989 die höchste politische Autorität im Sowjetischen Sektor Groß-Berlins und später Ost-Berlins.

Haus am Werderschen Markt, 1965

Die Bezirksleitung war formell das oberste Organ der Bezirksparteiorganisation, welcher 1986 etwa 176.000 Menschen als einfache SED-Mitglieder und -Kandidaten angehörten.[1.1]

Die Bezirksleitung hatte ihren Sitz in einem Seitenflügel des Haus am Werderschen Markt, dem ZK-Gebäude.[2.1]

Geschichte

Die Berliner SED konstituierte sich als SED-Landesvorstand Groß-Berlin am 14. April 1946 im Großen Schauspielhaus, etwa eine Woche vor der eigentlichen Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED.[3]

Am Vortag hatten sich KPD und Teile der SPD, welche die Einigungsbestrebungen des Zentralausschusses der SPD unterstützten, zu separaten Bezirksparteitagen getroffen, welche jeweils einer Vereinigung zustimmten. In den Westsektoren der Stadt konnte die SMAD die von einer großen Mehrheit der dortigen SPD-Mitglieder abgelehnte Vereinigung nicht durchsetzen, so kam es dort lediglich zu einer Umbenennung der Berliner KPD.[4]

Die Berliner SED nahm Oktober 1946 an der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin teil, fiel allerdings selbst im Sowjetischen Sektor weit hinter die SPD zurück, welche aufgrund des Viermächtestatus auch dort aktiv sein durfte. Im November 1948 forcierte die SED die Spaltung Berlins, dessen Ostteil sie mit Unterstützung der Sowjetunion fortan alleine regierte.[5]

Bis zum Mauerbau von 1961 unterstanden der Bezirksleitung weiterhin Kreisleitungen für die Bezirke Westberlins, die danach in der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) aufgingen. Sowohl SED als auch SEW blieben bei Wahlen zum Westberliner Abgeordnetenhaus mit Ergebnissen von anfangs 2,7 bis 0,6 Prozent in den 1980er-Jahren bedeutungslos.

Organisation

Parteiaktivtagung der Bezirksleitung Berlin der SED, 1957

Bezirksleitung

Bei der Bezirksleitung handelte sich um den Parteivorstand der Berliner SED mit ehrenamtlichen Mitgliedern und Kandidaten analog zum Zentralkomitee. Gewählt wurde die Bezirksleitung auf der Bezirksdelegiertenkonferenz, dem alle zweieinhalb Jahre stattfindenden Parteitag der Berliner SED.[6]

Die letzte Bezirksdelegiertenkonferenz fand am 9. und 10. Februar 1986 im Palast der Republik statt,[1.2][7] die gewählte Bezirksleitung umfasste 138 Personen, darunter 109 Mitglieder und 29 Kandidaten.[1.3] Der Frauenanteil lag unter einem Drittel.

Die Bezirksleitung tagte in der Praxis alle 3 Monate, ihre wichtigste Aufgabe bestand darin, in ihrer konstituierenden Sitzung das Sekretariat und die Bezirksparteikontrollkommission zu wählen.[6]

Wie bei allen anderen Bezirksorganisationen der SED lag das eigentliche Machtzentrum nicht bei der Bezirksleitung als solche, sondern bei dessen Sekretariat und dem ihm unterstellten hauptamtlichen Parteiapparat (darunter Fachabteilungen für Landwirtschaft, Sicherheitsfragen usw.), welche gemeinhin unter dem Begriff der „Bezirksleitung“ verstanden wurden.

Anders als bei allen anderen Bezirksorganisationen der SED unterstand der Berliner SED keine eigene Zeitung; die Berliner Zeitung und die BZ am Abend wurden in Folge des Aufstands vom 17. Juni 1953 direkt dem ZK der SED unterstellt.

Kreisleitungen

Gebäude der Kreisleitung Prenzlauer Berg der SED, 1953

Der Bezirksleitung Berlin unterstanden neben den Parteiorganisationen für die zuletzt elf Stadtbezirke Ostberlins (welche jeweils den Rang einer Kreisleitung hatten) überdurchschnittlich viele, zeitweise bis zu 13, der sogenannten funktionalen SED-Kreisleitungen in großen VEB und Kombinaten, Ministerien, wissenschaftlichen und zentralen Einrichtungen.[8]

Dazu gehörten die SED-KL Bauwesen, Akademie der Wissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin, Zentrale Finanz- und Bankorgane, Zentrale Organe der Gewerkschaften,[9] Zentrale Organe der Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, Zentrale Organe des Verkehrswesens sowie die Kreisleitungen im Ministerium für Wissenschaft und Technik, dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und der Staatlichen Plankommission.[8]

Die Kreisleitung Fernsehen der DDR war seit 1984 unmittelbar dem Sekretariat des ZK unterstellt, davor unterstand es als Zentrale Parteileitung des Fernsehens der DDR nicht der der Bezirksleitung Berlin, sondern der SED-KL Berlin-Treptow (in dessen Ortsteil Adlershof das Fernsehen der DDR seinen Sitz hatte).[10] Grund für diese Verschärfung war, dass sich nach der Gründung des Privatfernsehens Januar 1984 24 Mitarbeiter des Fernsehen der DDR in die Bundesrepublik abgesetzt hatten.[11]

Erster Sekretär

Die SED-Bezirksleitung Berlin wurde von einem Ersten Sekretär (bis 1952: Vorsitzender) geleitet, welcher zugleich den Vorsitz der Bezirkseinsatzleitung (BEL) Berlin innehatte, ein 1960 gebildetes Gremium, das für die Planung, Realisierung und Kontrolle der Maßnahmen der Landesverteidigung und der inneren Sicherheit verantwortlich war.[2.2][12.1]

Der Erste Sekretär hatte eine hervorgehobene Rolle in der SED im Vergleich zu anderen Bezirkssekretären, so waren alle Ersten Sekretäre seit Paul Verner Mitglieder des Politbüros und des Sekretariats.

Weitere Informationen Erster Sekretär, Amtszeit ...
Erste Sekretäre der SED-Landesleitung Groß-Berlin/SED-Bezirksleitung Berlin[3][7][13]
Erster Sekretär Amtszeit Hinweise
Karl Litke
(Ex-SPD)
Hermann Matern
(Ex-KPD)
14. April 1946[3] – 28. November 1948 SED-Landesleitung Groß-Berlin
Ernst Hoffmann
(Ex-SPD)
Hans Jendretzky
(Ex-KPD)
28. November 1948 – 4. Dezember 1949
Hans Jendretzky 4. Dezember 1949 – 8. August 1953
Alfred Neumann 8. August 1953 – 16. Februar 1957
Hans Kiefert 16. Februar 1957 – 1. März 1959
Paul Verner 1. März 1959 – 16. Mai 1971 zugleich Sekretär des ZK
Konrad Naumann 16. Mai 1971 – 5. November 1985 ab 24. Mai 1984 zugleich Sekretär des ZK

per Politbüro-Beschluss am 5. November 1985 mit sofortiger Wirkung entfernt[14]

Helmut Müller
(amtierend)
5. November 1985 – 25. November 1985 per Politbüro-Beschluss bis zur formellen Abwahl Konrad Naumanns durch die Bezirksleitung mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt[14]
Günter Schabowski 25. November 1985 – 14. November 1989 ab 21. April 1986 zugleich Sekretär des ZK, ab 30. Oktober 1989 mit Aufgabenbereich (Agitation)
Heinz Albrecht 14. November 1989 – 11. Februar 1990 ab Dezember 1989 Bezirksvorstand SED/PDS
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Sekretariat

Der Erste Sekretär wurde unterstützt durch ein Sekretariat, welches den hauptamtlichen Parteiapparat leitete und das eigentliche Machtzentrum der Bezirksparteiorganisation bildete.[6]

Das Sekretariat umfasste neben dem Ersten und Zweiten Sekretär einige weitere Sekretäre mit fest abgesteckten Ressort. Analog zu den anderen Bezirksleitungen waren der Oberbürgermeister und der Vorsitzende der Bezirksplankommission von Seiten des Ostberliner Magistrats sowie der Erster Sekretär der FDJ-Bezirksleitung und der Vorsitzende des FDGB-Bezirksvorstandes von Seiten der Massenorganisationen kraft Amtes ebenfalls Mitglieder des Sekretariats.[6][15]

Das Sekretariat wurde Februar 1963 als Nachfolger des Büros der Bezirksleitung gegründet, welches noch – analog zum Politbüro des Zentralkomitees – zwischen Mitgliedern und Kandidaten unterschied, ansonsten jedoch ähnlich zusammengesetzt war.[6]

Wie für örtliche SED-Leitungen üblich, war das Sekretariat der Bezirksleitung Berlin im Wesentlichen mit Fragen der Planerfüllung und Versorgung beschäftigt.[2.3][12.2]

Weitere Informationen Sekretär, Aufgabenbereich ...
Sekretariat der SED-Bezirksleitung Berlin (1986)[1.3][16]
Sekretär Aufgabenbereich Hinweise
Günter Schabowski 1. Sekretär
Helmut Müller 2. Sekretär
Heinz Albrecht Sekretär für Wirtschaft
Ellen Brombacher Sekretär für Wissenschaft, Erziehung und Kultur
Reginald Grimmer Sekretär für Agitation und Propaganda Dezember 1988 ausgeschieden
Ernst Heinz Sekretär für Landwirtschaft
Horst Oswald Sekretär
Gerhard Poser Sekretär für Bauwesen und Investition
Hans-Günter Burbach Vorsitzender der Bezirksplankomission Juni 1986 ausgeschieden (Bezirksbürgermeister von Hellersdorf), Nachfolger Wolfgang Puppe
Annelis Kimmel Vorsitzende des FDGB-Bezirksvorstandes
Erhard Krack Oberbürgermeister von Berlin
Helmut Meier 1. Sekretär der FDJ-Bezirksleitung
Otto Seidel Vorsitzender der Bezirksparteikontrollkommission
Lothar Witt 1. Sekretär der Kreisleitung Berlin-Köpenick
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2. Sekretäre

Die 2. Sekretäre der Bezirksleitung Berlin:[1.3][7][13][15][16]

Bezirksdelegiertenkonferenzen

Weitere Informationen Art, Datum ...
Delegiertenkonferenzen der Berliner SED[3][7][13]
Art Datum Ort
Vereinigungsparteitag 14. April 1946 Großes Schauspielhaus
Landesdelegiertenkonferenz 6. bis 7. September 1947
Landesdelegiertenkonferenz 27. bis 28. November 1948
Landesdelegiertenkonferenz 2. bis 4. Dezember 1949
Landesdelegiertenkonferenz 1. bis 2. Juli 1950
Landesdelegiertenkonferenz 27. bis 29. Juni 1952
Bezirksdelegiertenkonferenz 12. bis 14. März 1954
Bezirksdelegiertenkonferenz 16. bis 18. März 1956
Bezirksdelegiertenkonferenz 25. bis 27. Juni 1958 Kongreßsaal des Ministeriums der Finanzen
2. Tagung der Delegiertenkonferenz 28. Februar und 1. März 1959 Dynamo-Sporthalle
Bezirksdelegiertenkonferenz 10. bis 12. Juni 1960 Dynamo-Sporthalle
Bezirksdelegiertenkonferenz 13. bis 15. Juni 1962 Dynamo-Sporthalle
2. Tagung der Delegiertenkonferenz 1. bis 2. Dezember 1962 Dynamo-Sporthalle
Bezirksdelegiertenkonferenz 13. bis 14. Juni 1964 Dynamo-Sporthalle
Bezirksdelegiertenkonferenz 11. bis 12. März 1967 Dynamo-Sporthalle
IX. Bezirksdelegiertenkonferenz 31. Mai bis 1. Juni 1969 Dynamo-Sporthalle
X. Bezirksdelegiertenkonferenz 15. bis 16. Mai 1971 Dynamo-Sporthalle
XI. Bezirksdelegiertenkonferenz 9. bis 10. Februar 1974 Werner-Seelenbinder-Halle
XII. Bezirksdelegiertenkonferenz 26. bis 27. März 1976 Werner-Seelenbinder-Halle
XIII. Bezirksdelegiertenkonferenz 10. bis 11. Februar 1979 Palast der Republik
XIV. Bezirksdelegiertenkonferenz 14. bis 15. Februar 1981 Palast der Republik
XV. Bezirksdelegiertenkonferenz 11. bis 12. Februar 1984 Palast der Republik
XVI. Bezirksdelegiertenkonferenz 8. bis 9. Februar 1986 Palast der Republik
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Einzelnachweise

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