SR-Klasse CC

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Die Klasse CC war eine kleine Baureihe von drei sechsachsigen Elektrolokomotiven der Southern Railway und später von British Railways, die sie in die Klasse 70 einteilte. Die Maschinen wurden zwischen 1941 und 1948 gebaut und waren für den Einsatz auf dem mit Stromschiene elektrifizierten Netz der Southern Railway vorgesehen. Sie gehörten zu den frühesten britischen Co’Co’-Elektrolokomotiven und wurden aufgrund ihres besonderen Antriebssystems auch als Boosters bekannt.

Schnelle Fakten SR-Klasse CC BR-Klasse 70 ...
SR-Klasse CC
BR-Klasse 70
SR Nr. CC2 als BR Nr. 20002
SR Nr. CC2 als BR Nr. 20002
SR Nr. CC2 als BR Nr. 20002
Nummerierung: SR: CC1–CC2
BR: 20001–20003
Anzahl: 3
Hersteller: Ashford Works
Brighton Works
Baujahr(e): CC1: 1941
CC2: 1945
CC3: 1948
Ausmusterung: 1968–1969
Achsfolge: Co’Co’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Treibraddurchmesser: 1067 mm
Dienstmasse: CC1, CC2: 101 t
CC3: 107 t
Höchstgeschwindigkeit: 121 km/h
Installierte Leistung: 1100 kW
Anfahrzugkraft: CC1, CC2: 178 kN
CC3: 200 kN
Stromsystem: 660–750 V Gleichstrom
Stromübertragung: Schleifschuh; Pantograph
Fahrmotoren: 6 ×
English Electric 245
Lokomotivbremse: Vakuum, Druckluft
Zugbremse: Dualbremse
Zugheizung: Dampf
Konstrukteure:
Oliver Bulleid (Mechanik),
Alfred Raworth (Elektrik)
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Geschichte

Entwicklung

Die Southern Railway plante Ende der 1930er Jahre leistungsfähige elektrische Lokomotiven für gemischte Dienste auf ihrem zunehmend elektrifizierten Netz zu beschaffen. Die ersten beiden Lokomotiven wurden 1941 und 1945 in den Ashford Works gebaut und als CC1 und CC2 bezeichnet, wobei die Bezeichnung nach französischem Vorbild die Achsfolge widerspiegelte. Die dritte Lokomotive wurde 1948 von British Railways in den Brighton Works gebaut und erhielt die Nummer 20003. Die beiden anderen Lokomotiven erhielten bei der Übernahme durch Britisch Railways die Nummern 20001 und 20002.

Betrieb

Die drei Lokomotiven wurden vor Güter- und Personenzügen eingesetzt und im Betrieb mit zahlreichen Änderungen schrittweise verbessert. Sie bewährten sich besonders auf den Boat Trains, die zwischen London Victoria und Newhaven verkehrten. Nach der Übernahme der Lokomotiven durch British Railways erhielten sie die Nr. 20001 bis 20003. Sie wurden jedoch mangels Standardisierung in den Jahren 1968 (CC2 und CC3) und 1969 (CC1) ausgemustert,[1] obwohl sie als leistungsstark, beliebt und effizient galten.[2]

Technik

Hauptstromkreis der BR-Klasse 71, die ähnlich der Schaltung eines Drehgestells in den CC-Lokomotiven war.

M: Motor der Umformergruppe
G: Generator der Umformergruppe
F: Schwungräder
M1, M2, M3 und M4: Fahrmotoren

Die Lokomotiven hatten eine elektrische Ausrüstung, die vom Southern-Railway-Ingenieur Alfred Raworth entworfen und von English Electric gefertigt wurde. Der Rahmen und der Lokkasten stammten hingegen von Oliver Bulleids.

Sie bestanden aus zwei dreiachsigen Drehgestellen mit Einzelachsantrieb unter einem geschweißten Lokomotivkasten mit Endführerständen, der die Zug- und Stoßkräfte übertrug. Die Energiezufuhr erfolgte über eine seitliche Stromschiene, die mit Gleichstrom von 660 bis 750 V betrieben wurde. Für den Betrieb in Depots und Abstellanlagen waren die Lokomotiven außerdem mit einem mittig auf dem Lokkasten angeordneten Stromabnehmer für den Oberleitungsbetrieb ausgerüstet. Für die Dampfheizung der Wagen waren die Lokomotiven mit einem elektrisch beheizten Dampfkessel ausgerüstet.

Ursprünglich bestand die Sandstreueinrichtung aus je fünf Sandkästen pro Drehgestellseite, sodass in Fahrtrichtung alle Achsen bis auf Achse 4 besandet wurden. Diese Anordnung wurde später geändert, sodass mit zwei Sandkästen pro Drehgestellseite nur noch die Achsen 1 und 3 in Fahrtrichtung besandet wurden.[2]

Die Anzeige des headcode „Spitzencode, der dem Stellwerkpersonal die Gattung des Zuges oder dessen Laufweg anzeigte, war bei den Lokomotiven unterschiedlich ausgeführt. Die CC1 wurde mit Klappscheiben gebaut, die durch Signallichter ersetzt wurden – eine Änderung, die später wieder rückgängig gemacht wurde. Die CC2 hatte bei Ablieferung keine Klappscheiben, nur Scheibenhalter wie sie auch bei den Dampflokomotiven verwendet wurden. Die Klappscheiben wurden später nachgerüstet. CC2 hatte nicht Klappscheiben.[2]

Elektrische Ausrüstung

Die Lokomotive war elektrisch als Umformerlokomotive in Gleichstrom-Gleichstrom-Technik ausgeführt,[3] was eine eher selten angewandte Technik darstellt, die aber auch bei den Lokomotiven der BR-Klasse 71 angewandt wurde. Anstelle von Anfahrwiderstände zur Regulierung der Fahrmotorspannung verwendete die Lokomotive zwei rotierende Umformergruppen, die als Booster Motor-Generators bezeichnet wurden. Jede Gruppe war einem Drehgestell zugeordnet und bestand aus zwei Gleichstrommaschinen, die zusammen mit einem Schwungrad auf einer gemeinsamen Welle saßen.[4]

Der Motor des Umformers war direkt mit der Fahrleitungsspannung verbunden, während der Generator in Reihe zwischen den drei Fahrmotoren eines Drehgestells geschaltet war. Dabei war ein Ende der Reihenschaltung mit der Fahrleitung und das andere mit der Schiene verbunden. Der Energiefluss im Umformer wurde über die Erregerwicklungen des Generators gesteuert. Ein Schwungrad auf der Welle der Umformergruppe sorgte dafür, dass diese auch bei kurzen Spannungsunterbrechungen, wie sie beim Befahren von Bahnübergängen auf Strecken mit Seitenstromschiene vorkommen, weiterlief.[4]

Bei der Anfahrt wurde die Erregung am Generator so eingestellt, dass an dessen Klemmen eine Spannung anstand, die fast gleich der Spannung der Fahrleitung entsprach, ihr jedoch entgegengerichtet war. Dadurch begann der Generator als Motor zu arbeiten, während der Spannungsabfall über den Fahrmotoren praktisch null war. Durch Reduzieren der Spannung an den Generatorklemmen wurde die Spannung an den Fahrmotoren schrittweise erhöht. Wenn bei Fahrstufe 16 die Klemmenspannung des Generators null erreichte, lag über jedem der drei Fahrmotoren ein Drittel der Fahrleitungsspannung an, und der Umformer arbeitete im Leerlauf. Wurde die Klemmenspannung am Generator in gleicher Richtung wie die Fahrleitungsspannung aufgeschaltet, begann der Generator als Spannungsquelle zu arbeiten. Diese addierte sich zur Fahrleitungsspannung hinzu, weshalb der Umformersatz als Booster bezeichnet wurde. Wenn alle 27 Fahrstufen voll aufgeschaltet waren, arbeitete jeder Fahrmotor mit einer Klemmenspannung von 400 V.[4]

CC3

Die 1948 von British Railways gebaute, dritte Lokomotive wies gegenüber den ersten beiden einige Verbesserungen auf. Sie erhielt modernisierte Stirnfronten mit größeren Fenstern, die den neuesten Elektrotriebwagen ähnelten. Die Lokomotive war gegenüber den CC1 und CC2 insgesamt 46 cm länger, sechs Tonnen schwerer und hatte eine auf 200 kN erhöhte Zugkraft. Weiter wurden die Drehgestelle mit zwei statt fünf Sandkästen pro Seite ausgerüstet und der zwischen den Drehgestellen angeordnete Wassertank des Dampfkessels der Zugheizung vergrößert.[2]

Anstrich

Die CC1 trug bis 1942 einen grauen Fotografieranstrich, mit drei längsverlaufenden, hellen Zierlinien, die an der Fahrzeugfront in einem Bogen nach unten verliefen und sich in einem Punkt trafen. Diese nach unten verlaufenden Zierlinien wurden später als speed whiskers „Geschwindigkeits-Schnurrbart“ bezeichnet. Ab 1942 trug die Lokomotive einen malachitgrünen Anstrich mit gelben Zierlinien, den die CC2 und CC3 von Beginn an hatten.

Ab 1949 erhielten die Lokomotiven die ursprünglich für Elektrolokomotiven vorgesehene Lackierung in Schwarz und Aluminiumgrau. Zuvor war die Nr. 20002 in den Jahren 1948 und 1949 jedoch in einem experimentellen Hellblau lackiert. Ab Ende der 1950er Jahre trugen sie eine grüne Lackierung mit einer rot-weißen Zierlinie auf halber Höhe der Seitenwand, die kurz vor den Kabinentüren endete, während der Rahmen hellgrün war. Bei ihrer Ausmusterung war die Nr. 20001 im British-Rail-Blau mit gelben Stirnseiten lackiert.[2]

Literatur

D.L. Bradley: Locomotives of the Southern Railway. Part 1. RCTS, 1975, ISBN 0-901115-30-4.

Commons: BR-Klasse 70 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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