SED-Bezirksleitung Berlin
politische Autorität im Sowjetischen Sektor Groß-Berlins und später Ost-Berlins
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Die SED-Bezirksleitung Berlin war bis zur Friedlichen Revolution von 1989 die höchste politische Autorität im Sowjetischen Sektor Groß-Berlins und später Ost-Berlins.

Die Bezirksleitung war formell das oberste Organ der Bezirksparteiorganisation, welcher 1986 etwa 176.000 Menschen als einfache SED-Mitglieder und -Kandidaten angehörten.[1.1]
Die Bezirksleitung hatte ihren Sitz in einem Seitenflügel des Haus am Werderschen Markt, dem ZK-Gebäude.[2.1]
Geschichte
Die Berliner SED konstituierte sich als SED-Landesvorstand Groß-Berlin am 14. April 1946 im Großen Schauspielhaus, etwa eine Woche vor der eigentlichen Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED.[3]
Am Vortag hatten sich KPD und Teile der SPD, welche die Einigungsbestrebungen des Zentralausschusses der SPD unterstützten, zu separaten Bezirksparteitagen getroffen, welche jeweils einer Vereinigung zustimmten. In den Westsektoren der Stadt konnte die SMAD die von einer großen Mehrheit der dortigen SPD-Mitglieder abgelehnte Vereinigung nicht durchsetzen, so kam es dort lediglich zu einer Umbenennung der Berliner KPD.[4]
Die Berliner SED nahm Oktober 1946 an der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin teil, fiel allerdings selbst im Sowjetischen Sektor weit hinter die SPD zurück, welche aufgrund des Viermächtestatus auch dort aktiv sein durfte. Im November 1948 forcierte die SED die Spaltung Berlins, dessen Ostteil sie mit Unterstützung der Sowjetunion fortan alleine regierte.[5]
Bis zum Mauerbau von 1961 unterstanden der Bezirksleitung weiterhin Kreisleitungen für die Bezirke Westberlins, die danach in der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) aufgingen. Sowohl SED als auch SEW blieben bei Wahlen zum Westberliner Abgeordnetenhaus mit Ergebnissen von anfangs 2,7 bis 0,6 Prozent in den 1980er-Jahren bedeutungslos.
Organisation

Bezirksleitung
Bei der Bezirksleitung handelte sich um den Parteivorstand der Berliner SED mit ehrenamtlichen Mitgliedern und Kandidaten analog zum Zentralkomitee. Gewählt wurde die Bezirksleitung auf der Bezirksdelegiertenkonferenz, dem alle zweieinhalb Jahre stattfindenden Parteitag der Berliner SED.[6]
Die letzte Bezirksdelegiertenkonferenz fand am 9. und 10. Februar 1986 im Palast der Republik statt,[1.2][7] die gewählte Bezirksleitung umfasste 138 Personen, darunter 109 Mitglieder und 29 Kandidaten.[1.3] Der Frauenanteil lag unter einem Drittel.
Die Bezirksleitung tagte in der Praxis alle 3 Monate, ihre wichtigste Aufgabe bestand darin, in ihrer konstituierenden Sitzung das Sekretariat und die Bezirksparteikontrollkommission zu wählen.[6]
Wie bei allen anderen Bezirksorganisationen der SED lag das eigentliche Machtzentrum nicht bei der Bezirksleitung als solche, sondern bei dessen Sekretariat und dem ihm unterstellten hauptamtlichen Parteiapparat (darunter Fachabteilungen für Landwirtschaft, Sicherheitsfragen usw.), welche gemeinhin unter dem Begriff der „Bezirksleitung“ verstanden wurden.
Anders als bei allen anderen Bezirksorganisationen der SED unterstand der Berliner SED keine eigene Zeitung; die Berliner Zeitung und die BZ am Abend wurden in Folge des Aufstands vom 17. Juni 1953 direkt dem ZK der SED unterstellt.
Kreisleitungen

Der Bezirksleitung Berlin unterstanden neben den Parteiorganisationen für die zuletzt elf Stadtbezirke Ostberlins (welche jeweils den Rang einer Kreisleitung hatten) überdurchschnittlich viele, zeitweise bis zu 13, der sogenannten funktionalen SED-Kreisleitungen in großen VEB und Kombinaten, Ministerien, wissenschaftlichen und zentralen Einrichtungen.[8]
Dazu gehörten die SED-KL Bauwesen, Akademie der Wissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin, Zentrale Finanz- und Bankorgane, Zentrale Organe der Gewerkschaften,[9] Zentrale Organe der Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, Zentrale Organe des Verkehrswesens sowie die Kreisleitungen im Ministerium für Wissenschaft und Technik, dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und der Staatlichen Plankommission.[8]
Die Kreisleitung Fernsehen der DDR war seit 1984 unmittelbar dem Sekretariat des ZK unterstellt, davor unterstand es als Zentrale Parteileitung des Fernsehens der DDR nicht der der Bezirksleitung Berlin, sondern der SED-KL Berlin-Treptow (in dessen Ortsteil Adlershof das Fernsehen der DDR seinen Sitz hatte).[10] Grund für diese Verschärfung war, dass sich nach der Gründung des Privatfernsehens Januar 1984 24 Mitarbeiter des Fernsehen der DDR in die Bundesrepublik abgesetzt hatten.[11]
Erster Sekretär
Die SED-Bezirksleitung Berlin wurde von einem Ersten Sekretär (bis 1952: Vorsitzender) geleitet, welcher zugleich den Vorsitz der Bezirkseinsatzleitung (BEL) Berlin innehatte, ein 1960 gebildetes Gremium, das für die Planung, Realisierung und Kontrolle der Maßnahmen der Landesverteidigung und der inneren Sicherheit verantwortlich war.[2.2][12.1]
Der Erste Sekretär hatte eine hervorgehobene Rolle in der SED im Vergleich zu anderen Bezirkssekretären, so waren alle Ersten Sekretäre seit Paul Verner Mitglieder des Politbüros und des Sekretariats.
| Erster Sekretär | Amtszeit | Hinweise | |
|---|---|---|---|
| Karl Litke (Ex-SPD) |
Hermann Matern (Ex-KPD) |
14. April 1946[3] – 28. November 1948 | SED-Landesleitung Groß-Berlin |
| Ernst Hoffmann (Ex-SPD) |
Hans Jendretzky (Ex-KPD) |
28. November 1948 – 4. Dezember 1949 | |
| Hans Jendretzky | 4. Dezember 1949 – 8. August 1953 | ||
| Alfred Neumann | 8. August 1953 – 16. Februar 1957 | ||
| Hans Kiefert | 16. Februar 1957 – 1. März 1959 | ||
| Paul Verner | 1. März 1959 – 16. Mai 1971 | zugleich Sekretär des ZK | |
| Konrad Naumann | 16. Mai 1971 – 5. November 1985 | ab 24. Mai 1984 zugleich Sekretär des ZK
per Politbüro-Beschluss am 5. November 1985 mit sofortiger Wirkung entfernt[14] | |
| Helmut Müller (amtierend) |
5. November 1985 – 25. November 1985 | per Politbüro-Beschluss bis zur formellen Abwahl Konrad Naumanns durch die Bezirksleitung mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt[14] | |
| Günter Schabowski | 25. November 1985 – 14. November 1989 | ab 21. April 1986 zugleich Sekretär des ZK, ab 30. Oktober 1989 mit Aufgabenbereich (Agitation) | |
| Heinz Albrecht | 14. November 1989 – 11. Februar 1990 | ab Dezember 1989 Bezirksvorstand SED/PDS | |
Sekretariat
Der Erste Sekretär wurde unterstützt durch ein Sekretariat, welches den hauptamtlichen Parteiapparat leitete und das eigentliche Machtzentrum der Bezirksparteiorganisation bildete.[6]
Das Sekretariat umfasste neben dem Ersten und Zweiten Sekretär einige weitere Sekretäre mit fest abgesteckten Ressort. Analog zu den anderen Bezirksleitungen waren der Oberbürgermeister und der Vorsitzende der Bezirksplankommission von Seiten des Ostberliner Magistrats sowie der Erster Sekretär der FDJ-Bezirksleitung und der Vorsitzende des FDGB-Bezirksvorstandes von Seiten der Massenorganisationen kraft Amtes ebenfalls Mitglieder des Sekretariats.[6][15]
Das Sekretariat wurde Februar 1963 als Nachfolger des Büros der Bezirksleitung gegründet, welches noch – analog zum Politbüro des Zentralkomitees – zwischen Mitgliedern und Kandidaten unterschied, ansonsten jedoch ähnlich zusammengesetzt war.[6]
Wie für örtliche SED-Leitungen üblich, war das Sekretariat der Bezirksleitung Berlin im Wesentlichen mit Fragen der Planerfüllung und Versorgung beschäftigt.[2.3][12.2]
| Sekretär | Aufgabenbereich | Hinweise |
|---|---|---|
| Günter Schabowski | 1. Sekretär | |
| Helmut Müller | 2. Sekretär | |
| Heinz Albrecht | Sekretär für Wirtschaft | |
| Ellen Brombacher | Sekretär für Wissenschaft, Erziehung und Kultur | |
| Reginald Grimmer | Sekretär für Agitation und Propaganda | Dezember 1988 ausgeschieden |
| Ernst Heinz | Sekretär für Landwirtschaft | |
| Horst Oswald | Sekretär | |
| Gerhard Poser | Sekretär für Bauwesen und Investition | |
| Hans-Günter Burbach | Vorsitzender der Bezirksplankomission | Juni 1986 ausgeschieden (Bezirksbürgermeister von Hellersdorf), Nachfolger Wolfgang Puppe |
| Annelis Kimmel | Vorsitzende des FDGB-Bezirksvorstandes | |
| Erhard Krack | Oberbürgermeister von Berlin | |
| Helmut Meier | 1. Sekretär der FDJ-Bezirksleitung | |
| Otto Seidel | Vorsitzender der Bezirksparteikontrollkommission | |
| Lothar Witt | 1. Sekretär der Kreisleitung Berlin-Köpenick |
2. Sekretäre
Die 2. Sekretäre der Bezirksleitung Berlin:[1.3][7][13][15][16]
- Adolf Deter (1948–1949)
- Ernst Hoffmann (1949–1952)
- Erich Hönisch (1952–1953)
- Hermann Axen (1953–1956)
- Willi Kuhn (1956–1959)
- Hans Kiefert (1959–1963)
- Hans Wagner (1963–1964)
- Konrad Naumann (1964–1971)
- Helmut Müller (1971–1989)
Bezirksdelegiertenkonferenzen
| Art | Datum | Ort |
|---|---|---|
| Vereinigungsparteitag | 14. April 1946 | Großes Schauspielhaus |
| Landesdelegiertenkonferenz | 6. bis 7. September 1947 | |
| Landesdelegiertenkonferenz | 27. bis 28. November 1948 | |
| Landesdelegiertenkonferenz | 2. bis 4. Dezember 1949 | |
| Landesdelegiertenkonferenz | 1. bis 2. Juli 1950 | |
| Landesdelegiertenkonferenz | 27. bis 29. Juni 1952 | |
| Bezirksdelegiertenkonferenz | 12. bis 14. März 1954 | |
| Bezirksdelegiertenkonferenz | 16. bis 18. März 1956 | |
| Bezirksdelegiertenkonferenz | 25. bis 27. Juni 1958 | Kongreßsaal des Ministeriums der Finanzen |
| 2. Tagung der Delegiertenkonferenz | 28. Februar und 1. März 1959 | Dynamo-Sporthalle |
| Bezirksdelegiertenkonferenz | 10. bis 12. Juni 1960 | Dynamo-Sporthalle |
| Bezirksdelegiertenkonferenz | 13. bis 15. Juni 1962 | Dynamo-Sporthalle |
| 2. Tagung der Delegiertenkonferenz | 1. bis 2. Dezember 1962 | Dynamo-Sporthalle |
| Bezirksdelegiertenkonferenz | 13. bis 14. Juni 1964 | Dynamo-Sporthalle |
| Bezirksdelegiertenkonferenz | 11. bis 12. März 1967 | Dynamo-Sporthalle |
| IX. Bezirksdelegiertenkonferenz | 31. Mai bis 1. Juni 1969 | Dynamo-Sporthalle |
| X. Bezirksdelegiertenkonferenz | 15. bis 16. Mai 1971 | Dynamo-Sporthalle |
| XI. Bezirksdelegiertenkonferenz | 9. bis 10. Februar 1974 | Werner-Seelenbinder-Halle |
| XII. Bezirksdelegiertenkonferenz | 26. bis 27. März 1976 | Werner-Seelenbinder-Halle |
| XIII. Bezirksdelegiertenkonferenz | 10. bis 11. Februar 1979 | Palast der Republik |
| XIV. Bezirksdelegiertenkonferenz | 14. bis 15. Februar 1981 | Palast der Republik |
| XV. Bezirksdelegiertenkonferenz | 11. bis 12. Februar 1984 | Palast der Republik |
| XVI. Bezirksdelegiertenkonferenz | 8. bis 9. Februar 1986 | Palast der Republik |