Ashford Works
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Die Ashford Works, auch Ashford Railway Works, waren ein bedeutendes Lokomotiv- und Wagenwerk im englischen Ashford in der Grafschaft Kent. Die Anlage wurde 1847 von der South Eastern Railway (SER) gegründet und entwickelte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Eisenbahnstandorte im Südosten Englands. Die Lokomotivwerkstätten schlossen 1962, die Wagenwerke 1982.
Wagenwerk: 1982
| Ashford Works | |
|---|---|
| Eröffnung | 1847 |
| Schließung | Lokomotivwerk: 1962 Wagenwerk: 1982 |
| Betreiber | SER (1847–1899) SECR (1899–1923) SR (1923–1947) BR / BREL (1948–1982) |
| Ort | Ashford, Kent |
| Land | Vereinigtes Königreich |
| Region | South East England |
| Fläche | 75 ha (Lokomotivwerkstätte) 13 ha (Wagenwerke) |
Geschichte
South Eastern Railway (1847–1899)
Die South Eastern Railway errichtete 1847 auf einem 75 Hektar großen Gelände ein neues Lokomotivwerk, das eine frühere Reparaturstätte in New Cross im Südosten Londons ersetzte.[1.1] Bereits 1850 folgte ein angrenzendes Reisezug- und Güterwagenwerk auf einem 13 Hektar großen Areal. Bis 1851 beschäftigten die Werke rund 600 Personen, 1882 bereits etwa 1300. Rund um das Werk entstand eine Werkssiedlung mit 130 Häusern,[2] die als Alfred Town oder New Town bekannt wurde und Schulen, Läden und soziale Einrichtungen umfasste.
In Ashford wurde 1853 die erste Lokomotive wurde 1853 unter der Leitung des Locomotive Superintendenten James I'Anson Cudworth gebaut. Es handelte sich um die 1’B-Maschine Hastings.[2]
South Eastern and Chatham Railway (1899–1923)
Nachdem 1899 die South Eastern Railway (SER) und die London, Chatham and Dover Railway (LC&DR) eine gemeinsame Betriebsgesellschaft unter dem Namen South Eastern and Chatham Railway (SECR) gegründet hatten, wurden die Ashford Works zum Hauptstandort des Lokomotivbaus des neuen Unternehmens, da sie größer und leistungsfähiger waren als die Longhedge Works in London.
Unter dem damaligen Locomotive, Carriage and Wagon Superintendent Harry Wainwright entstanden in Ashford die folgenden Klassen:[2]
- SECR-Klasse C – Güterzuglokomotive, Bauart C n2, 70 Stück (1900–1908)
- SECR-Klasse D – Personenzuglokomotive, Bauart 2’B n2, 21 Stück (1902–1903)
- SECR-Klasse E – Personenzuglokomotive, Bauart 2’B n2, 26 Stück (1906–1908)
- SECR-Klasse H – Tenderlokomotive für Vorortverkehr, Bauart B2’ n2t, 66 Stück (1904–1909, 1915)
- SECR-Klasse J – Tenderlokomotive für den Güterverkehr, Bauart C2’ h2t, 5 Stück (1913)
- SECR-Klasse P – Tenderlokomotive für leichten Personenverkehr, Bauart C n2t, 8 Stück (1909–1910)
Unter dem Nachfolger Richard Maunsell wurden die folgenden Lokomotiven gebaut:
- SECR-Klasse N – Lokomotive für gemischten Verkehr, Bauart 1’C h2, 80 Stück (1917–1934)
- SECR-Klasse K – Tenderlokomotive für Schnellzüge, Bauart 1’C2’ h2t, 1 Stück (1917)
- SECR-Klasse K1 – schwere Tenderlokomotive für den Rangierdienst, Bauart 1’C2’ h3t, 1 Stück (1917)
Southern Railway (1923–1947)
Nach der Eingliederung der SECR in die Southern Railway (SR) im Zuge des Railways Act 1921 wurden der meiste Teil des Lokomotivbaus an die Eastleigh Works übertragen. Jedoch wurden in Ashford weiterhin Lokomotiven der SECR-Klasse N gebaut sowie Teile für die Lokomotiven der SECR-Klasse K gefertigt, die bei Armstrong-Whitworth in Newcastle upon Tyne endmontiert wurden. 1942 baute das Werk außerdem zwanzig Lokomotiven der SR-Klasse Q1, der Rest wurde in den Brighton Works gefertigt.[2] 1944 wurde die letzte Dampflokomotive in Ashford gebaut, die LMS-Klasse 8F Nr. 8673, die aus einer Serie von 14 Stück stammte. Weiterhin wurden folgenden Diesel- und Elektrolokomotiven gebaut:[3.1]
- SR-Klasse D3/12 – dieselelektrische Rangierlokomotive, Achsfolge C, 3 Stück (1937)
- SR-Klasse CC – elektrische Lokomotive, Achsfolge Co’Co’, 2 Stück (1941, 1945)
British Railways / BREL (1948–1982)
Nach der Verstaatlichung der SR ging das Werk 1948 an British Railways über. Der Bau von Diesellokomotiven wurde mit 26 Exemplaren der Rangierlokomotive BR-Klasse 12 fortgesetzt, wobei die Nr. 15236, die im Januar 1952 das Werk verließ, die letzte Neubaulokomotive aus Ashford war. Zuvor wurden jedoch im Werk noch die von Oliver Bulleid entwickelte dieselhydraulische Rangierlokomotive BR Nr. 11001 und die beiden Versuchslokomotiven BR-Klasse D16/2 für den Schnellzugdienst gebaut. Nachdem mit der SECR-Klasse N Nr. 31400 die Lokomotive im Werk repariert worden war, wurde das Werk im Juni 1962 geschlossen. Bis dahin hatte es insgesamt 431 Lokomotiven gebaut, nämlich 396 Dampflokomotiven, 33 Diesellokomotiven und zwei Elektrolokomotiven.[3.2]
Das Wagenwerk blieb bis 1982 in Betrieb und produzierte Fährbootwagen, Containertragwagen, Selbstentladewagen für Kohlentransporte und Autotransportwagen. Das Werk gehörten zuletzt zu British Rail Engineering Limited (BREL). Mit dem Rückgang des Exportgeschäfts wurde es 1982 endgültig geschlossen.
Nachnutzung
Das Gelände blieb nach der Schließung weitgehend ungenutzt. Seit den 2020er Jahren existieren Pläne für die Ashford International Studios, ein Medien- und Wohnkomplex, dessen Eröffnung für 2026 vorgesehen war, jedoch scheiterte dieses Projekt 2025.
Weblinks
- Ashford Works. In: Graces Guide. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 11. Dezember 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).