SWB-Typ R1.1
Niederfluriger Fahrzeugtyp der Straßenbahn Bonn
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Der Typ R1.1 der Stadtwerke Bonn (SWB) ist der erste bei der Straßenbahn Bonn im Linienverkehr eingesetzte niederflurige Fahrzeugtyp. Der Hersteller Duewag lieferte die 24 Fahrzeuge im Jahr 1994. Es handelt sich um dreiteilige Gelenkwagen mit aufgesattelten Endwagen und langem Mittelteil. Seit Januar 2025 werden die Fahrzeuge an die Straßenbahn Posen abgegeben.
| SWB-Typ R1.1 | |
|---|---|
R1.1 in Bonn (2022) | |
| Nummerierung: | Bonn: 9451–9474 Posen: 971... |
| Anzahl: | 24 |
| Hersteller: | Duewag Siemens |
| Baujahr(e): | 1994 |
| Ausmusterung: | Bonn: ab 2025 |
| Achsfolge: | Bo’(1’1’)Bo’ |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge: | 28 570 mm |
| Breite: | 2400 mm |
| Höhe: | 3377 mm |
| Drehzapfenabstand: | 7700 mm + 6250 mm + 7700 mm |
| Drehgestellachsstand: | 1800 mm (Triebdrehgestelle) |
| Raddurchmesser: | 590 mm |
| Leermasse: | 31 400 kg |
| Höchstgeschwindigkeit: | 70 km/h |
| Dauerleistung: | 4 × 103 kW |
| Stromsystem: | 600 V = |
| Stromübertragung: | Oberleitung, 1 Einholmstromabnehmer |
| Sitzplätze: | 70 |
| Stehplätze: | 98 (4/m²) |
| Fußbodenhöhe: | Einstieg: 300 mm Niederflurbereich: 352 mm Hochflurbereiche: 560 mm |
| Niederfluranteil: | 65 % der Gesamtlänge |
| Betriebsart: | Zweirichtungswagen |
Technik und Aufbau
Der grundsätzliche Aufbau entspricht dem Fahrzeugtyp MGT6D. An den Enden befinden sich die standardmäßigen zweiachsigen Triebdrehgestelle, über welchen der Fußboden 560 mm über der Schienenoberkante und mit einer Stufe vom Niederflurbereich abgetrennt liegt. Sie sind in der Normalspur-Ausführung innengelagert und jeder Radsatz wird durch eine quer angeordnete, abgefederte und 103 kW leistende Drehstrom-Asynchronmaschine angetrieben.[1]
Unter dem Mittelteil gibt es zwei einzelne, antriebslose Losradpaare und der Fußboden ist vollständig niederflurig bei 352 mm über der Schienenoberkante. Die SWB lehnten jedoch die beim MGT6D angewendeten Einzelrad-Einzelfahrwerke ab. Stattdessen erhielten die Fahrzeuge Drehgestelle, die jeweils vom benachbarten Gelenk aus mechanisch gelenkt werden.[1] Erprobt wurde diese Lösung zuvor am NGT6C Nr. 451 der Straßenbahn Kassel.[2] Später wurde sie auch beim Rheinbahn-Typ NF6 angewendet. Die Primärfederstufe ist als Gummifeder ausgeführt, die Sekundärfederstufe als Gummi- und Stahl-Schraubenfeder.[1]
Die elektrische Ausrüstung von Siemens entspricht weitgehend den MGT6D der Bogestra und der FGV-Baureihe 3800. Auch die Türanordnung entspricht den Bogestra-MGT6D. Die R1.1 sind mit 2,4 statt 2,3 Metern jedoch etwas breiter und der mittlere Wagenteil ist fünf Zentimeter länger. Die Wagenkästen sind aus nichtrostendem Stahl gefertigt.[1]
Einsatz
In Bonn bedienen die Fahrzeuge die verbliebenen, nicht dem Stadtbahnnetz zugeordneten Straßenbahnlinien. 2013 entschlossen sich die SWB, die R1.1 aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes durch Neufahrzeuge zu ersetzen.[3] Dies führte schließlich zur Beschaffung des Typs 41T des Herstellers Škoda, dessen erste Exemplare seit Ende 2024 zum Einsatz kommen. Ende 2024 wurde mit dem Betreiber der Straßenbahn Posen, MPK Poznań, ein Vertrag zum Verkauf der R1.1 abgeschlossen. Dort erhöhen die Fahrzeuge kurzfristig den Anteil von Zweirichtungs- und Niederflurwagen am Fahrzeugbestand.[4] Als erstes Exemplar wurde Wagen 9460 Ende Januar 2025 nach Posen transportiert.[5] Die weiteren Fahrzeuge folgen im Laufe der Jahre 2025 und 2026. Abhängig vom Zustand, beispielsweise bei schweren Unfallschäden, werden möglicherweise nicht alle Wagen übernommen. Vor dem Einsatz in Posen modernisiert MPK Poznań die Fahrzeuge, unter anderem mit einem Rollstuhlplatz im Mittelteil und gesonderten Front-Linienanzeigen auf dem Dach. Im November 2025 wurde ein erster modernisierter Triebwagen präsentiert.[6]
- R1.1 bei der öffentlichen Vorstellung im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung in Posen
- Fahrgastraum nach Posener Modernisierung, im Vordergrund der mittlere Türbereich