Saly Ruth Ramler
Mathematikerin
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Saly Ruth Ramler (* 10. November 1894 in Kolomyja, Galizien; † 26. November 1993 in Massachusetts, USA) war eine tschechisch-amerikanische Mathematikhistorikerin. Sie war die erste Frau, die an der Philosophischen Fakultät der Deutschen Universität in Prag einen Doktortitel in Mathematik erhielt.

Leben und Werk
Ramler war eines von sechs Kindern des Ladenbesitzers Gershon-Gustave Ramler und seiner Frau Fanny Rosenblatt. Sie war österreichisch-ungarische Staatsbürgerin und besaß nach 1918 die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft deutscher Herkunft und jüdischen Glaubens. 1897 zog sie mit ihrer Familie nach Prag. Sie legte 1914 an dem Lyzeum, an dem ihre Schwester Natalie unterrichtete, die Matura ab. Von 1914 bis 1919 studierte sie Mathematik und Physik an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität. Im Sommer 1919 schloss sie ihre Dissertation Geometrische Darstellung und Einteilung der Affinitäten in der Ebene und im Raume ab. Diese wurde am 11. November 1919 von den deutschen Professoren Georg Pick (Mathematiker) und Gerhard Kowalewski positiv bewertet. Ihre Dissertation war ein Nachweis für die Anwendung affiner Spiegelungen beim Aufbau der Struktur affiner Geometrie. Am 19. November 1919 bestand sie vor den Professoren Pick, Kowalewski und Philipp Frank die mündliche Hauptprüfung in Mathematik und theoretischer Physik mit hervorragenden Noten. Am 9. Dezember 1919 legte sie vor den Professoren Christian von Ehrenfels und Oskar Kraus eine weitere Prüfung in Philosophie ab. Am 11. Dezember 1919 wurde ihr im Rahmen einer feierlichen Promotionszeremonie der Doktortitel verliehen.[1][2]
1921 bestand sie die Prüfungen zur Lehrerin für Mathematik und Physik und begann im selben Jahr ihre Laufbahn als Mathematiklehrerin an der Deutschen Mädchenschule, an der sie unterrichtet worden war. Sie besuchte im Juli 1921 in Deutschland Fortbildungen für den Sportunterricht an Gymnasien und nahm im September 1921 an der Tagung deutscher Mathematiker in Jena teil. Im Frühjahr 1922 studierte sie in Luxemburg Mathematik und bereitete sich ein Jahr später auf Sommerkurse für Gymnasiallehrer in Deutschland vor, die von Universitätsprofessoren geleitet wurden. Aus ihren offiziellen Schulunterlagen und ihrer Korrespondenz geht hervor, dass sie Deutsch, Tschechisch, Französisch und Italienisch sprach und später auch Englisch lernte.[3]
Im Juli 1923 heiratete sie standesamtlich in Prag den wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Technischen Universität Rotterdam, Dirk Jan Struik, mit dem sie drei Töchter bekam. Nach der Hochzeit lebte sie mit ihrem Ehemann in Delft. Im ersten Jahrzehnt ihrer Ehe reiste sie mit ihrem Ehemann durch Europa. Sie interessierte sich wie dieser für die Geschichte der Mathematik. Gemeinsam verfassten sie einen Artikel, in dem sie der Frage nachgingen, ob Augustin-Louis Cauchy bei einem Besuch in Prag in den Jahren 1833–1836 Bernhard Bolzano begegnet sein könnte. Sie schrieb außerdem mehrere Rezensionen für die Zeitschrift Isis und arbeitete zusammen mit Martin Jašek an Bolzanos Manuskripten und Gütern in Prag und Wien und mit Federigo Enriques an einer italienischen Übersetzung von Euklids Elementen.[4]
1926 emigrierte sie mit ihrem Ehemann in die Vereinigten Staaten, wo Dirk Jan Struik dem Lehrkörper des Massachusetts Institute of Technology (MIT) beitrat. Sie lebte etwa fünf Jahre in Cambridge (Massachusetts) und anschließend etwa zehn Jahre in Belmont, ebenfalls in Massachusetts.[5]
Sie beendete ihre berufliche Karriere und unterstützte ihren Mann, begleitete ihn auf seinen Vortragsreisen und zog ihre drei Töchter groß. In späteren Jahren wurde sie wieder mathematisch aktiv, veröffentlichte und besuchte Tagungen. 1977 veröffentlichte sie den mathematischen Artikel Flächengleichheit und Cavalierische Gleichheit von Dreiecken, dessen Inhalt in der Fachzeitschrift Zentralblatt für Mathematik und ihre Grenzgebiete zusammengefasst wurde.[6]
Ramler starb 1993 im Alter von 99 Jahren in Massachusetts und wurde auf dem Mount Auburn Cemetery (Massachusetts) in Cambridge, Middlesex County beigesetzt.[7][8][9][10]
Literatur
- Martina Bečvářová: Saly Ruth Struik, 1894–1993. The Mathematical Intelligencer. 40 (4), 2018, S. 79–85.